Geodaten-ManagementINSPIRE bald am Ziel

Entwicklung zentraler Indikatoren für INSPIRE in Deutschland.
(Bildquelle: Koordinierungsstelle GDI-DE)
Die Infrastructure for Spatial Information in Europe (INSPIRE) bildet den Rahmen des europäischen Geodaten-Managements. Die entsprechende europäische Richtlinie 2007/2/EG ist am 15. Mai 2007 in Kraft getreten. Sie verpflichtet öffentliche geodatenhaltende Stellen in den Mitgliedsländern, digitale Daten mit Raumbezug interoperabel über Dienste in einheitlichen Datenmodellen bereitzustellen, sofern diese unter eines der 34 Themen in den Anhängen der Richtlinie fallen. Dabei verfolgt INSPIRE einen stufenweisen Ansatz. Zunächst werden sämtliche betroffene Ausgangsdaten über Dienste verfügbar gemacht. In einem weiteren Schritt werden die Daten schließlich interoperabel und damit INSPIRE-konform zur Verfügung gestellt.
Im November vergangenen Jahres erreichte die Umsetzung einen wesentlichen Meilenstein. Die Geodaten und Geodatendienste aus den Themen von Anhang I der Richtlinie müssen seit diesem Tag vollständig INSPIRE-konform vorliegen. Die anderen Anhangthemen folgen zu späteren Zeitpunkten. Die finale Umsetzung aller Themen ist für das Jahr 2021 vorgesehen.
Wachsendes Netzwerk an Beteiligten und Ressourcen
Der aktuelle Status von INSPIRE und der Umsetzung der Richtlinie wird im Rahmen des jährlich durchgeführten INSPIRE-Monitorings erhoben. Zum Monitoring werden Indikatoren ermittelt, die darüber hinaus Rückschlüsse auf den Ausbau und Betrieb der Geodaten-Infrastrukturen in den Mitgliedsstaaten erlauben. Das aktuelle Monitoring mit dem Bezugsjahr 2017 bestätigt ein seit Jahren wachsendes Netzwerk an Beteiligten und Ressourcen in Form von Geodaten und -diensten in Deutschland sowie der gesamten Europäischen Union. Deutschland meldete für das Jahr 2017 rund 22.000 Datensätze sowie über 21.000 Darstellungs- und Download-Dienste von insgesamt fast 1.000 beteiligten Stellen. Damit liegen für INSPIRE so viele nationale Ressourcen von so vielen Akteuren vor wie noch nie zuvor. Bemerkenswert ist, dass der größte Teil der beteiligten Stellen mit mehr als 18.000 gemeldeten Datensätzen aus dem kommunalen Bereich stammt. Bei der Betrachtung dieser Statistiken ist zu beachten, dass die Anzahl an Ressourcen allein kein Indikator für eine erfolgreiche INSPIRE-Umsetzung ist, sondern immer im Zusammenhang mit weiteren Faktoren zu bewerten ist.
Portal soll Nutzer inspirieren
Anschauliche Beispiele für INSPIRE-Daten und -Dienste in Deutschland bietet seit März 2018 eine neu entwickelte Kartenreihe im Geoportal.de, dem zentralen Einstiegspunkt der Geodaten-Infrastruktur Deutschland GDI-DE. Unter dem Motto „INSPIRE the users“ werden dort monatlich Beispiele aus Bund und Ländern präsentiert, welche die INSPIRE-Regeln gänzlich erfüllen. Dargestellt sind dort primär Themen aus Annex I, da diese 2018 bereits vollständig nach INSPIRE-Spezifikationen zur Verfügung stehen müssen.
Die auf dem Portal dargestellten Geodatendienste sind ausgewählte Beispiele der Datenbereitsteller, die von besonderem Interesse für potenzielle Anwendungen sind und vor Augen führen, wie die Umsetzung von INSPIRE konkret aussehen kann. Darüber hinaus bietet das Geoportal stets die Möglichkeit, nach weiteren interessanten Geodaten und -diensten von GDI-DE und INSPIRE zu suchen.
Anwendungsmöglichkeiten entdecken
Auch auf europäischer Ebene steigt die Zahl der verfügbaren Ressourcen im INSPIRE-Netzwerk stetig an. Insgesamt stehen europaweit über 127.000 Geodatensätze und über 73.000 Geodatendienste in den entsprechenden Portalen zur Verfügung. In der Gesamtbetrachtung zeigt sich eine große Heterogenität der Bereitstellung der Mitgliedsstaaten. Die Anzahl an verfügbaren Ressourcen ist auch in diesem Jahr wieder gestiegen. Bei den Geodatensätzen entspricht der Zuwachs zwölf Prozent, bei den Geodatendiensten sogar 120 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die fünf Mitgliedsstaaten Deutschland, Frankreich, Italien, Polen und das Vereinigte Königreich tragen mehr als 95 Prozent der Geodatensätze zu INSPIRE bei. Viele Staaten melden jedoch nur eine geringe Anzahl an Ressourcen.
Mit der Meilensteinerreichung 2017 und dem aktuellen Umsetzungsstand ist INSPIRE auf der Zielgeraden angekommen. Nun findet eine Verschiebung des Fokus von der reinen Pflichterfüllung und Einhaltung der Vorgaben hin zu Nutzungs- und Anwendungsmöglichkeiten von INSPIRE statt. Diese Tendenz zeigt sich auch außerhalb des INSPIRE-Netzwerks. Die Bedeutung von Raumanalysen insgesamt hat mit den Möglichkeiten der Digitalisierung und Vernetzung zugenommen, und INSPIRE weckt das Interesse zahlreicher Akteure.
Viel Potenzial für die Zukunft
Auch bei der EU-Kommission gibt es einen gestiegenen Geodatenbedarf. Dort unterstützen räumliche Analysen bereits die Politikgestaltung beispielsweise in den Bereichen, Landwirtschaft, Verkehr, Klimawandel, Umwelt, Energie, natürliche Ressourcen, Forstwirtschaft, Gesundheit oder Katastrophen-Management. Weitere Anwendungsfälle, wie die Überwachung der Ziele der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen und dem United Nations Global Geospatial Information Management (UN-GGIM), werden immer konkreter und lassen damit das Potenzial von INSPIRE in der Zukunft erahnen. Diesem Gedanken folgte auch die diesjährige INSPIRE-Konferenz, die vom 18. bis 21. September in Antwerpen stattfand. Unter dem Motto „INSPIRE users: Make it work together“ wurden potenzielle Nutzen und Anwendungsfälle sichtbar in den Fokus gerückt.
Insgesamt wächst die Anzahl an Ressourcen ebenso wie die Beteiligung, und die Umsetzung von INSPIRE schreitet voran. War es in den ersten Jahren nach Inkrafttreten der Richtlinie zunächst erforderlich, Strukturen zu etablieren und Lösungen technischer sowie organisatorischer Art zu finden, ist dies nun weitgehend abgeschlossen. Organisation und Technik haben einen Stand erreicht, der die Erfüllung der Vorgaben aus INSPIRE grundsätzlich jedem Akteur möglich macht. Sich herauskristallisierende Anforderungen und konkret formulierte Bedarfe an Geo-Informationen verdeutlichen die tragende Rolle, die INSPIRE in der Politikunterstützung einnehmen kann.
Anpassen und weiterentwickeln
Allerdings ist festzuhalten, dass INSPIRE in seiner aktuellen Form nicht uneingeschränkt und sofort die aufkommenden Bedarfe aus der Praxis erfüllen kann. Das ist bei einem so ambitionierten und langfristigen Vorhaben jedoch nicht überraschend. Anpassungen und Weiterentwicklungen sind die nächsten logischen Schritte für die Zukunft. Der Fokus der Entwicklung sollte nun darauf gerichtet werden, wie INSPIRE und unterschiedliche Nutzeranforderungen zusammenkommen können. Auf dieser Grundlage wird sich INSPIRE auch in der Zeit nach 2021 weiterentwickeln.
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe Oktober 2018 von Kommune21 im Schwerpunkt Geodaten-Management erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
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