Samstag, 10. Oktober 2026

Fraunhofer SITLeitfaden zur Umstellung auf Post-Quanten-Kryptografie

[26.08.2026] Ein neuer Leitfaden soll Kommunen und Behörden bei der Umstellung auf Post-Quanten-Kryptografie unterstützen. Er zeigt, wie sich bestehende IT-Systeme erfassen, Risiken bewerten und neue Beschaffungen auf quantensichere Verfahren ausrichten lassen.

Der neue Leitfaden soll bei der Umstellung auf Post-Quanten-Kryptografie behilflich sein.

(Bildquelle: maximusnd/123rf)

Das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT hat gemeinsam mit dem Hessischen Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz einen Leitfaden für die Umstellung auf Post-Quanten-Kryptografie veröffentlicht. Wie das Fraunhofer SIT berichtet, richtet sich die Handreichung vor allem an Kommunen, Landesbehörden und andere Organisationen mit langfristig betriebenen IT-Systemen.

Quantencomputer könnten künftig viele heute eingesetzte Verschlüsselungsverfahren brechen. Damit geraten auch Daten in Gefahr, die Angreifer bereits heute verschlüsselt speichern und zu einem späteren Zeitpunkt entschlüsseln wollen. Behörden und Kommunen sollen deshalb frühzeitig prüfen, welche kryptografischen Verfahren sie einsetzen und wie sie diese auf quantensichere Alternativen umstellen können.

Leitfaden richtet sich auch an Laien

Der Leitfaden Post-Quanten-Kryptografie in Umsetzung beschreibt Post-Quanten-Kryptografie als Verfahren, die auch Angriffen leistungsfähiger Quantencomputer standhalten sollen. Er richtet sich ausdrücklich auch an Entscheiderinnen und Entscheider ohne vertieften technischen Hintergrund. Denn die Umstellung betrifft nach Darstellung der Autoren nicht allein die IT-Abteilungen, sondern auch Beschaffung, Softwarelandschaften und die langfristige Planung von Investitionen.

Ausgangspunkt für die Empfehlungen ist eine vollständige Bestandsaufnahme der eingesetzten IT-Systeme und kryptografischen Verfahren. Auf dieser Grundlage sollen Organisationen Risiken bewerten und priorisieren. Anschließend können sie bei Standardsystemen erste Migrationsschritte umsetzen. Neue IT-Beschaffungen sollten die Anforderungen an Quantensicherheit von Beginn an berücksichtigen.

Eine besondere Herausforderung sieht der Leitfaden bei kommunalen und behördlichen Spezialanwendungen. Für diese Software stehen teilweise noch keine quantensicheren Alternativen zur Verfügung. Als Übergangslösung beschreibt die Handreichung die Übertragung von Daten über einen quantensicheren Tunnel.

Leitfaden greift auch Vergaberecht auf

Auch das Vergaberecht greift der Leitfaden auf. Er schlägt ein Stufenmodell mit Kriterien für Beschaffungen vor, das Kommunen und Behörden bei der Auswahl neuer Systeme anwenden können. Damit sollen Anforderungen an die Post-Quanten-Kryptografie schrittweise in Ausschreibungen und Beschaffungsprozesse einfließen.

Der Leitfaden knüpft an einen im Juni 2025 veröffentlichten Umsetzungsfahrplan der Europäischen Union für den Übergang zur Post-Quanten-Kryptografie an. Er wurde vom Fraunhofer SIT gemeinsam mit dem Hessischen Innenministerium sowie Vertreterinnen und Vertretern hessischer Kommunen erarbeitet.

Für Kommunen ist das Thema besonders relevant, weil viele Fachverfahren und IT-Systeme über lange Zeiträume betrieben werden. Entscheidungen über Beschaffung und Architektur können daher schon heute darüber bestimmen, wie aufwendig eine spätere Umstellung auf quantensichere Kryptografie ausfällt.





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