Freitag, 3. Juli 2026

Smart CityRechtliche Fragen

[13.03.2025] Was ist bei der Vergabe von innovativen Lösungen zu beachten? Wie können Kommunen miteinander kooperieren? Und wie kann sichergestellt werden, dass Daten rechtssicher erhoben werden? Auch mit solchen Fragen müssen sich smarte Städte und Regionen beschäftigen.
Vektorgrafik, die einen Menschen vor mehreren hintereinander aufgestellten Hürden zeigt.

Smart-City-Projekte warten auch mit rechtlichen Hürden auf.

(Bildquelle: stock.adobe.com/Diki)

Im Bereich Smart City stehen Kommunen nicht nur vor technischen Herausforderungen, auch rechtliche Hürden und Vorgaben sind zu meistern. Um hier Unterstützung zu bieten, begleitet die Kanzlei Becker Büttner Held als Teil der Koordinierungs- und Transferstelle Modellprojekte Smart Cities die vom Bund geförderten Modellprojekte Smart Cities. Zudem bereitet sie zentrale Rechtsfragen für alle Kommunen auf. In diesem Zusammenhang sind die FAQ „Recht“, das vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) he­rausgegebene Dossier „Kooperationen zur Umsetzung von Smart-City-Projekten“ und eine Musterkooperationsvereinbarung erschienen. 

Die FAQ „Recht“ sind eine Zusammenstellung von Antworten auf konkrete Fragen der Modellprojekte Smart Cities. Sie haben also eine hohe praktische Relevanz für alle Kommunen, die sich im Bereich Smart City engagieren, und gliedern sich in drei Bereiche: Vergaberecht, Betreibermodelle und Datenschutz. 

Die FAQ beantworten generelle vergaberechtliche Fragestellungen bis hin zu spezifischen Themen wie zur Beschaffung von innovativen Lösungen und Open-Source-Software. Im Bereich Smart City geht es oft um technische Neuerungen. Hier stellt sich häufig die Frage, wie Leistungen ausgeschrieben werden können, die erst noch entwickelt werden müssen und deren Inhalte noch nicht konkret beschreibbar sind. Drei Verfahren bieten sich an: das Verhandlungsverfahren, der wettbewerbliche Dialog oder die Innovationspartnerschaft. Alle drei Verfahren sind in den FAQ überblicksartig beschrieben.

Betreibermodelle und Gewinnerzielung

Mit Blick auf mögliche Betreibermodelle für Smart-City-Projekte muss eine Kommune entscheiden, welche Rolle sie einnehmen möchte: Beispielsweise kann der Betrieb durch einen Dienstleister erfolgen, die Komponenten, Lösungen und Software verbleiben jedoch bei der Kommune. Es ist aber gleichfalls denkbar, dass auch der Betrieb durch die Kommune selbst erfolgt. Bei der Wahl eines Betreibermodells ist das Gemeindewirtschaftsrecht zu beachten. Es gilt, wenn sich Kommunen und kommunale Unternehmen wirtschaftlich betätigen möchten. Bei Smart-City-Projekten können sich zudem neue Geschäftsmodelle ergeben, zum Beispiel Einnahmen über geschaltete Werbung bei einer Smart-City-App. Wer Fördermittel für Smart-City-Projekte erhält, muss in diesen Fällen genau prüfen, ob die Förderbedingungen die Gewinnerzielung erlauben, und darf auch das Beihilferecht nicht aus den Augen verlieren. Denn dieses kann dem eigenen Handeln Grenzen setzen.

Auch die Frage, unter welchen Bedingungen eine Kommune für die Mitnutzung von smarten Lösungen Gebühren verlangen kann, stellt sich in der Praxis der Smart-City-Kommunen häufig. In der Regel wird es sich hierbei nicht um gewerbliche Tätigkeiten mit Gewinnerzielungsabsicht handeln, sondern es geht allein um die Kostendeckung. Hier empfiehlt sich ein genauer Blick in die kommunal­abgabenrechtlichen Grundsätze des jeweiligen Bundeslands.

Datenschutzfragen und Zusammenarbeit

An den Datenschutz müssen Kommunen ebenfalls denken. Insbesondere, weil bei Smart-City-Projekten häufig – wenn auch nur als Beifang – personenbezogene Daten erhoben werden. Die FAQ geben daher einen Überblick, was personenbezogene Daten genau sind und wann eine Datenverarbeitung nach der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) vorliegt. Darüber hinaus widmen sich die FAQ Einzelthemen, wie der Zulässigkeit von digitalen Parkplatzleitsystemen. Dabei geht es um die Echtzeiterfassung von Verkehrsobjekten, also das Erkennen und Zählen von fahrenden und stehenden Fahrzeugen auf einer Parkfläche sowie beim Ein- und Ausfahren. Andere Daten werden nicht erfasst. Dennoch ist denkbar, dass beim Einsatz von Sensoren und Kameras sowohl Kennzeichen als auch Gesichter erfasst werden könnten, sodass – unfreiwillig – personenbezogene Daten verarbeitet werden. Um Bedenken von Landesdatenschutzbehörden zu begegnen, ist daher im Einzelfall zu prüfen, wie sich datenschutzrechtliche Vorgaben, zum Beispiel durch Anonymisierung der personenbezogenen Daten in Echtzeit, umsetzen lassen.

Das Dossier „Kooperationen zur Umsetzung von Smart-City-Projekten“ wiederum gibt Kommunen eine Entscheidungshilfe an die Hand, wie sie ihre Smart-City-Projekte gemeinsam mit anderen Akteuren erstmalig oder neu organisieren können. Es enthält Hinweise dazu, wie Kommunen entscheiden können, welche Form der Zusammenarbeit am besten passt. Unterschieden werden eine lose Kooperation, die Zusammenarbeit auf Basis eines Kooperationsvertrags oder die Nutzung einer kommunalen Gesellschaft. Für alle drei Formen der Zusammenarbeit benennt das Dossier Praxisbeispiele und es werden die jeweiligen Vor- und Nachteile beleuchtet. Darüber hinaus enthält es Vorschläge dazu, wie Smart-City-Projekte über Pilotphasen und Förderprogramme hinaus verstetigt werden können.

Zur Entscheidungsfindung benennt das Dossier Leitfragen, die Kommunen einen Startpunkt für die Wahl der Kooperationsform geben – beispielsweise, ob eine Kommune bereits Erfahrungen mit der Umsetzung von Smart-City-Projekten hat, ob die konkreten Kooperationspartner bereits feststehen sowie die Frage nach dem Zweck der Kooperation.

Netzwerktreffen, Kooperation oder Gesellschaft

Möchte eine Kommune gemeinsam mit anderen Akteuren ihr Smart-City-Projekt in einer losen Kooperation umsetzen, ist die Zusammenarbeit eher als eine Art Netzwerktreffen ausgestaltet – maximal als eine unverbindliche inhaltliche Zusammenarbeit. Die Entscheidungshoheit sowie die konkrete Umsetzung verbleiben dann vorrangig bei der Kommune. Diese Form der Zusammenarbeit stößt allerdings dann an ihre Grenzen, wenn die Kommune ein Projekt vorrangig mit nur einem Kooperationspartner umsetzen möchte. In diesem Fall ist erneut das Vergaberecht zu beachten. Ein Kooperationsvertrag hingegen kann entweder für die Umsetzung eines einzelnen Projekts abgeschlossen werden, oder aber es erfolgt eine vertiefte Zusammenarbeit. In einer solchen arbeiten die Kooperationspartner zur Umsetzung von mehreren Projekten in einer rechtlich unselbstständigen Einheit zusammen. Das Dossier empfiehlt für diesen Fall, welche inhaltlichen Vorgaben ein solcher Vertrag mindestens enthalten sollte. Zudem hat die Koordinierungs- und Transferstelle Modellprojekte Smart Cities für Kooperationen zwischen Kommunen eine Musterkooperationsvereinbarung veröffentlicht. Mit dieser lässt sich die gemeinsame Beschaffung von Smart-City-Lösungen umsetzen. 

Die Umsetzung von Smart-City-Projekten kann auch mit einer eigenen Gesellschaft erfolgen. Das Dossier zeigt auf, unter welchen Voraussetzungen sich eine existierende Gesellschaft nutzen lässt und was bei der Gründung einer neuen Gesellschaft – insbesondere bei einer Beteiligung von privaten Partnern – beachtet werden muss.

Lisa Angela Gut, Jana Kutscher und Sophia Weber sind Rechtsanwältinnen bei Becker Büttner Held in Berlin.


Stichwörter: Smart City, Datenschutz


Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Smart City
Grafik zur urbanen Datenplattform in Aalen
bericht

Aalen / Heidenheim: Hoher Praxisnutzen

[29.06.2026] In Aalen und Heidenheim wird Smart City praxisnah: Sensoren liefern Daten zu Glatteis, Pegelständen und weiteren Risiken. Eine gemeinsame Plattform verbindet diese Informationen und unterstützt Verwaltung, Feuerwehr und Bauhof im Alltag. mehr...

Fahrraddaten Screenshot Digitaler Zwilling

Wiesbaden: Positive Bilanz zum Digitalen Zwilling

[29.06.2026] Der Digitale Zwilling Wiesbaden hat sich für die Stadt seit seinem Start im Sommer vergangenen Jahres bereits zu einem wichtigen Werkzeug für Planung, Beteiligung und Information entwickelt. 
 mehr...

Mehrere Personen eröffnen die Digitalen Tage Hamm 2026 durch drücken auf einen symbolischen Startknopf

Hamm: Smart-City-Strategie beschlossen

[29.06.2026] Im Rahmen ihrer Digitalisierungsstrategie hat die Stadt Hamm in den vergangenen Jahren zahlreiche Maßnahmen angestoßen und teils bereits umgesetzt. Für den Zeitraum 2027 bis 2032 wird die Strategie nun als Smart-City-Strategie fortgeschrieben. Die Bürger können mitbestimmen, welche Themen künftig stärker in den Fokus rücken sollen. mehr...

Auf einem Monitor ist der Digitale Zwilling einer Stadt zu sehen

Serie Smart Cities, Teil 3: Mit Zwilling planen

[25.06.2026] Urbane Digitale Zwillinge erlauben es Kommunen, Daten zu ihrem Stadtgebiet strukturiert sichtbar und für Entscheidungen nutzbar zu machen, etwa in der Verkehrs- oder Wärmeplanung. Beim Aufbau eines Digitalen Zwillings lohnt es sich, auf Kooperation zu setzen. mehr...

bericht

MPSC: Vom Piloten zur Praxis (2) – Nachnutzung braucht Struktur

[24.06.2026] Die Modellprojekte Smart Cities haben viele erfolgreiche Lösungen und auch neue Formen kommunaler Zusammenarbeit hervorgebracht. Nun geht es darum, entstandene Netzwerke, Unterstützungsangebote und Entwicklungsgemeinschaften zu verankern - nur so können die Pilotprojekte breit nachgenutzt werden. mehr...

Vektorgrafik einer Smart City.

BBSR: Die Wirkung von Smart-City-Vorhaben darstellen

[24.06.2026] Smarte digitale Projekte stärken die regionale Wirtschaft – aber oft indirekt. Das erschwert es Kommunen, den konkreten Nutzen zu benennen und argumentativ zu vertreten, etwa gegenüber Politik oder Projektpartnern. Eine Praxishilfe erklärt, wie Kommunen solche Effekte erkennen und verständlich vermitteln können. mehr...

Hand mit einem Smartphone auf dem die Temperatur mit 40 Grad Celsius angegeben wird
bericht

Klimawandel: Daten gegen den Hitzestress

[23.06.2026] Auf die Herausforderungen des Klimawandels können Städte nicht nur mit baulich-physischen Maßnahmen reagieren. Auch der Aus- und Umbau der digitalen Dateninfrastruktur und die systematische Organisation klimarelevanter Daten stärken die kommunale Resilienz. mehr...

bericht

MPSC: Vom Piloten zur Praxis (1) – Zusammenarbeit statt Insellösungen

[23.06.2026] Seit 2019 gibt es das Fördervorhaben Modellprojekte Smart Cities, über 70 Kommunen und Regionen haben bisher teilgenommen. Dabei entstanden nicht nur viele erfolgreiche technische Lösungen, sondern auch neue Formen kommunaler Zusammenarbeit – für viele Beteiligte ein entscheidender Faktor. mehr...

Bodensensor in einer Straße in Gütersloh

Gütersloh: Sensoren erfassen Parkplatzauslastung

[12.06.2026] Mit Bodensensoren erfasst die Stadt Gütersloh zurzeit die Auslastung von vier Fahrzeugstellplätzen an der Königstraße. Die Daten sollen in die Planungen zur Umgestaltung des Kreuzungsbereichs zur Hohenzollernstraße einfließen, der ein Unfallschwerpunkt ist. mehr...

Screenshot BBSR-Studie zu digitalen Zwillingen

Studie: Digitale Zwillinge in der Praxis

[10.06.2026] Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung hat eine neue Veröffentlichung zum Thema urbane Digitale Zwillinge herausgegeben, die im Rahmen der Begleitforschung der Modellprojekte Smart Cities entstanden ist. mehr...

Stadt, Bäume und Internet of Things Sensorien Symbolisch
bericht

Serie Smart Cities, Teil 2: Sensoren sinnvoll nutzen

[20.05.2026] Sensorik und Internet of Things sind das Nervensystem der smarten Stadt – sie liefern Daten, welche Prozesse optimieren und die Entscheidungsfindung erleichtern können. Beim Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur können Kommunen auch klein starten. mehr...

Elisabeth Fröhlich, Projektleitung VIAA, Stabsstelle Verkehrsfluss und Geo-Services, zeigt eine Kamera, die den Verkehrsfluss erfasst.

Lübeck: Weitere Kreuzungen digitalisiert

[11.05.2026] In Lübeck werden derzeit vier Kreuzungen mit einem innovativen System zur Verkehrserfassung ausgestattet. Die Hansestadt setzt damit ein weiteres Teilprojekt im Rahmen ihres Vorhabens VIAA um. mehr...

Grafik zeigt die drei Plattform-Bestandteile
bericht

Plattformen: Von smart zu intelligent

[30.04.2026] Digitale Lösungen können Prozesse beschleunigen, Mitarbeitende entlasten und den Bürgerservice verbessern. Drei Bausteine bringen Kommunen auf diesem Weg entscheidend voran: urbane Datenplattformen, Automatisierungs- und KI-Plattformen. mehr...

Kamera auf einem Mannheimer Abfallsammelfahrzeug

Mannheim: Mit digitaler Hilfe sauberer werden

[29.04.2026] Optische Sensoren sollen der Stadt Mannheim künftig dabei helfen, Verschmutzungen im öffentlichen Raum zu erfassen und so dazu beitragen, das Stadtbild zu verbessern. Die Technik wird zunächst in einer mehrmonatigen Pilotphase getestet. mehr...

Mehrere Personen stehen vor einem Stadtteiltreff in Kassel Wolfsanger

Kassel: App stärkt das Vereinsleben

[28.04.2026] 
Eine App soll in Kassel künftig helfen, die ehrenamtliche Arbeit in den Vereinen besser und einfacher zu organisieren. Jetzt startet der im Rahmen des Modellprojekts Smart Kassel entwickelte digitale Assistent für Vereine in den Praxistest. mehr...