LübeckVIAA setzt neue Maßstäbe

Das Projektteam beim Besprechen der Simulationen.
v.l.: Jörg Bayer, Projektleiterin Elisabeth Fröhlich, Ahmed Saeed, Pascal Merks
(Bildquelle: Hansestadt Lübeck)
Schon seit den Zeiten der Hanse war Lübeck ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt. Heute stellen komplexe Herausforderungen und moderne Mobilitätsströme neue Anforderungen an die Verkehrssteuerung. Mit dem Förderprojekt VIAA – Lübecks Verkehrsmanagementsystem, intelligent, analytisch und agil – schafft die Hansestadt Grundlagen für eine digitale Verkehrssteuerung, um den Herausforderungen der heutigen Zeit gerecht zu werden. Das ist ein entscheidender Baustein für die Smart City (Region) Lübeck. Ziel ist es, die Hansestadt und die Region durch smarte Lösungen lebenswerter, inklusiver, nachhaltiger und wettbewerbsfähiger zu machen.
Die Modernisierung des Verkehrsmanagements ist längst keine Frage der reinen Infrastruktur mehr. Vielmehr erfordert sie eine digitale und vernetzte Herangehensweise, die sowohl operative als auch analytische Elemente verbindet. Mit VIAA setzt Lübeck auf einen hochmodernen, echtzeitfähigen Verkehrsrechner, der im Sommer dieses Jahres in Betrieb genommen werden soll. Dieser Rechner verknüpft einen Großteil der städtischen Signalanlagen und ermöglicht so eine zentrale, dynamische Steuerung des Verkehrs. Dank der Echtzeitfähigkeit können sowohl geplante als auch unerwartete Ereignisse flexibel und zielgerichtet adressiert werden.
Mobilität planbar machen
Ein zukunftsweisender Aspekt des Projekts ist die Integration einer analytischen Plattform, die mit den operativen Elementen, wie dem Verkehrsrechner, verknüpft wird und alle verkehrsrelevanten Daten in der Hansestadt zentral zusammenführt und verarbeitet. Dieses innovative Datenmanagement schafft nicht nur fundierte Grundlagen für zukünftige Verkehrsplanungen, sondern ermöglicht auch die Berechnung und Vorhersage des Verkehrsaufkommens. Durch präzise Vorhersagen können Ampelschaltungen noch passgenauer an das tatsächliche Verkehrsaufkommen angepasst und den Bürgerinnen und Bürgern entsprechende Hinweise gegeben werden, zum Beispiel bestimmte Bereiche zu umfahren.
Ergänzt wird dieses System durch den Aufbau eines flächendeckenden Sensornetzes, das weitere relevante Daten liefert, die helfen sollen, das System Verkehr in Lübeck besser zu verstehen. Dadurch wird die Hansestadt in die Lage versetzt, die Mobilität für die Zukunft zu planen und umzusetzen. Außerdem wird es möglich sein, den Einfluss des Verkehrsmanagements auch im Hinblick auf beispielsweise Klima- und Lärmschutz zu bewerten und bei Bedarf zielgerichtete Maßnahmen abzuleiten.
Drei Teststrecken dienen als Reallabor
Ein weiteres Ziel des Projekts VIAA ist die Erprobung der neu geschaffenen Möglichkeiten und Funktionen auf drei ausgewählten Teststrecken – den so genannten Reallaboren. In der Fackenburger Allee wird im Jahr 2026 ein Ampelphasenassistent eingerichtet, der Auto- und Radfahrenden per App oder Borddisplay frühzeitig Informationen zur verbleibenden Zeit bis zur nächsten Grün- oder Rotphase liefert. Die Verstetigung des Verkehrs soll durch einen Ausbau der Busbeschleunigung und eine Optimierung der Koordinierung der Signalanlagen (Grüne Welle) weiter verbessert werden.
Im Reallabor „Bei der Lohmühle“ liegt der Fokus auf der Erfassung und Analyse unterschiedlicher Verkehrsarten, insbesondere des Schwerverkehrsanteils. Die gewonnenen Daten dienen der verkehrsabhängigen Optimierung der Signalanlagen. Im Reallabor „Nordtangente mit Eric-Warburg-Brücke“ werden die Auswirkungen von Brückenöffnungen auf den Verkehrsfluss untersucht. Langfristig ist eine sukzessive Ausweitung der genannten Beispiele auf das gesamte Stadtgebiet vorgesehen.
Für die Umsetzung der geplanten Erprobungen wurde bereits mit dem Aufbau eines Simulationsnetzes gestartet. Um VIAA erfolgreich umzusetzen, wurden zudem drei neue Stellen geschaffen, die ebenfalls Bestandteil des Förderantrags sind: Projektleitung, Datenmanagement, Verkehrsingenieur.
Flexibel, nachhaltig und zukunftssicher
Mit einem Gesamtvolumen von rund fünf Millionen Euro – wovon 65 Prozent vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr gefördert werden – ist VIAA zunächst auf zweieinhalb Jahre ausgelegt. Innerhalb dieses Zeitraums sollen wesentliche Grundlagen geschaffen und in ausgewählten Bereichen erste digitale Verkehrssteuerungslösungen erfolgreich in die Praxis überführt werden.
Mit VIAA setzt die Hansestadt Lübeck neue Maßstäbe im digitalen Verkehrsmanagement. Die Kombination aus moderner Technologie, datenbasierter Analyse und praxisnahen Testfeldern ermöglicht eine flexible, nachhaltige und zukunftssichere Verkehrssteuerung – immer mit dem Menschen im Mittelpunkt.
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