Donnerstag, 26. März 2026

HanauDigitale Souveränität beginnt beim Bezahlen

[26.03.2026] Als eine der ersten Kommunen in Deutschland hat die Stadt Hanau das europäische Bezahlverfahren Wero eingeführt. Das Pilotprojekt zeigt, wie Kommunen digitale Zahlungen nutzerfreundlich, sicher und unabhängig von außereuropäischen Anbietern umsetzen können.
Blick auf das Rathaus der Stadt Hanau.

Mit Wero bietet die Stadt Hanau ihren Bürgerinnen und Bürgern ein nutzerfreundliches und zugleich sicheres Bezahlverfahren an.

(Bildquelle: Stadt Hanau)

Digitale Verwaltungsleistungen sind heute schnell eingeführt. Ob sie im Alltag funktionieren, entscheidet sich häufig an einer eher unscheinbaren Stelle: beim Bezahlen. Hier treffen Nutzererwartungen, Sicherheitsanforderungen und verwaltungsinterne Prozesse unmittelbar aufeinander. Für Kommunen geht es dabei längst nicht mehr nur um Komfort, sondern auch um Verlässlichkeit, Kontrolle und die Frage, auf welche Infrastrukturen sie dauerhaft setzen wollen. Denn, wer den Zahlungsverkehr digital organisiert, trifft zugleich eine strategische Entscheidung über Datenflüsse, Abhängigkeiten und Standards. Dadurch rückt das Thema digitale Souveränität in den Fokus.

Gerade in größeren Städten fällt vom Bewohnerparkausweis bis zur Kfz-Zulassung täglich eine Vielzahl an Zahlungsvorgängen an. Da der Zahlungsverkehr somit zu einem zentralen Bindeglied zwischen Verwaltung und Bürgerschaft wird, ist seine zielgruppengerechte Ausgestaltung besonders wichtig. In diesem Kontext hat sich Hanau als eine der bundesweit ersten großen Kommunen für das neue europäische Bezahlverfahren Wero entschieden.

Unkompliziert in Echtzeit bezahlen

Die südhessische Stadt reagiert damit unter anderem auf die veränderte Erwartungshaltung der Bürgerinnen und Bürger. „Spätestens seit der Coronapandemie wollen viele Menschen Verwaltungsleistungen digital und medienbruchfrei bezahlen können“, sagt Isabelle Hemsley, Stadträtin und Digitaldezernentin der Stadt Hanau. Erfahrungen mit etablierten Online-Bezahlverfahren hätten gezeigt, dass einfache, schnelle Prozesse die Akzeptanz deutlich erhöhen. „Eine E-Mail-Adresse oder eine Handynummer haben die meisten Menschen im Kopf – die eigene IBAN dagegen oft nicht.“

Wero greift diese Nutzergewohnheiten auf. Zahlungen erfolgen direkt über die Banking-App der jeweiligen Hausbank oder über die Wero-App, ohne dass lange Karten- oder Kontodaten eingegeben werden müssen. „Eine Wero-Zahlung wird in Echtzeit ausgeführt und lässt sich direkt per Smartphone erledigen. Genau wie wir es beim Einkauf im Internet auch tun“, erklärt Hemsley. Für die Verwaltung bedeutet das perspektivisch weniger Rückfragen, schnellere Zahlungseingänge und eine höhere Abschlussquote bei Online-Diensten. Zudem sind die Transaktionsgebühren gegenüber Kreditkartenzahlungen geringer.

Nutzerfreundlich und datenschutzkonform

Für Hanau waren aber auch die Aspekte Sicherheit und strategische Unabhängigkeit entscheidungsrelevant. Schließlich müssen beim kommunalen Zahlungsverkehr hohe Anforderungen hinsichtlich Datenschutz, Kassenführung und interner Kontrollmechanismen erfüllt werden. In den vergangenen Jahren hat sich zudem gezeigt, dass Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern problematisch sein können. „Deshalb sind wir froh, dass die Sparkassen eine auf europäischen Bankenstandards basierende Lösung anbieten, die Funktionalität und Sicherheit vereint“, betont Isabelle Hemsley. Auch die Kostentransparenz sei ein wichtiges Argument gewesen, da internationale Zahlungsanbieter häufig mit höheren Gebühren verbunden seien.

„Als klar war, dass mit Wero ein europäisches Bezahlverfahren an den Start geht, das Sicherheit, Nutzerfreundlichkeit und Datenschutz verbindet, waren wir uns schnell einig, dass wir dieses Projekt unterstützen“, sagt Guido Braun, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Hanau, welche die Stadt bei der Wero-Einführung begleitet hat. „Bezahlen mit Wero ist wirklich einfach, und wir sehen darin ein Bezahlverfahren der Zukunft.“

Eine sinnvolle Ergänzung

Technisch umgesetzt wurde die Wero-Einfühung vom kommunalen IT-Dienstleister ekom21, in dessen E-Payment-Plattform epay21 das Verfahren als neue Bezahlart integriert worden ist. „Nach einer erfolgreichen Test- und Qualitätssicherungsphase konnten wir die Stadt Hanau als Pilotkunden freischalten“, berichtet Vanessa Krenn, Produktmanagerin bei ekom21.

Im Hintergrund ist Wero in die Bezahlplattform GiroCheckout eingebettet, die von S-Public Services betrieben wird. GiroCheckout fungiert als zentrale Zahlungsinfrastruktur und bündelt verschiedene Bezahlverfahren, während epay21 diese gezielt in kommunale Fachverfahren integriert. Für Kommunen entsteht so ein einheitlicher, kontrollierbarer Zahlungsprozess – unabhängig davon, welche Bezahlart am Ende genutzt wird. „Neue Verfahren müssen sich nahtlos in bestehende Abläufe, Sicherheitskonzepte und Abrechnungslogiken einfügen“, sagt Peter Höcherl, Mitglied der Geschäftsleitung von S-Public Services. „Wero ergänzt das bestehende Portfolio sinnvoll und stärkt die europäische Handlungsfähigkeit im digitalen Zahlungsverkehr.“

Projekt mit Signalwirkung

Hanau hat Wero zunächst im Bereich i-Kfz eingesetzt, da dort besonders hohe Fallzahlen zu verzeichnen sind. Inzwischen kann das Bezahlverfahren aber auch für andere Anträge und Dienstleistungen, wie beispielsweise Urkunden des Standesamts, das Einwohnermeldewesen und das Gewerbeamt, genutzt werden. Weitere Online-Dienste sollen schrittweise folgen. Dabei ist eine enge Abstimmung zwischen allen Projektbeteiligten wichtig. Nur so kann das System zügig und reibungslos installiert werden.

In Summe zeigt das Hanauer Pilotprojekt, wie digitale Souveränität im Zahlungsverkehr konkret umgesetzt werden kann – schrittweise, praxisnah und angepasst an die jeweiligen kommunalen Anforderungen. Damit setzt die Stadt ein Signal für andere Kommunen. „So viele Anbieter wie möglich sollten das Verfahren einführen, damit es zum Standard wird. Denn Standards sparen Zeit und Kosten und erleichterten die Digitalisierung“, sagt Isabelle Hemsley.

Hürden bei Online-Diensten senken

„Wir empfehlen anderen Kommunen, Wero einfach mal auszuprobieren. Es handelt sich um eine gute Ergänzung für die Bürgerinnen und Bürger, und die Akzeptanz – und damit auch die Verbreitung – werden vermutlich schnell steigen“, ergänzt ekom21-Produktmanagerin Vanessa Krenn. Für die Kommunen sei jetzt ein guter Zeitpunkt, um sich mit der Bezahllösung zu befassen. „Das Verfahren hat einen stabilen Reifegrad erreicht, ist schnell integrierbar und kann von den Bürgerinnen und Bürger unmittelbar genutzt werden – ohne zusätzliches Konto bei einem Drittanbieter. Die vertraute Umgebung der Hausbank senkt außerdem Hürden für die Nutzung digitaler Verwaltungsdienste deutlich.“ 

Derzeit wird Wero von 50 Millionen Menschen in Europa genutzt.

Nora Hoffmann ist freie Journalistin mit Schwerpunkt E-Government.




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