Sonntag, 9. August 2026

E-PartizipationWeisheit der Vielen

[02.03.2017] Eine innovative Partizipationsmethode verbindet Präsenzveranstaltungen und Online-Beteiligung. Kommunen erhalten Rückmeldungen zu bestimmten Fragestellungen direkt von den Bürgern. Deren Antworten werden zu konkreten Ratschlägen verdichtet.
Klare Erkenntnisse zu konkreten Fragen.

Klare Erkenntnisse zu konkreten Fragen.

(Bildquelle: PEAK Agentur für Kommunikation)

Kommunalpolitik hat einen großen Einfluss auf die Lebensqualität der Bürger vor Ort. Die Beschlüsse der Gemeinderäte und Verwaltungen sollen möglichst einen Mehrwert für die Allgemeinheit schaffen. Mit einer neuen Beteiligungsmethode will das deutsch-israelische Unternehmens Insights dazu beitragen, diese Entscheidungen inklusiv zu gestalten.
Dabei geht es darum, die Expertise von Verwaltungsmitarbeitern mit zusätzlichem Wissen von relevanten Stakeholdern (also Interessenten und Betroffene wie Bürger, Unternehmer, Vereine oder Verbände) zu ergänzen und die Entscheidungsgrundlage anzureichern. Inklusive Entscheidungsprozesse ermöglichen es, die Weisheit der Vielen zielführend und im Sinne besserer Entscheidungen für die Allgemeinheit zu nutzen.

Konstruktive Ratschläge zu konkreten Fragen

Mit der Technologie von Insights kann das Wissen hunderter Stakeholder gezielt aufgenommen und zu wesentlichen Erkenntnissen verdichtet werden. Entscheider auf kommunaler Ebene erhalten so konstruktive Ratschläge zu konkreten Fragestellungen direkt von ihren Stakeholdern – ohne hunderte Antworten lesen zu müssen. Die Besonderheit der Software-Lösung liegt darin, dass die Stakeholder aktiv an der Verdichtung der Antworten zu Erkenntnissen mitwirken können, indem sie kleine Analysearbeiten übernehmen. So sparen Kommunen wichtige Ressourcen. Sie können zudem Teilnehmer in zweifacher Hinsicht einbeziehen und so deren Identifikation mit dem Prozess weiter erhöhen. Mit einer abschließenden, personalisierten Rückmeldung erfährt der Teilnehmer, welche Erkenntnis aus dem individuellen Beitrag gewonnen werden konnte und wie dieser die Entscheidung beeinflusst hat. Um möglichst viele Personen einzubinden, wird in der Regel ein crossmedialer Ansatz gewählt. Neben der direkten Beantwortung der Fragestellung im Internet, per E-Mail oder per SMS, können Antworten auch im Rahmen von Veranstaltungen (Runde Tische, Gesprächsrunden, World Cafés) aufgenommen werden. Alle abgegebenen Beiträge werden auf der projekteigenen Insights-Plattform online zusammengeführt und transparent dargestellt.

Beteiligungsprojekte zur Müllvermeidung

In zahlreichen Beteiligungsprojekten wurde die Methode von Insights bereits angewendet. In Austin, der Hauptstadt des US-Bundesstaats Texas, ging es um das Thema Müllvermeidung. Bob Gedert, Leiter der Abfallwirtschaft in der Stadtverwaltung Austin, stellte fest, dass die Recyclingquote in der gesamten Stadt nicht zufriedenstellend war. Wichtige Rohstoffe gehen so auf den Mülldeponien der Stadt ungenutzt verloren und belasten die Natur unnötig. Deshalb wurden Bürger und weitere Stakeholder eingeladen, auf die Frage „Was können wir tun, damit weniger recycelbarer Müll auf der Mülldeponie landet?“ eine Antwort abzugeben.
Um möglichst viele Menschen zu erreichen und zahlreiche Ratschläge zu der zentralen Frage zu sammeln, wurde auf eine Verzahnung von Vor-Ort-Beteiligung und Online-Beteiligung gesetzt. Über verschiedenste soziale Medien und Newsletter wurden Stakeholder zur Partizipation eingeladen. Auf der Insights-Website der Stadtverwaltung Austin konnten über mehrere Wochen Antworten abgegeben werden. Zudem wurden alle Beiträge, die bei Fokusgruppen, Runden Tischen und weiteren Veranstaltungen gesammelt wurden, mitgeschrieben und online gestellt.

Crowd-Analyse sichert hohe Qualität

Insgesamt konnten mehr als 1.200 Antworten verzeichnet werden, die in kürzester Zeit von den Teilnehmern zu elf Erkenntnissen verdichtet wurden. Dieser Ansatz der Crowd-Analyse ist effizient, transparent, kollaborativ und sichert eine hohe Qualität der Ergebnisse. Die in Austin gewonnenen Erkenntnisse enthielten dabei sowohl innovative Ideen als auch naheliegende Vorschläge zur Steigerung der Recyclingquote. Eine Erkenntnis war beispielsweise, dass in den Haushalten mehr recycelbarer Müll anfällt, als in die entsprechende Mülltonne passt. Auf diese klare Erkenntnis konnten Bob Gedert und sein Team unmittelbar reagieren und sämtlichen Bürgern, deren Antworten mit dieser Erkenntnis verbunden waren, ein personalisiertes Feedback senden. In Zukunft soll die Abholung der Recyclingtonne von einem zweiwöchigen auf einen einwöchigen Rhythmus umgestellt werden. Auch die anderen zehn Erkenntnisse bildeten eine starke Entscheidungsgrundlage für Bob Gedert und sein Team, aus denen konkrete Maßnahmen entwickelt werden konnten.

Kombination verschiedener Kanäle

Der Kreis Stendal in Sachsen-Anhalt nutzt die Technologie von Insights ebenfalls. Der Kreis ist Modellregion im Förderprogramm Land(auf)schwung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Ziel ist es, unter anderem durch Digitalisierung eine hohe Lebensqualität in der Region Altmark zu erreichen. Um die richtigen digitalen Projekte und Angebote zu unterstützen, hat der Kreis Stendal beschlossen, die Bürger einzubinden.  
Ähnlich dem Prozess in Austin wurden verschiedene Kommunikationskanäle kombiniert. Über vier Wochen konnte die Frage, wie Internet-Angebote das Leben in der Altmark verbessern können, direkt auf der Insights-Website der Kreisverwaltung oder per SMS beantwortet werden. Darüber hinaus waren die Bürger der Region am Rande des AltmarkMacher Festivals im Juni 2016 eingeladen, Antworten an Laptop-Stationen einzugeben. Durch eine frühzeitige Einbindung wurden innovative Projektideen entwickelt und ein Überblick über die Bedarfssituation gewonnen. Sinnvolle Projekte können nun vom Kreis Stendal gefördert und die Altmark digital weiterentwickelt werden.

Bildungsangebote für ältere Bürger

Abgesehen von der zentralen Bedeutung eines flächendeckenden Internet-Zugangs für die Entwicklung der Altmark, wurden von den Beteiligten verschiedenste Handlungsfelder herausgearbeitet und konkrete Lösungen entwickelt. Dabei wurden im Bereich Tourismus, der einen wichtigen Wirtschaftszweig in der Region darstellt, verschiedenste Web-Angebote vorgeschlagen, die die Suche nach Veranstaltungen und Angeboten in der Region für Touristen, aber auch für die einheimische Bevölkerung erheblich erleichtern. Ein weiterer innovativer Vorschlag war die Bereitstellung von digitalisierten Info-Points, die Touristen schnelle Informationen zu Sehenswürdigkeiten, Unterkünften und Radwegen liefern könnten. Auch die Entwicklung von E-Government-Angeboten wurde als Handlungsfeld identifiziert.
Unabhängig vom Handlungsfeld wurde betont, dass alle Angebote möglichst niederschwellig sein sollten und es zusätzlich Bildungsangebote für ältere Bürger geben sollte, um die notwendige Medienkompetenz zu vermitteln. So kann sichergestellt werden, dass auch die ältere Generation von den entsprechende Angeboten profitieren kann.

Christian Davepon und Dominik Wörner sind Mitbegründer von Insights DE.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: E-Partizipation
KI-generiertes Rendering zur möglichen Neugestaltung des Domplatzes Eichstätt
bericht

KI-Oasen: Wenn Städte träumen

[31.07.2026] Das Architekturbüro weiss Architekten entwickelt mit den KI-Oasen ein Beteiligungsformat, das Wünsche und Ideen der Bürgerinnen und Bürger niederschwellig in ortsspezifische Bilder übersetzt. In Eichstätt wird daraus nun ein kommunales Pilotprojekt. mehr...

Menschen blicken auf einen Tisch mit Notizzetteln
bericht

Serie Smart Cities, Teil 4: Bürger als Gestalter

[30.07.2026] Aus zahlreichen Praxisprojekten hat das Fraunhofer-Institut IESE zentrale Erkenntnisse gewonnen, wie eine gute Bürgerbeteiligung gestaltet sein sollte. Ein Erfolgsfaktor: Digitale Angebote sollten mit Vor-Ort-Formaten kombiniert werden. mehr...

Magdeburg_VR_Bürgerbeteiligung_Personen im Elbedome
bericht

Magdeburg: Beteiligung mit VR

[28.07.2026] Wie lassen sich komplexe städtebauliche Planungen anschaulich vermitteln und die Bürgerbeteiligung stärken? Ein Forschungsprojekt zeigt am Beispiel der Großen Münzstraße in Magdeburg, wie Virtual Reality neue Wege in der Bauleitplanung eröffnen kann. mehr...

Darstellung des Bürgertipps-Portals "Sag's Achim" auf einem Monitor, einem Tablet und einem Smartphone

Achim: Portal für Bürgertipps

[27.07.2026] Die Stadt Achim ist die erste Kommune im Kreis Verden, die auf das moderne Bürgertipps-Portal von Anbieter NOLIS setzt. Sag’s Achim lässt sich über Smartphone, Tablet und PC gleichermaßen einfach nutzen und löst die bisherige Online-Mängelmelder-Lösung ab. mehr...

Der Mainzer Oberbürgermeister Nino Haase zeigt auf ein iPad, das die neue Microsite Bürgerbeteiligung Mainz zeigt

Mainz: Microsite erleichtert das Mitgestalten

[14.07.2026] Die Bürgerbeteiligung der Stadt Mainz präsentiert sich mit einem rundum modernisierten Webauftritt. Die neue Microsite „Gemeinsam Mainz gestalten“ soll es den Bürgerinnen und Bürgern künftig noch einfacher machen, Mitwirkungsmöglichkeiten wahrzunehmen. mehr...

Weibliche Hand, die ein Smartphone auf einen Fliegenpilz im Wald richtet

Uslar/Katlenburg-Lindau: Digitale Beteiligungsplattform zur Artenvielfalt

[10.07.2026] Für den Naturschutz ist ein feinmaschiges Monitoring der Artenvielfalt zentral. Interessierte Bürgerinnen und Bürger vor Ort können aufgrund lokaler Gebietskenntnis und wiederholter Beobachtung wertvolle Hinweise liefern. Ein Forschungsprojekt in Niedersachsen nutzt dazu digitale Lösungen von wer denkt was. mehr...

Vektorillustration mit jungen Menschen in der Nähe eines großen Smartphones, die Feedback und Bewertungen für ein Produkt oder eine Dienstleistung abgeben.

Studie: Bürgerbeteiligung ohne Hightech

[08.06.2026] Erstmals wurde bundesweit untersucht, wie Kommunen digitale Bürgerbeteiligung einsetzen. Die Erhebung zeigt, dass ostdeutsche Kommunen häufiger aktiv sind als westdeutsche. Gleichzeitig zeigt sich bundesweit: Digitale Bürgerbeteiligung in der Breite ist kein Hightech-Unterfangen. mehr...

Elbphilharmonie spiegelt sich in einer Glaskugel mit dem Wort Hamburg

Hamburg: Aktionsplan für Nachhaltigkeit

[05.06.2026] Ihr Engagement für eine offene und transparente Verwaltung baut die Freie und Hansestadt Hamburg weiter aus und ist in die neue Programmphase von Open Government Partnership (OGP) Local gestartet. Im Fokus steht die gesamtstädtische Nachhaltigkeitsstrategie. mehr...

Marktplatz-mit-BeachFlag-2048x1538

wer denkt was: 15 Jahre Innovation und Dialog

[07.05.2026] Das Unternehmen wer denkt was feiert Jubiläum: Seit 15 Jahren begleitet die Firma Kommunen im ganzen Bundesgebiet bei der Umsetzung moderner Beteiligungsprozesse. mehr...

Stuttgart gelauncht Beteiligungsportal_frau schaut auf Tablet

Stuttgart: Relaunch fürs Beteiligungsportal

[04.05.2026] Ihr Beteiligungsportal hat die Stadt Stuttgart grundlegend modernisiert. Der Zugang wurde barrierearm und intuitiv gestaltet. Für mehr Verständlichkeit und effiziente Auswertungen setzt die Stadt auf KI. mehr...

Screenshot der Radspur-App im App-Store.

Kirchenlamitz: Radspur-App liefert Daten aus der Praxis

[20.03.2026] Mit welcher Frequenz Radwege genutzt werden und ob es auf den Strecken Verbesserungsbedarfe gibt, will die Stadt Kirchenlamitz mithilfe einer App herausfinden. Ist die Anwendung auf dem Smartphone installiert und aktiviert, kann sie anonymisiert GPS- und Erschütterungsdaten erfassen. Auch können die Nutzerinnen und Nutzer über die App auf Gefahrenstellen oder Hindernisse hinweisen. mehr...

Die drei Stadtoberhäupter stehen zum Foto versammelt, OB Hetjes hält einen Laptop in den Händen auf dessen Bildschirm das Beteiligungsportal Seid Dabei eingeblendet ist.

Bad Homburg v. d. Höhe / Friedrichsdorf / Wehrheim: Gemeinsame Beteiligungsplattform

[19.03.2026] Mit Seid Dabei haben Bad Homburg v. d. Höhe, Friedrichsdorf und Wehrheim eine gemeinsame Beteiligungsplattform gestartet, auf der jede Kommune zwar einen eigenen Bereich verwaltet, die technische Infrastruktur aber mit den anderen teilt. mehr...

Mehrere Personen stehen nebeneinander, im Hintergrund sind Aussteller des eGo-Saar und von Gerda BürKI zu sehen.
bericht

Gersheim: Mehr Service mit Gerda

[27.02.2026] Die Gemeinde Gersheim hat gemeinsam mit dem Zweckverband eGo-Saar einen KI-Chatbot pilotiert, der die Verwaltung entlastet und den Bürgerservice verbessert. Der Prototyp kann künftig in allen saarländischen Kommunen eingesetzt werden. mehr...

Mehrere Personen stehen um einen Maptable versammelt und bearbeiten eine Stadtkarte.
bericht

E-Partizipation: Möglichkeiten und Grenzen

[26.02.2026] Analoge Beteiligungsformate sprechen nur eine begrenzte Anzahl von Bürgerinnen und Bürgern an. Fügen Kommunen digitale Partizipationsangebote planvoll hinzu, erreichen sie mehr Zielgruppen. Wichtig ist die intelligente Kombination der beiden Ansätze. mehr...

ein Laptop auf dessen Display die Website zur Beteiligungsplattform der Stadt Darmstadt aufgerufen ist

Darmstadt: Digitalstrategie mitgestalten

[25.02.2026] Mit einer neuen Digitalstrategie will die Stadt Darmstadt wichtige Weichen für die Zukunft ihrer digitalen Verwaltung und Services stellen. In die finale Fassung sollen auch Anregungen aus der Bürgerschaft einfließen. mehr...