StuttgartKI ist Assistenztechnologie

KI-Strategie der Stadt Stuttgart: Autonom handelnde Systeme sind ausdrücklich ausgeschlossen.
(Bildquelle: Stadtverwaltung Stuttgart)
Mit ihrer neuen KI-Strategie hat die baden-württembergische Landeshauptstadt Stuttgart ein ambitioniertes Programm vorgelegt, das weit über technische Fragen hinausgeht. Ziel ist eine zukunftsfähige, menschenzentrierte Verwaltung, die KI gezielt als Werkzeug einsetzt, um die Servicequalität und Effizienz zu verbessern, ohne dabei den Anspruch auf Transparenz und Verantwortung aus den Augen zu verlieren.
Der wichtigste Grundsatz der Strategie lautet: KI ist Assistenztechnik, nicht Entscheidungsträger. Autonom handelnde Systeme sind ausdrücklich ausgeschlossen. Die Verwaltung betont, dass alle wesentlichen Entscheidungen auch weiterhin von Menschen getroffen werden. KI soll Prozesse erleichtern, Arbeitslast mindern und Daten aufbereiten, jedoch nicht die demokratisch legitimierte Verantwortung der Verwaltung übernehmen.
Damit geht Stuttgart bewusst einen eigenen Weg: Während in vielen Innovationsdebatten die Vision selbstlernender Systeme im Vordergrund steht, setzt die Stadt auf nachvollziehbare, unterstützende Anwendungen, von denen die Bürgerinnen und Bürger unmittelbar profitieren.
Vier klare Handlungsfelder
Die Strategie konzentriert sich auf vier große Ziele:
- Bürgerservices verbessern: KI soll Bürgerinnen und Bürgern den Zugang zur Verwaltung erleichtern. Geplant sind digitale Assistenten, Chatbots und intelligente Suchfunktionen in Bürgerportalen. Auch barrierefreie Anwendungen, etwa für Menschen mit Seh- oder Hörbeeinträchtigungen, stehen im Fokus.
- Effizienz in der Verwaltung steigern: Durch die Automatisierung wiederkehrender Aufgaben können Ressourcen freigesetzt werden. KI-Anwendungen sollen Mitarbeitende entlasten, damit diese sich auf komplexere Aufgaben und direkte Bürgerkontakte konzentrieren können.
- Fundierte Entscheidungen ermöglichen: Datenbasierte Analysen sollen politische und verwaltungsinterne Entscheidungen verbessern. Dies betrifft Themenfelder wie Stadtentwicklung, Verkehr, Umwelt- und Klimaschutz.
- Kompetenzen und Vertrauen aufbauen: Fort- und Weiterbildungen sind fest in der Strategie verankert. Die Stadt legt Wert darauf, dass Mitarbeitende aller Hierarchieebenen den Umgang mit KI verstehen – technisch, organisatorisch und ethisch.
Rechtliche und ethische Leitplanken
In dem Papier betont die Stadtverwaltung, dass KI nur rechtskonform, ethisch und verantwortungsvoll eingesetzt wird. Die Strategie stützt sich dabei auf die EU-KI-Verordnung (AI Act), die nationale KI-Strategie sowie die geltenden Datenschutz- und Informationssicherheitsstandards. Die Stadt verpflichtet sich ethisch zu einer menschenzentrierten KI: Sie soll nachvollziehbar, diskriminierungsfrei und fair gestaltet werden. In einem geplanten KI-Ethik-Leitfaden sollen konkrete Standards verankert werden. Damit die Strategie nicht abstrakt bleibt, hat die Stadt Stuttgart klare organisatorische Strukturen geschaffen.
- Das DO.IT – Amt für Digitalisierung, Organisation und IT – fungiert als zentraler Dienstleister. Es begleitet Fachämter bei der Einführung von KI-Anwendungen.
- Ein KI-Hub dient als Knotenpunkt für Wissenstransfer, Dokumentation und Koordination. Dort werden Projekte gebündelt, Machbarkeitsstudien erstellt und Risikoeinstufungen vorgenommen.
- Eine neu geschaffene Stelle eines Chief AI Officer (CAIO) sorgt für die zentrale Steuerung und Sichtbarkeit des Themas.
- Über den bereits in einer Dienstvereinbarung zur Digitalisierung verankerten Spezifikationsdialog werden neue Systeme vor der Einführung überprüft – unter Beteiligung von Verwaltung, Personalrat und IT. Ziel ist es, Transparenz zu schaffen und die Beschäftigten zu schützen.
Beteiligung und Change-Management
Die Strategie unterstreicht die Bedeutung eines strukturierten Change-Managements. Mitarbeitende sollen frühzeitig eingebunden, Ängste abgebaut und Feedbackrunden institutionalisiert werden. KI wird nicht „von oben verordnet“, sondern gemeinsam mit den Beschäftigten in den Fachämtern eingeführt.
Der BildungsCampus und der KI-Hub entwickeln dafür flexible Weiterbildungsangebote. Neben der Vermittlung technischer Qualifikationen liegt ein weiterer Fokus auf der Sensibilisierung für Datenschutz, Sicherheit und Ethik. Ein besonderes Augenmerk gilt den Nachwuchskräften. Auszubildende und dual Studierende werden frühzeitig an KI-Themen herangeführt.
Roadmap und Praxisbeispiele
Der Strategieanhang enthält ein Glossar mit Praxisbeispielen sowie eine Roadmap für den KI-Einsatz. Sie zeigen, dass Stuttgart das Thema nicht theoretisch, sondern praxisnah angeht: Von kleinen, kurzfristig realisierbaren Pilotprojekten bis hin zu mittel- und langfristigen Vorhaben wird ein Fahrplan vorgelegt. Damit entsteht ein klarer Orientierungsrahmen für Politik, Verwaltung und Partner.
Mit ihrer KI-Strategie reiht sich die Stadt in die Riege jener Kommunen ein, die das Thema souverän, verantwortungsvoll und praxisorientiert angehen. Während die Bundesregierung auf Bundesebene und die EU mit dem AI Act regulatorische Rahmenbedingungen schaffen, geht Stuttgart den Schritt zur lokalen Umsetzung. Die Stadt versteht sich dabei ausdrücklich als Vorreiterin unter den Kommunen und will damit auch ein Signal setzen. KI ist kein ferner Zukunftstrend, sondern ein Werkzeug, das bereits heute Mehrwert schafft – wenn es richtig eingesetzt wird.
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