GifhornDigitale Baugenehmigung

Die Stadt Gifhorn setzt auf ein digitales Baugenehmigungsverfahren.
(Bildquelle: naraichal/stock.adobe.com)
Die Stadt Gifhorn hat ihr Baugenehmigungsverfahren digitalisiert und kommt so der gesetzlichen Forderung einer elektronischen Antragstellung nach. Als Ergebnis einer circa einjährigen gemeinschaftlichen Projektarbeit wurde das digitale Baugenehmigungsverfahren eingeführt. Baugenehmigungen können ab sofort online beantragt werden – rechtssicher und medienbruchfrei.
Die niedersächsische Stadt mit etwa 44.000 Einwohnern hat in den vergangenen drei Jahren rund 650 Baugenehmigungsverfahren abgewickelt. Mit der Änderung der Niedersächsischen Bauordnung (NBauO) und der Niedersächsischen Bauvorlagenverordnung (NBauVorlVO) zum 1. Januar 2022 wurde die elektronische Kommunikation in bauordnungsrechtlichen Verfahren zur Norm erklärt. Dies stellte die Stadt vor die Herausforderung, ihre papierbasierte Antragsabwicklung grundlegend zu reformieren. Denn das Handling der papierbasierten Antragstellung führte häufig zu langen Bearbeitungszeiten. Reiko Müller, Verantwortlicher im Geschäftsbereich II für Digitalisierung, Projektkoordination und technische Umsetzung des digitalen Bauantragsverfahrens, erinnert sich: „Diese Vorgehensweise belastete sowohl die Verwaltung als auch die Antragstellenden, die auf zeitnahe Entscheidungen angewiesen sind.“
Technische Hürden gemeistert
Nach Festlegung der Rahmenbedingungen koordinierte die Stadt Gifhorn die Umsetzung der Antragsstrecke. Um dieses Vorhaben zu erfüllen, wurde das Unternehmen MACH ProForms mit der Errichtung von fünf Onlinediensten, wie der Beantragung einer Baugenehmigung, eines Bauvorbescheids und einer Abweichung, beauftragt, um ein medienbruchfreies E-Government zu gewährleisten. Ziel war es, neben einer NBauO-konformen Datenstrecke für die reibungslose elektronische Übermittlung von Anträgen und Anlagen im XBau-Standard auch einen transparenten sowie schnellen Ablauf des digitalen Genehmigungsverfahrens, eine papierlose Bearbeitung, vollständige elektronische Aktenführung, schnellere Informationsverteilung, Anbindung des Kassensystems und das Generieren von Statistiken zu schaffen.
Monatliche Termine wurden durchgeführt, um sich über den Stand der Umsetzung auszutauschen. „Die gemeinsamen Meetings haben alle Beteiligten motiviert und abgeholt, um trotz der sonstigen vielfältigen Aufgaben aller zielorientiert an der Fertigstellung des Projekts zu arbeiten“, fasst Reiko Müller zusammen.
Im Implementierungsprozess führten die komplexen gesetzlichen Anforderungen bezüglich Authentifizierung, Zertifikaten und Signaturen zur Verzögerung der technischen Umsetzung und Koordinierung der beteiligten Partner. Bei der Pilotanbindung waren insbesondere der Wechsel vom Servicekonto Niedersachsen zur BundID sowie die Integration des ELSTER-Zertifikats technische Hürden, die jedoch erfolgreich überwunden wurde.
Verfahrensdauer wird verkürzt
Während der Projektdurchführung wurde deutlich, dass das föderale System im Baurecht viele Herausforderungen mit sich bringt. Reiko Müller erklärt, dass Datenschutzanforderungen und Sicherheitsmechanismen zwar wichtig sind, jedoch zu kleinteilig gedacht werden. Er fordert eine Nachjustierung von Bund und Ländern zur Vereinheitlichung und Definition von Standards, um die kommunale Handlungsfähigkeit zu verbessern. Er ist der Ansicht, dass eine einheitliche Lösung auf kommunaler Ebene notwendig ist, um finanzielle und personelle Aufwendungen dauerhaft zu senken.
Nach der Implementierung kann die Bauaufsichtsbehörde jetzt alle Antragsdaten automatisiert ins Fachverfahren einlesen, was eine Entlastung der Verwaltung darstellt. „Damit ermöglichen wir eine schnellere Bearbeitung. Dabei entfallen weitestgehend auch das Einscannen, die manuelle digitale Ablage der Dokumente und die Datenpflege im Fachverfahren“, so Müller. Die Stadt Gifhorn bearbeitet jährlich etwa 220 Baugenehmigungsanträge; durch das digitale Verfahren wird die Verfahrensdauer verkürzt und somit auch der Wirtschaftsstandort gefördert.
Für Anfang 2025 ist die Einrichtung einer sicherheitskonformen Hosting-Beteiligungsplattform geplant, die als digitale Bauakte fungieren soll. Diese Plattform wird den Austausch von Dokumenten zwischen Entwurfsverfassern und Bauherren erleichtern.
Projektteam mit regelmäßigen Terminen hilft
Ein Blick über die Grenzen von Gifhorn hinaus zeigt, dass es in Rheinland-Pfalz weitere Fortschritte im Bereich digitaler Bauanträge gibt: Die Stadt Worms beteiligt sich aktiv an der zweiten Implementierungswelle des Digitalen Bauantrags, um vereinfachte Genehmigungen zu ermöglichen. Auch hier ist – wie bei der Stadt Gifhorn – eine Plattform (Vorgangsraum) vorgesehen, die es Antragstellern ermöglicht, ihre Bauanträge online einzureichen und weitere Beteiligte hinzuzuziehen.
Schlussendlich wurde durch die nahtlose Integration der verschiedenen Systeme eine effiziente Datenübertragung für die Baugenehmigungsverfahren der Stadt Gifhorn geschaffen, die als Ausgangspunkt für eine automatisierte Gestaltung der Prozesse dient.
Vereinheitlichungen im Baurecht und gesetzliche Standards auf Bundes- und Landesebene sind wünschenswert, um Formulare auf kommunaler Ebene zu harmonisieren. Dies würde die Planbarkeit verbessern und finanzielle Entlastungen für Dienstleister bringen. Reiko Müller empfiehlt anderen Bauämtern, die ein digitales Baugenehmigungsverfahren einführen möchten, frühzeitig ein Projektteam mit regelmäßigen Terminen einzurichten. Er betont, dass die Unterstützung der Verwaltungsspitze entscheidend ist und personelle Ressourcen über das Projektende hinaus eingeplant werden sollten. Eine Vernetzung aller Beteiligten sei ebenfalls empfehlenswert.
Die Entwicklungen in den Städten Gifhorn und Worms verdeutlichen das Bestreben vieler Kommunen, durch digitale Lösungen eine effizientere Verwaltung zu schaffen und Bürgern sowie Unternehmen den Zugang zu Verwaltungsdienstleistungen zu erleichtern.
Kreis Calw: Führerscheinwesen neu aufgestellt
[08.09.2026] Der Landkreis Calw hat sein Führerscheinwesen mithilfe des kommunalen IT-Dienstleisters Komm.ONE auf ein neues Fachverfahren umgestellt. Die Einführung von KM-Fahrerlaubnis ist ein wichtiger Schritt zur Digitalisierung der Verwaltungsdienstleistungen im Bereich Verkehrswesen. mehr...
Gewerbewesen: Praxisbewährte Lösungen statt Schlagworte
[08.09.2026] Die Modernisierung und Vereinfachung von Gründungsverfahren ist aktuell ein großes Thema und wird im Rahmen des Bundesprojekts „Schneller Gründen“ derzeit in neun Pilotkommunen erprobt. Dabei sind die Voraussetzungen zur schnellen Unternehmensgründung längst vorhanden und die digitalen Prozesse werden bereits intensiv genutzt. Darauf weist jetzt das Unternehmen EDV Ermtraud hin. mehr...
Kreis Dachau: Bilanz nach Systemwechsel
[07.09.2026] Seit Anfang 2025 arbeitet das Sozialamt des Landkreises Dachau mit dem Fachverfahren LÄMMkom LISSA. Nach mehr als einem Jahr im Echtbetrieb zieht der Landkreis Bilanz und berichtet von Verbesserungen bei Struktur, Auszahlungen und Auswertungen. mehr...
Nolis: Ganztagsbetreuung digital organisieren
[02.09.2026] Neben dem Ausbau der Betreuungsangebote für Grundschulkinder rückt auch deren Organisation zunehmend in den Fokus. Eine Lösung für die digitale Anmeldung und Platzvergabe bietet das Unternehmen Nolis mit seiner Software NOLIS | Schulkind, die jetzt bei den ersten Kommunen im Einsatz ist. mehr...
Mannheim: Gewerbemeldungen ohne Medienbruch
[01.09.2026] Mannheim bietet Gewerbean-, -ab- und -ummeldungen ab sofort vollständig online an. Die Anträge fließen ohne Medienbruch in das Fachverfahren der Gewerbebehörde und sollen dadurch schneller bearbeitet werden. mehr...
Vogelsbergkreis: Erfolgsfaktor Teamarbeit
[28.08.2026] Die Finanzsoftware des Vogelsbergkreises war fast drei Jahrzehnte lang im Einsatz. Nun wurde auf ein modernes Verfahren umgestellt. Trotz der Komplexität verlief die Einführung ohne ungeplante Ausfälle des Produktivsystems. mehr...
Benediktbeuern: Einwohnermeldewesen migriert ins Rechenzentrum
[25.08.2026] Die Verwaltungsgemeinschaft Benediktbeuern lässt ihre Einwohnermeldesoftware OK.EWO seit Ende August 2025 im AKDB-Rechenzentrum betreiben. Das entlastet den EDV-Verantwortlichen vor Ort: Die Verantwortung für Datenbank, Updates und Wartung liegt jetzt bei der AKDB. mehr...
Konstanz: Kleine Lücken schließen
[17.08.2026] Die baden-württembergische Stadt Konstanz entwickelt digitale Anwendungen seit einigen Jahren selbst und setzt dabei auf Low Code. Der Schulterschluss mit anderen Kommunen ist der entscheidende Hebel. mehr...
Low Code: Schlanker und smarter
[14.08.2026] Mit der Low-Code-Plattform OutSystems kann Digitalisierung schneller, wirtschaftlicher und nachhaltiger umgesetzt werden. Diese Vorteile zeigen sich im Praxiseinsatz in zahlreichen Kommunen. mehr...
AKDB/Telecomputer: Verkehrs-IT hoch fünf
[12.08.2026] Das auf KfZ-Lösungen spezialisierte Unternehmen Telecomputer nimmt ekom21 und Komm.ONE als Gesellschafter auf und übernimmt zudem die Verkehrswesen-Bereiche von KDO und regio iT. Damit sollen die Fachverfahren und Online-Dienste der fünf beteiligten IT-Dienstleister für Kfz-Zulassung und Fahrerlaubnis gebündelt werden. mehr...
Wiesbaden: Sozialdezernat digitalisiert mit Augenmaß
[11.08.2026] Bundesweite Entwicklungen wie die Sozialstaatsreform, die Sozialplattform oder die Deutschland-App schaffen neue Rahmenbedingungen für digitale Verwaltungsprozesse im Sozialbereich. Wie eine praxisnahe Entwicklung digitaler Services gelingt, zeigt das Sozialdezernat der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden. mehr...
Wiesbaden: Test von KI-Assistenz für digitalen Führerscheinantrag
[11.08.2026] Wiesbaden testet eine KI-Assistenz für den digitalen Führerscheinantrag. Bürgerinnen und Bürger können die Anwendung im Zukunftswerk erproben und dabei zeigen, wo sie den Antragsprozess bereits erleichtert und wo noch nachgebessert werden muss. mehr...
Essen: Einführung von Wero
[11.08.2026] Die Stadt Essen bietet Wero als weitere Bezahlmöglichkeit für digitale Verwaltungsleistungen an. Die europäische Lösung ergänzt unter anderem PayPal und Kreditkarte und soll Online-Zahlungen direkt vom Bankkonto erleichtern. mehr...
Minden: Online-Dienst zur An- und Abmeldung von Hunden eingeführt
[11.08.2026] Minden bündelt die digitale An- und Abmeldung von Hunden in einem Online-Dienst. Ein selbst entwickelter Workflow verteilt die Angaben innerhalb der Verwaltung und soll die Bearbeitung beschleunigen. mehr...
Advertorial: Wie Verwaltungen mit KI schneller zu besseren Abläufen kommen
[05.08.2026] Künstliche Intelligenz kann dabei helfen, Prozesse in Verwaltungen zu verbessern. Sie erstellt zum Beispiel Prozessmodelle und zeigt auf, wie Abläufe optimiert werden können. Ein Beispiel ist die PICTURE-Prozessplattform. Sie demonstriert, wie KI in der Praxis funktioniert und welche Grenzen es gibt. mehr...

















