Donnerstag, 8. Oktober 2026

BitkomJa zur Behörden-KI

[08.10.2026] Eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom zeigt wachsende Zustimmung zu KI bei Behördenanträgen. Meist soll ein Mensch an der Entscheidung beteiligt sein. Gefragt sind auch Behörden, die von sich aus aktiv werden, und mehr Tempo bei der kommunalen Digitalisierung.
Eher dunkler, blau-violett-beleuchteter Saal mit vielen Menschen, im Hintergrund eine Bühne.

Der Bitkom und die Messe Berlin haben in der Pressekonferenz einen Einblick in die aktuelle Studie zur Verwaltungsdigitalisierung und die bevorstehende Smart Country Convention gegeben.

(Bildquelle: Messe Berlin)

KI bei Behördenanträgen findet in Deutschland zunehmend Zustimmung. Das zeigt eine repräsentative Befragung von rund 1000 Erwachsenen, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchführte: 70 Prozent wünschen sich demnach, dass Künstliche Intelligenz bei der Bearbeitung ihres Antrags eingesetzt wird, im Vorjahr waren es noch 63 Prozent. Die Mehrheit bevorzugt eine Arbeitsteilung zwischen Mensch und KI. 35 Prozent wünschen sich, dass ein Mensch den Antrag prüft und entscheidet und eine KI anschließend die Entscheidung kontrolliert. 23 Prozent bevorzugen eine Prüfung durch KI mit abschließender Entscheidung durch einen Menschen. Beide Schritte vollständig einer KI überlassen würden 12 Prozent, fast doppelt so viele wie im Vorjahr mit 7 Prozent. Ganz ohne KI soll der Antrag für 26 Prozent bearbeitet werden. 2025 lag dieser Anteil noch bei 31 Prozent. Die Ergebnisse stellte der Verband anlässlich der Smart Country Convention (SCCON) vor, die er gemeinsam mit der Messe Berlin veranstaltet. 

Behörden sollen von sich aus handeln

Auch unabhängig vom KI-Einsatz wünschen sich viele eine Verwaltung, die von sich aus aktiv wird. 73 Prozent möchten, dass Behörden auf sie zukommen, etwa wenn ihnen Kindergeld oder Bafög zusteht oder der Ausweis abläuft. 30 Prozent wünschen einen automatischen Hinweis, 32 Prozent eine automatische Nachfrage, ob sie eine Leistung in Anspruch nehmen möchten. Weitere 11 Prozent fänden es am besten, wenn die Behörde die Leistung gleich automatisch für sie beantragt. 21 Prozent wollen hingegen nicht, dass Behörden von sich aus tätig werden. „Der Staat weiß, wann ein Ausweis abläuft und wem eine Leistung zusteht. Er sollte dieses Wissen nutzen und von sich aus aktiv werden“, sagte Rohleder.

Ist ein Antrag gestellt, wollen 85 Prozent den Bearbeitungsstand und die voraussichtliche Bearbeitungszeit jederzeit online einsehen können. 62 Prozent sprechen sich für einen stärkeren Datenaustausch zwischen Behörden aus, damit sie nicht immer wieder dieselben Angaben machen müssen. Mit den Behörden, zu denen sie Kontakt haben, sind insgesamt 61 Prozent sehr oder eher zufrieden, 35 Prozent eher oder sehr unzufrieden. Zu lange Bearbeitungszeiten kritisieren allerdings 74 Prozent. Im Vorjahr waren es noch 85 Prozent.

Mehr Nachdruck bei der Digitalisierung

Ihre Stadt oder Gemeinde halten 53 Prozent für digital fortgeschritten, nach 50 Prozent im Vorjahr. Dabei wachsen die Anteile sowohl sehr positiver als auch sehr negativer Bewertungen: 25 Prozent sehen ihre Kommune als sehr fortgeschritten, gegenüber 18 Prozent im Vorjahr. Für sehr rückständig halten 19 Prozent ihre Kommune, im Vorjahr waren es 16 Prozent. Mehr Nachdruck bei der Digitalisierung wünschen sich 91 Prozent, laut Bitkom der höchste Wert seit 2019. Auch die Politik ist aus Sicht der Befragten gefragt: 67 Prozent wollen, dass Deutschland deutlich mehr in die Verwaltungsdigitalisierung investiert. 66 Prozent möchten, dass die Umsetzung politischer Digitalisierungsversprechen gemessen wird.

Was den Menschen vor Ort wichtig ist, zeigt der Blick auf einzelne Angebote. Eine App zur Meldung von Mängeln im öffentlichen Raum wünschen sich 83 Prozent, intelligente Straßenbeleuchtung 79 Prozent und Echtzeit-Informationen zu Bus und Bahn 72 Prozent. Kostenloses öffentliches WLAN hätten gerne 66 Prozent, eine Echtzeit-Anzeige freier Parkplätze 65 Prozent. Digitale Bürgerbeteiligung ist für 53 Prozent wichtig. Darüber hinaus sprechen sich 65 Prozent dafür aus, Bürgerinnen und Bürger stärker an Digitalprojekten ihrer Stadt oder Region zu beteiligen.

Blick über die Grenzen auf der SCCON

Drei Viertel der Befragten sind überzeugt, dass Deutschland bei der Digitalisierung von Städten und Regionen noch viel vom Ausland lernen kann. Gelegenheit zum Austausch bietet die SCCON vom 13. bis 15. Oktober 2026 in Berlin, bei der Portugal in diesem Jahr Partnerland ist. Das Land will laut Bitkom eigene Technologien präsentieren, für strategische Investitionen werben und die wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland stärken. Zu den angekündigten Gästen gehört Portugals Minister für Staatsreform und öffentliche Verwaltung, Gonçalo Matias. Insgesamt erwarten Bitkom und Messe Berlin mehr als 23.000 Teilnehmende und über 600 Aussteller. Mit dem ersten Resilience Day am 15. Oktober erhält zudem die Widerstandsfähigkeit im Krisenfall einen eigenen Programmschwerpunkt, unter anderem mit Beiträgen aus dem Bundeskriminalamt, dem Technischen Hilfswerk und der Bundeswehr.





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