Sonntag, 2. August 2026

Schleswig-HolsteinDigitalisierungsprogramm beschlossen

[02.07.2018] Ein umfangreiches Programm zur Digitalisierung in Schleswig-Holstein hat jetzt das Kabinett beschlossen. Es umfasst alle Politikbereiche – von der Verwaltung über die Bildungslandschaft bis hin zur E-Justiz und Energiewirtschaft.
Schleswig-Holstein hat ein umfassendes Digitalisierungsprogramm auf den Weg gebracht.

Schleswig-Holstein hat ein umfassendes Digitalisierungsprogramm auf den Weg gebracht.

Schleswig-Holstein soll zum Vorzeigeland der Digitalisierung werden. Wie die Staatskanzlei berichtet, hat das Digitalisierungskabinett dazu ein umfangreiches Programm beschlossen. Es umfasse alle Politikbereiche und soll in den kommenden Jahren konsequent weiterentwickelt werden. „Die Digitalisierung bietet vielversprechende Perspektiven für unser Land, insbesondere wenn es gelingt, sie als Querschnittsthema mit hoher Priorität in sämtlichen Bereichen zu verankern“, erklärt Robert Habeck, Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung. „Das kann nur gelingen, wenn wir eine offene, transparente Verwaltung mit den innovationsfreudigen Menschen in Schleswig-Holstein zusammenbringen.” Das Digitalisierungsprogramm zeige auf, in welchen Schritten die Landesregierung die Digitalisierung voranbringen will. „Es geht darum, einen verlässlichen Rahmen für alle zu schaffen. Für die, die gemeinsam mit uns die Digitalisierung in Schleswig-Holstein voranbringen und auch für die, die Sorgen haben vor den Risiken der Digitalisierung“, sagt Habeck weiter.
Zu den zentralen Anliegen der Landesregierung gehört laut der Staatskanzlei ein zügiger, flächendeckender Ausbau insbesondere des Glasfasernetzes. Aktuell liege die Ausbauquote bei 35 Prozent. „Diese Entwicklung werden wir weiter mit Nachdruck vorantreiben”, kündigt Ministerpräsident Daniel Günther an. Dasselbe gelte für die Verfügbarkeit eines stabilen und modernen mobilen Netzes (5G) in den ländlichen Räumen.
Gemeinsam mit den Kommunen will das Land außerdem ein zentrales Zugangsportal errichten, über das die Bürger eine Vielzahl von Verwaltungsdienstleistungen in Anspruch nehmen können. Gewerbeanmeldungen, Handelsregisterauskünfte oder die Vergabe von Kita-Plätzen ließen sich so von zu Hause aus erledigen. Darüber hinaus sollen kleine Unternehmen auf ihrem Weg ins Digitalzeitalter unterstützt werden. Das Land werde beispielsweise Hilfe bei der Aus- und Weiterbildung von Fachkräften leisten.

Digitale Bildung stärken

Dass vertrauenswürdige Standards beim Schutz personenbezogener Daten nicht gegen Innovations- und Wachstumspotenziale ausgespielt werden dürfen, darauf weist Habeck mit Blick auf das Digitalisierungsprogramm hin: „Wir wollen unseren Datenschutz zu einem internationalen Wettbewerbsvorteil entwickeln und nachweisen, dass ein hohes Datenschutzniveau eben kein Hindernis im Wettbewerb ist.“
Wichtig sei es zudem, die Medien- und Digitalisierungskompetenz in der Gesellschaft zu stärken. So genannte Digitalisierungsknoten sollen laut der Staatskanzlei dabei helfen, sich mit dem digitalen Wandel vertraut zu machen. Hier können Bürger mit Experten ins Gespräch kommen, sich über Entwicklungen informieren oder neue technische Geräte kennenlernen. Eine herausgehobene Rolle soll dabei die Landesbibliothek spielen, die zu einem Zentrum für Digitalisierung und Kultur ausgebaut werde. Ähnliche Piloteinrichtungen, die einmal Teil eines flächendeckenden Netzwerks digitaler Knotenpunkte sein sollen, werden zunächst in Meldorf, Lauenburg und Oldenburg entstehen, heißt es vonseiten der Staatskanzlei weiter.
Im Bildungsbereich soll im Rahmen des Digitalisierungprogramms das bereits bestehende Schulportal Schleswig-Holstein zu einer digitalen Schulplattform ausgebaut werden. Erstmals werde außerdem das Lernen mit digitalen Medien systematisch in der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften verankert. Entstehen soll ein Zentrum für Blended Learning, wo Kurse für die Nutzung digitaler Medien angeboten werden. In Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Lübeck will Schleswig-Holstein darüber hinaus Werkstätten zur Erprobung digitaler Medien bereitstellen. So werden laut der Staatskanzlei gleichzeitig die Bereiche Schule und Hochschule enger vernetzt. Die Etablierung hochschulübergreifender digitaler Dienste und Infrastrukturen fördere zudem das Wissenschaftsministerium. Das umfasse den gemeinschaftlichen Aufbau eines breitbandigen Forschungsnetzes sowie den datenschutzkonformen Ausbau cloudbasierter IT-Dienste.

E-Justiz, Landwirtschaft, Energie und Telemedizin

Im Justizbereich ist die vollständige Einführung der elektronischen Aktenführung bis zum Jahr 2026 geplant. Parallel dazu erfolgt laut der Staatskanzlei bis 2025 der Umbau aller Sitzungssäle in den Gerichten, um sie an die Anforderungen der digitalen Aktenführung anzupassen. Im Bereich Justizvollzug werden die Möglichkeiten zur Nutzung von Videodolmetschern ausgebaut; ebenso die Angebote zur Videotelefonie von Gefangenen mit ihren Familien.
Im Verbraucherschutz gewinne die Information und Beratung über digitale Kanäle und Themen an Bedeutung. Dazu habe die Landesregierung mit der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein eine Vereinbarung zur Entwicklung eines Digitalisierungs- und Reichweitenkonzepts geschlossen, das in einem Jahr beginnen soll. Das Verbraucherschutzministerium fördere außerdem das Pilotprojekt Online-Schlichter für eine niedrigschwellige, außergerichtliche und kostenfreie Streitbeilegung bei Konflikten mit Online-Händlern.
Die Landwirte unterstütze das Landesamt für Vermessung und Geoinformation Schleswig-Holstein (LVermGeo SH) im Rahmen eines Pilotprojekts bei der Digitalisierung: Mithilfe eines Satellitenkorrekturdatendienstes können Landmaschinen eine vorher angelernte Strecke vollkommen autonom abfahren und höchst präzise punktuell Saatgut oder Düngemittel ausbringen. Das LVermGeo SH stelle in der dreijährigen Pilotphase dafür Daten kostengünstig zur Verfügung.
Zu den weiteren Themen des Digitalisierungsprogramms zählen die Elektromobilität und das autonome Fahren sowie die Einführung intelligenter Messsysteme in der Energiewirtschaft. So sollen Messstellenbetreiber, unterstützt vom Energiewendeministerium, in der Startphase ab 2018 durch Informationsveranstaltungen mit möglichen Kooperationspartnern gestärkt werden. Begleitend zum Roll-out intelligenter Messsysteme sind Beratungsangebote und Fördermaßnahmen der Verbraucherzentrale zur Digitalisierung im Energiebereich vorgesehen. Sie sollen in den kommenden beiden Jahren angeboten werden.
Das Digitalisierungsprogramm sieht außerdem den Aufbau eines „Kompetenzzentrums digitale Spuren“ im Landeskriminalamt vor, ein Pilotprojekt zu einem telemedizinischen Assistenzsystem und die Förderung des E-Sports. Auch werde die Entwicklung von Telemedizin-Modulen im Veterinärbereich geprüft.





Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik
Nahaufnahme der Flagge von Mecklenburg-Vorpommern

Mecklenburg-Vorpommern: Landes- und Kommunalverwaltung rücken zusammen

[29.07.2026] Mecklenburg-Vorpommern tritt dem kommunalen Zweckverband eGo-MV bei. Land und Kommunen wollen damit ihre Zusammenarbeit bei IT-Infrastrukturen, Standards und gemeinsamen Digitalisierungsprojekten verbindlicher organisieren. mehr...

Porträtaufnahme von Kristina Sinemus.

Hessen: Digitale Basis für finanzschwache Kommunen

[22.07.2026] Mit einem neuen Förderprogramm unterstützt Hessen insbesondere finanzschwächere Kommunen bei der Einführung grundlegender Technologien für die Verwaltungsdigitalisierung. Damit soll die digitale Transformation auch in Kommunen mit engen finanziellen Spielräumen vorankommen. mehr...

Zahnräder_Hände
bericht

Digitalisierung: Taskforce eingerichtet

[16.07.2026] Niedersachsen versteht die Digitalisierung als ebenenübergreifende Aufgabe. Mit Rahmenwerk, strategischer Steuerung und operativer Unterstützung, gebündelt mit Standardisierung und konsequenter Kooperation, sind Land und Kommunen auf einem guten Weg. mehr...

bericht

Baden-Württemberg: Komm.ONE fordert neue Dynamik

[06.07.2026] Die Verwaltungsdigitalisierung in Baden-Württemberg soll deutlich an Tempo gewinnen. Im Mittelpunkt stehen eine engere Zusammenarbeit zwischen Land und Kommunen, verlässliche Finanzierungsmodelle sowie eine stärkere Rolle des kommunalen IT-Dienstleisters bei der Umsetzung zentraler Digitalisierungsprojekte. Auch eine langfristige Annäherung an die Landes-IT BITBW schließen die Verantwortlichen nicht aus. mehr...

Sachsen-Flagge im Wind

Sachsen: Mittel für kommunale Digitalisierung

[06.07.2026] Sachsen plant im Doppelhaushalt 2027/2028 weitere Mittel für die Verwaltungsdigitalisierung ein. Neben dem Sächsischen Verwaltungsnetz und zentralen Landesportalen sollen auch Kommunen bei digitalen Diensten und internen Verfahren unterstützt werden. mehr...

Gruppenfoto am Spreeufer, das Kanzleramt im Hintergrund

Vitako: Der moderne Staat fängt in den Kommunen an

[02.07.2026] Die Staatsmodernisierung entscheidet sich nicht im Konzept, sondern in der kommunalen Umsetzung. Beim Politischen Abend von Vitako diskutierten Bundestagsabgeordnete und Fachleute, wie kommunale IT-Dienstleister, gemeinsame Standards und klare Governance die Verwaltungsdigitalisierung voranbringen können. mehr...

Porträt Landrat Dr. Achim Brötel

Deutscher Landkreistag: Landkreise als Innovationsräume

[25.06.2026] Digitale Modernisierung muss in der kommunalen Praxis ankommen: Der Deutsche Landkreistag dringt im Austausch mit Bundesdigitalminister Karsten Wildberger darauf, Landkreise bei zentralen Vorhaben der Staatsmodernisierung frühzeitig einzubinden. mehr...

Dr. Annika Busse - Hamburg CIO
interview

Hamburg: Gemeinsam mehr erreichen

[24.06.2026] Seit Ende vergangenen Jahres ist Annika Busse neue Hamburg-CIO. Im Interview spricht sie über Mitarbeitermotivation, Ziele für Hamburgerinnen und Hamburger sowie die Verwaltung und darüber, woran sie am Ende ihrer Amtszeit gemessen werden möchte. mehr...

von rechts: Mehring, Sinemus, Wildberger, daneben noch weitere (unbekannte) Personen

BMDS/Bayern: Kooperation zur flächendeckenden Digitalisierung

[23.06.2026] Im Rahmen einer Pilotkooperation wollen das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) und das Bayerische Staatsministerium für Digitales (StMD) bis Ende dieses Jahres in allen bayerischen Kommunen zentrale digitale Verwaltungsleistungen bereitstellen. Die Rolle des Generalunternehmers auf Ebene des Landes übernimmt die AKDB. mehr...

zwei Männer geben sich die Hand_Karsten Wildberger_mario Voigt

Thüringen: Wichtige Online-Dienste für alle Kommunen

[11.06.2026] Thüringen und der Bund wollen fünf Verwaltungsleistungen bis Ende März 2027 landesweit digital verfügbar machen. govdigital und KIV Thüringen sollen die Online-Dienste in den Thüringer Kommunen bis zur vollständigen Betriebsfähigkeit integrieren. mehr...

Niedersachsen: Im Maschinenraum der Verwaltungsdigitalisierung

[28.05.2026] Seit April unterstützt eine Taskforce niedersächsische Kommunen dabei, wichtige Verwaltungsleistungen online anzubinden. Die Beteiligten arbeiten eng zusammen, um technische, organisatorische und finanzielle Hürden für den Einsatz der Online-Dienste aus dem Weg zu räumen – mit Erfolg. mehr...

bericht

re:publica26: Vom Ankündigen zum Liefern

[21.05.2026] Auf der Digitalkonferenz re:publica26 zieht Bundesdigitalminister Karsten Wildberger eine Jahresbilanz und spricht sich resolut für mehr digitale Souveränität und Open Source aus. mehr...

Komm.ONE: Landesregierung strebt engere Zusammenarbeit an

[18.05.2026] Die neue Landesregierung in Baden-Württemberg will Landes-IT und kommunale IT künftig enger zusammenführen und ein gemeinsames Rechenzentrum aufbauen. Komm.ONE unterstützt die Pläne und sieht darin eine wichtige Grundlage für die weitere Digitalisierung der Verwaltung. mehr...

Offizielles Porträt von Bundesdigitalminister Karsten Wildberger

Ein Jahr BMDS: Gute Ansätze – zu wenig Verbindlichkeit

[07.05.2026] Ein Jahr nach dem Start des Digitalministeriums ziehen weitere Branchenverbände Bilanz. Die Open Source Business Alliance fordert mehr Verbindlichkeit bei Open Source und digitaler Souveränität, der BREKO verlässliche Rahmenbedingungen für den Glasfaserausbau. mehr...

Mitglieder des Digitalausschusses des DStGB

DStGB: Umsteuern zur rein digitalen Verwaltung

[30.04.2026] Wie digitale Lösungen, Automatisierung und Künstliche Intelligenz zur Modernisierung des Staates beitragen und so für die dringend nötige Entlastung der Kommunen sorgen können, diskutierte der Ausschuss für Digitalisierung des Deutschen Städte- und Gemeindebunds auf seiner Frühjahrstagung.
 mehr...