Mittwoch, 4. Februar 2026

AKDBWir sind ein Hidden Champion

[09.11.2022] Im zweiten Teil des Interviews mit den AKDB-Vorständen Rudolf Schleyer und Gudrun Aschenbrenner geht es um Open Source als Booster für die Verwaltungsdigitalisierung, die Funktion der Cloud und den Public Value des kommunalen IT-Dienstleisters.
Rudolf Schleyer und Gudrun Aschenbrenner

Rudolf Schleyer und Gudrun Aschenbrenner

(Bildquelle: K21 media GmbH)

Frau Aschenbrenner, Herr Schleyer, die Verwaltungsdigitalisierung geht in Deutschland nur schleppend voran. Nun heißt es, Open Source sei dafür ein Booster. Ist das so?

Rudolf Schleyer: Zunächst einmal ist Open Source ein Entwicklungswerkzeug wie jedes andere auch. Der Booster-Gedanke kommt daher, dass bei Open Source Software der Code in einem Repository deponiert wird und die Community mithilft, ihn besser zu machen. Allerdings funktioniert das bei einem kommunalen Fachverfahren nicht immer. Diese Programme sind zu speziell und es ist viel Fachwissen erforderlich. Ich bin aber trotzdem der Meinung, dass Open Source die Zukunft gehört. Und zwar nicht aus technologischen Gründen, sondern weil die Öffentlichkeit einen Anspruch auf Transparenz hat. Bei Software, die von Verwaltungen eingesetzt wird, sollte die Möglichkeit bestehen, zu prüfen, was programmiert wurde. Transparente IT-Systeme sind zudem die Basis für die digitale Souveränität.

Gudrun Aschenbrenner: Die AKDB stellt sich dem Urteil von Experten, die den Code prüfen. Beispielsweise war unser Online-Verfahren für das Personenstandswesen in ein Repository eingestellt. Es ist ja positiv, wenn wir auf diese Weise Hinweise bekommen, wenn ein Teil des Codes kritisch ist.

Wie hat sich das Thema Cloud-Plattformen entwickelt?

Aschenbrenner: Unser Ziel ist ganz klar, die Kunden in die Cloud zu holen. Sicherheitsprobleme, der Fachkräftemangel und die IT-Kosten sprechen für die Cloud-Technologie. In Diskussionen mit den Verantwortlichen haben wir das immer deutlich gemacht, und das trägt jetzt Früchte.

Wo liegen die Vorteile?

Aschenbrenner: Nehmen Sie das Beispiel iKfz. Um die Anforderungen des Kraftfahrt-Bundesamts an den Betrieb der Lösung zu erfüllen, ist ja nicht nur Fachwissen erforderlich, sondern auch ein regelmäßiger finanzieller Aufwand. Das können viele Kommunen nicht mehr leisten. Nicht zuletzt durch die aktuellen Sicherheitsvorfälle erleben wir einen Run auf unsere Outsourcing-Angebote. Wir erhalten viele Anfragen dazu aus Landkreisen. Wenn wir deren IT-Infrastruktur übernehmen, muss das Landratsamt kein eigenes Rechenzentrum mehr betreiben. Alle Dienste, Fachverfahren und Computer-Arbeitsplätze werden zentral von der AKDB zur Verfügung gestellt. Wir sehen hier eine Trendwende.

Kommunale IT-Dienstleister sorgen für eine hohe Wertschöpfung in ihren Regionen. Das sagen zumindest so genannte Impact-Studien. Welchen Public Value hat die AKDB für Bayern?

Schleyer: Der ökonomische Fußabdruck der AKDB ist groß. Die von uns beauftragte Impact-Studie 2021 ergab, dass wir in Bayern jährlich fast 150 Millionen Euro Wertschöpfung generieren und insgesamt rund 2.000 hochwertige Arbeitsplätze sichern. Die Wirkung der AKDB reicht aber über Bayern hin­aus: Durch den Einsatz unserer Lösungen haben Verwaltungen, Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen deutschlandweit allein im Jahr 2020 mehr als 360 Millionen Euro eingespart. Das sind reine Kostenvorteile durch Effizienzgewinne.

„Unterlassene Investitionen in die IT-Sicherheit können ­verheerende Auswirkungen haben.“
Waren Sie überrascht über die Effekte?

Aschenbrenner: Ja, man hat das zwar im Gefühl, aber keine konkrete Vorstellung vom Umfang der Effekte. Besonders stolz sind wir da­rauf, dass die AKDB eine hohe Wertschöpfung gerade im ländlichen Raum schafft.

Schleyer: Ich fand es spannend, wie die Ergebnisse wahrgenommen wurden. Es zeigte sich, dass wir ein Hidden Champion sind, der messbar die Wirtschaftskraft und Konkurrenzfähigkeit des Freistaats Bayern stärkt. Das schwarz auf weiß zu lesen, gibt uns schon eine gewisse Befriedigung darüber, wie wirksam die eigene Arbeit ist. Die Studie wurde übrigens unter Berücksichtigung von drei Tochtergesellschaften erstellt. Mittlerweile sind es 15 Unternehmen, heute würde die Studie also sicher noch höhere Effekte zeigen.

In Bayern gibt es sehr viele kleinere Kommunen. Wie unterstützen Sie diese im Bereich Cybersecurity?

Aschenbrenner: Wir verzeichnen derzeit verstärkt Angriffe auf unsere IT-Systeme. Deshalb machen wir ein ständiges Monitoring und führen Risikoabschätzungen durch. Für die Kommunen können wir durch die Übernahme der IT-Systeme ein deutlich höheres Sicherheitsniveau gewährleisten. Ein professionell gemanagter IT-Betrieb bedeutet gerade für kleinere Kommunen einen sprunghaften Sicherheitsgewinn.

Schleyer: Die Bedrohungslage steigt. Ein Problem ist, dass Cyber-Attacken erfolgen, lange bevor die Auswirkungen sichtbar werden. Im Landkreis Anhalt-Bitterfeld beispielsweise lag das Schadereignis mehrere Monate zurück, bevor die eigentliche Wirkung eintrat. Niemand sollte sich also sicher fühlen. Für die AKDB bedeutet das ein ständiges Aufrüsten, wir investieren Millionen in die IT-Sicherheit.

Was raten Sie den Kommunen?

Schleyer: Es ist nicht so, dass die Verwaltungen völlig schutzlos wären, aber Sicherheit kostet Geld. Erfolgreich waren Angriffe dort, wo viele Sicherheitsmaßnahmen nicht umgesetzt wurden. Ich kann nur dringend raten, dass sich die Kommunen massiv um IT-Sicherheit kümmern, mehr als dies heute der Fall ist. Ich will kein Horrorszenario an die Wand malen, aber es ist eine Tatsache, dass unterlassene Investitionen in die IT-Sicherheit verheerende Auswirkungen haben können.

Ist IT-Sicherheit weniger ein technisches Thema als eine Frage der Kommunikation, um die Aufmerksamkeit zu erhöhen?

Aschenbrenner: Es ist auf jeden Fall zunächst ein technisches Thema. Mit den entsprechenden Komponenten muss ein möglichst hohes technisches Sicherheitsniveau geschaffen werden. Gleichfalls gilt: IT-Sicherheit muss Chefsache sein. Letztlich stehen die Verantwortlichen in den Kommunen vor der Entscheidung, selbst machen oder auslagern. Aus unserer Sicht ist es nötig, hier zukunftsorientiert zu denken und nicht an alten Strukturen festzuhalten. Deshalb machen wir das Angebot, bei der Übernahme des Rechenzentrumsbetriebs auch das Personal der Kommunen zu übernehmen. Das Personal bleibt vor Ort, wird aber in unsere Organisation integriert.

Inzwischen wird auch über die Nachhaltigkeit von digitalen Lösungen diskutiert. Wie bewerten Sie dieses Thema?

Schleyer: Das ist ein ganz neues Feld: Wie muss Software programmiert werden, damit sie im Betrieb möglichst effizient ist? Der Ressourcenhunger moderner Software ist ja legendär. Früher musste man sich mit jeder neuen Windows-Version einen neuen Rechner kaufen. Noch heute beseitigt man Performance-Probleme durch die Bereitstellung zusätzlicher Ressourcen. Wenn die Software nicht performant läuft, werden der Speicher und die Anzahl an Prozessoren erhöht. Also kann man über Performance-Tests das Ressourcen-Problem in den Griff bekommen und die Nachhaltigkeit der Software erhöhen. Das ist ein hochspannendes Thema, steckt allerdings auf technischer Ebene noch in den Kinderschuhen.

Interview: Alexander Schaeff


Stichwörter: Unternehmen,


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