Dienstag, 3. November 2026

InterviewKein Zugriff für Unbefugte

[14.03.2018] In der täglichen Arbeit wird die E-Mail über kurz oder lang verschwinden. Sie wird von Messengern verdrängt. Ein Gespräch mit Marco Hauprich, Deutsche Post, über sichere, datenschutzkonforme Kommunikation über Kurznachrichtendienste.
Marco Hauprich

Marco Hauprich, Deutsche Post

(Bildquelle: Deutsche Post AG)

Herr Hauprich, fast jeder Smartphone-Nutzer kommuniziert heute über Kurznachrichtendienste, in Deutschland meist über WhatsApp. Was spricht grundsätzlich dafür, Messenger auch in Behörden zu nutzen?

Dafür spricht vor allem die größere Effizienz durch schnellere und direktere Kommunikationswege. Ein Sachbearbeiter im Innendienst bekommt am Tag durchschnittlich rund 30 E-Mails. Deren Bearbeitung kostet ihn mindestens 45 Minuten Arbeitszeit. Die Verwendung eines Messengers macht die elektronische Kommunikation deutlich effektiver. Nach Untersuchungen namhafter Beratungsfirmen lässt sich so die Anzahl der Mails um die Hälfte reduzieren, was 15 Stunden Zeitersparnis im Monat bedeutet – also 35 Prozent mehr Produktivität. Nicht zu vergessen ist die deutlich größere Flexibilität gerade in der Kommunikation beispielsweise mit Außendienstmitarbeitern. Klar, es gibt Funk und Mobiltelefon, aber mit einem Messenger können Sie im Zweifel auch Pläne, Bilder oder Dokumente übermitteln. Da weiß der Mitarbeiter vom Grünflächenamt genau, welcher Baum zu fällen ist. Oder der Trupp vom Tiefbauamt kann anhand der Bilder eines frischen Straßenschadens schon abschätzen, ob er die Materialien bereits auf dem Wagen hat oder doch nochmal zum Bauhof fahren muss, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Ist dies das Ende der E-Mail?

Das Ende glaube ich nicht. Aber es wird zu einer deutlichen Reduktion führen – und mal ehrlich, stöhnen wir nicht alle gelegentlich ob der E-Mail-Flut, ganz egal, ob dienstlich oder privat? Natürlich wird es immer noch Dinge geben, die per E-Mail ausgetauscht werden, aber das sind dann eher komplexe Vorgänge mit langfristigen Vorläufen. In der Organisation der täglichen Arbeit wird die E-Mail über kurz oder lang verschwinden. Schon jetzt bezeichnen 40 Prozent aller Führungskräfte in der Privatwirtschaft den Messenger als ihr wichtigstes Medium.

Warum sollten Kommunalverwaltungen dennoch auf WhatsApp in der Kommunikation verzichten?

Die öffentliche Hand hat eine ganz besondere Sorgfaltspflicht beim Umgang mit den ihr anvertrauten Daten. Das gilt umso mehr für persönliche Daten, die naturgemäß in den allermeisten Vorgängen einer Behörde irgendwo auftauchen, zum Beispiel im Jugendbereich oder bei der Grundsicherung. In dem Moment aber, wo diese Daten mit WhatsApp übermittelt werden, endet de facto die exklusive Herrschaft der Verwaltung über die Informationen. Denn die Server stehen irgendwo, in der Regel in den Vereinigten Staaten. Niemand kann ausschließen, dass amerikanische Nachrichtendienste dort Zugriff erhalten. Damit nicht genug, behält sich WhatsApp, beziehungsweise der Mutterkonzern Facebook, ausdrücklich die Auswertung der ebenfalls übermittelten Metadaten vor – also wer wann mit wem von wo aus kommuniziert hat. Eine Behörde, die WhatsApp für ihre Kommunikation nutzt, verletzt so gut wie alle Kernvorschriften des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) und der EU-Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO).

„Wir speichern nichts, was wir nicht unbedingt zum Betrieb unserer App benötigen.“
Die Deutsche Post bietet mit SIMSme Business eine sichere Alternative. Was zeichnet den Dienst aus?

SIMSme Business hält sich stringent an die eben genannten Rechtsvorschriften. Alle unsere Server stehen sämtlich im Inland, es ist also nicht zu befürchten, dass plötzlich die NSA vor der Tür steht und die Festplatten mitnehmen will. Eine absolut sichere Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Nachrichteninhalte versteht sich von selbst. Aber auch darüber hinaus sind alle Nutzerdaten bei uns gut aufgehoben. Allein schon deshalb, weil wir nichts speichern, was wir nicht unbedingt zum Betrieb unserer App benötigen – ein echter Zero-Knowledge-Ansatz. Das gilt für sämtliche Metadaten, aber auch darüber hinaus. Der Telefonbuchabgleich zum Beispiel läuft bei SIMSme Business komplett verschlüsselt ab. Die Nummern werden auf dem Gerät des Nutzers im Hashwertverfahren codiert, in dieser Form auf unseren Servern mit dem Datenbestand verglichen und anschließend gelöscht. Der Nutzer kann außerdem besonders sensible Inhalte mit einer Selbstzerstörungsfunktion versehen. Jede Verwaltung kann davon ausgehen, dass kein Unbefugter Zugriff auf irgendwelche mit SIMSme Business ausgetauschten Informationen erhält.

Wie unterscheidet sich SIMSme Business von anderen verschlüsselten Messengern?

Wie schon erwähnt, handeln wir als deutsches Unternehmen auch nach deutschen und EU-Vorschriften. Des Weiteren ist zu bemerken, dass wir uns stringent an die Richtlinien des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) halten. Die Bedienung ist besonders komfortabel. So bieten wir mit dem Management Cockpit eine ausgesprochen einfach zu handhabende Administration der Anwendung auf Behördenebene. Über dieses Web-Interface lassen sich unter anderem Benutzerkonten einrichten oder löschen, Gruppen anlegen und verwalten oder Push-Kanäle für aktuelle Nachrichten bedienen. Zugleich ist das ein echtes Sicherheitsfeature gegen Missbrauch beispielsweise durch ausgeschiedene Mitarbeiter. Mit dem SIMSme Business Web Messenger bieten wir künftig auch die Möglichkeit, ganz bequem vom stationären Arbeitsplatz aus Nachrichten und Dateien zu versenden. Das erleichtert die Kommunikation zwischen Innen- und Außendienst ganz erheblich.

Mit welchen Kosten müssen Kommunen rechnen, die sich für SIMSme Business entscheiden?

Also zunächst einmal: SIMSme Business ist nicht kostenlos. Aber wir bieten für dieses Geld auch einiges, vor allem die bei Kommunen ungemein wichtige Datensicherheit. Wie hoch diese Kosten im Einzelfall sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wir verdienen unser Geld jedenfalls nicht mit den Daten der Nutzer, sondern mit Lizenzgebühren.

Interview: Alexander Schaeff


Stichwörter: IT-Sicherheit,


Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: IT-Sicherheit

Interview: KI ist Chance und Risiko

[22.10.2026] Cyber-Angriffe werden immer ausgefeilter, Künstliche Intelligenz verkürzt die Reaktionszeiten und auch kleinere Kommunen müssen hohe Sicherheitsstandards erfüllen. Wie sich Behörden gegen neue Bedrohungen wappnen können, erläutert Stefan Maith von Check Point im Interview mit Kommune21 auf der Smart Country Convention 2026. mehr...

(v.l.) Dr. Astrid Schumacher (BSI, NExT) und Melike Geyik (NExT) stellt den InfoSec Impact Award vor.

InfoSec Impact Award: Bewerbungsphase gestartet

[21.10.2026] Im Rahmen des InfoSec Impact Award suchen NExT und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erneut innovative Lösungen für mehr Informationssicherheit in der öffentlichen Verwaltung. Behörden und öffentliche Einrichtungen können noch bis Ende Januar 2027 ihre Projekte einreichen. mehr...

Ingolstadt: IT-Notfall erfolgreich geprobt

[20.10.2026] Die Stadt Ingolstadt hat gemeinsam mit dem bayerischen Landesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (LSI) ihre IT-Notfallvorsorge getestet. Die Übung kombinierte ein strategisches Krisenszenario mit einem technischen Praxistest unter realitätsnahen Bedingungen. mehr...

Person mit neongelbem Regenzeug von hinten, auf dem Rücken steht in schwarzer Schrift: Security

Informationssicherheit: IT-Check NRW startet

[05.10.2026] Nordrhein-Westfalen öffnet den IT-Check 2026 für alle Kommunen und kommunalen IT-Dienstleister. Das freiwillige Landesangebot prüft den Stand der Informationssicherheit nach BSI-Grundschutz und soll konkrete Handlungsempfehlungen für Verbesserungen liefern. mehr...

Gedruckte Ausgabe der Studie von G Data auf einem Tisch
bericht

Studie: Wenn knappe Budgets zur Gefahr werden

[01.10.2026] Die Digitalisierung der Verwaltung schreitet immer weiter voran. Und mit ihr verschärfen sich die Anforderungen an die IT-Sicherheit deutlich. Die repräsentative Studie „Cybersicherheit in Zahlen“ von G DATA CyberDefense in Zusammenarbeit mit Statista und brand eins zeigt: Knappe Budgets und fehlendes Fachpersonal treffen auf Cyber-Kriminelle, die schneller und gezielter vorgehen als je zuvor. mehr...

Advertorial: Entlastung in der IT-Sicherheit für den öffentlichen Sektor

[22.09.2026] Die Digitalisierung von Prozessen und Angeboten macht Kommunen und Behörden effizienter und zukunftsfähig. Erschwert wird dieses Mammutprojekt durch immense Cyberbedrohungen und die Frage nach technologischen Abhängigkeiten und Datenhoheit. Gefragt sind Security-Lösungen, die nicht nur durch ein hohes Sicherheitsniveau überzeugen, sondern transparent und unabhängig sind und wenig Aufwand erzeugen. mehr...

it-sa 2026: NCP zeigt deutsche Zero-Trust-Lösung

[21.09.2026] Auf der IT-Sicherheitsmesse it-sa 2026 in Nürnberg stellt das Unternehmen NCP engineering erstmals eine in Deutschland entwickelte Zero-Trust-Lösung vor. Darüber hinaus zeigt das Unternehmen Lösungen für sicheren Remote Access und mobiles Arbeiten in sicherheitskritischen Bereichen. mehr...

Cyber-Kriminalität: Die Gefährdungslage verschärft sich aktuell dramatisch.

Baden-Württemberg: Mehr Cyber-Angriffe auf Kommunen

[14.09.2026] Die Cybersicherheitsagentur Baden-Württemberg (CSBW) verzeichnet für 2025 eine deutlich gestiegene Zahl von Sicherheitsvorfällen. Besonders betroffen waren Kommunen und Hochschulen. Bei Landkreisen, Städten und Gemeinden sowie kommunalen Unternehmen nahm die Zahl der erfassten Fälle um fast 50 Prozent zu. mehr...

Blick in den leeren Tagungsraum im Kreishaus Lüdenscheid (Märkischer Kreis).

Märkischer Kreis: IT-Sicherheit bleibt Daueraufgabe

[08.09.2026] Der Märkische Kreis plant für dieses und das folgende Jahr weitere Maßnahmen zum Schutz seiner IT. Vorgesehen sind ein Notfallhandbuch, ein neues Konzept für gesicherte Fernzugänge sowie interne und externe Prüfungen der Server. mehr...

Kommunix: Informationssicherheitsvorfall bei TEVIS-Online

[02.09.2026] Kommunix untersucht einen Cyber-Angriff auf die Hosting-Infrastruktur von TEVIS-Online. Zwei Kundeninstanzen waren von Angreiferaktivitäten betroffen, inzwischen wurde ein Abfluss personenbezogener Daten ausgeschlossen. mehr...

Fraunhofer SIT: Leitfaden zur Umstellung auf Post-Quanten-Kryptografie

[26.08.2026] Ein neuer Leitfaden soll Kommunen und Behörden bei der Umstellung auf Post-Quanten-Kryptografie unterstützen. Er zeigt, wie sich bestehende IT-Systeme erfassen, Risiken bewerten und neue Beschaffungen auf quantensichere Verfahren ausrichten lassen. mehr...

bericht

Cyber-Sicherheit: KI ist Segen und Fluch

[06.08.2026] Für Verwaltungen ist KI Segen und Fluch zugleich. Einerseits soll sie den Fachkräftemangel kompensieren und Bürgerservices beschleunigen, andererseits wird sie für Cyber-Angriffe genutzt. Oft fehlt eine IT-Infrastruktur, die KI und Cyber-Abwehr verbindet. mehr...

Person mit neongelbem Regenzeug von hinten, auf dem Rücken steht in schwarzer Schrift: Security

Niedersachsen: IT-Sicherheitszentrum für Kommunen

[28.07.2026] Niedersachsen stärkt den Cyberschutz seiner Verwaltung mit zwei Bausteinen: Das Land investiert in Lizenzen für den KI-gestützten Schutzschirm Aegis und lässt von fünf kommunalen IT-Dienstleistern ein gemeinsames IT-Sicherheitszentrum aufbauen, das Kommunen unterstützen soll. mehr...

Leipzig: Cyber-Angriff auf IT-Dienstleister Lecos

[23.07.2026] Ein Cyber-Angriff auf den Leipziger IT-Dienstleister Lecos wurde frühzeitig erkannt und gestoppt. Die Stadt und Lecos selbst setzen auf transparente Kommunikation und teilten mit, dass lediglich dienstliche Kontakt- und technische Verzeichnisdaten abgeflossen seien. Die IT-forensischen Untersuchungen dauern an. mehr...

Gruppenfoto vor deutscher und estnischer Flagge.

Bonn/Estland: Von den Besten lernen

[21.07.2026] Estland gilt europaweit als Vorreiter für digitale Innovation und Cyber-Sicherheit. Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis wollen die Zusammenarbeit mit dem baltischen Staat ausbauen und dabei insbesondere den geplanten Cyber Campus Region Bonn voranbringen. mehr...