GanderkeseeBürger im Fokus

Ramona Berg, Mitarbeiterin im Bürgerbüro Ganderkesees, erklärt, wie man per Tablet unterschreibt.
(Bildquelle: Gemeinde Ganderkesee/Hauke Gruhn)
Mit so genannten Bürgermonitoren will Ganderkesee ab sofort vor allem Zeit und Papier einsparen. Insgesamt acht neue Tablets wurden dafür in der niedersächsischen Gemeinde angeschafft. Sie sind im Bürgerbüro im Rathaus und in der Außenstelle in Bookholzberg im Einsatz. Bisher musste dort ein Formular ausgedruckt und ausgefüllt, dann wieder eingescannt und in die elektronische Akte verschoben werden. Mit den neuen Bürgermonitoren entfallen nun einige Arbeitsschritte. Kunden des Bürgerbüros können die Formulare auf dem Tablet durchlesen und anschließend direkt unterschreiben. Ungefähr 20.000 Blatt Papier und voraussichtlich rund 250 Arbeitsstunden wird die Gemeinde pro Jahr einsparen. Die Bürgermonitore werden in Ganderkesee ab sofort beispielsweise für die Beantragung von Personalausweisen, Reisepässen, vorläufigen Dokumenten, aber auch für An-, Ab- und Ummeldungen genutzt. Die ersten Reaktionen der Bürger waren positiv. Einige kannten das System schon aus dem Ausland.
Facebook sorgt für Reichweite
Dass die Gemeinde neuen technischen Möglichkeiten und Kommunikationswegen gegenüber aufgeschlossen ist, zeigt sich auch an anderen Projekten. Bereits Ende 2010 wurde unter dem Namen „Gemeinde Ganderkesee (Rathaus)“ ein eigener Facebook-Account eingerichtet. Zunächst wurden vereinzelt Beiträge gepostet, seit Mitte 2012 wird das soziale Netzwerk intensiv genutzt, um Bürger zu informieren und auch Feedback zu erhalten. Inzwischen hat der Auftritt der Gemeinde rund 1.700 Follower. Einzelne Beiträge, die viral gehen, können sogar eine Reichweite von mehr als 10.000 Personen erzielen. „Inzwischen hat sich Facebook längst als weiterer Kanal der Öffentlichkeitsarbeit etabliert“, sagt Gemeindesprecher Hauke Gruhn, der die Seite mitbetreut. „Zeitungen bleiben zwar sehr wichtig. Wenn eine Information jedoch schnell an den Adressaten gelangen soll, ist Facebook unschlagbar.“ Den größten Zuspruch erfahre der Facebook-Auftritt der Gemeinde durch die 25- bis 44-Jährigen. Diese machen laut Gruhn 53 Prozent aller Fans aus. Inzwischen sind auch die Jugendhäuser TREND, HORST und KAFFEEPOTT auf Facebook aktiv, aber auch Bildungseinrichtungen in der Gemeinde nutzen das soziale Netzwerk als Kommunikations- und Informationskanal.
Während die Seite „Gemeinde Ganderkesee (Rathaus)“ zentral aus dem Fachdienst Öffentlichkeitsarbeit gesteuert wird, werden die anderen kommunalen Facebook-Auftritte direkt von den Einrichtungen betreut. Allerdings kann der Fachdienst auf alle Accounts zugreifen und so auch Beiträge auf verschiedenen Seiten teilen und Inhalte vernetzen. „Das erhöht die Reichweite und zeigt nach außen, dass hier eine enge Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Institutionen der Gemeinde stattfindet.“ Auf Twitter, YouTube und Instagram ist Ganderkesee ebenfalls vertreten. „Damit erreichen wir eine Klientel, die Facebook inzwischen meidet – zum Beispiel Jugendliche“, berichtet Gemeindesprecher Gruhn. „Allerdings sind die Reichweiten über diese drei Kanäle vergleichsweise gering. Dafür ist aber auch der Pflegeaufwand relativ klein.“
Service via App und Web
Wo ist die nächste Pizzeria? Wann hat das Jugendzentrum geöffnet? Wer ist im Rathaus Ansprechpartner für Reisepässe? Diese und weitere Fragen beantwortet seit dem Jahr 2014 die Ganderkesee-App. Die Gemeindeverwaltung hat in Zusammenarbeit mit der BVB-Verlagsgesellschaft eine Anwendung für Smartphones und Tablet-PCs entwickelt, die zahlreiche Informationen bereitstellt und auf über 90 Prozent aller Smartphones sowie den meisten Tablets funktioniert. Während die BVB-Verlagsgesellschaft Eigentümerin der Anwendung ist, hat sich die Gemeinde den Einfluss auf deren Inhalte zusichern lassen. „Die Ganderkesee-App ist bewusst interaktiv gestaltet“, erläutert Hauke Gruhn, der Texte und Fotos beigesteuert hat und an der Entwicklung des Konzepts beteiligt war. So können Bürger über einen Schadensmelder etwa kaputte Straßenlaternen oder Schlaglöcher mitteilen. „Der große Vorteil für Smartphone-Nutzer ist, dass sie auch gleich ein Foto und sogar die genauen Koordinaten mitschicken können.“ Ansprechpartner von Vereinen, Verbänden und Organisationen sind ebenso per Direktwahl zu erreichen wie die Mitarbeiter im Rathaus, die regioVHS, die Jugendhäuser, Kindertagesstätten, Schulen oder die Gemeindebücherei.
Um die Kosten für die Entwicklung der App zu refinanzieren, können sich Ganderkeseer Unternehmen über den kostenlosen Grundeintrag hinaus gegen Bezahlung noch besser in der App präsentieren, etwa hinsichtlich der Platzierung, mit einer Direktwahl, der Verlinkung auf die jeweilige Homepage oder Bildergalerien. Neben vielen weiteren Funktionen enthält die App einen Veranstaltungskalender und ein Nachrichtenportal für Pressemitteilungen. „Damit die Daten automatisch auf die App transportiert werden können, wurden extra Schnittstellen entwickelt“, erläutert Gruhn. Dadurch sei es nicht mehr notwendig, einzelne Mitteilungen sowohl auf die Homepage der Gemeinde als auch in die App einzustellen.
Wer die zahlreichen Dienstleistungen Ganderkesees online in Anspruch nehmen will, wird auf der Gemeinde-Website fündig. Dort sind Auskünfte über örtliche Gewerbebetriebe und aus dem Gewerbezentralregister erhältlich. Zeit sparen können Bürger dank der Online-Terminbuchung für die Kfz-Zulassungsstelle. Ferner ist die Reservierung von Wunschkennzeichen sowie die Anforderung von Wahlunterlagen möglich. Aber auch Fundsachen lassen sich suchen, Melde- und Aufenthaltsbescheinigungen anfordern sowie Datenübermittlungssperren einrichten.
Dieser Beitrag ist in der März-Ausgabe 2018 von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
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