FinanzwesenStrategisch planen

In Böblingen sorgt die Strategische Ressourcenplanung für ein harmonisches Zusammenspiel auch in schwierigen Zeiten.
(Bildquelle: Varunee/stock.adobe.com)
Die Aufgaben einer Kommune sind wie Instrumente in einem Orchester – vielfältig, wichtig und mit je eigenem Klang. Die Erwartungshaltung an viele Städte und Gemeinden lautet: Je mehr Instrumente, desto besser das Orchester. Doch was passiert, wenn immer neue Stimmen hinzukommen, ohne dass Zeit bleibt, sie einzustimmen oder die Einsätze zu proben? Einige Instrumente spielen aus dem Takt, andere sind kaum zu hören, wieder andere klingen schief – und am Ende droht das ganze Orchester in Missklang zu geraten. Überträgt man das Bild auf die kommunale Realität, wird deutlich: Wenn Kommunen zu viele Aufgaben gleichzeitig anpacken, wird vieles begonnen, aber zu wenig fertiggestellt oder aber die Umsetzung dauert. Ressourcen werden dadurch überstrapaziert, Prioritäten verschwimmen und der Haushalt leidet.
Dieses Problem stellt sich auch in der baden-württembergischen Großen Kreisstadt Böblingen – einer wirtschaftlich starken Kommune mit grundsätzlich solider Ertragslage. Trotz sprudelnder Gewerbesteuereinnahmen zeigte sich seit über zehn Jahren ein strukturelles Defizit in den Haushaltsplanungen. Auf Dauer ergab sich also selbst bei überdurchschnittlich hohen Gewerbesteuererträgen eine deutliche Lücke zwischen laufenden Einnahmen und Ausgaben. Dazu stiegen die laufenden Aufwendungen kontinuierlich an und die Gefahr einer Schieflage des Haushalts – sollten für die Stadt wichtige Ertragsquellen ein- oder wegbrechen – vergrößerte sich.
Aktiv steuern statt nur reagieren
Aus dieser Erkenntnis und der schmerzlichen Erfahrung in der Coronapandemie, als die Gewerbesteuer kurzzeitig einbrach, fasste die Stadt im Jahr 2021 den Entschluss, ein neues finanzielles Steuerungsinstrument zu etablieren: die Strategische Ressourcenplanung. Das von Oberbürgermeister Stefan Belz angestoßene Konzept wurde von der Stadtkämmerei und dem Referat des Oberbürgermeisters in mehreren, aufeinander aufbauenden Schritten ohne externe Begleitung entwickelt. Sie wurde im Rahmen eines selbst gestalteten Prozesses erarbeitet, der Verwaltung, Politik und Bürgerschaft einband. Dabei war es nicht das Ziel, ein reines Konsolidierungsinstrument zu schaffen, bei dem Strukturen durch kurze und heftige Einsparvorgaben zerstört werden könnten. Vielmehr sollte ein Werkzeug für einen echten mittelfristigen Strukturwandel entstehen – weg vom Reagieren auf Engpässe, hin zu einer strategischen, zukunftsgerichteten Steuerung.
Zunächst führte die Stadtverwaltung eine repräsentative Umfrage in der Bürgerschaft durch. Die Ergebnisse dienten einerseits als Grundlage, um das Stadtleitbild fortzuschreiben. Andererseits zeigten sie, welche Anliegen den Bürgerinnen und Bürgern besonders wichtig sind. Insgesamt diente die Umfrage also dazu, zentrale Schwerpunktfelder herauszustellen. Gleichzeitig wurde eine Strategiekommission eingerichtet, die sich aus Mitgliedern des Gemeinderats zusammensetzt. In ihr wurden die Schwerpunktthemen aus der Umfrage diskutiert, priorisiert und dem Gemeinderat zur Beschlussfassung vorgelegt. Auf diese Weise entstand eine Auswahl von vier strategischen Schwerpunkten, auf die Böblingen in den Jahren 2022 bis 2025 besonderen Fokus legte, nämlich Schulen, Sicherheit und Ordnung, digitale Infrastruktur sowie ÖPNV und Mobilität.
Transparenz und inhaltliche Legitimation
Die Kommission definierte für jeden Schwerpunkt eine klare Zielrichtung, in welche sich die Stadt inhaltlich jeweils weiterentwickeln soll. Anschließend formulierte sie konkrete Unterziele nach dem SMART-Prinzip (spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert). So werden nicht nur Ziele benannt, sondern deren Erreichung auch auf operativer Ebene aktiv überprüft. Dieses strukturierte Vorgehen sorgte für ein hohes Maß an Beteiligung und Transparenz sowie für eine solide inhaltliche Legitimation bei der Umsetzung.
Die Strategische Ressourcenplanung entfaltet ihre Wirkung zum einen in den Beschlussvorlagen des Gemeinderats. Jede Vorlage, die in die politischen Gremien eingebracht wird, zeigt an, ob das zur Beschlussfassung vorgelegte Thema zu einem der Schwerpunkte beiträgt. Damit wird für die Mitglieder des Gemeinderats sichtbar, welche Themen der Strategischen Ressourcenplanung der Stadt dienen – und welche nicht. Die Entscheidungshoheit bleibt dabei bewusst beim Gremium. Zweitens entfaltet sie ihre Wirkung in der Haushaltsplanung. Hier wirkt die Strategische Ressourcenplanung als Steuerungsinstrument, das in guten wie in schwierigen Zeiten greift. Bei positiven Ertragssituationen werden die priorisierten Bereiche gezielt gestärkt. Bei Engpässen erfolgt die Reduktion ebenfalls mit Blick auf die festgelegten Schwerpunkte.
Vier erste Schwerpunkte
Im Jahr 2022 hat der Gemeinderat die ersten vier strategischen Schwerpunkte offiziell beschlossen und damit in die praktische Anwendung überführt. Ende 2025 finden diese Schwerpunkte ihren Abschluss. Die Schwerpunktsetzung für die Jahre 2026 bis 2028 ist bereits beschlossen. Dass das neue Instrument wirksam ist und im Gemeinderat auf breite Zustimmung stößt, haben die zurückliegenden drei Jahre gezeigt. Um die messbaren Fortschritte auch für die Bevölkerung transparent zu machen, wurde 2023 die Internetplattform Stadtmonitor Böblingen installiert, wo die vier Schwerpunkte und die dazugehörigen Unterziele dargestellt sind. In der Strategiekommission erfolgt außerdem eine regelmäßige Berichterstattung, die es ermöglicht, Entwicklungen zu verfolgen und – wenn nötig – gezielt nachzusteuern.
Auch in der Haushaltskonsolidierung zeigte die Strategische Ressourcenplanung erste Wirkungen. Aufgrund einbrechender Gewerbesteuereinnahmen musste der Gemeinderat im dritten Quartal 2025 einen Nachtragshaushalt verabschieden. Die Strategische Ressourcenplanung diente als Rahmen für die Konsolidierung. Die zur Verfügung stehenden personellen sowie finanziellen Ressourcen wurden dabei auf die Schwerpunkte fokussiert und gebündelt.
Orientierung in guten wie schwierigen Zeiten
Mit der Strategischen Ressourcenplanung kann eine vorausschauende Steuerung gelingen. Sie schafft Transparenz, Nachvollziehbarkeit und strategisches Bewusstsein – sowohl in der Verwaltung als auch in der Politik. Projekte werden nicht mehr nur nach Dringlichkeit, sondern auch nach ihrem Beitrag zu den gesamtstädtischen Schwerpunkten bewertet. Sie bietet zwar keine Sofortlösung für eine kurzfristige Konsolidierung, hilft aber in herausfordernden Zeiten, strategische Themen und Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. In wirtschaftlich guten Zeiten verhindert sie eine zeitliche, personelle und finanzielle Überlastung, die durch zu viele gleichzeitige Vorhaben entstehen kann.
Dabei hängt die Wirksamkeit eines Steuerungsinstruments maßgeblich davon ab, wie konsequent es angewendet wird. Speziell im Arbeitsalltag und in Zeiten ausreichender finanzieller Ressourcen ist es deshalb besonders wichtig, dass Entscheidungsträger die gesetzten Schwerpunkte aktiv aufgreifen und die gemeinsam definierten Prioritäten gezielt verfolgen. Am Ende geht es – zurück zum Bild des Orchesters – darum, die passenden Instrumente auszuwählen, sie sorgfältig aufeinander abzustimmen und das Zusammenspiel kontinuierlich zu pflegen.
Wiesbaden: SAP-Transformation bei den Entsorgungsbetrieben
[05.01.2026] Die Entsorgungsbetriebe der Landeshauptstadt Wiesbaden (ELW) haben ihre bestehende SAP ERP 6.0-Umgebung auf SAP S/4HANA 2023 migriert. Mit dem Projekt sollten nicht nur die Systeme modernisiert, sondern auch Altlasten bereinigt und eine stabile, wartbare IT-Basis geschaffen werden. mehr...
Leipzig: Migration auf SAP S/4HANA
[08.12.2025] Die Stadt Leipzig stellt ihr Finanz- und Haushaltsmanagementsystem auf SAP S/4HANA um. Im Rahmen des Projekts arbeitet die sächsische Kommune mit mehreren Partnern zusammen. mehr...
Nordrhein-Westfalen: Gewerbesteuerbescheid erfolgreich pilotiert
[13.06.2025] Der digitale Gewerbesteuerbescheid kann Prozesse in Unternehmen, bei Steuerberatern, Kommunen und der Steuerverwaltung vereinfachen. In Nordrhein-Westfalen sind die Kommunen nach einer erfolgreichen Pilotphase aufgefordert, die Einführung des Verfahrens – mit Unterstützung des Landes – voranzutreiben. mehr...
EDV Ermtraud: Elektronische Kassensysteme melden
[15.04.2025] Bis spätestens Ende Juli müssen elektronische Kassen(systeme) über das Programm ELSTER den Finanzbehörden gemeldet sein. Dies betrifft auch Kommunalverwaltungen und andere kommunale Einrichtungen. Der Kassenspezialist EDV Ermtraud liefert Hilfestellung zum Meldeprozess. mehr...
Bremerhaven: DIGITAL-Award für E-Rechnungsprojekt
[20.03.2025] Für ihr Projekt zur Umsetzung der E-Rechnung ist die Stadt Bremerhaven mit dem DIGITAL-Award 2024 ausgezeichnet worden. mehr...
Gewerbesteuerbescheid: Die kritische Masse erreichen
[14.03.2025] Von der flächendeckenden Einführung des digitalen Gewerbesteuerbescheids profitieren Kommunen, Unternehmen und Steuerberatungen. Norbert Rheindorf, Line of Business Public Sector beim HKR-Hersteller Nagarro, erklärt, worauf es bei der Umsetzung ankommt. mehr...
Aachen: IT-Prüfung für 70 Kommunen
[13.03.2025] Die Stadt Aachen bietet eine IT-Prüfung auch für andere Kommunalverwaltungen an. Nun hat der Fachbereich Rechnungsprüfung seinen Jahresbericht 2024 über die IT-Prüfung in Aachen und 70 weiteren Kommunen vorgelegt. mehr...
Prozessoptimierung: Effizienz im täglichen Tun
[03.03.2025] Im Finanzwesen treffen der Fachkräftemangel und neue gesetzliche Vorgaben auf umständliche, überholte Prozesse. Mit der Einführung intelligenter Lösungen lassen sich in der gesamten Organisation Zeit sparen, Abläufe beschleunigen und Mitarbeiter entlasten. mehr...
Rechnungsworkflow: Flexible Lösungen
[13.02.2025] Bei der Einführung von Rechnungsworkflows oder Archivlösungen steht für kleinere und mittlere Kommunen vor allem Effizienz im Vordergrund. Mit kleinen und flexiblen Werkzeugen lassen sich oft schnellere Erfolge erzielen als mit der Etablierung langwieriger Prozesse. mehr...
KDO: Finanzstatistiken mit einem Klick
[03.12.2024] Die Kommunale Datenverarbeitung Oldenburg (KDO) hat eine neue Möglichkeit zum Datenaustausch für die Kassen- und Jahresrechnungsstatistik in KDO-doppik&more auf Basis von SAP S/4HANA integriert. mehr...
Borkum: Darlehensverwaltung mit VOIS
[28.11.2024] Das Fachverfahren VOIS|DALE für die Darlehensverwaltung führt die ostfriesische Stadt Borkum ein. Eine entsprechende Bestellung ging bei Anbieter ab-data ein. mehr...
d.velop / Nagarro: Rechnungsprozesse in der Cloud
[14.10.2024] Die Unternehmen d.velop und Nagarro haben eine Kooperation vereinbart. Ziel ist es, den gemeinsamen Kunden durchgängig digitale Rechnungsprozesse basierend auf der SAP-S/4HANA-Cloud anzubieten, die über die SAP Business Technology Platform (SAP BTP) bezogen werden können. mehr...
Salzlandkreis: Neue Finanzmanagement-Lösung
[11.10.2024] Der Salzlandkreis arbeitet seit Jahresanfang mit der Finanzmanagement-Lösung der KDO. Der nächste Meilenstein ist der Wechsel auf SAP S/4HANA. mehr...
Gewerbesteuerbescheid: Digitalisierung nimmt Fahrt auf
[10.10.2024] Entwicklung, Anbindung und Erprobung des digitalen Gewerbesteuerbescheids kommen gut voran. Kommunen können von dem Verfahren stark profitieren – und erhalten noch bis Jahresende Unterstützung bei der Einführung. mehr...












