IbbenbürenIdentität gewahrt

Die Stadt Ibbenbüren setzt auf E-Partizipation bei der Identitätswahrung der traditionellen Bergbaustadt.
(Bildquelle: creativ collection Verlag)
Im Jahr 2018 werden die Bundesregierung und das Land Nordrhein-Westfalen endgültig die seit den 1960er Jahren andauernden Subventionszahlungen für den Steinkohleabbau einstellen. Für viele Städte im Ruhrgebiet und in Westfalen beginnt damit eine neue Ära. So auch für Ibbenbüren im Tecklenburger Land. Die Stadt blickt auf eine jahrhundertealte Bergbautradition zurück. Mit 1.545 Metern Tiefe verfügte Ibbenbüren lange Zeit über die europaweit tiefste Steinkohlezeche und auch der Ibbenbürener Sandstein ist weit über die Region hinaus bekannt. „Fast jeder Bürger hier in der Region kennt jemanden, der unter Tage gearbeitet hat. Und jeder kann Geschichten mit seinen Erlebnissen aus dem Bergbau erzählen“, meint Monika Umlauf, stellvertretende Geschäftsführerin der Schnittstelle Kohlekonversion in Ibbenbüren. Sie begleitet das Ibbenbürener Umstrukturierungsprojekt unter dem Namen Region mit Aussicht. „Dadurch entsteht eine hohe Identifikation und gleichzeitig ein großes Engagement, die Bergbautradition zu sichern.“ Um davon maximal profitieren zu können, hat die Stadt für die Planung der Umstrukturierungsmaßnahmen auf ein Online-Beteiligungstool des Dortmunder Ingenieurbüros tetraeder.com zurückgegriffen. Mithilfe der so genannten Ideenkarte des individuellen Kartenanwendungsprogramms INKA konnten Bürger auf der Projekt-Website Vorschläge und Anmerkungen einbringen. Den genauen Ort, auf den sich eine Anmerkung bezog, konnten sie mit einer Markierung festhalten. Diese Markierung ließ sich dann mit einem erklärenden Kommentar versehen. Alle Kommentare tauchten später in chronologischer Reihenfolge in einer Listenansicht auf, wobei fremde Kommentare nach dem Facebook-System bewertet werden konnten. Zur weiterführenden Nutzung der Ibbenbürener Kohlenhalden konnten die Vorschläge den Kategorien Wirtschaft, Tourismus und Freizeit, Bergbau und Tradition sowie Natur zugeordnet werden. „Die meisten Beteiligten haben Ideen dazu eingebracht, wie die Bergbautradition gesichert werden kann, zum Beispiel über Informationstafeln, Übungsstollen oder den Ausbau des Bergbaumuseums“, sagt Monika Umlauf.
Region soll wirtschaftlich stabil bleiben
Axel Köster von der Firma RAG Montan Immobilien und derzeit Mitglied im Entscheidungsgremium liegt insbesondere die wirtschaftliche Sicherung der Region am Herzen. „Wir wollen hier kein Kostengrab schaffen. Vor allem die Schachtanlage Oeynhausen soll gewerblich entwickelt werden.“ Für die Halden böten sich touristische und kulturelle Nutzungsformen an. Auch zwei Windräder seien geplant. Man könne zwar nicht mit dem touristischen Potenzial einer Zeche Zollverein in Essen mithalten, entwickle sich dafür aber in Richtung eines Projekts wie dem am Osnabrücker Piesberg. Dort wurde nicht nur die Bergbautradition gewahrt und Wanderwege sowie Aussichtspunkte geschaffen. Auch die Kombination mit regenerativen Energien funktioniere dort gut.
Trotz des massiven Stellenabbaus im Bergbau hält Monika Umlauf die Region für wirtschaftlich sehr stark. „Wir haben eine geringe Arbeitslosenquote, einen gesunden Mittelstand, eine gute Gewerbeflächenpolitik und die perfekte Lage an den Autobahnen A1 und A30. Wenn wir in dieser wirtschaftlichen Entwicklung den Denkmalschutz und die Bergbautradition wahren, haben wir ein Alleinstellungsmerkmal in unserer Region.“ Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es einer engagierten Bürgerschaft, die die Stärken der Region kennt und sich für sie einsetzt. „Wir glauben, dass die Bürger die Experten vor Ort sind und es wichtig ist, jedem die Möglichkeit zu geben, sich in einen solch spannenden Prozess einzubringen.“ Mit INKA können sich auch jene Bürger beteiligen, die ungern an klassischen analogen Versammlungen und Stadtteilgesprächen teilnehmen. Sie können nun über das Internet aktiv eigene Vorschläge einreichen und andere Ideen bewerten. „Wir haben bereits vorher mit tetraeder.com in der Online-Beteiligung für das formelle Bauleitplanverfahren gearbeitet und hier viele gute Erfahrungen gesammelt. Nun können wir mit INKA unsere bisherige Bürgerbeteiligung über Bürgerversammlungen, direkte Gespräche, E-Mails oder Postkarten hinaus ergänzen“, so Umlauf. In Ibbenbüren ist man begeistert von der Vielzahl konstruktiver Vorschläge, die die Konversionsgruppe über INKA erreicht hat. Mittlerweile ist sogar angedacht, die besten unter ihnen zu prämieren.
http://www.tetraeder.com
Dieser Beitrag ist in der August-Ausgabe von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
KI-Oasen: Wenn Städte träumen
[31.07.2026] Das Architekturbüro weiss Architekten entwickelt mit den KI-Oasen ein Beteiligungsformat, das Wünsche und Ideen der Bürgerinnen und Bürger niederschwellig in ortsspezifische Bilder übersetzt. In Eichstätt wird daraus nun ein kommunales Pilotprojekt. mehr...
Serie Smart Cities, Teil 4: Bürger als Gestalter
[30.07.2026] Aus zahlreichen Praxisprojekten hat das Fraunhofer-Institut IESE zentrale Erkenntnisse gewonnen, wie eine gute Bürgerbeteiligung gestaltet sein sollte. Ein Erfolgsfaktor: Digitale Angebote sollten mit Vor-Ort-Formaten kombiniert werden. mehr...
Magdeburg: Beteiligung mit VR
[28.07.2026] Wie lassen sich komplexe städtebauliche Planungen anschaulich vermitteln und die Bürgerbeteiligung stärken? Ein Forschungsprojekt zeigt am Beispiel der Großen Münzstraße in Magdeburg, wie Virtual Reality neue Wege in der Bauleitplanung eröffnen kann. mehr...
Achim: Portal für Bürgertipps
[27.07.2026] Die Stadt Achim ist die erste Kommune im Kreis Verden, die auf das moderne Bürgertipps-Portal von Anbieter NOLIS setzt. Sag’s Achim lässt sich über Smartphone, Tablet und PC gleichermaßen einfach nutzen und löst die bisherige Online-Mängelmelder-Lösung ab. mehr...
Mainz: Microsite erleichtert das Mitgestalten
[14.07.2026] Die Bürgerbeteiligung der Stadt Mainz präsentiert sich mit einem rundum modernisierten Webauftritt. Die neue Microsite „Gemeinsam Mainz gestalten“ soll es den Bürgerinnen und Bürgern künftig noch einfacher machen, Mitwirkungsmöglichkeiten wahrzunehmen. mehr...
Uslar/Katlenburg-Lindau: Digitale Beteiligungsplattform zur Artenvielfalt
[10.07.2026] Für den Naturschutz ist ein feinmaschiges Monitoring der Artenvielfalt zentral. Interessierte Bürgerinnen und Bürger vor Ort können aufgrund lokaler Gebietskenntnis und wiederholter Beobachtung wertvolle Hinweise liefern. Ein Forschungsprojekt in Niedersachsen nutzt dazu digitale Lösungen von wer denkt was. mehr...
Studie: Bürgerbeteiligung ohne Hightech
[08.06.2026] Erstmals wurde bundesweit untersucht, wie Kommunen digitale Bürgerbeteiligung einsetzen. Die Erhebung zeigt, dass ostdeutsche Kommunen häufiger aktiv sind als westdeutsche. Gleichzeitig zeigt sich bundesweit: Digitale Bürgerbeteiligung in der Breite ist kein Hightech-Unterfangen. mehr...
Hamburg: Aktionsplan für Nachhaltigkeit
[05.06.2026] Ihr Engagement für eine offene und transparente Verwaltung baut die Freie und Hansestadt Hamburg weiter aus und ist in die neue Programmphase von Open Government Partnership (OGP) Local gestartet. Im Fokus steht die gesamtstädtische Nachhaltigkeitsstrategie. mehr...
wer denkt was: 15 Jahre Innovation und Dialog
[07.05.2026] Das Unternehmen wer denkt was feiert Jubiläum: Seit 15 Jahren begleitet die Firma Kommunen im ganzen Bundesgebiet bei der Umsetzung moderner Beteiligungsprozesse. mehr...
Stuttgart: Relaunch fürs Beteiligungsportal
[04.05.2026] Ihr Beteiligungsportal hat die Stadt Stuttgart grundlegend modernisiert. Der Zugang wurde barrierearm und intuitiv gestaltet. Für mehr Verständlichkeit und effiziente Auswertungen setzt die Stadt auf KI. mehr...
Kirchenlamitz: Radspur-App liefert Daten aus der Praxis
[20.03.2026] Mit welcher Frequenz Radwege genutzt werden und ob es auf den Strecken Verbesserungsbedarfe gibt, will die Stadt Kirchenlamitz mithilfe einer App herausfinden. Ist die Anwendung auf dem Smartphone installiert und aktiviert, kann sie anonymisiert GPS- und Erschütterungsdaten erfassen. Auch können die Nutzerinnen und Nutzer über die App auf Gefahrenstellen oder Hindernisse hinweisen. mehr...
Bad Homburg v. d. Höhe / Friedrichsdorf / Wehrheim: Gemeinsame Beteiligungsplattform
[19.03.2026] Mit Seid Dabei haben Bad Homburg v. d. Höhe, Friedrichsdorf und Wehrheim eine gemeinsame Beteiligungsplattform gestartet, auf der jede Kommune zwar einen eigenen Bereich verwaltet, die technische Infrastruktur aber mit den anderen teilt. mehr...
Gersheim: Mehr Service mit Gerda
[27.02.2026] Die Gemeinde Gersheim hat gemeinsam mit dem Zweckverband eGo-Saar einen KI-Chatbot pilotiert, der die Verwaltung entlastet und den Bürgerservice verbessert. Der Prototyp kann künftig in allen saarländischen Kommunen eingesetzt werden. mehr...
E-Partizipation: Möglichkeiten und Grenzen
[26.02.2026] Analoge Beteiligungsformate sprechen nur eine begrenzte Anzahl von Bürgerinnen und Bürgern an. Fügen Kommunen digitale Partizipationsangebote planvoll hinzu, erreichen sie mehr Zielgruppen. Wichtig ist die intelligente Kombination der beiden Ansätze. mehr...
Darmstadt: Digitalstrategie mitgestalten
[25.02.2026] Mit einer neuen Digitalstrategie will die Stadt Darmstadt wichtige Weichen für die Zukunft ihrer digitalen Verwaltung und Services stellen. In die finale Fassung sollen auch Anregungen aus der Bürgerschaft einfließen. mehr...




















