Samstag, 24. Oktober 2026

Smart CityVorteile der Wolke

[13.08.2018] Der Schlüssel zur Smart City liegt in der Cloud: Das zeigen Beispiele aus Spanien, den USA und Großbritannien. Dabei nutzen die Städte vorhandene Ressourcen, sammeln überall Informationen und lagern Innovationen aus.
In Chicago werden Sensordaten in der Cloud analysiert.

In Chicago werden Sensordaten in der Cloud analysiert.

(Bildquelle: Oleg Podzorov – Fotolia.com)

Dank verbesserter Netzabdeckung, höherer Rechenleistung und größerer Speicherkapazitäten entstehen in immer mehr Regionen Smart Cities. Dabei sind vier Faktoren von entscheidender Bedeutung. Intelligente Städte generieren große Datenmengen. All diese Informationen müssen verarbeitet und sicher gespeichert werden. Hier bietet sich eine Cloud-Lösung an, weil sie einfach skalierbar ist. Nur so kann die städtische IT dem kontinuierlichen Datenzufluss begegnen, ohne die eigene Speicherkapazität ständig aufstocken zu müssen. Hinzu kommt, dass mit Cloud Analytics, also mit Datenanalyse-Vorgängen, die ganz oder teilweise in der Wolke erfolgen, die Informationsflut fast in Echtzeit ausgewertet werden kann. Ein Paradebeispiel ist die US-amerikanische Stadt Chicago. Dort wurden bereits vor etlichen Jahren an vielen Stellen Sensoren installiert, die permanent Luftqualität, Lichtintensität, Lautstärke, Wärme, Niederschlag, Wind und Verkehr messen. Die Sensordaten werden in der Cloud analysiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Wenn Kommunen Smart-City-Lösungen implementieren wollen, sehen sie sich jedoch mit einer wesentlichen Herausforderung konfrontiert: Internet-of-Things(IoT)-Szenarien sind in der Regel mit erheblichen Investitionen verbunden. Immerhin müssen viele via Internet verbundene Sensoren und Sonden über das gesamte Stadtgebiet verteilt Informationen sammeln.

Smart parken und Verkehr lenken

Eine naheliegende Lösung ist das Nutzen von Sensoren, die in den Kommunen bereits vorhanden sind. Diese Herangehensweise bietet sich etwa beim Smart Parking an. Dabei werden Autofahrern über eine App freie Parkplätze in ihrer Nähe angezeigt. So verbindet eine Anwendung des Unternehmens EYSA in der Cloud unter anderem Parkuhren, Smartphones, Parksensoren und mobile Geräte des Ordnungsamts. Die dadurch generierten Informationen werden mithilfe von Big-Data-Technologien verarbeitet. Das Ergebnis sind Rückmeldungen in Echtzeit, mit denen sich das Management des öffentlichen Parkraums optimieren lässt. In 60 spanischen Städten profitieren die Bürger so von einem verbesserten und vereinfachten Parkservice, der unter anderem auf der Nutzung der Cloud und bereits vorhandener Sensoren basiert.
Die vorhandene Infrastruktur lässt sich auch zielführend einsetzen, indem etwa Busse oder Straßenleuchten mit kostengünstigen Sensoren ausgestattet und so zu eigenständigen Informationssammlern aufgewertet werden. So könnten in Großstädten sensorbestückte Busse auf ihrer täglichen Strecke Daten sammeln und wichtige Informationen rund um Verkehrslage, CO2-Wert, Temperatur oder Lärmpegel erfassen. Mit Cloud Analytics ließen sich diese Informationen auswerten und so ermitteln, wo Staus oder Unfälle drohen oder in welchen Gebieten die Schadstoffbelastung zu stark steigt. Die betroffenen Bürger könnten via App über die aktuelle Lage informiert werden. Auf ähnliche Weise könnte der öffentliche Nahverkehr profitieren. Denkbar wäre dort die Sammlung von Informationen über Verkehrsströme zu bestimmten Tageszeiten und Wochentagen.

Neue Ideen durch frei nutzbare Daten

Wenn Bürgern und Unternehmen frei nutzbare, städtische Daten zur Verfügung gestellt werden, entstehen neue Ideen und Geschäftsmodelle. In Chicago ist das bereits gängige Praxis: Die Stadt veröffentlicht regelmäßig eine Excel-Tabelle mit Informationen zu geplanten Straßenreinigungsplänen mit Datum, Beschreibung und GPS-Koordinaten der betroffenen Verkehrswege. Diese Datensätze verwenden unabhängige Entwickler zur Erstellung einer Anwendung, welche die Nutzer informiert, wann eine bestimmte Straße in ihrer Gegend gereinigt werden soll.
Ein weiteres Beispiel für die Auslagerung von Innovationen findet sich in Großbritannien. Der Stadtrat von Peterborough hat stadtweit Wetterstationen in den Schulen installiert. Sensoren überwachen dort nicht nur das Wetter, sondern dokumentieren auch längerfristige klimatische Veränderungen. Die Daten stehen der Öffentlichkeit frei zur Verfügung und werden von Bildung und Forschung genutzt.
Smarte Technologien werden mittlerweile weltweit in städtische Infrastrukturen implementiert. Viele Experten glauben, dass die Digitalisierung die Zukunft der Städte maßgeblich prägt. Doch intelligente Städte basieren nicht allein auf neuer Technik, sondern sind auch stark von Teilhabe geprägt. Die Installation von Sensoren, um verschiedene Informationen zu sammeln, stellt dabei nur einen von vielen Aspekten dar. Schon jetzt sollte die bestehende Infrastruktur so umgerüstet werden, dass eine leichte Datenerfassung und -verarbeitung möglich ist. Aus verschiedenen Bausteinen entsteht dann eine vernetzte, nachhaltige Smart City. Die Cloud kann dabei eine wichtige Rolle spielen.

Giulio Soro ist Head of Solutions Architecture Emerging Markets/RoEMEA Public Sector bei Amazon Web Services.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Smart City
Radzählstation an der Wiwilibrücke

Freiburg: Beim Datenspaziergang die Smart City erleben

[21.10.2026] Wie werden Daten in einer Smart City erhoben und genutzt? Ein neuer Datenspaziergang in Freiburg zeigt an fünf Stationen, welche Technologien dahinterstecken und wie die gewonnenen Informationen zur Stadtentwicklung beitragen. mehr...

ein orangenes Winterdienstauto von hinten

Pforzheim: Ideen für die Smart City

[15.10.2026] Wie können offene Daten und Künstliche Intelligenz dazu beitragen, kommunale Herausforderungen zu lösen? Beim Smart City Hackathon in Pforzheim entwickeln die Teilnehmenden Anfang November praxisnahe Lösungen – vom Landschaftsschutz bis zum Winterdienst. mehr...

bericht

Apps: Smart City kann klein starten

[13.10.2026] Auch kleinere und mittlere Kommunen können Smart-City-Angebote mit überschaubarem Aufwand umsetzen. Ein möglicher Einstieg sind kommunale Apps: Sie bündeln Informationen, vernetzen lokale Akteure und eröffnen neue Wege für den Austausch mit der Bürgerschaft. mehr...

Vier Personen stehen rund um einen hohen Tisch auf dem beschriebene karten zu sehen sind

Smart City Summer School Dresden: Wissenstransfer für die Stadt der Zukunft

[12.10.2026] Wie lassen sich erfolgreiche Smart-City-Lösungen dauerhaft in Kommunen etablieren und auf andere Städte und Gemeinden übertragen? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Smart City Summer School 2026 in Dresden. Forschende aus rund 50 wissenschaftlichen Einrichtungen diskutierten über Wissenstransfer, Resilienz und die Wirkung digitaler Stadtentwicklung. mehr...

Wie sehen die Städte der Zukunft aus?

Smart City: Digitale Grundversorgung dauerhaft sichern

[08.10.2026] Smarte Städte und Regionen brauchen mehr als befristete Modellprojekte. Sechs Verbände fordern dauerhaft finanzierte, übertragbare Strukturen für die digitale Daseinsvorsorge. Erprobte Lösungen sollen weiterbetrieben werden und allen Kommunen zugutekommen. mehr...

Smart Country Convention: Smart Water als Basis für weitere Anwendungen

[02.10.2026] Zenner zeigt auf der Smart Country Convention 2026, wie sich die Digitalisierung der Wasserwirtschaft mit weiteren Smart-City-Anwendungen verbinden lässt. Eine gemeinsame LoRaWAN-Infrastruktur soll dabei Daten aus unterschiedlichen kommunalen Bereichen übertragen. mehr...

Smart-City-Strategie: Für viele Kommunen eine Herausforderung.

Hamm: Digitaler Erfolgskurs

[24.09.2026] Hamm stellt die Weichen für die nächste Phase seiner Digitalisierung: Die bisherige Digitalisierungsstrategie wird zu einer Smart-City-Strategie für 2027 bis 2032 weiterentwickelt. Neue KI-Anwendungen und eine modernere Dateninfrastruktur sollen dabei eine größere Rolle spielen. mehr...

Reihe von Autos, Nahaufnahme, im Hintergrund orangefarbenes Bokeh

Köln: MobilitätsCockpit verstetigt

[23.09.2026] Köln führt die Datenplattform MoCKiii nach Abschluss der Förderphase dauerhaft fort. Sie verknüpft Verkehrs-, Umwelt- und Wetterdaten in Echtzeit. Die Informationen fließen unter anderem in Verkehrsanlagen, das Brückenleitsystem und die Mobilithek ein. mehr...

Visualisierung des smarten Pfaff-Quartiers in Kaiserslautern.
bericht

Serie Smart Cities, Teil 6: Resilient und nachhaltig

[22.09.2026] Um zukunftsfähige urbane Infrastrukturen – smarte Quartiere – zu schaffen, sollten Kommunen die Digitalisierung konsequent als Hebel für ganzheitliche Nachhaltigkeit und Resi­lienz nutzen. Dabei können sie sich an vier Leitfragen orientieren. mehr...

Holzblöcke vor blauem Hintergrund bilden eine aufsteigende Treppe mit einem roten Block ganz oben. Symbol für eine Rangliste

Haselhorst Smart City Ranking: Ranking ohne Rangliste

[17.09.2026] Das Haselhorst Smart-City-Ranking verzichtet 2026 erstmals darauf, die Platzierungen der untersuchten Städte aktiv zu veröffentlichen. Ganz geheim bleibt die Rangliste dennoch nicht: München hat seinen erneuten ersten Platz bereits selbst bekannt gegeben. mehr...

Gruppenfoto mit Vertreterinnen und Vertretern der Urban Stack Community

Gütersloh: Zusammenarbeit im Urban Stack

[17.09.2026] Gemeinsam kommt man auf dem Weg zu Digitaler Souveränität besser voran: Dieser Überzeugung sind die aktuell zehn Kommunen, die sich der von der Stadt Gütersloh entwickelten Datenplattform Urban Stack bereits angeschlossen haben. Beim ersten Community-Treffen gab es jetzt konkrete Weichenstellungen und Neuigkeiten. mehr...

Fünf Personen präsentieren den neuen Sensor am Marktplatz Rheydt.

Mönchengladbach / Viersen: Nächtliche Kaltluftströme unter der Lupe

[16.09.2026] In einem gemeinsamen Smart-City-Projekt erforschen Mönchengladbach und Viersen über fest installierte Sensoren die Kaltluftströme in den beiden Städten. Ziel ist es, damit neue Datengrundlagen für Klimaanpassung und Stadtplanung zu schaffen. mehr...

Stuttgarter Schlossplatz mit Jubiläumssäule bei gutem Wetter, Menschen sitzen auf der Wiese.

Smart City Index 2026: Stuttgart übernimmt die Spitze

[09.09.2026] Stuttgart führt erstmals den Smart City Index des Digitalverbands Bitkom an und verdrängt München auf Rang 2. Hamburg folgt auf Platz 3. Mönchengladbach, Bremen, Erlangen und Hildesheim zählen zu den größten Aufsteigern unter den deutschen Großstädten. mehr...

Stadtansicht Braunschweig

Braunschweig: Innovationsstrategie für die digitale Zukunft

[09.09.2026] Für die digitale Transformation der Verwaltung hat Braunschweig eine Innovationsstrategie vorgelegt, über die der Rat Ende September entscheidet. Sie umfasst den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Cloud-Lösungen sowie den Aufbau einer urbanen Datenplattform. mehr...

Smart-City-Plattformen: Neuer DIN-Standard veröffentlicht

[07.09.2026] Handlungsempfehlungen für den Aufbau resilienter, skalierbarer und nachhaltiger Smart-City-Infrastrukturen liefert jetzt die neue DIN SPEC 91377 zu „Datenmodellen und Protokollen in offenen urbanen Plattformen“. mehr...