InterviewStrategischer Partner

ITEBO-Geschäftsführer Bernd Landgraf
(Bildquelle: ITEBO GmbH/Philip Loeper)
Herr Landgraf, im Grußwort Ihres Kundenmagazins zum 20-jährigen Firmenjubiläum bezeichnet Stephan Manke, Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport, IT-Dienstleister wie ITEBO als unerlässliche Schnittstelle zwischen Land und Kommunen. Wie hat sich die Zusammenarbeit über die Jahre entwickelt?
Kommunale Datenzentralen existieren seit den 1960er-Jahren mit Einführung der EDV für Finanzwesen und Personalabrechnung in der Verwaltung. Die Entwicklung von ITEBO vom Zweckverband KDOS mit Pflichtmitgliedern über ein Systemhaus für öffentliche IT hin zu einem strategischen Partner für Digitalisierung verdeutlicht, dass nur der überleben kann, der diesen gravierenden Wandel erfolgreich geschafft hat. Unser Geschäftsmodell basiert auf Freiwilligkeit, wir müssen uns gegen private und öffentliche Mitbewerber behaupten. Wir kennen die Anforderungen unserer kommunalen Kunden genau. Nicht einmal große Gebietskörperschaften könnten die immer komplexeren Anforderungen an IT heute noch allein erledigen. Wir sind IT-Dienstleister, aber auch Berater und strategischer Partner. Also im Sinne von Stephan Manke: ein klares und uneingeschränktes Ja! Ohne kommunale IT-Dienstleister kann Verwaltungsdigitalisierung nicht funktionieren.
Anfang des Jahres sind politische Strategien wie das Digitalisierungsprogramm des IT-Planungsrats als Beschleuniger der Verwaltungsmodernisierung bezeichnet worden. Nun gehört auch das Coronavirus dazu. Können Sie uns einen Einblick in die Rolle der IT-Dienstleister während der Krise geben?
Mit einem Augenzwinkern sei die Frage erlaubt: Wer außerhalb unserer Community kann überhaupt etwas mit Schlagworten wie OZG oder einem FIM-Leistungskatalog anfangen? Natürlich ist jeder für Bürokratieabbau, aber wir sollten realistisch bleiben: Die Akzeptanz von Online-Shopping oder E-Banking liegt meilenweit über der von E-Government. Wer hat bis zum Lockdown wirklich schon mal Verwaltungsdienstleistungen bequem von zu Hause aus abgewickelt? Das ist eher eine Ausnahme. Und jetzt kommt Corona, und nie zuvor hat es in der breiten Öffentlichkeit eine so große Aufmerksamkeit für dieses Thema gegeben. Egal ob es um Homeschooling, Homeoffice oder zum Beispiel die Kfz-Zulassung ohne eID-Authentifizierung geht, Digitalisierung ist fast schon zur Selbstverständlichkeit geworden, und das war nicht das Ergebnis irgendeiner Digitalisierungsstrategie. Corona ist der Treiber für Digitalisierung. Für unsere Mitarbeiter bedeutet dies zurzeit vor allem schnell und unbürokratisch dort zu helfen, wo es um praktische Umsetzungen geht: Einrichtung, Ausstattung sowie Anbindung von Heimarbeitsplätzen oder auch die vorgezogene Freischaltung von Dienstleistungen im Verwaltungsportal. Also eher mehr als weniger Arbeit.
Wird Corona die Arbeitsweise in den Kommunen nachhaltig ändern?
Durch Corona hat es in der gesamten Bevölkerung und damit natürlich auch bei den Mitarbeitern der Kommunen einen gewaltigen Kompetenzsprung in Bezug auf digitale Fragestellungen gegeben. Das Paradebeispiel: Videokonferenz-Tools. Das, was spontan funktionieren musste, gilt es zu verstetigen und nachhaltig weiter einzusetzen. Ich wünsche mir, dass wir nicht wieder in alte Verhaltensmuster zurückfallen und endlose bürokratische und rechtliche Debatten vor dem praktischen Einsatz neuer Lösungen führen. Wir wollen doch bis 2022 eine digitale deutsche Verwaltung. Deshalb bitte bloß jetzt keinen Schritt zurück.
„Digitalisierung von Verwaltung bedeutet ebenenübergreifende Interoperabilität.“
ITEBO setzt in der Unternehmensstruktur auf Beteiligung. Hat dieses Modell die Herausforderungen durch die Pandemie für Ihre Anteilseigner vereinfacht?
Es ist ein großer Vorteil und zwar nicht nur in Zeiten von Corona, dass die Zusammensetzung unserer Eigentümer aus Landkreisen, Städten sowie Gemeinden den gesamten Querschnitt der kommunalen Familie repräsentiert. Digitalisierung von Verwaltung bedeutet ebenenübergreifende Interoperabilität. Zuständigkeiten oder Gebietsgrenzen spielen aus Nutzersicht dabei keine Rolle mehr. Genau diese Strukturen bilden wir auch über unsere Eigentümer ab. Befördert durch fruchtbare Diskussionen in unseren Gremien können wir schnellere und bessere Lösungen anbieten.
Werden wir konkret: Wie können der Bürgerservice und die Fachverfahren auch aus dem Homeoffice heraus gestemmt werden?
Wichtigster Baustein ist ein leistungsfähiges Verwaltungsportal. Mit OpenR@thaus setzen wir die marktführende Portallösung, welche für Niedersachsen auch als kommunaler Standard festgelegt wurde, bereits erfolgreich produktiv ein. Gemeinsam mit den anderen niedersächsischen IT-Dienstleistern haben wir zusätzlich zum Bürgerportal einen Modulbaukasten mit Formular-Server, Prozessplattform und Datendrehscheibe definiert. Jetzt gilt es, mit den kommunalen Experten und Spitzenverbänden sowie mit Unterstützung des Landes im Projekt Digitale Verwaltung Niedersachsen (DVN), so schnell wie möglich so viele Prozesse wie möglich digital anzubieten.
Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen beim OZG?
Das OZG hat viel in Bewegung gesetzt und ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur digitalen Verwaltung. Aus meiner Sicht verlaufen die Diskussionen etwas zu theoretisch. Die Musik spielt bei den Kommunen, dort laufen die meisten Fachverfahren, dort erfolgt die Einbindung in Portale und auch die Sicherstellung des 24/7-Betriebs. Bei der Diskussion über Nachnutzbarkeit und Standardisierung sollte man mehr auf Praktiker hören und weniger Grüne-Wiese-Konzepte von Beratern entwickeln lassen.
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe Juli 2020 von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
Rohde & Schwarz: Verwaltung und KRITIS stärker im Fokus
[30.06.2026] Der Technologiekonzern Rohde & Schwarz führt zwei seiner Tochterunternehmen zusammen. Durch den Zusammenschluss sollen Netzwerk- und Cyber-Sicherheitslösungen stärker auf Verwaltung, KRITIS und Verteidigung ausgerichtet werden. mehr...
d.velop SUMMIT: Launch von d.velop AI
[23.06.2026] Das Unternehmen d.velop macht Künstliche Intelligenz zum elementaren Bestandteil seiner Content-Plattform. Der Launch erfolgte im Rahmen des diesjährigen d.velop SUMMIT in Düsseldorf. mehr...
AKDB: Preis für Good-Governance-Standards
[22.06.2026] Die AKDB hat für ihren Public Corporate Governance Kodex den von PricewaterhouseCoopers gestifteten „Preis für Good-Governance-Standards“ erhalten. Der Ansatz wurde als richtungsweisend gelobt, der deutschlandweit wie international als Vorbild dienen könne. mehr...
SQL Projekt/ brainocons: Vereinte Expertise
[22.06.2026] Mit ihrer Kooperation unterstreichen die Unternehmen SQL Projekt und brainocons die Bedeutung offener, vernetzter und KI-gestützter Plattformansätze für die nachhaltige Transformation der öffentlichen Verwaltung. mehr...
Picture / ekom21: Zugang zur Prozessplattform
[18.06.2026] Hessische Kommunen können die PICTURE-Prozessplattform und begleitende Dienstleistungen ab sofort ohne eigene Vergabe und zu vergünstigten Konditionen beziehen. Dafür sorgt eine Vereinbarung zwischen Picture und ekom21. mehr...
Unternehmen: Prosoz integriert OTS
[17.06.2026] Prosoz und die AKDB-Unternehmensgruppe haben ihren Zusammenschluss in den Bereichen Soziales, Jugend- und Bauwesen mit der Integration der OTS GmbH abgeschlossen. mehr...
Materna Virtual Solution: Geschärftes Profil
[15.06.2026] Materna Virtual Solution richtet sein Angebot noch stärker als bisher auf die Absicherung mobiler Arbeitswelten aus. Neu ist auch ein Webauftritt, der praxisnahe Informationen, Einsatzszenarien und Beratungsangebote bündelt und sich unter anderem an Fachentscheider der öffentlichen Hand richtet. mehr...
Dataport: Kohlhardt folgt auf Bizer
[11.06.2026] Der IT-Dienstleister Dataport hat ab dem neuen Jahr einen neuen Vorstandsvorsitzenden: Die Nachfolge des langjährigen Vorsitzenden Johann Bizer tritt Matthias Kohlhardt an. mehr...
IT-Dienstleister: AKDB wird 55
[13.05.2026] Seit mehr als einem halben Jahrhundert ist die Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung in Bayern im Dienst der Kommunen. Die AKDB hat sich in dieser Zeit von einem regionalen Anbieter für elektronische Datenverarbeitung zu einer bundesweit agierenden Unternehmensgruppe mit zahlreichen Tochtergesellschaften und Beteiligungen entwickelt. mehr...
MACH/Stiewi: Reisekosten-Spezialist übernommen
[05.05.2026] Den Travel-Management-Anbieter SMS System-Management Stiewi hat das Unternehmen MACH übernommen. Damit erweitert das Unternehmen sein Portfolio für die öffentliche Verwaltung. Die operativen Geschäftsaktivitäten werden durch die bisherige Leitung fortgeführt. mehr...
IT-Sicherheit: audius startet Quick Check
[30.04.2026] Sein Angebot für den Public Sector hat das Unternehmen audius um den Security Quick Check ergänzt. Dieser analysiert IT-Strukturen in Kommunen, identifiziert Schwachstellen und liefert konkrete Maßnahmen. mehr...
Axians Infoma: Neukunden und cloudbasierte Lösungen
[30.04.2026] 2025 sind diverse Kommunen aus verschiedenen Bundesländern mit Infoma-Lösungen in den Produktivbetrieb gestartet. Auch 2026 treibt Axians Infoma die Digitalisierung kommunaler Verwaltungen weiter voran, unter anderem mit cloudbasierten Lösungen und KI. mehr...
NeueDigital Solutions/brainocons: Eine Plattform für viele Verfahren
[22.04.2026] Die Start-ups NeueDigital Solutions und brainocons verknüpfen eine Antragsplattform mit KI-gestütztem Wissensmanagement. Ziel ist die durchgängige Abbildung verschiedenster Verwaltungsprozesse – die auch über Abteilungsgrenzen hinweg Komplexität deutlich reduzieren kann. mehr...
netgo: Neuer Technologiepartner für Dataport
[21.04.2026] Die netgo group hat eine europaweite Ausschreibung gewonnen und wird Technologiepartner von Dataport. Ab Juli 2026 soll das Unternehmen die Rolle des bisherigen Servicepartners übernehmen und unter anderem Leistungen rund um die Rechenzentrumsinfrastruktur erbringen. mehr...
Interview: Kooperation statt Konkurrenz
[13.04.2026] Im Kommune21-Interview spricht Komm.ONE-Vorstandsvorsitzender William Schmitt darüber, wie sich der kommunale IT-Dienstleister aus Baden-Württemberg neu positioniert – als Rechenzentrumsbetreiber, Plattformanbieter oder strategischer Impulsgeber? mehr...

















