Freitag, 14. August 2026

StuttgartDurchgängig erfolgreich

[23.05.2013] Seit 2004 steht das Thema E-Government in Stuttgart auf der Agenda. Das Angebot wurde von der Stadt kontinuierlich ausgebaut. Das durchgängige System bietet dabei zahlreiche Vorteile.
Die Stuttgarter E-Government Tüftler.*

Die Stuttgarter E-Government Tüftler.*

* v.l.: Ludwig Zölch (Stellvertretender Leiter der Abteilung eGovernment und IT-Strategie), Peter Altenburg, Ralf Armbruster (Abteilungsleiter und CIO), Johann Herzberg, Klaus Fanz. Nicht auf dem Bild: Raffaela Harle, Jörg Fingerle

(Bildquelle: K21 media AG)

Mit E-Government-Anwendungen kann im Idealfall eine Win-win-win-Situation zwischen Bürgern, Verwaltung und Unternehmen erreicht werden, meint Ralf Armbruster, Leiter der Abteilung eGovernment und IT-Strategie der Stadt Stuttgart. Seit 2004 läuft in der baden-württembergischen Landeshauptstadt das Projekt E-Government. Die Grundsteine dafür wurden bereits 1995 gelegt. Als damals das Thema Internet aufkam, hat man in Stuttgart beschlossen, nicht nur ein digitales Informationsangebot nach außen anzubieten, sondern auch ein entsprechendes Mitarbeiterportal anzulegen. 1998 wurde zunächst das Intranet, 2000 dann auch das Internet-Angebot auf eine Datenbank umgestellt. Damit Informationen strukturiert in die Datenbank gelegt werden konnten, wurden Eingabemasken entwickelt. Daraus hat sich das Content-Management-System entwickelt, auf dem heute alle Stuttgarter Ausgangskanäle basieren – so etwa die städtische Website. Diese lag im Jahr 2000 im bundesweiten Vergleich noch auf einem der letzten Plätze. Der Gemeinderat hatte daraufhin beschlossen, das Web-Portal zu optimieren. 2001 ist die neue Seite gestartet, 2002 kamen die ersten Preise – ein Erfolg, der sich bis heute kontinuierlich fortsetzt. Konzipiert wurde das neue Online-Portal von einem Team, aus dem die heutige Abteilung eGovernment und IT-Strategie hervorging.

Erfolgsfaktor Mensch

Der Beschluss, das Thema E-Government in Stuttgart zu adressieren, geht auf das Jahr 2003 und den damaligen Oberbürgermeister Wolfgang Schuster zurück. Von 2003 bis 2004 wurde das Stuttgarter Kompetenzzentrum E-Government aufgebaut, damals mit drei Mitarbeitern. 2012 wurde dann die Abteilung eGovernment und IT-Strategie fest etabliert. Sie ist beim Haupt- und Personalamt angesiedelt und umfasst mittlerweile ein Team von sieben Mitarbeitern, welche den E-Government-Prozess von Anfang an begleitet haben. Ralf Armbruster: „Die Mitarbeiter scheiden erst dann aus, wenn sie das Pensionsalter erreicht haben und den Ruhestand antreten. Wir arbeiten also über Jahre hinweg kontinuierlich zusammen und können somit auf Gelerntem aufbauen.“
Die Schwerpunkte des Stuttgarter E-Government lassen sich in vier Bereiche unterteilen. So werden für den Bürger unter Einsatz eines Frameworks von Software-Bausteinen sowie von Methoden- und Ablaufstrukturen Recherche-Werkzeuge und Online-Anträge unter Berücksichtigung von Usability-Kriterien entwickelt. Das Stuttgarter E-Government umfasst auch ein mobiles Web-Angebot, etwa für Handys und Smartphones. Die Datengrundlage für diese Entwicklungen liefert das städtische Content-Management-System. Mit der Kooperationsplattform MeinServiceStuttgart und dem E-Government-Portal ServiceStuttgart werden zudem Werkzeuge für den Aufbau von geregelten Workflows zwischen der Verwaltung und externen Partnern erstellt. Damit sind rechtssichere Online-Transaktionen möglich, die neuerdings auch auf dem Einsatz des neuen Personalausweises gründen. Auch die Einsicht in die elektronische Akte ist auf Basis der Plattformen möglich. Seit dem Jahr 2001 hat Stuttgart außerdem bei gebührenpflichtigen Anwendungen ein Bezahlmodul im Einsatz.

Erfolgsfaktor Baukasten

An einem Monitoring der Lösungen lässt sich erkennen, dass die digitalen Services bei den Bürgern ankommen. Das Angebot, Feinstaubplaketten online zu beantragen, kommt sogar bundesweit zum Einsatz. Der Erfolg beruht laut CIO Ralf Armbruster auf mehreren Komponenten. So soll E-Government in Stuttgart sowohl die Verwaltung als auch die Bürger entlasten. „Wichtig ist es, die Anwendungen aus Bürger- und nicht nur aus Verwaltungssicht zu betrachten. Es ist also bei der Entwicklung zu fragen, welchen Vorteil der Bürger aus einem neuen Produkt ziehen kann – denn er soll die Anwendung schließlich nutzen wollen“, sagt Armbruster. Usability-Tests eignen sich, um Unstimmigkeiten erkennen und bereinigen zu können.
Eine vorausschauende Entwicklung hat sich ebenfalls als Erfolgsfaktor erwiesen. Wenn sich aus Sicht der E-Government-Abteilung in einem Bereich Bedarf abzeichnet, werden auch ohne konkreten Auftrag Projekte gestartet. „Es hat sich immer ausgezahlt, bereits Werkzeuge oder eine prototypische Umsetzung anbieten zu können, wenn eine Anwendung dann tatsächlich gebraucht wird. Wenn beispielsweise ein Fachamt ein Anliegen anmeldet, können wir mithilfe des bis dato entwickelten Werkzeugkastens schnell auf Basis des Prototypen zu einem gemeinsamen Verständnis der angestrebten Lösung kommen.“ Hohe Fallzahlen und die Relevanz für andere Kommunen tragen ebenfalls zum Erfolg einer E-Government-Lösung bei. Armbruster: „Wir halten immer die Augen offen, was sich in anderen Kommunen im Bereich E-Government tut. So haben wir beispielsweise festgestellt, dass es auch in Stuttgart möglich sein sollte, ein Führungszeugnis mithilfe des neuen Personalausweises zu beantragen. Wir richten unser Augenmerk dabei nicht auf Anwendungen, für die schon landesweite Lösungen im Einsatz sind, wie zum Beispiel für die Kfz-Zulassung. Stattdessen konzentrieren wir uns auf Anwendungen, die lokale Fragestellungen wie die Suche nach einem geeigneten und wohnortnahen KiTa-Platz aufgreifen.“

Erfolgsfaktor Kontinuität

Ein ganz wesentlicher Erfolgsfaktor liegt in der Kontinuität der Produkte. Aus dem Stuttgarter CMS ist ein Framework entstanden, welches die Grundsteine für viele Anwendungen bereithält. „Ein solcher Entwicklungsbaukasten, der mir wiederverwendbare Module an die Hand gibt, kennzeichnet für mich reifes E-Government“, meint Stuttgarts CIO Ralf Armbruster. „Dabei ist es wichtig, auch die Gemeinsamkeiten zwischen verschiedenen Anwendungen zu erkennen. Ein häufiger Fehler ist, dass die Vorgänge kontextunabhängig betrachtet werden. So werden etwa für Veranstaltungen, Öffnungszeiten von KiTas oder Anwendungen mit Kalenderfunktion getrennte Anwendungen entwickelt, ohne zu erkennen, dass es sich hier abstrahiert immer wieder um die gleiche Funktion handelt.“ In Stuttgart werden statt eines komplett neuen Antrags nach Möglichkeit immer nur die Komponenten entwickelt, die einen Antrag von vorhergehenden unterscheidet. Dabei fallen geringere Kosten an, Fehler lassen sich leichter beheben und Weiterentwicklungen können schneller umgesetzt werden.
Die Durchgängigkeit der Stuttgarter E-Government-Lösungen erlaubt es auch, ein Monitoring über alle Anwendungen zu erstellen. Dank der E-Payment-Funktion ist dabei jederzeit abrufbar, welche Beträge die Stadt über Online-Transaktionen umsetzt. Ohne die einheitliche Entwicklungsumgebung müsste für jede E-Government-Anwendung ein eigenes Monitoring aufgesetzt werden. „Da hätte man mehr Arbeit mit dem Monitoring als mit der Anwendung selbst“, erklärt Armbruster. Auch im Bereich des einheitlichen Behördenrufs 115 erweist sich der durchgängige Lösungsansatz als entscheidender Vorteil, da auf diese Weise eine optimale Service-Integration realisiert werden kann. Existierende Anwendungen können so über das D115-Service-Center auch via Telefon genutzt werden. „E-Government bedeutet in Stutt­gart auch, dass möglichst jeder Kanal genutzt werden soll, um Behördendienstleistungen in Anspruch zu nehmen – gegebenenfalls sogar ohne Online-Zugang“, so Ralf Armbruster.

Verena Barth




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Panorama
Drei verschiedene Screenshots der App

Regional-App: Das Fichtelgebirge entdecken

[14.08.2026] Was machen wir heute? Darauf hat die FichtelApp jetzt einige Antworten parat. Ihr neuer Tagesplaner stellt aus Ausflugszielen, Veranstaltungen und Einkehrmöglichkeiten Vorschläge für einen Tag im Fichtelgebirge zusammen – für Gäste ebenso wie für Einheimische. mehr...

Aachen: Krönungssaal erhält AR-Führung

[14.08.2026] Aachen entwickelt eine Augmented-Reality-Führung für den historischen Krönungssaal des Rathauses. Ab 2027 sollen Besucherinnen und Besucher mit AR-Brillen sieben Stationen der Stadt- und europäischen Geschichte erleben. mehr...

Kommune21 im Gespräch: Künzell berichtet über Erfahrungen

[12.08.2026] Wie läuft die Einführung neuer Software im Verwaltungsalltag tatsächlich ab? Im nächsten Webinar „Kommune21 im Gespräch“ berichten die Gemeinde Künzell und JCC Software über Erfahrungen, Schwierigkeiten und Erkenntnisse aus mehreren Digitalisierungsprojekten. mehr...

Screenshot aus einem der gebärdensprachvideos

Augsburg: Digitale Teilhabe ausgebaut

[07.08.2026] Im EU-geförderten Projekt DIWA 4.0 erweitert Augsburg schrittweise den barrierearmen Zugang zu städtischen Informationen. Nach Angeboten in Fremdsprachen und Leichter Sprache stehen auf der Website nun auch Videos in Deutscher Gebärdensprache bereit. mehr...

Databund/BMDS: Besserer Informationsfluss

[06.08.2026] Das BMDS und der Databund haben eine Initiative gestartet, die es ermöglichen soll, dass IT-Unternehmen früher über zentrale Digitalvorhaben des Bundes informiert werden. Gleichzeitig sollen sie ihre Erfahrungen künftig einfacher in die Planungen einbringen. mehr...

Hochwassergebiet, knapp über der Wasserfläche sieht man ein Verkehrsschild, im Hintergrund Bäume und eine Stadtsilhouette

Schleswig-Holstein: Einheitliche Technik für große Schadenslagen

[04.08.2026] Schleswig-Holstein beschafft eine neue Software für die Bevölkerungsschutzbehörden von Land und Kommunen. Sie soll den Austausch von Lageinformationen nahezu in Echtzeit ermöglichen und vor allem bei großflächigen Schadenslagen eine bessere Koordination unterstützen. mehr...

QR-Tafel im Bunten Garten in Mönchengladbach

Mönchengladbach: Smarte Parktour

[04.08.2026] Mit einer Web-App lässt sich eine beliebte Parkanlage in Mönchengladbach nun individuell entdecken. Die digitale Führung verbindet Natur, Geschichte und Wissenswertes mit den Möglichkeiten moderner Technologie. mehr...

Absperrband Feuerwehr dahinter verschwommen Feuerwehrfahrzeuge und Feuerwehreinsatzkräfte
bericht

Katastrophenmanagement: Im Ernstfall den Überblick behalten

[29.07.2026] Kommunen müssen sich heutzutage auf zahlreiche potenzielle Krisen vorbereiten. Doch wann ist eine Lage überhaupt eine Krise? Der KGSt-Lagecheck hilft Kommunen, die Situation einzuschätzen und die richtigen Schritte einzuleiten. Digital und notfalls auch ohne Strom. mehr...

William Schmitt leitet den kommunalen IT-Dienstleister Komm.ONE und folgt nun an der Spitze des Kontrollgremiums der govdigital auf Dieter Rehfeld.

Vitako: Neue Vorstandsspitze

[20.07.2026] Digitale Souveränität, KI, Registermodernisierung und knappe Kassen: Die kommunalen IT-Dienstleister stehen vor anspruchsvollen Jahren. Mit William Schmitt rückt nun der bisherige Stellvertreter an die Spitze ihres Bundesverbands Vitako. mehr...

Farbige Sprechblasen, die mit Linien verbunden sind

TSA: Satzungen und Ortsrecht digital verwalten

[20.07.2026] Viele Kommunen stehen vor ähnlichen Herausforderungen bei der Pflege, Veröffentlichung und Bereitstellung von Satzungen und Rechtsvorschriften. Ein von TSA Public Services initiierter Erfahrungsaustausch soll dabei helfen, bewährte Ansätze kennenzulernen. mehr...

Mehrere Personen auf einem Gehweg, schauen auf ein Smartphone

Hamm: App ins Abenteuer Stadtgeschichte

[17.07.2026] App ins Abenteuer Stadtgeschichte: In der App „Heimat Hamm“ verschmelzen auf einem digitalen Stadtrundgang dank Augmented Reality (AR) Geschichte und Gegenwart. mehr...

Kampagnenmotiv von „125 Jahre Stuttgarter Amtsblatt“ in goldenem Design. Auf der rechten Seite sieht man Leseproben auf verschiedenen digitalen Endgeräten und der Printausgabe.

Stuttgart: Amtsblatt auch als E-Paper

[17.07.2026] Das Stuttgarter Amtsblatt informiert seit 125 Jahren über Kommunalpolitik, Verwaltung und Stadtleben. Nun erscheint das offizielle Bekanntmachungsorgan der Stadt auch als E-Paper mit Vorlesefunktion und Archiv. Die Printausgabe bleibt bestehen. mehr...

DLR-Drohne findet Menschen, die in Not geraten sind – hier im Übungsszenario


DLR: Neue Technik für den Katastrophenschutz

[16.07.2026] In einer groß angelegten Übung im Ahrtal haben 16 Institute des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) gezeigt, wie neue Technologien – etwa Drohnen oder robotische Systeme – die Prozesse im Katastrophenschutz stärken und verbessern können. mehr...

Eine Person arbeitet an einem Laptop. Über der Tastatur sind grafisch dargestellte digitale Benutzerprofile und Checklisten eingeblendet. Die Illustration symbolisiert die digitale Verwaltung von Nutzerdaten, Identitäten oder Registrierungsprozessen.

Kommune21 im Gespräch: Digitaler Wandel in Baden-Württemberg

[15.07.2026] Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung in Baden-Württemberg steht vor wichtigen Entscheidungen. Im Webinar „Kommune21 im Gespräch“ werden Roland Bernhard und William Schmitt am 21. Juli 2026 über die künftige Ausrichtung der Verwaltungsdigitalisierung, die Rolle von Komm.ONE und die Zusammenarbeit zwischen Land und Kommunen diskutieren. mehr...

Weißer Kopfhörer auf grauer Schreibtischplatte, mit Laptop

Podcast: Verwaltungsdigitalisierung zum Zuhören

[15.07.2026] Ein neuer Podcast des KDO-Tochterunternehmens Public Experts will Verwaltungsdigitalisierung verständlich erklären. In der ersten Folge geht es um die Registermodernisierung – ein Thema mit weitreichenden Auswirkungen auf Verwaltung, Staat und Gesellschaft. mehr...