Sonntag, 12. Juli 2026

NortorfDigitale Glatteiserkennung im Test

[16.02.2021] Wie umfassend das Einsatzgebiet des Internet der Dinge (IoT) ist, zeigt ein Pilotprojekt, das den kommunalen Winterdienst mit digitalen Mitteln effizienter machen will: Die Gemeinde Nortorf in Schleswig-Holstein testet die Glatteiserkennung per LoRaWAN.
In der Gemeinde Nortorf sollen Sensoren nun die Erhebung von Wetter- und Glättedaten vor Ort ermöglichen.

In der Gemeinde Nortorf sollen Sensoren nun die Erhebung von Wetter- und Glättedaten vor Ort ermöglichen.

(Bildquelle: 123rf.com/Joerg Huettenhoelscher)

Im schleswig-holsteinischen Nortorf und zwei weiteren Kommunen wird ein neuer LoRaWAN-Anwendungsfall getestet: die digitale Glatteiserkennung. Das gemeinsame Pilotprojekt von regio iT und dem Unternehmen Zenner startete bereits im vergangenen Winter. Der Winterdienst auf öffentlichen Straßen und Plätzen und damit auch die Schneeräum- und Streupflicht liegt bundesweit in der Zuständigkeit der Kommunalverwaltungen und wird meistens durch die Bediensteten der Bauhöfe durchgeführt, informiert regio iT. Sie seien für den funktionierenden Ablauf des Winterdienstes verantwortlich. Dabei stehen insbesondere verkehrswichtige Bereiche wie Kreuzungen und andere besonders von Glatteis bedrohte Stellen, wie beispielsweise Brücken, im Fokus. Ob ein Einsatz ausgerufen wird, müsse täglich durch Kontrollfahrten und Vorort-Prüfungen entschieden werden. Das sei auch in Nortorf ein üblicher Ablauf. Kündigte sich bislang eine Kälteperiode an, sei beim Winterdienst Bereitschaft ausgerufen worden. Früh morgens starte dann der so genannte Eiswächter eine Kontrollfahrt und fahre dabei besondere Kontrollpunkte ab, an denen erfahrungsgemäß die größte Glättegefahr besteht. Der Eiswächter schätze dann ein, ob ein Einsatz und in welchem Umfang auszurufen ist.

Gefahrenstellen dauerhaft überwachen

Mit der von regio iT und Zenner erprobten Technologie, sollen die Gefahrenstellen nun dauerhaft überwacht und die Daten über eine App übertragen werden. Ziel sei es, flächendeckende Informationen über den Zustand der Straßen in einem Stadtgebiet zu liefern und dem Winterdienst somit eine Lösung an die Hand zu geben, um die Einsätze effizienter und schneller zu gestalten. Behinderungen und Gefahren durch Glätte, insbesondere im Berufsverkehr, sollen damit auf ein Minimum reduziert werden. Der Winterdienst könnte Kontrollfahrten zudem gezielter durchführen, Ressourcen besser einsetzen und die Entscheidung über einen Streueinsatz schneller treffen, berichtet regio iT.
Aktuell würden viele Winterdienste ihre Informationen noch aus den allgemeinen Wetterberichten oder von speziellen Wetterdiensten erhalten, die glättespezifische Informationen zur Verfügung stellen.

Daten vor Ort erheben

Die in Nortorf erprobten Sensoren sollen nun im ersten Schritt die Erhebung von Wetter- und Glättedaten vor Ort ermöglichen. Simon Wilbertz, Projektleiter bei regio iT, erläutert: „Zukünftig könnte ein flächendeckendes Sensornetz alle 15 Minuten aktuelle Informationen von allen ausgewählten Punkten liefern. Im Gegensatz zu den allgemeinen, oft überregionalen Wetterberichten, könnten so auch spezielle, örtliche Besonderheiten zum Beispiel an Brücken oder Senken oder anderen besonders gefährdeten Stellen, an denen viel Personenverkehr stattfindet, berücksichtig werden.“
Die Daten werden über ein LoRaWAN-Netzwerk gesammelt und in die ELEMENT IoT-Plattform von Zenner übertragen, wo auch das Geräte-Management stattfindet, teilt regio iT mit. Logik, Visualisierung und Alarmierung würden wiederum im Monitoring-System e2watch des kommunalen Rechenzentrums laufen. Auf Basis der erfassten Sensordaten erstelle ein spezieller Algorithmus gegebenenfalls eine Glättewarnung und verteile diese automatisch auf die Computer oder Smartphones der Mitarbeiter des Winterdienstes.

Herausforderung für Sensoren

Im aktuellen Pilotprojekt stehe primär die Erprobung der eingesetzten Technik im Vordergrund. Das Umfeld habe sich dabei für die Sensoren als echte Herausforderung erwiesen: Outdoor-Sensoren seien beispielsweise allen denkbaren Umwelteinflüssen ausgesetzt, wie Sonne, Regen, Temperaturschwankungen oder Verschmutzung. Im Projekt konnten die Pilotkunden nun diverse Erfahrungen im Umgang mit den Sensoren sammeln und etwa die Qualität der Messwerte genauer unter die Lupe nehmen oder überprüfen, ob sich die Messungen mit den Beobachtungen der Mitarbeiter decken. Zudem sei getestet worden, wie zuverlässig der Glättealgorithmus Meldungen absetze und wie die Daten und Meldungen in den täglichen Betrieb und in die Abläufe des Winterdienstes integriert werden könnten. Obwohl aufgrund des sehr milden Winters nur eine begrenzte Menge an nutzbaren Daten gesammelt werden konnte, wird das Pilotprojekt laut regio iT in diesem Winter fortgesetzt. Zwei weitere Pilotkunden seien hinzugekommen. Sascha Schmidt, Projekt-Manager IoT bei Zenner, erläutert: „Es wird noch einige Zeit dauern, bis der Anwendungsfall voll ausgereift und massentauglich ist, aber wir sind von dem Projekt dennoch jetzt schon begeistert. Dieser Anwendungsfall bringt einige knifflige Herausforderungen mit sich, die wir gerne annehmen.“



Stichwörter: Smart City, LoRaWAN


Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Smart City
Vier Personen aus dem Bad Belziger Smart-City-Team sitzen vor einer Infotafel
bericht

Serie Digitalstädte: Mehrwerte schaffen

[07.07.2026] Förderprojekte wie der Wettbewerb Modellprojekte Smart Cities sind für kleinere Kommunen wie die Stadt Bad Belzig wichtig, um mit der Digitalisierung voranzukommen. Es braucht aber sichtbare Mehrwerte, damit es anschließend weitergeht. mehr...

Mehrere Personen halten Sensoren in die Kamera

Gütersloh: Sensoren unterstützen Winterdienst

[07.07.2026] 
In Gütersloh geht das Smart-City-Projekt „Smarter Winterdienst“ in den Testbetrieb – an 13 Standorten im Stadtgebiet werden künftig Sensoren den Zustand der Fahrbahnoberfläche erfassen. mehr...

Die Stadt der Zukunft ist vernetzt.

BBSR: Smarte Praxisbeispiele für Kommunen

[06.07.2026] Das BBSR hat sein Kompendium „Smart Cities und Smart Regions“ und die dazugehörige Storymap erweitert. Die 30 neuen Beispiele zeigen, wie Kommunen aus konkreten Problemen digitale Lösungen entwickeln – und was andere Städte und Gemeinden daraus für eigene Projekte lernen können. mehr...

eine der Rheinbrücken zwischen Mannheim und Ludwigshafen

Mannheim: Sensoren schützen Rheinbrücken

[06.07.2026] Optische Sensoren erfassen ab sofort den Verkehr auf den beiden Rheinbrücken zwischen Mannheim und Ludwigshafen. Das von der Smart City Mannheim realisierte Monitorungprojekt soll dazu beitragen, Verkehrsströme transparent zu machen und gezielte Maßnahmen zum Schutz der Bauwerke abzuleiten. 
 mehr...

Grafik zur urbanen Datenplattform in Aalen
bericht

Aalen / Heidenheim: Hoher Praxisnutzen

[29.06.2026] In Aalen und Heidenheim wird Smart City praxisnah: Sensoren liefern Daten zu Glatteis, Pegelständen und weiteren Risiken. Eine gemeinsame Plattform verbindet diese Informationen und unterstützt Verwaltung, Feuerwehr und Bauhof im Alltag. mehr...

Fahrraddaten Screenshot Digitaler Zwilling

Wiesbaden: Positive Bilanz zum Digitalen Zwilling

[29.06.2026] Der Digitale Zwilling Wiesbaden hat sich für die Stadt seit seinem Start im Sommer vergangenen Jahres bereits zu einem wichtigen Werkzeug für Planung, Beteiligung und Information entwickelt. 
 mehr...

Mehrere Personen eröffnen die Digitalen Tage Hamm 2026 durch drücken auf einen symbolischen Startknopf

Hamm: Smart-City-Strategie beschlossen

[29.06.2026] Im Rahmen ihrer Digitalisierungsstrategie hat die Stadt Hamm in den vergangenen Jahren zahlreiche Maßnahmen angestoßen und teils bereits umgesetzt. Für den Zeitraum 2027 bis 2032 wird die Strategie nun als Smart-City-Strategie fortgeschrieben. Die Bürger können mitbestimmen, welche Themen künftig stärker in den Fokus rücken sollen. mehr...

Auf einem Monitor ist der Digitale Zwilling einer Stadt zu sehen

Serie Smart Cities, Teil 3: Mit Zwilling planen

[25.06.2026] Urbane Digitale Zwillinge erlauben es Kommunen, Daten zu ihrem Stadtgebiet strukturiert sichtbar und für Entscheidungen nutzbar zu machen, etwa in der Verkehrs- oder Wärmeplanung. Beim Aufbau eines Digitalen Zwillings lohnt es sich, auf Kooperation zu setzen. mehr...

bericht

MPSC: Vom Piloten zur Praxis (2) – Nachnutzung braucht Struktur

[24.06.2026] Die Modellprojekte Smart Cities haben viele erfolgreiche Lösungen und auch neue Formen kommunaler Zusammenarbeit hervorgebracht. Nun geht es darum, entstandene Netzwerke, Unterstützungsangebote und Entwicklungsgemeinschaften zu verankern - nur so können die Pilotprojekte breit nachgenutzt werden. mehr...

Vektorgrafik einer Smart City.

BBSR: Die Wirkung von Smart-City-Vorhaben darstellen

[24.06.2026] Smarte digitale Projekte stärken die regionale Wirtschaft – aber oft indirekt. Das erschwert es Kommunen, den konkreten Nutzen zu benennen und argumentativ zu vertreten, etwa gegenüber Politik oder Projektpartnern. Eine Praxishilfe erklärt, wie Kommunen solche Effekte erkennen und verständlich vermitteln können. mehr...

Hand mit einem Smartphone auf dem die Temperatur mit 40 Grad Celsius angegeben wird
bericht

Klimawandel: Daten gegen den Hitzestress

[23.06.2026] Auf die Herausforderungen des Klimawandels können Städte nicht nur mit baulich-physischen Maßnahmen reagieren. Auch der Aus- und Umbau der digitalen Dateninfrastruktur und die systematische Organisation klimarelevanter Daten stärken die kommunale Resilienz. mehr...

bericht

MPSC: Vom Piloten zur Praxis (1) – Zusammenarbeit statt Insellösungen

[23.06.2026] Seit 2019 gibt es das Fördervorhaben Modellprojekte Smart Cities, über 70 Kommunen und Regionen haben bisher teilgenommen. Dabei entstanden nicht nur viele erfolgreiche technische Lösungen, sondern auch neue Formen kommunaler Zusammenarbeit – für viele Beteiligte ein entscheidender Faktor. mehr...

Bodensensor in einer Straße in Gütersloh

Gütersloh: Sensoren erfassen Parkplatzauslastung

[12.06.2026] Mit Bodensensoren erfasst die Stadt Gütersloh zurzeit die Auslastung von vier Fahrzeugstellplätzen an der Königstraße. Die Daten sollen in die Planungen zur Umgestaltung des Kreuzungsbereichs zur Hohenzollernstraße einfließen, der ein Unfallschwerpunkt ist. mehr...

Screenshot BBSR-Studie zu digitalen Zwillingen

Studie: Digitale Zwillinge in der Praxis

[10.06.2026] Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung hat eine neue Veröffentlichung zum Thema urbane Digitale Zwillinge herausgegeben, die im Rahmen der Begleitforschung der Modellprojekte Smart Cities entstanden ist. mehr...

Stadt, Bäume und Internet of Things Sensorien Symbolisch
bericht

Serie Smart Cities, Teil 2: Sensoren sinnvoll nutzen

[20.05.2026] Sensorik und Internet of Things sind das Nervensystem der smarten Stadt – sie liefern Daten, welche Prozesse optimieren und die Entscheidungsfindung erleichtern können. Beim Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur können Kommunen auch klein starten. mehr...