Dienstag, 31. März 2026

Digitales LernenEintauchen in den Lernstoff

[31.03.2026] Der Digitalpakt 2.0 fördert unter anderem die Einführung KI-gestützter, adaptiver Lernsysteme und die Entwicklung digitaler Unterrichtskonzepte. Damit eröffnet sich eine Chance für Schulen, immersive Lernräume einzurichten – ein Konzept, mit dem andere Länder bereits gute Erfahrungen gemacht haben.
Collage eines jungen Schülers in Schwarz-Weiß, der einen Rucksack und eine Lupe hält, vor einem Notebook-Bildschirm, isoliert auf farbigem Hintergrund.

Immersive Lernumgebungen aktivieren mehrere Sinne gleichzeitig und fördern damit ein tieferes Verständnis für den Lehrstoff.

(Bildquelle: deagreez/123rf.com)

Mit dem Digitalpakt 2.0 wollen Bund und Länder erneut erhebliche Mittel für das Bildungswesen bereitstellen. Für Schulen stellt sich die Frage, wohin die Investitionen fließen sollen. Durch den neuen Pakt förderfähig sind Investitionen in grundlegende technische Ausrüstungen und – neu gegenüber der ersten Auflage des Digitalpakts – auch Investments in strukturelle IT-Themen. Dazu gehören sowohl die Entwicklung digitaler Unterrichtskonzepte als auch die Integration digitaler Medien in die Curriculae sowie die Einführung KI-gestützter, adaptiver Lernsysteme. Ein Konzept, das in diesem Zusammenhang spürbar an Bedeutung gewinnt, sind immersive Lernräume.

Lernen im Raum

Beim immersiven Lernen haben Lernende den Eindruck, mittendrin zu sein: Großflächige Projektionen an Wänden oder auf dem Boden machen den Lernstoff – neben dem Lesen oder Hören – auch räumlich erlebbar. Die Lernenden bewegen sich dabei wie selbstverständlich im Raum, lösen Aufgaben und erhalten sämtliche Inhalte gemeinsam in der Gruppe. Da keine VR-Brillen nötig sind, bleibt der soziale Kontakt erhalten und auch die Lehrkraft ist eingebunden. Weil immersive Lernumgebungen mehrere Sinne gleichzeitig aktivieren, wird ein tieferes, nachhaltiges Verständnis für den Lehrstoff gefördert: Wissen lässt sich leichter verknüpfen und besser im Langzeitgedächtnis abspeichern. Dazu kommt, dass sich in immersiven Lernumgebungen virtuelle Erfahrungen möglich sind, die im „echten Leben“ nur unter Schwierigkeiten zugänglich gemacht werden könnten.

Andere Länder sind schon weiter

Ein Blick nach Skandinavien zeigt, was möglich ist. So findet in finnischen Schulen partizipativer Unterricht beinahe ausschließlich mithilfe großflächiger Projektionen statt. Das Feedback aus den Schulen beeindruckt: Besonders auffällig ist die intensive Kommunikation zwischen Lernenden und Lehrkräften. Alle Lernenden werden erreicht, jede Meinung wird gehört und es wird viel diskutiert. Gerade für komplexe Themen eröffnen sich neue Möglichkeiten, auch unterschiedliche Lernniveaus lassen sich besser einbinden. Immersive Lernräume erweisen sich als Instrument, das Motivation und Lernerfolg nachhaltig fördern kann.

Wachsendes Interesse auch bei uns

In Deutschland ist trotz des Digitalisierungsschubs durch den ersten Digitalpakt bisher von immersiven Lernräumen wenig zu sehen – doch inzwischen wächst das Interesse. Die Schülerinnen und Schüler könnten auf jeden Fall profitieren, denn hierzulande sind die Klassenzimmer im Allgemeinen recht groß. Deshalb braucht der Lehrstoff eine Darstellungsform, die – unabhängig vom Sitzplatz – Unterrichtsinhalte gut erkennen lässt: Die interaktive Darstellung der Inhalte bindet auch die letzte Reihe in den Unterricht ein.

Eine radikale Abkehr von traditioneller Lernformen ist auch beim Einsatz von Großprojektionen nicht erforderlich: Alle Arbeitsmittel von Stift und Papier bis zu moderner Technologie haben ihre Berechtigung. Ein Wechsel der Medien unter Ausnutzung der jeweiligen Vorteile kann sogar hilfreich sein, um die Aufmerksamkeit der Lernenden zu binden und Stoff zu vermitteln.

Fördermittel für eine gute Unterrichtsentwicklung

Immersive Lernräume werden in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen. Die Technologie entwickelt sich schnell weiter, die Kosten sinken, didaktische Konzepte reifen. Länder wie Finnland oder Italien zeigen, wie eine durchdachte Integration gelingen kann. Deutschland hat die Ressourcen und das Know-how, um aufzuschließen.
Dabei ist Technik nicht der alleinige entscheidende Faktor. Ebenso erforderlich sind didaktische Gesamtkonzepte, in denen Schulen technische Möglichkeiten berücksichtigen. Investitionen in Bildungsmittel sind eng mit konkreten pädagogischen Zielen verknüpft und die Schulen besitzen einen großen Gestaltungsspielraum. Darin liegt auch für Deutschland eine große Chance: Fördermittel sollten eine gute Unterrichtsentwicklung ermöglichen.

Die Chance nutzen und weiterdenken

Der erste Digitalpakt hat einen wichtigen Initialschub gebracht, doch es bleibt noch viel zu tun. Nun geht es darum, die Schülerinnen und Schüler zu befähigen, digitale Medien über die reine Bedienung hinaus zu verstehen. Sie müssen erfassen, was hinter den Medien steckt, wie dort etwas passiert und auch, welche Folgen eine Nutzung haben kann. Der Digitalpakt 2.0 ist mehr als ein Förderprogramm – er stellt die Weichen für die Zukunft des deutschen Bildungssystems. Technologie im Klassenzimmer ist notwendig, um die junge Generation auf die kommende digitale Welt vorzubereiten. Schulen und berufsbildende Einrichtungen sind passende Orte, um diese Transformation zu fördern. Wer den Prozess des Lernens wieder bewusster wahrnimmt, ermöglicht allen Beteiligten, mitzugewinnen. Die Milliarden des Digitalpakts sind eine Chance. Jetzt liegt es an Schulen, Schulträgern und Politik, sie zu nutzen.

Dr. Sarah Henkelmann-Hillebrand ist Market-Development-Managerin – Education Europa bei Epson, wo sie Bildungseinrichtungen und Vertriebspartner bei der strategischen IT-Ausstattung unterstützt.


Stichwörter: Schul-IT, Immersives Lernen


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