Montag, 28. September 2026

Cyber-SicherheitHacker in digitaler Quarantäne

[14.12.2022] Städte, Gemeinden und Kreise werden immer öfter Opfer von Cyber-Angriffen. Veraltete IT-Lösungen machen es den Hackern zum Teil leicht, an sensible Daten zu kommen. Kommen können sich unter anderem mit virtuellen Browsern schützen.
Der Browser in the Box von Rohde & Schwarz Cybersecurity schützt vor Ransomware-Angriffen.

Der Browser in the Box von Rohde & Schwarz Cybersecurity schützt vor Ransomware-Angriffen.

(Bildquelle: Rohde & Schwarz Cybersecurity)

Diesmal traf es die Verwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises. Kriminelle Hacker hatten am 11. November 2022 deren IT lahmgelegt und zahlreiche Daten kopiert (wir berichteten). Schlimmste Befürchtungen wurden wahr als die Kommune der Lösegeldforderung nicht nachkam: Die Daten wurden im Darknet hochgeladen. Namen, Anschriften und Geburtsdaten von ukrainischen Geflüchteten, die in dem Landkreis untergebracht wurden, waren einsehbar. Auch war die Website der Kreisverwaltung mehrere Tage nicht vollumfänglich erreichbar. Ein Einzelfall ist das nicht. Im Oktober 2021 erbeuteten kriminelle Hacker Daten der Stadt Witten und veröffentlichten diese im Netz. Vielen ist außerdem der schwere Angriff auf die Kreisverwaltung Anhalt-Bitterfeld in Erinnerung. Die Bereitstellung öffentlicher Dienstleistungen war dort im Sommer 2021 so nachhaltig eingeschränkt, dass der Landkreis den Katastrophenfall ausrief. Auch nach Monaten war noch kein Regelbetrieb möglich. Für Kommunen und deren Bürgerinnen und Bürger haben solche Angriffe tiefgreifende Folgen. Sie reichen von der Einstellung von Sozialleistungen bis hin zum Leak ihrer persönlichen Daten.

Die Attacken nehmen zu

Erpressungsangriffe – in der Fachsprache als Ransomware-Attacken bezeichnet – nehmen laut Bundeskriminalamt (BKA) zu. Rasant ist der dadurch entstandene jährliche Schaden gestiegen: auf circa 24,3 Milliarden Euro im Jahr 2021. 2019 waren es noch 5,3 Milliarden Euro. Der durchschnittliche Schaden pro Attacke hat um 21 Prozent zugelegt. Und auch die Kommunen werden immer öfter Opfer solcher Angriffe. Zum einen sind die IT-Strukturen in Städten und Gemeinden häufig veraltet und nicht ausreichend geschützt. Zum anderen liegen durch die Digitalisierung der Behörden immer mehr persönliche Daten auf den Servern.
Bei den Angreifern handelt es sich laut BKA um eine hoch professionelle und organisierte Gruppe, die aus Cyber-Angriffen ein regelrechtes Geschäftsmodell gemacht habe. Das Einfallstor ist das Internet. Links werden über Phishing-E-Mails versendet, die vertrauenswürdig aussehen, deren Aktivierung jedoch einen Angriff initiiert. Mitarbeiterschulungen reichen als Schutz nicht mehr aus, da Phishing immer professioneller und authentischer wird. Eine Antiviren-Software ist auch keine Lösung, da sie nur bereits bekannte Malware erkennen kann. Bleibt der Weg, den Internet-Zugang vollständig einzuschränken. In Zeiten des Onlinezugangsgesetzes (OZG) und der digitalen Bürgerservices wäre das ein fataler Rückschritt.

Wie sich Kommunen wappnen können

Die gute Nachricht ist: Kommunen können sich vor Ransomware schützen und die Gefahr eines Angriffs minimieren. Durch Programmkorrekturen – so genannte Patches – lassen sich bekannte Fehler in Programmen ausbessern oder Sicherheitslücken schließen. Patches sollten regelmäßig und zeitnah auf alle Geräte im IT-Netzwerk aufgespielt werden.  
Veraltete Systeme mit nicht mehr unterstützten Betriebssystemen, wie Windows XP, sollten keinesfalls in einem mit dem Internet verbundenen Netzwerk laufen. Des Weiteren sollten Anhänge oder Links, die nicht zweifelsfrei sicherer Herkunft sind, ungeöffnet bleiben. Die Mitarbeitenden müssen entsprechend geschult werden. Sie sollten auch niemals Programme aus dem Internet herunterladen, die nicht von verifizierten Stellen angeboten werden. Regelmäßige Back-ups auf externen Datenträgern sichern wiederum den Zugang zu unternehmenskritischen Daten.
Zusätzlich gibt es sehr wirksame IT-Sicherheitstechnologien, mit denen sich Ransomware-Angriffe abwehren lassen. Der wichtigste Schutz ist die Absicherung des Internet-Zugangs. Am konsequentesten wird das durch eine Trennung von Internet und internem Netzwerk realisiert, denn dann kann Schad-Software nicht in das Basisbetriebssystem eindringen.

Cyber-Kriminellen den Zugriff verwehren

Praktisch umsetzen lässt sich das mit einem virtuellen Browser: Die Nutzer arbeiten mit einer vom Betriebssystem separierten Maschine. Entscheidend ist, dass es sich dabei um eine vollvirtualisierte Surf-Umgebung handelt. Dabei wird zusätzlich auf der Netzwerkebene der Zugang zum Internet vom Intranet getrennt. Ein solcher Browser ist beispielsweise der R&S Browser in the Box von Rohde & Schwarz Cybersecurity. Er schließt die Sicherheitslücke Internet sozusagen mit der digitalen Quarantäne für Hacker-Angriffe: Die Lösung ermöglicht eine konsequente Netzwerktrennung und schützt auch vor Angriffen über E-Mail-Anhänge oder bei Web-Konferenzen mit Mikrofonnutzung und Webcam-Unterstützung. Anstatt – wie bei Antivirenprogrammen – Schad-Codes zu erkennen, werden alle potenziell gefährlichen Aktivitäten in diesem virtuellen Browser isoliert. Jeder Browser-Start beseitigt die Schädlinge und versetzt den Browser in seinen Ausgangszustand. Kommt ein virtueller Browser zum Einsatz, haben Cyber-Kriminelle keine Chance.

Clemens A. Schulz ist Director Desktop Security bei Rohde & Schwarz Cybersecurity.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: IT-Sicherheit

Advertorial: Entlastung in der IT-Sicherheit für den öffentlichen Sektor

[22.09.2026] Die Digitalisierung von Prozessen und Angeboten macht Kommunen und Behörden effizienter und zukunftsfähig. Erschwert wird dieses Mammutprojekt durch immense Cyberbedrohungen und die Frage nach technologischen Abhängigkeiten und Datenhoheit. Gefragt sind Security-Lösungen, die nicht nur durch ein hohes Sicherheitsniveau überzeugen, sondern transparent und unabhängig sind und wenig Aufwand erzeugen. mehr...

it-sa 2026: NCP zeigt deutsche Zero-Trust-Lösung

[21.09.2026] Auf der IT-Sicherheitsmesse it-sa 2026 in Nürnberg stellt das Unternehmen NCP engineering erstmals eine in Deutschland entwickelte Zero-Trust-Lösung vor. Darüber hinaus zeigt das Unternehmen Lösungen für sicheren Remote Access und mobiles Arbeiten in sicherheitskritischen Bereichen. mehr...

Cyber-Kriminalität: Die Gefährdungslage verschärft sich aktuell dramatisch.

Baden-Württemberg: Mehr Cyber-Angriffe auf Kommunen

[14.09.2026] Die Cybersicherheitsagentur Baden-Württemberg (CSBW) verzeichnet für 2025 eine deutlich gestiegene Zahl von Sicherheitsvorfällen. Besonders betroffen waren Kommunen und Hochschulen. Bei Landkreisen, Städten und Gemeinden sowie kommunalen Unternehmen nahm die Zahl der erfassten Fälle um fast 50 Prozent zu. mehr...

Blick in den leeren Tagungsraum im Kreishaus Lüdenscheid (Märkischer Kreis).

Märkischer Kreis: IT-Sicherheit bleibt Daueraufgabe

[08.09.2026] Der Märkische Kreis plant für dieses und das folgende Jahr weitere Maßnahmen zum Schutz seiner IT. Vorgesehen sind ein Notfallhandbuch, ein neues Konzept für gesicherte Fernzugänge sowie interne und externe Prüfungen der Server. mehr...

Kommunix: Informationssicherheitsvorfall bei TEVIS-Online

[02.09.2026] Kommunix untersucht einen Cyber-Angriff auf die Hosting-Infrastruktur von TEVIS-Online. Zwei Kundeninstanzen waren von Angreiferaktivitäten betroffen, inzwischen wurde ein Abfluss personenbezogener Daten ausgeschlossen. mehr...

Fraunhofer SIT: Leitfaden zur Umstellung auf Post-Quanten-Kryptografie

[26.08.2026] Ein neuer Leitfaden soll Kommunen und Behörden bei der Umstellung auf Post-Quanten-Kryptografie unterstützen. Er zeigt, wie sich bestehende IT-Systeme erfassen, Risiken bewerten und neue Beschaffungen auf quantensichere Verfahren ausrichten lassen. mehr...

bericht

Cyber-Sicherheit: KI ist Segen und Fluch

[06.08.2026] Für Verwaltungen ist KI Segen und Fluch zugleich. Einerseits soll sie den Fachkräftemangel kompensieren und Bürgerservices beschleunigen, andererseits wird sie für Cyber-Angriffe genutzt. Oft fehlt eine IT-Infrastruktur, die KI und Cyber-Abwehr verbindet. mehr...

Person mit neongelbem Regenzeug von hinten, auf dem Rücken steht in schwarzer Schrift: Security

Niedersachsen: IT-Sicherheitszentrum für Kommunen

[28.07.2026] Niedersachsen stärkt den Cyberschutz seiner Verwaltung mit zwei Bausteinen: Das Land investiert in Lizenzen für den KI-gestützten Schutzschirm Aegis und lässt von fünf kommunalen IT-Dienstleistern ein gemeinsames IT-Sicherheitszentrum aufbauen, das Kommunen unterstützen soll. mehr...

Leipzig: Cyber-Angriff auf IT-Dienstleister Lecos

[23.07.2026] Ein Cyber-Angriff auf den Leipziger IT-Dienstleister Lecos wurde frühzeitig erkannt und gestoppt. Die Stadt und Lecos selbst setzen auf transparente Kommunikation und teilten mit, dass lediglich dienstliche Kontakt- und technische Verzeichnisdaten abgeflossen seien. Die IT-forensischen Untersuchungen dauern an. mehr...

Gruppenfoto vor deutscher und estnischer Flagge.

Bonn/Estland: Von den Besten lernen

[21.07.2026] Estland gilt europaweit als Vorreiter für digitale Innovation und Cyber-Sicherheit. Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis wollen die Zusammenarbeit mit dem baltischen Staat ausbauen und dabei insbesondere den geplanten Cyber Campus Region Bonn voranbringen. mehr...

Miniatur-Rettungsring auf einer Tastatur

ITEBO: Auch im Ernstfall arbeiten können

[16.07.2026] Um den Verwaltungsbetrieb auch im Krisenfall aufrechthalten zu können, sollten Kommunen einen vorbereiteten Notfallarbeitsplatz vorhalten. Eine solche Lösung bietet unter anderem ITEBO an. mehr...

Illustration zum Thema Cybersicherheit: Im Vordergrund sitzt eine dunkel gekleidete Person mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze vor einem Laptop. Im Hintergrund sind schemenhafte Silhouetten von Menschen zu sehen, die miteinander sprechen oder arbeiten. Überlagerte digitale Elemente und eine angedeutete Stadtlandschaft in Blau- und Grautönen vermitteln den Eindruck einer vernetzten digitalen Welt und symbolisieren die Bedrohung durch Cyberangriffe auf Organisationen und Verwaltungen.
bericht

Komm.ONE: Cyber-Sicherheit wird zur Daueraufgabe

[29.06.2026] Der IT-Dienstleister Komm.ONE warnt beim Cybersicherheitstag 2026 vor zunehmender Professionalisierung der Angreifer. Prävention, Zusammenarbeit und Künstliche Intelligenz gewinnen an Bedeutung. mehr...

Bild in Blautönen: Junger Mann in Office-Umgebung stützt Kopf in Hand, un ihn herum eingeblendet Icons für Dokumente und Daten und Vernetzung

CSBW: Neues Handbuch für IT-Notfälle

[23.06.2026] Für Verwaltungen bestehen jederzeit Risiken für Sicherheitsvorfälle und Datenschutzverletzungen – mit möglichen schweren Folgen. Die Cybersicherheitsagentur Baden-Württemberg unterstützt Land und Kommunen mit neuen Angeboten, ein belastbares Informationssicherheits-Managementsystem aufzubauen. mehr...

Etwas düster wirkende Bühne mit der obligaten Großprojektion, davor Personen in förmlicher Business-Kleidung in Gruppenfopto-Aufstellung

BSI/NExT: Drei Projekte für mehr Sicherheit

[22.06.2026] Den InfoSec Impact Award von BSI und NExT erhielten drei herausragende IT-Sicherheitslösungen aus dem Public Sector, die sich mit Software-Lieferketten, Cyber-Trainings und interkommunaler Zusammenarbeit befassen. Die Projekte werden als Best Practices veröffentlicht und der Fachöffentlichkeit vorgestellt. mehr...

Im Homeoffice für Cyber-Sicherheit sensibilisieren.

Schleswig-Holstein: Maßnahmenpaket für Cyber-Sicherheit

[01.06.2026] Schleswig-Holstein baut die Cyber-Sicherheit für Land und Kommunen aus. Zum Schutzschirm gehören unter anderem ein erweitertes Schwachstellenmanagement, mobile IT für Krisenlagen und Vor-Ort-Supportteams. Digitale souveräne Arbeitsplätze und IT-Infrastruktur sichern Behörden weiter ab. mehr...