KIRechtliche Vorgaben bremsen Einsatz

Jeder zweite Behördenentscheider (53 Prozent) nennt laut dem Branchenkompass Public Sector die hohen Standards beim Datenschutz und in der Datensicherheit als Hindernis für den Einsatz von KI in der öffentlichen Verwaltung.
(Bildquelle: Karsten Neglia/123rf.com)
Die öffentliche Verwaltung in Deutschland tut sich in der Breite schwer mit neuen Technologien wie künstlicher Intelligenz (KI). Zu diesem Ergebnis kommt der Branchenkopass Public Sector 2020 von Sopra Steria und dem F.A.Z.-Institut (wir berichteten). Demnach bremsen aus Sicht von 60 Prozent der Entscheider die aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen eine stärkere Nutzung. Nur drei von 100 Behördenmanagern hielten zudem die eigene Organisation für ausreichend vorbereitet. Zudem gebe es Zweifel an der technischen Reife.
Künstliche Intelligenz und Automatisierungstechnologien sind kein Neuland für die öffentliche Verwaltung, informiert Sopra Steria. Die Technologie helfe der Steuerfahndung und errechne den optimalen Zuschnitt für die Schulbezirke einer Gemeinde. Die Bundesagentur für Arbeit nutze KI-Anwendungen für die Qualitätssicherung in Code-Zeilen, und bei Grenzkontrollen soll die Technologie künftig beim schnellen Abgleich biometrischer Daten zum Einsatz kommen.
Behördenmanager würden gerne stärker auf die neuen Technologien zurückgreifen: 81 Prozent der befragten Entscheider könnten sich laut Umfrage vorstellen, künftig mithilfe von Algorithmen Fehler und Anomalien in Anträgen automatisiert zu erkennen und damit Doppelarbeiten und Betrugsversuche zu verhindern.
Hohe Standards als Hindernis
Zwei Drittel der Behörden wollen laut Branchenkompass Text- und Sprachdokumente verstärkt durch KI-Lösungen auswerten und weiterverarbeiten sowie Informations- und Auskunftsdienste verbessern. Denkbar sei, dass Machine-Learning-Lösungen die Bearbeitung elektronischer Rechnungen unterstützen. Derzeit seien trotz E-Rechnung einige manuelle Arbeitsschritte notwendig, die sich mithilfe neuer Technologien automatisieren ließen.
Die öffentliche Verwaltung sehe sich in der konkreten Umsetzung allerdings gebremst durch gesetzliche Vorgaben. Jeder zweite Behördenentscheider (53 Prozent) nennt laut Umfrage die hohen Standards beim Datenschutz und in der Datensicherheit als Hindernis. Entsprechende Vorgaben würden beispielsweise verhindern, dass Daten in der behördlichen Praxis zusammengeführt und verknüpft werden. Für den effektiven KI-Einsatz wäre dies jedoch erforderlich. Die herrschenden Standards sollen eigentlich für Klarheit sorgen und Orientierung bieten, so Sopra Steria.
Innovationen voranbringen
„Die hohen aktuellen Datenschutzregelungen, aber auch der angestrebte Code of Conduct zur datenschutzkonformen Nutzung von Gesundheitsdaten sind eine Chance, weil sie für alle gelten“, erklärt Ronald de Jonge, Leiter Management Consulting im Geschäftsbereich Public Sector von Sopra Steria. Für Bundes- und Landesbehörden, Ministerien sowie für Städte und Gemeinden geht es laut dem Unternehmen darum, sich innerhalb dieses Rahmens frei zu bewegen. Dazu gehöre auch, Innovationen stärker aus Eigenantrieb voranzubringen. 94 Prozent der Behörden würden den Dialog mit anderen Verwaltungen suchen, um Innovationen voranzutreiben. 92 Prozent würden aktiv, wenn der Gesetzgeber neue Vorgaben macht.
Deutlich weniger Behörden gehen laut Branchenkompass neue Wege: Demnach suchen nur 13 Prozent beispielsweise die Zusammenarbeit mit Start-ups und nur 27 Prozent würden kreatives und nutzerorientiertes Denken durch die Einführung neuer Methoden fördern. „Viele Verwaltungen müssen hier kulturell noch den Schalter umlegen, um das Potenzial von KI-Lösungen, aber auch anderer Technologien wie Blockchain und Cloud Computing auszuschöpfen“, führt de Jonge weiter aus.
Hoffnung auf KI- und Datenpolitik
Viele Manager in den Behörden werden nach Angaben von Sopra Steria auf das Programm zur EU-Ratspräsidentschaft der Bundesregierung setzen. Die formulierten Ziele zur Nutzung künstlicher Intelligenz, die Idee für europäische Datenräume und rechtliche Voraussetzungen für sichere Ablagemöglichkeiten von Daten auf dem Smartphone könnten neue Impulse bringen. „Es ist darüber hinaus wichtig, dass sich die Verwaltungen dieses Themas selbst annehmen“, sagt Ronald de Jonge. Dazu gehöre, dass Behörden beispielsweise organisatorisch getrennte Datensilos, uneinheitliche Datenstrukturen oder -formate, wo sie können, aufbrechen. „Zudem eignen sich verstärkte Investitionen in Anonymisierungsverfahren, um Bedenken in der Bevölkerung zu berücksichtigen, die gerade in Deutschland oft groß sind, wenn der Staat Daten in großen Mengen systematisch nutzt“, so de Jonge.
https://www.soprasteria.de
https://www.faz-institut.de
NeXT: Nachnutzung praktisch angehen
[28.09.2026] Ein neues Paper des NeXT-Netzwerks gibt Beschäftigten aller föderalen Ebenen praktische Hinweise, wie sie digitale Lösungen für andere bereitstellen oder selbst übernehmen können. Ein Schnellcheck führt zu den passenden Empfehlungen und weiterführenden Ressourcen. mehr...
Berlin: Digitale Bürgerdienste holen auf
[25.09.2026] Bei der Verwaltungsdigitalisierung in Berlin geht es voran: Mehr als die Hälfte der 100 meistgenutzten Bürgerdienstleistungen ist inzwischen digital verfügbar. Nachholbedarf besteht allerdings bei der tatsächlichen Online-Nutzung und der Medienbruchfreiheit. mehr...
Verwaltungsmonitor 2026: Digitale Transformation im Arbeitsalltag
[24.09.2026] Eine neue bundesweite Befragung richtet den Blick auf die Menschen, die Verwaltungsdigitalisierung erleben und gestalten. Beschäftigte aller Verwaltungsebenen können bis Ende Oktober 2026 online und anonym teilnehmen. Durchgeführt wird die Untersuchung vom Netzwerk NExT und dem Kompetenzzentrum Öffentliche IT. mehr...
Heidelberg: Stadtblatt wird digital
[18.09.2026] Heidelberg stellt die Verteilung seines Stadtblatts neu auf. Statt einer Zustellung an alle Haushalte setzt die Stadt künftig vor allem auf die digitale Ausgabe. mehr...
Gütersloh: Webseite zur Stadtgeschichte in neuem Look
[11.09.2026] Die Stadt Gütersloh hat den Bereich zur Stadtgeschichte auf ihrer Website grundlegend überarbeitet. Inhalte wurden neu geordnet und verknüpft, historische Abbildungen durch hochauflösende Digitalisate ersetzt und weitere Seiten um Bilder, Videos und Links ergänzt. mehr...
Berlin: Klimaanpassung spielerisch erfahren
[11.09.2026] Mit dem Online-Spiel Schwammtastisch soll das Konzept der Schwammstadt für Berlinerinnen und Berliner anschaulich werden. Straßen und Plätze lassen sich digital mit Bäumen, Pflanzstreifen oder Regenwassernutzung umgestalten und deren Wirkung erkunden. mehr...
Studie: Automatisierungspotenzial in Behörden nicht ausgeschöpft
[09.09.2026] Eine Studie von Foundry, UiPath und Materna zeigt deutliche Lücken bei der Digitalisierung deutscher Behörden: Nach Einschätzung der Befragten könnten 49 Prozent der Verwaltungsaufgaben automatisiert werden, tatsächlich sind es erst 23 Prozent. Zudem ist ein Drittel der Leistungen noch komplett offline. mehr...
Ulm: Goldenes Buch ist digital erlebbar
[04.09.2026] Das Goldene Buch der Stadt Ulm können Gäste im Rathaus via Touchbildschirm ab sofort digital durchblättern. mehr...
GEAS-Reform (2): Was jetzt auf die Verwaltung zukommt
[03.09.2026] Neue Verfahren, angepasste IT-Systeme und komplexere Rechtsfragen: Mit der GEAS-Reform wächst der Umsetzungsaufwand für die beteiligten Behörden. Sie müssen europäische und nationale Vorgaben stärker gemeinsam berücksichtigen - und up to date bleiben. mehr...
GEAS-Reform (1): Die rechtlichen Implikationen
[02.09.2026] Die GEAS-Reform regelt wesentliche Bereiche des Asylrechts nun durch unmittelbar geltende EU-Verordnungen. Damit sinken nationale Gestaltungsspielräume, während die Anforderungen an Rechtsanwendung und Verwaltungsvollzug steigen. mehr...
KGSt/Helmut-Schmidt-Universität Hamburg: Agile Arbeitsweisen in Kommunen
[01.09.2026] Die KGSt und die Hamburger Helmut-Schmidt-Universität wollen herausfinden, wie agile Arbeitsweisen in Kommunalverwaltungen eingeführt und etabliert werden. Für eine kurze Umfrage werden noch Personen gesucht, die agiles Arbeiten in ihrer Kommune voranbringen. mehr...
Vitako: Schlaglichter auf kommunale Digitalisierung
[31.08.2026] Mit einer neuen YouTube-Reihe zeigt Vitako Perspektiven aus der öffentlichen IT in kurzen Videos. In den ersten Beiträgen geht es um verlässliche digitale Infrastrukturen, digitale Souveränität und interkommunale Zusammenarbeit. mehr...
digitalSIGNAGE: Digitale Bürgerkommunikation für Rathaus & Co.
[31.08.2026] Digitale Informations- und Anzeigesysteme können das Personal in Kommunen entlasten: Sie erleichtern die Orientierung, organisieren den Besucheraufruf und informieren. Der ISO/IEC 27001 zertifizierte Anbieter digitalSIGNAGE deckt dafür ein breites Produktspektrum ab. mehr...
KGSt: Neues Verwaltungsleitbild
[27.08.2026] Die KGSt hat mit der „Netzwerkkommune“ ein neues Verwaltungsleitbild vorgelegt. Es beschreibt eine Verwaltung, die komplexe Aufgaben gemeinsam mit Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft löst. Die Steuerung solcher Netzwerke muss so angelegt sein, dass Kooperation und Vertrauen möglich werden. mehr...
Peine: Onlinedienste bekannter machen
[27.08.2026] Die Stadt Peine will ihre digitalen Verwaltungsangebote bekannter machen sowie Bürgerinnen und Bürger über deren Vorteile und Nutzungsmöglichkeiten informieren. Dazu begann nun eine langfristig angelegte Kampagne, die Werbeflächen in der Stadt und Social Media bespielt. mehr...



















