DarmstadtResiliente Krisenkommunikation

Die energieautarke Litfaßsäule 4.0 auf dem Darmstädter Riegerplatz.
(Bildquelle: Sascha Mannel)
In Darmstadt ging der Prototyp einer digitalen, aber energieautarken Erweiterung für bestehende Litfaßsäulen in Betrieb. Die Idee: Wenn bei einem langanhaltenden Stromausfall andere Kommunikationsmedien wie Mobilfunk, Internet oder Fernsehen ausfallen, kann eine vom Stromnetz unabhängige Anzeige Menschen weiterhin informieren. Entstanden ist die Litfaßsäule 4.0 in einer Forschungskooperation des LOEWE-Zentrums emergenCITY, der Technischen Universität Darmstadt und des Außenwerbungsunternehmens Ströer. „Die in Städten gleichmäßig verteilten Säulen bieten einige Vorteile: Sie gehören zum Stadtbild, allein 155 gibt es in Darmstadt, deutschlandweit sind es rund 65.000. Im Gegensatz zu anderen digitalen Außenmedien befinden sie sich in Wohnquartieren, in der Kernstadt nur 300 Meter zu Fuß entfernt“, sagt der emergenCITY-Wissenschaftler Joachim Schulze, der auch Initiator der Litfaßsäule 4.0 ist.
Die Litfaßsäule 4.0 ist eine Erweiterung für bestehende Litfaßsäulen: Das bestehende Kapitell wird durch einen Aufsatz mit drei LED-Displays ersetzt, die Informationen und Warnungen von Behörden anzeigen können. Betrieben wird diese digitale Anzeige durch eine Methanol-Brennstoffzelle, zwei Photovoltaikmodule auf dem Dach sichern zudem den Stand-by-Betrieb des Empfängers, den die Feuerwehr per Funk ansteuern kann. Bei einem Stromausfall kann die Litfaßsäule bis zu 72 Stunden betrieben werden. Perspektivisch soll der neue Warnmultiplikator auch in das modulare Warnsystem des Bundes integriert werden.
Neben der technischen Erprobung sollen wissenschaftliche Untersuchungen im Anschluss an die Pilotphase zeigen, wie Darmstädterinnen und Darmstädter die Warnsäule wahrnehmen: In den kommenden sechs Monaten untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von emergenCITY sowie dem ebenfalls an der TU Darmstadt angegliederten und in Gründung befindlichen Anwendungs- und Transferzentrum Digital Resilience Xchange (DiReX) wie die Litfaßsäule 4.0 von den Stadtbewohnerinnen und -bewohnern angenommen wird. Dazu sind unter anderem Umfragen, Zählungen sowie Mensch-Computer-Interaktionsstudien geplant.
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