Sonntag, 27. September 2026

NürnbergVision der Stadt

[27.08.2020] Mit einer kommunalen Digitalisierungsstrategie hat die Stadt Nürnberg ihren Weg zur Smart City angetreten. Damit Themen- und Handlungsfelder ganzheitlich berücksichtigt werden, basiert die Roadmap zur Digitalisierung auf einem mehrteiligen Partizipationsprozess.
Nürnberg: Gemeinschaftsprojekt Smart City.

Nürnberg: Gemeinschaftsprojekt Smart City.

(Bildquelle: Ramboll)

Digitale Verwaltungsprozesse, stabile Internet-Verbindungen im Homeoffice, Unterricht im virtuellen Raum oder Onlineshops des lokalen Einzelhandels – die Corona-Krise hat gezeigt, wie viel Nachholbedarf wir hierzulande im Bereich Digitalisierung haben. Durch die Erfahrungen der vergangenen Monate ist das Bewusstsein um die Bedeutung der Digitalisierung enorm gestiegen. Viele Kommunen denken um. Ging es lange Jahre noch immer um das Ob der Digitalisierung, diskutieren die Verantwortlichen spätestens jetzt über das Wie. Immer mehr Städte schlagen dabei den Weg Richtung Smart City ein und zielen mit ganzheitlichen, integrierten Entwicklungskonzepten darauf ab, das Leben in der Stadt smart zu gestalten – also nachhaltiger, energie- und ressourceneffizienter, technologisch innovativer, wirtschaftlich wettbewerbsfähiger und sozial inklusiver.

Silodenken überwinden

Dabei gilt es nicht nur, den technischen Wandel voranzutreiben, sondern vor allem auch althergebrachte Arbeitsweisen hinter sich zu lassen und neue, digitale Herangehensweisen zu etablieren. Denn viele Verwaltungen arbeiten bislang in traditionell gewachsenen, separaten Silos. Das heißt, einzelne Geschäftsbereiche der Verwaltungen, wie Mobilität, Bildung und Energiewirtschaft, sind streng nach Verantwortlichkeiten getrennt. Die Digitalisierung ist jedoch ein über alle Fachbereiche reichendes Querschnittsthema. Von der Stadtverwaltung über Wirtschaft, Wissenschaft und Bildungseinrichtungen bis hin zum privaten Lebensumfeld – eine nachhaltige smarte Stadtentwicklung erfordert eine gemeinsame Vision aller Beteiligten. Grundstein dafür ist das Bewusstsein, dass es sich bei der Digitalisierung um einen Standortfaktor für Kommunen handelt. Wichtig ist zudem der Wille, die anfänglich hohen Investitionen in die digitale Infrastruktur zu tragen. Die Digitalisierung erfordert von kommunalen Verantwortlichen also insgesamt viel Mut zu neuen Wegen.

Nachhaltig in die Zukunft

Die dänische Ingenieur- und Management-Beratung Ramboll beschäftigt sich seit Langem mit der Entwicklung und Umsetzung von Smart-City-Strategien für Kommunen. Mit einem breit aufgestellten Branchen- und Kompetenzspektrum bündelt das Unternehmen alle Leistungen in einer Hand, entwickelt ganzheitliche Ansätze und setzt in hohem Maß auf Kommunikation mit den Betroffenen sowie den Bürgern. Dabei greifen die Experten auch auf das Wissen aus den Nachbarländern Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland zurück. Denn in den Bereichen Open Data, Smart Mobility, digitale Bildung oder auch smarte Stromnetze sind die nordischen Kommunen den deutschen um einige Jahre voraus. Entscheidend war aber auch in den skandinavischen Ländern stets ein gemeinsames Verständnis von digitaler Transformation und deren Chancen für die Stadtgesellschaft.
#bild2 Den Beweis, wie eine Stadt in Deutschland nachhaltige Schritte in Richtung digitale Zukunft machen kann, liefert aktuell Nürnberg. Im Jahr 2019 hat die fränkische Me­tropole gemeinsam mit Ramboll die Dachstrategie Digitales Nürnberg entwickelt. Sie zielt darauf ab, die Lebensqualität für alle Bürger mithilfe neuer Technologien zu heben und gleichzeitig die Bedeutung der Stadt als digitaler Standort zu stärken. Im Herbst vergangenen Jahres gab der Nürnberger Stadtrat mit der Verabschiedung der strategischen Leitlinien den Startschuss für die Dachstrategie. Die Leitlinien definieren die Vision der Stadt sowie die Ziele und Handlungsfelder für die digitale Entwicklung. Darauf aufbauend entstand in Zusammenarbeit mit den Beratern von Ramboll eine Roadmap. Sie macht die Innovationspotenziale für die Stadt sichtbar, liefert konkrete Umsetzungsvorschläge und dient somit allen Verantwortlichen als Kompass für die Gestaltung des digitalen Nürnbergs.

Eine ganzheitliche Betrachtung

Der Roadmap ging ein zwölfmonatiger Partizipationsprozess mit Unterstützung der Bürgerbeteiligungsexperten von Ramboll voraus. Denn die Bewohner müssen bei digitalen Vorhaben als Nutzer sowie Kunden im Mittelpunkt der Entwicklungen stehen. Wo Digitalisierung nicht auf echten Bedarf und hohe Akzeptanz trifft, wird sie nicht funktionieren. Mit dem Ziel, den Diskurs zu fördern und den Austausch mit Fachleuten zu ermöglichen, wurden daher in Nürnberg neben einer öffentlichen Informationsveranstaltung vier Fokusgruppenworkshops mit Experten sowie Fachinterviews durchgeführt. Bürger konnten ihre Bedürfnisse zudem in zwei aufeinander aufbauenden Online-Beteiligungsformaten kundtun und wurden somit direkt in den Entstehungsprozess der Roadmap eingebunden. In einer Online-Blitzumfrage hatten die Teilnehmenden zunächst die Möglichkeit, Themen anzugeben, die eine wichtige Rolle bei der digitalen Entwicklung der Stadt Nürnberg spielen sollten. Die Ergebnisse der Blitzumfrage und einer analogen Dialogveranstaltung wurden anschließend als Grundlage für eine weitere vierwöchige E-Partizipation genutzt, in der die Bürger sowohl bestehende Beiträge und Ideen kommentieren als auch neue Vorschläge einreichen konnten. So entstand eine Roadmap, die digitale Innovationen nicht auf einzelne Akteure oder Geschäftsbereiche beschränkt, sondern Themen- und Handlungsfelder ganzheitlich und vernetzt betrachtet.

Ressourcen und Herausforderungen

Die Roadmap erkennt zum einen die vorhandenen Ressourcen der Stadtverwaltung und Stadtgesellschaft als Kapital der Zukunft an und identifiziert andererseits Herausforderungen und Zukunfts­trends für die einzelnen Themen der Stadtentwicklung. In fünf übergeordneten Themenfeldern wurden für Nürnberg 13 konkrete Handlungsempfehlungen formuliert, die nun Schritt für Schritt in die Umsetzung überführt werden. Vom Aufbau einer digitalen Mobilitätsplattform über jährliche Digitalforen, in denen Familien ihre Wünsche zur digitalen Alltagsunterstützung mit Experten sowie der Stadtverwaltung diskutieren können, bis hin zu Reallaboren zur transdisziplinären Forschung nachhaltiger Lebens- und Wirtschaftsformen geht Nürnberg mutig den Weg in Richtung Smart City.

Verwaltung als treibende Kraft

Klassische Hemmnisse der Digitalisierung von Kommunen sind hierzulande fehlende Finanzmittel und fehlendes Wissen über Fördermöglichkeiten sowie rechtliche Hürden und ein Mangel an digitaler Kompetenz in den Verwaltungen. Viele Kommunen brauchen zum Beispiel Unterstützung, um sich im Förderdschungel und bei Finanzierungsfragen zurechtzufinden. Zudem fehlt oft schlichtweg die digitale Infrastruktur vor Ort. Schonungslos legt die Corona-Krise beispielsweise die Lücken in digitalen Bildungskonzepten und dem Ausbau digitaler Verwaltungen in Deutschland offen. Die Chance liegt jetzt darin, als Kommune ein neues Selbstverständnis zu entwickeln und Verwaltung selbst als treibende Kraft für digitale Lösungen zu verstehen. Engere Kooperationen von Wissenschaft und Wirtschaft sowie die Beteiligung und Information der Zivilgesellschaft helfen dabei, die komplexen Kompetenzfelder zu erschließen und langfristig zu digitalisieren. Der ganzheitliche Ansatz der digitalen Stadtentwicklung ermöglicht es außerdem, das Thema Nachhaltigkeit wieder stärker in den Blick zu nehmen und bestmöglich mit digitalen Lösungen zu unterstützen. Nürnberg verfolgt entsprechende Ziele beispielsweise durch den Aufbau einer digitalen Mobilitätsplattform. So steigern Kommunen nicht nur die Lebensqualität für ihre Bürger, sondern werden gleichzeitig zum attraktiven Wirtschaftsstandort für Unternehmen.

Claudia Krahe ist Business Manager beim Beratungsunternehmen Ramboll.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Smart City
Smart-City-Strategie: Für viele Kommunen eine Herausforderung.

Hamm: Digitaler Erfolgskurs

[24.09.2026] Hamm stellt die Weichen für die nächste Phase seiner Digitalisierung: Die bisherige Digitalisierungsstrategie wird zu einer Smart-City-Strategie für 2027 bis 2032 weiterentwickelt. Neue KI-Anwendungen und eine modernere Dateninfrastruktur sollen dabei eine größere Rolle spielen. mehr...

Reihe von Autos, Nahaufnahme, im Hintergrund orangefarbenes Bokeh

Köln: MobilitätsCockpit verstetigt

[23.09.2026] Köln führt die Datenplattform MoCKiii nach Abschluss der Förderphase dauerhaft fort. Sie verknüpft Verkehrs-, Umwelt- und Wetterdaten in Echtzeit. Die Informationen fließen unter anderem in Verkehrsanlagen, das Brückenleitsystem und die Mobilithek ein. mehr...

Visualisierung des smarten Pfaff-Quartiers in Kaiserslautern.
bericht

Serie Smart Cities, Teil 6: Resilient und nachhaltig

[22.09.2026] Um zukunftsfähige urbane Infrastrukturen – smarte Quartiere – zu schaffen, sollten Kommunen die Digitalisierung konsequent als Hebel für ganzheitliche Nachhaltigkeit und Resi­lienz nutzen. Dabei können sie sich an vier Leitfragen orientieren. mehr...

Holzblöcke vor blauem Hintergrund bilden eine aufsteigende Treppe mit einem roten Block ganz oben. Symbol für eine Rangliste

Haselhorst Smart City Ranking: Ranking ohne Rangliste

[17.09.2026] Das Haselhorst Smart-City-Ranking verzichtet 2026 erstmals darauf, die Platzierungen der untersuchten Städte aktiv zu veröffentlichen. Ganz geheim bleibt die Rangliste dennoch nicht: München hat seinen erneuten ersten Platz bereits selbst bekannt gegeben. mehr...

Gruppenfoto mit Vertreterinnen und Vertretern der Urban Stack Community

Gütersloh: Zusammenarbeit im Urban Stack

[17.09.2026] Gemeinsam kommt man auf dem Weg zu Digitaler Souveränität besser voran: Dieser Überzeugung sind die aktuell zehn Kommunen, die sich der von der Stadt Gütersloh entwickelten Datenplattform Urban Stack bereits angeschlossen haben. Beim ersten Community-Treffen gab es jetzt konkrete Weichenstellungen und Neuigkeiten. mehr...

Fünf Personen präsentieren den neuen Sensor am Marktplatz Rheydt.

Mönchengladbach / Viersen: Nächtliche Kaltluftströme unter der Lupe

[16.09.2026] In einem gemeinsamen Smart-City-Projekt erforschen Mönchengladbach und Viersen über fest installierte Sensoren die Kaltluftströme in den beiden Städten. Ziel ist es, damit neue Datengrundlagen für Klimaanpassung und Stadtplanung zu schaffen. mehr...

Stuttgarter Schlossplatz mit Jubiläumssäule bei gutem Wetter, Menschen sitzen auf der Wiese.

Smart City Index 2026: Stuttgart übernimmt die Spitze

[09.09.2026] Stuttgart führt erstmals den Smart City Index des Digitalverbands Bitkom an und verdrängt München auf Rang 2. Hamburg folgt auf Platz 3. Mönchengladbach, Bremen, Erlangen und Hildesheim zählen zu den größten Aufsteigern unter den deutschen Großstädten. mehr...

Stadtansicht Braunschweig

Braunschweig: Innovationsstrategie für die digitale Zukunft

[09.09.2026] Für die digitale Transformation der Verwaltung hat Braunschweig eine Innovationsstrategie vorgelegt, über die der Rat Ende September entscheidet. Sie umfasst den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Cloud-Lösungen sowie den Aufbau einer urbanen Datenplattform. mehr...

Smart-City-Plattformen: Neuer DIN-Standard veröffentlicht

[07.09.2026] Handlungsempfehlungen für den Aufbau resilienter, skalierbarer und nachhaltiger Smart-City-Infrastrukturen liefert jetzt die neue DIN SPEC 91377 zu „Datenmodellen und Protokollen in offenen urbanen Plattformen“. mehr...

Wolfsburg: Virtuelles Modell für reale Planungen

[02.09.2026] Das virtuelle Wolfsburg ist fertig. Der vollständig auf Open-Source-Technologien basierende digitale Stadtzwilling bündelt unter anderem Klima-, Wetter- und Straßenzustandsdaten und soll städtebauliche Vorhaben anschaulicher machen – für die Planenden ebenso wie für Bürgerinnen und Bürger. mehr...

Lächelnde Frau im geblümten Sommerkleid vor einem großen Monitor.

Hanau: Mit einem Klick informiert

[31.08.2026] Hanau hat eine öffentliche Datenplattform freigeschaltet, die Live-Informationen zu Parkraum, Innenstadtfrequenz und Wetter bündelt. Das browserbasierte Dashboard ist kostenlos und ohne Anmeldung verfügbar und soll um weitere Smart-City-Anwendungen ergänzt werden. mehr...

Drei Menschen mit Spaten, im Hintergrund ein orangefarbenes Baufahrzeug

Grünpflege: Smart Gießen in Augsburg

[31.08.2026] Augsburg baut die sensorgestützte Bewässerung seiner Stadtbäume aus. Messwerte aus mehreren Bodenschichten und Wetterdaten zeigen, wann und wo gegossen werden muss. So will die Stadt Wasser sparen, Pflegefahrten reduzieren und ihr Grün besser durch Trockenperioden bringen. mehr...

Smart-City-Strategie: Für viele Kommunen eine Herausforderung.

Smart City: Offenheit als Schutz vor Abhängigkeiten

[24.08.2026] Kommunen sollten ihre Smart-City-Infrastruktur so aufbauen, dass Systeme verschiedener Hersteller zusammenarbeiten und Daten unter kommunaler Kontrolle bleiben. Armin Mühlberger von sixData hat in einem Interview vor langfristigen Abhängigkeiten gewarnt und sieht offene Schnittstellen als Voraussetzung für flexible und sichere digitale Infrastrukturen. mehr...

Kartenansicht in Grau mit gelben, grünen und orangenen Punkten.

Karlsruhe: Kleinräumige Daten zum Stadtklima

[21.08.2026] Karlsruhe gehört zu den heißesten Städten in Deutschland. Hunderte Klimasensoren erheben nun detaillierte Daten zum Stadtklima, die auf einer Online-Karte ausgewertet werden können. Die Stadt hat bereits vor mehr als zehn Jahren ihre erste Klimaanpassungsstrategie veröffentlicht. mehr...

Ein Wasserhahn, aus dem Euroscheine fließen, wird von der Hand eines Mannes im schauten Anzu zugedreht
bericht

Serie Smart Cities, Teil 5: Digitalisierung verstetigen

[13.08.2026] In vielen Kommunen wurde die Einführung digitaler Lösungen mithilfe von Fördermitteln angestoßen. Was ist nun zu tun, um die Smart-City-Projekte auch nach dem Ende des Förderzeitraums finanzierbar zu machen und fest in den kommunalen Prozessen zu verankern? mehr...