BayernGlasfaser überall

Jürgen Hansjosten
(Bildquelle: Infracapital Deutschland)
Herr Hansjosten, Infracapital ist eine britische Investment-Gesellschaft. Warum investieren Sie in Deutschland?
Es gibt hier einen hohen Nachholbedarf bei den Infrastrukturen Verkehr, Strom und Breitband. Dies bietet für uns als langfristig denkender Investor sehr interessante Potenziale. Unser Ziel ist es, einen wichtigen und nachhaltigen Beitrag für den beschleunigten Glasfaserausbau im ländlichen Raum zu leisten. In den kommenden drei bis vier Jahren wollen wir mit der CCNST und unserer Tochter BBV Deutschland mindestens 500 Millionen Euro in den Auf- und Ausbau von Glasfasernetzen investieren.
Welche Strategie verfolgen Sie in Bayern?
Wir bauen sowohl privatwirtschaftlich, als auch gefördert aus. Bayern hat beim Breitband-Ausbau bis ins Gebäude schon seit Jahren eine beispielhafte Förderkulisse etabliert. Unser zweites Standbein ist der Ausbau mit Eigenmitteln. Wir erweitern gezielt geförderte Ausbaugebiete und gehen schwach versorgte Orte komplett privatwirtschaftlich an.
Was bieten Sie den Kommunen?
Die Menschen wollen heute Glasfaser überall und möglichst sofort. Diese hohe Erwartungshaltung stellt Kommunen vor große Herausforderungen. Daher unterstützen und entlasten wir diese als Partner und helfen, den allseits gewünschten Glasfaserausbau zu beschleunigen. Wir sind flexibel und wie bereits erwähnt auch für geförderte Breitband-Projekte offen. Kommunen profitieren von den umfangreichen Erfahrungen unserer Mitarbeiter und können so mögliche eigene Risiken deutlich reduzieren.
Wie gehen Sie vor?
Historisch war die CCNST im Osten Bayerns tätig. Inzwischen intensivieren wir unsere geförderten und eigenwirtschaftlichen Ausbauaktivitäten landesweit. Dabei verfolgen wir das Ziel, unsere bereits bestehenden Netz-Infrastrukturen weiter zu verdichten und gezielt zu wachsen. Immer öfter erschließen wir ganze Kommunen flächendeckend durch eine sinnvolle Kombination aus Förderung und eigenwirtschaftlichem Ausbau. Die Entscheidungsträger im Land und in den Kommunen verfolgen dies sehr genau. Die positive Wahrnehmung hilft uns bei kommunalen Projekten und öffnet neue Türen.
Wie halten Sie es mit dem Thema Open Access?
Es ist volkswirtschaftlich nicht sinnvoll, Glasfaser mit Glasfaser zu überbauen. Open Access ist eine Frage der Vernunft. Daher öffnen wir unsere Netze gerne für Dritte zu einem marktüblichen Preis. Letztlich profitieren alle. Wir optimieren die Auslastung unserer Infrastrukturen und können so Investitionen schneller refinanzieren. Andere Netzbetreiber erhalten die Möglichkeit, sich neue Kunden zu erschließen. Für Verbraucher erhöht sich die Auswahl.
Aktuell drängen viele neue private Investoren in den Markt. Wodurch unterscheiden Sie sich von diesen?
Das wesentliche Differenzierungsmerkmal und unser Mehrwert ist eine sehr starke lokale und regionale Marktorientierung in Baden-Württemberg, Bayern und zukünftig auch verstärkt in Thüringen. Wir suchen bewusst die Nähe zum Kunden sowie zur Politik, von kommunalen Entscheidern bis hin zu den Landesregierungen. Dabei verfolgen wir den Verdichtungsgedanken über unsere eigenen Unternehmen und mit zu uns passenden Partnern. Wichtig unter Effizienzgesichtspunkten ist zudem das Ineinandergreifen unserer Investitionen, zum Beispiel beim Aufbau regionaler Backbones und Servicestrecken.
Dieser Beitrag ist im Spezial der Ausgabe Juni 2021 von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
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