Samstag, 7. Februar 2026

PortaleVernetzte Zuständigkeiten

[08.11.2021] Die im Verbund Linie6Plus organisierten Bundesländer nutzen Zuständigkeitsfinder und das System Infodienste zur Vernetzung ihrer Kommunal- und Landesportale. Sie sind damit bestens gewappnet für die Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG).
Durch vernetzte Systeme Informationen schneller finden.

Durch vernetzte Systeme Informationen schneller finden.

(Bildquelle: vegefox.com/adobe.stock.com)

Leistungen der Verwaltung werden auf verschiedenen Ebenen erbracht. Bund und Länder teilen sich die meisten Zuständigkeiten. Auf diese Leistungen greifen Menschen als Kunden der Verwaltung, aber auch Systeme (M2M) zu – eine Kenntnis der Zuständigkeiten darf nicht vorausgesetzt werden und ist für Verwaltungskunden letztlich auch nicht relevant. Im Regelfall werden Leistungen in Bezug auf bestimmte Orte in Anspruch genommen: Der neue Personalausweis wird im Kontext des Wohnorts beantragt, die Gewerbeanmeldung erfolgt in Abhängigkeit des Unternehmenssitzes. Zuständigkeitsfinder vermitteln zwischen den Akteuren und sind eine essenzielle Komponente zur erfolgreichen Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG).
In derzeit neun Bundesländern kommen die Zuständigkeitsfinder im Verbund der Linie6Plus zum Einsatz. In diesem wird seit dem Jahr 2003 der arbeitsteilige Ansatz zwischen Kommune, Land und Bund gelebt. Im Ursprung ergänzte die bereitgestellte Basis-Infrastruktur kommunale Web-Seiten sowie Landesportale. Seit 2009 bilden sie das Rückgrat der Datenbereitstellung der Behördenrufnummer 115 und unterstützen die Umsetzung der EG-Dienstleistungsrichtlinie (EG-DLR). Heute fungieren die Systeme der Linie6Plus als zentrale Datenbasis und unterstützen maßgeblich die Umsetzung des OZG (wir berichteten).

System Infodienste als Basis

Die technische Realisierung erfolgt auf Basis des Systems Info­dienste. Dieses stellt Module für die Pflege von Leistungen, Organisationseinheiten, Online-Diensten, Gebietsdaten und Kommunalen Satzungen bereit. Zusätzlich werden unterschiedliche Schnittstellen wie der Einbindungsassistent, ein proprietärer SOAP-Webservice, der XZufi-Webservice oder die Programmierschnittstelle REST-API angeboten. Die Info­dienste werden in den teilnehmenden Bundesländern als Basis-Infrastruktur bereit­gestellt und vernetzen dort die Kommunal- und Länderportale. Über den Linie6Plus-Verbund hinaus ist das Portalverbund Online-Gateway (PVOG) des Bundes angeschlossen. Hierüber erfolgt die Vernetzung mit Bundesländern außerhalb des Linie6Plus-Verbunds.
Die Arbeitsweise der Systeme der Linie6Plus-Länder ist deckungsgleich. Eine Redaktion auf Landesebene erstellt und pflegt die landesweit gültigen Leistungen – FIM-konform und in Abstimmung mit dem FIM-Baustein Leistungen. Dazu steht eine Anbindung an das Redaktionssystem der Bundesredaktion zur Verfügung. Hierüber können Leistungen importiert und abonniert werden. Zusätzlich ist über MetaRedaktion.de ein bundesweiter Austausch von Leistungsbeschreibungen möglich.

Medienbruchfreie und transparente Kommunikation

Kommunal- und Landesbehörden ergänzen die Leistungen in ihrer Zuständigkeit und reichern Informationen zu Organisationseinheiten (zuständigen Stellen), Online-Diensten, Rechtsgrundlagen, Mitarbeitern und weiteren Kriterien an. Zur Unterstützung der Redaktionen stehen zudem verschiedene Hilfsmittel bereit. Neue und geänderte Leistungen sowie organisatorische Informationen werden etwa über einen automatisierten Newsletter und einen RSS-Feed an die Nutzer der Systeme kommuniziert. Ein Qualitätssicherungsmodul nimmt das Feedback der kommunalen Redakteure entgegen – Leistungen können hier direkt kommentiert und entsprechende Änderungsvorschläge formuliert werden. So ist eine medienbruchfreie und transparente Kommunikation mit der Landesredaktion möglich. Die Systeme unterstützen zudem die Mehrsprachigkeit. Zusätzlich lassen sich Informationen in leichter Sprache hinterlegen.
Ein großer Mehrwert und wesentliches Erfolgskriterium der Info­dienste begründet sich in der Nachnutzung der hierüber generierten Datenbestände. Ob Kommunalportal, Bürger- und Unternehmensservice des Landes, Fachportal, Fach­anwendung, PVOG, Service-Center oder Chatbot – alle Akteure sind über standardisierte Schnittstellen eingebunden. Auskünfte der Verwaltung sind so deckungsgleich und ebenenübergreifend möglich, egal ob im Self-Service auf einer Website oder bei einer telefonischen Auskunft. Durch die Vernetzung der Systeme ist das Auffinden von Informationen außerhalb des jeweiligen Zuständigkeitsbereichs sichergestellt – eine Suche im Serviceportal Niedersachsen nach einer Gewerbeanmeldung in München führt ebenso zum Ziel wie die nach einem Führerschein für Kiel im Portal Sachsen-Anhalts. Damit sind wesentliche Projektziele des OZG für einen Portalverbund bereits erreicht.

Standardisierte Vorgehensweise erleichtert Roll-out

Die standardisierte Vorgehensweise in Bezug auf Organisation und Schnittstellen vereinfacht darüber hinaus den Roll-out in der Fläche. Kommunale Dienstleister sind meist länderübergreifend tätig. Wird im Linie6Plus-Verbund eine Schnittstellenintegration umgesetzt, durchläuft diese eine verbundweit anerkannte Zertifizierung. Ein Dienstleister einer Kommune erhält damit für sein zertifiziertes Produkt in jedem Linie6Plus-Land Zugangsdaten – eine erneute Schnittstellenimplementierung oder Prüfung ist nicht erforderlich. Abgerundet wird das Vorgehen durch länderübergreifende Support-Möglichkeiten und Workshops. Die zertifizierten Produkte werden auf einer Website öffentlich gelistet. Das unterstützt Kommunen beispielsweise bei der Entscheidungsfindung für die passende CMS- oder Portallösung.
Im Zuge der OZG-Umsetzung erfolgte die Anbindung an das Portalverbund Online-Gateway des Bundes. Zur Datenbereitstellung der Länder an das PVOG kommt, ebenso wie bei der Behördenrufnummer 115, der Datenaustauschdienst Infodienste (DADID) zum Einsatz. In diesem werden XZufi2.2-Leistungsberichte generiert und zum Abruf durch den Sammeldienst bereitgestellt. Für künftige Weiterentwicklungen wird die Etablierung einer PUSH-Schnittstelle angestrebt. Zur Recherche von Daten außerhalb der Linie6Plus wird die Suchdienst-API des Bereitstelldienstes eingebunden.

Monitoringtool zur Bewertung der Umsetzung des OZG

Für die Kommunen im Linie6Plus-Verbund bedeutet dies, dass alle bereits erhobenen Informationen durch die Anbindung der Ländersysteme direkt im Portalverbund Online-Gateway sichtbar sind, seitens der Kommune fällt hierfür kein gesonderter Aufwand an. Ebenso ist die bundesweite Recherche direkt in den Kommunalportalen verfügbar – vorausgesetzt, der kommunale Dienstleister unterstützt dies im eigenen System. Zur Bewertung des OZG-Umsetzungsstatus steht ein Monitoringtool zur Verfügung, das eine transparente Übersicht zum Umsetzungsstand der relevanten Leistungen und Dienste in Echtzeit bietet.
Hauptaugenmerk laufender Aktivitäten ist die nahtlose Integration von Online-Services. Das ist in zweierlei Hinsicht relevant: Zum einen registrieren Online-Dienste-Plattformen ihre Angebote im Kontext Leistung und Gebiet direkt im Zuständigkeitsfinder. Damit ist neben dem Ansprechpartner auch direkt der Online-Dienst zugreifbar. Das gilt sowohl für Einzeldienste wie auch für so genannte Einer-für-Alle(EfA)-Dienste. Für letzteren Fall wird eine dynamische Parame­trisierung angeboten. Zum anderen greifen die Online-Dienste auf die vorgenannten Schnittstellen zu und konsumieren so Daten von der Leistungsbeschreibung bis hin zum jeweiligen Zustellsystem und -kanal.

Thomas Patzelt ist Geschäftsführer bei der Teleport GmbH, Barleben.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: CMS | Portale
Screenshot leben in Weimar

Weimar: Leben in der Stadt im Überblick

[06.02.2026] Die Stadt Weimar hat ihre Internetseiten rund um das Leben in der thüringischen Kommune überarbeitet und neu strukturiert. Statt eines komplexen Mixes aus Zuständigkeiten, Formularen und Verweisen stehen nun lebensnahe Themen im Mittelpunkt. mehr...

Mehrere Personen stehen vor einem Whiteboard mit einer Präsentation der Integriert-App versammelt, zwei davon drücken symbolisch den Startknopf des neuen Angebots.
bericht

Essen / Kaiserslautern / Würzburg: Integreat-App unterstützt Zugezogene

[03.02.2026] Um zugewanderten und geflüchteten Menschen das Ankommen in der Stadt zu erleichtern, greifen jetzt auch Essen und Würzburg auf die Integreat-App zurück. Kaiserslautern bietet die Open-Source-Anwendung bereits seit sechs Jahren an und stellt sie neuerdings in 13 Sprachen zur Verfügung. mehr...

Screenshot Serviceportal Kreis Wittenberg

Kreis Wittenberg: Service im Portal

[30.01.2026] Im Serviceportal der Kreisverwaltung Wittenberg können Dienstleistungen digital in Anspruch genommen werden. Das Online-Angebot wird kontinuierlich ausgebaut. Der Verwaltung ist aber auch der persönliche Kontakt wichtig. mehr...

Mock-up eines Monitors mit den Webinhalten

Krefeld: Update für die Stadt-Webseite

[28.01.2026] Krefeld.de startet mit neuem Design und klarer Struktur. Die Website bündelt Informationen, trennt Inhalte konsequent vom Serviceportal und ist mobil, barrierearm sowie suchmaschinenoptimiert aufgebaut. Ziel ist ein schneller Zugang zu städtischen Angeboten. mehr...

Ein Auto fährt durch eine überflutetet Straße

Kreis Viersen: Gute Kommunikation für Krisenzeiten

[21.01.2026] In Katastrophenszenarien ist es wichtig, Bürgerinnen und Bürger umgehend zu informieren. Cyber-Angriffe können die unmittelbare Kommunikationsfähigkeit von Behörden aber stark einschränken. Der Kreis Viersen hat deshalb eine Notfallseite konzipiert, die aktuelle Warnungen und Vorsorgetipps vereint. mehr...

Holger Dettmer präsentiert ein Smartphone, auf dessen Bildschirm die Goslar-App zu sehen ist.

Goslar: Alles in einer App

[12.01.2026] Nach erfolgreicher Testphase bietet Goslar den Bürgerinnen und Bürgern nun eine kostenfreie Stadt-App an. Sie vereint zahlreiche digitale Dienstleistungen der Verwaltung und Informationen rund um das Stadtleben. Erweiterungen sind bereits geplant. mehr...

Screenshot Startseite Augustdorf.de

Augustdorf: Frisches Design und neue Funktionen

[08.01.2026] Die Gemeinde Augustdorf hat ihren Internetauftritt überarbeitet und präsentiert sich online jetzt moderner, bürgernäher und funktionaler. mehr...

Person vor Computerbildschirm mit BauTheLänd-Homepage

Plattform: Bau the Länd

[04.12.2025] In Baden-Württemberg bietet die neue Wissensplattform „Bau the Länd“ Bauherren, Planern, Behördenmitarbeitern und interessierten Bürgern zentrale Informationen rund um das Bauen im Land und das Virtuelle Bauamt mehr...

Screenshot der Startseite von hannover.gov.de.

Hannover: Stadt und Region starten gov.de-Portale

[20.11.2025] Sowohl die Stadt als auch die Regionsverwaltung Hannover bieten ihre Serviceportale jetzt mit der Endung gov.de an. Die für deutsche Behörden und staatliche Institutionen reservierten Domain-Endungen sollen die Vertrauenswürdigkeit der Websites herausstellen. mehr...

Zwei Männer und zwei Frauen sitzen nebeneinander an einem rundlichen Tisch und unterzeichnen Unterlagen.

Rheinland-Pfalz: Vier Landkreise starten IKZ-Portal

[19.11.2025] Im Rahmen des Pilotprojekts Interkommunale Zusammenarbeit (IKZ) haben die Kreise Bernkastel-Wittlich, Cochem-Zell, Vulkaneifel sowie der Eifelkreis Bitburg-Prüm ein gemeinsames Portal eingerichtet, das die Verwaltungsdienstleistungen aller vier Landkreise, ihrer Verbandsgemeinden und Städte bündelt. mehr...

Auf einem Tablet ist die neue Website zur Grünen Entdeckerstadt Bendorf zu sehen, vor dem Tablet steht eine Tasse mit der Aufschrift Grüne Entdeckerstadt Bendorf.

Bendorf: Website zum Stadtentwicklungsprozess

[14.11.2025] Bendorf bündelt die Themen Klimakompetenz, Stadtentwicklung und Bürgerbeteiligung auf einer neuen Website zum Stadtentwicklungsprozess. Das Portal soll die Themen des Zukunftsprojekts nicht nur sichtbar machen, sondern auch verständlich vermitteln. Auch zeigt sie an, wie die Menschen vor Ort aktiv mitwirken können. mehr...

drei Endgeräte zeigen die Website Lippstadt im Advent

Portale: Lippstadt im Advent

[14.11.2025] Eine neue Website bündelt erstmals alle Adventsangebote in der nordrhein-westfälischen Stadt Lippstadt. Ein Adventskalender ist ebenfalls Teil des digitalen Angebots. mehr...

Gebärdensprach-Avatar für Ulmer Website

Ulm: Virtueller Helfer für Gehörlose

[13.11.2025] Auf der Website der Stadt Ulm finden sich jetzt auch Videos in deutscher Gebärdensprache. Präsentiert werden sie von einem Avatar. mehr...

Ein Smartphone mit einer Stadtansicht von Augsburg im Hintergrund, auf dem Bildschirm des Smartphones ist die Stadt Augsburg-App zu sehen.

Augsburg: App in die Stadt

[10.11.2025] Einen übersichtlichen, mobilen Zugriff auf Bürgerservices, aktuelle Öffnungszeiten, Echtzeitdaten aus der Innenstadt, digitale Karten sowie Warnmeldungen und News nach persönlichem Interesse – all das bietet die neue App der Stadt Augsburg. Die vielseitige Alltagsbegleiterin basiert auf einer Open-Source-Lösung. mehr...

Screenshot ReKIS Kommunal

Klimafolgenanpassung: Klimainformationssystem für Mitteldeutschland

[06.11.2025] Das Regionale Klimainformationssystem ReKIS ist die zentrale Plattform zur Bereitstellung von Daten, aufbereiteten Klimainformationen und weiteren Wissensquellen zum Thema Klimawandel für Kommunen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Nun wurde das Portal modernisiert. mehr...