Sonntag, 31. Mai 2026

ZeiterfassungZettelwirtschaft beendet

[28.09.2018] Den aufwendigen Prozess der Auftrags- und Zeiterfassung hat die Stadt Marsberg für die Mitarbeiter von Betriebshof und Verwaltung effizienter und vor allem papierlos gestaltet. Die Datenqualität konnte damit deutlich gesteigert werden.
Marsberg: Betriebshof erfasst Arbeitszeiten via App.

Marsberg: Betriebshof erfasst Arbeitszeiten via App.

(Bildquelle: Stadt Marsberg)

Welche positiven Auswirkungen eine hohe Mitarbeitermotivation nach sich zieht, erlebte die Verwaltung der nordrhein-westfälischen Stadt Marsberg eindrucksvoll im vergangenen Jahr. Das Ziel, mittels mobiler Zeiterfassung die Zettelwirtschaft im städtischen Betriebshof zu beenden, wurde am 1. August 2017 mit dem Start in den Echtbetrieb früher als geplant erreicht.
Die Mitarbeiter des Bauhofs standen von Beginn an hinter dem Projekt, den manuellen Stundenzettel durch die direkte Erfassung der Tagesleistungen über eine Smartphone-App ad acta zu legen. Der Wechsel in den digitalisierten Ablauf sorgte nicht nur für eine beträchtliche Produktivitätssteigerung. Vielmehr qualifizierte sich die Stadt im Sauerland mit diesem Projekt als Finalist beim Innovationspreis 2017 des Software-Anbieters Axians Infoma. Laut Jury-Begründung zeigt die Stadt Marsberg mit der Einführung der mobilen Zeiterfassung, welche Chancen die Digitalisierung auch für vermeintlich wenig IT-affine Bereiche einer Kommune bietet.
Für diesen „echten Qualitätssprung in der Verwaltung der städtischen Ressourcen“, wie Betriebshofleiter Florian Müller konstatiert, ist die App Mobile Datenerfassung (MDE) zur Lösung Infoma newsystem von Axians Infoma im Einsatz. Sie macht Schluss mit der Doppelerfassung von Leistungen und der daraus resultierenden Fehlerproblematik durch falsche Übertragung, unrichtige Auftragsnummern sowie unvollständige oder nicht lesbare Aufschriebe.

Hohe Qualität der Daten

Initiiert wurde das Projekt in Marsberg gemeinsam von Kämmerei, Haupt- und Personalamt sowie Betriebshof. Hintergrund war, den aufwendigen Prozess der Auftrags- und Zeiterfassung für die Mitarbeiter von Betriebshof und Verwaltung effizienter und vor allem papierlos zu gestalten. Gleichzeitig sollten die automatisierte Erkennung von Zuschlägen des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD) und die Einführung von Leistungsarten, wie zum Beispiel Tätigkeitsschlüsseln, realisiert werden. Bis dato hatten die Betriebshof-Mitarbeiter ihre schriftlichen Rapportzettel in die Verwaltung gegeben, wo die zuständigen Mitarbeiter alle Informationen wie Zuschläge oder Überstunden erfassen und die entsprechenden Kosten im Rahmen der internen Leistungsverrechnung zuordnen mussten. Im Anschluss folgten die Abrechnung über die Budgets sowie eine nochmalige Prüfung – Grund genug, den Prozess zu optimieren.
Der in einer Kick-off-Veranstaltung festgelegte Zeitrahmen von etwas mehr als einem Jahr für die Testphase sah zunächst den Start in den Produktivbetrieb für Anfang 2018 vor und hatte in erster Linie das Ziel, einen möglichst reibungslosen Übergang auf die mobile Erfassung zu gewährleisten. Dafür wurden zunächst fünf Bauhof-Mitarbeiter mit den mobilen Geräten ausgestattet. Sie hatten die Aufgabe, zwei Monate lang ihre Stundenzettel doppelt, also manuell und mobil, zu erfassen. Um die Qualität der Eingabe zu analysieren, wurden die Daten in der Buchhaltung plausibel geprüft. Dabei stellte sich schnell deren hohe Qualität heraus. Parallel glich die Marsberger Verwaltung die manuell erfassten mit den aus den Mobilgeräten übernommenen und automatisch generierten TVöD-Daten ab. Das Ergebnis sorgte für allgemeine Zufriedenheit.

Vorteile liegen auf der Hand

Für Antonius Löhr, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters und Kämmerer der Stadt Marsberg, liegen die Vorteile der fast ein halbes Jahr früher in die tägliche Praxis gestarteten digitalen Abläufe auf der Hand: „Es müssen keine kryptischen Stundenzettel mehr erfasst werden und die Standardisierung der Auftrags- und Zeiterfassung durch die Mobilgeräte ermöglicht bessere Auswertungen. Beispielsweise lassen sich Bautätigkeiten an Schulen abrechnungstechnisch jetzt zeitnah per Knopfdruck ermitteln.“
Die moderne Technologie unterstützt die 26 Betriebshof-Mitarbeiter dabei, ihre Tagesleistungen am Einsatzort schnell und komfortabel zu erfassen – für die sechs Saisonarbeiter übernimmt das der Kolonnenführer; Favoriten erleichtern zudem das Reporting. Die Betriebshofleitung kann nun die Daten der Mitarbeiter schneller überprüfen und korrigieren und verfügt über wesentlich aktuellere Leistungs- und Auftragsdaten im System. Auch die Verwaltung profitiert von der mobilen Datenerfassung. Denn für die beiden zuständigen Mitarbeiter entfallen die manuelle Übertragung von Rapportzetteln und damit die Gefahr von Fehleingaben vollständig.

Leistungsfähigkeit deutlich erhöht

Kurzum: Die App bietet allen Beteiligten mehr Komfort und Qualität, erweist sich darüber hinaus aber auch als Schlüsselinnovation für die digitale Steuerung in einer smarten Verwaltung. „Die Entscheidung, die Arbeitsaufträge digital zuzuordnen, die Zeit automatisch zu erfassen, zu verbuchen und abzurechnen, hat unsere Leistungsfähigkeit deutlich erhöht und unsere Kultur positiv verändert“, zieht Antonius Löhr Bilanz und hofft, „dass unser erfolgreiches Projekt auch andere Bereiche offener an neue Ideen herangehen lässt. Denn für eine solche App sind viele Einsatzmöglichkeiten denkbar.“

Eva Sprockamp ist freie Autorin in Bad Wörishofen.




Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Personalwesen
bericht

Personalabrechnung: Belastbare Strukturen

[29.05.2026] Steigende Komplexität und Fachkräftemangel setzen die Personalabrechnung in der öffentlichen Verwaltung zunehmend unter Druck. Die Auslagerung wird daher zu einem strategischen Instrument, um Risiken zu reduzieren und weiterhin handlungsfähig zu bleiben. mehr...

Blick in ein Büro in der Landeshauptstadt Stuttgart

Stuttgart: New Work ist kein Projekt

[26.05.2026] Stuttgart schafft mit goodwork@LHS die Rahmenbedingungen für neue Arbeitswelten in der Verwaltung. Kultur, Führung und Zusammenarbeit werden dabei mit einer verantwortungsvollen Flächen- und Ressourcenstrategie verbunden. mehr...

Taschenrechner und Gehaltsabrechung

Komm.ONE/VWA Baden: Kompetenzoffensive für die Entgeltabrechnung

[12.05.2026] Eine Kompetenzoffensive für die kommunale Entgeltabrechnung starten der IT-Dienstleister Komm.ONE und die Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Baden (VWA Baden). Ein neuer gemeinsamer Lehrgang vermittelt aktuelle Rechtsgrundlagen und Praxiswissen. mehr...

eine Hand stellt einen Baustein, auf dem AI steht, hinter eine Reihe von Bausteinen, auf denen stilisiert weibliche und männliche Personen zu sehen sind

Personalwesen: KI als strategischer Hebel

[07.05.2026] Künstliche Intelligenz kann im Personalwesen als strategischer Hebel zur Neugestaltung von Prozessen, Entscheidungen und Interaktionen genutzt werden. Noch haben Organisationen aber nur begrenzten Einblick in die volle Bandbreite der möglichen Potenziale. mehr...

zwei weibliche Mitarbeitende mit Kaffeebechern in der Hand unterhalten sich während sie den Büroflur entlanglaufen
bericht

Mitarbeitendengespräch: Zukunftsdialog statt Pflichtübung

[24.04.2026] Das Instrument des Mitarbeitendengesprächs muss neu gedacht werden, um die Potenziale für Personalbindung oder Produktivität besser zu nutzen. Es gilt, den Fokus auf Zusammenarbeit und Entwicklung statt die reine Leistungsbewertung zu legen. mehr...

Landratsamt Kelheim Luftbild

Kelheim: Personalverwaltung neu gedacht

[20.04.2026] Als Pilotverwaltung hat sich der Kreis Kelheim aktiv in die Entwicklung der neuen HR-Komplettlösung OK.PERS+ der AKDB eingebracht. Und legt damit das langfristige Fundament für digitale, effiziente und zukunftsfähige Personalprozesse. mehr...

Moodlekurse Symbolfoto.
bericht

Bremerhaven: Erfolgsmodell E-Learning

[25.03.2026] Schulungen in Form von E-Learning-Kursen anzubieten, hat sich in Bremerhaven mittlerweile zu einem echten Erfolgsprojekt entwickelt. Die Stadt nutzt dafür die Plattform Moodle, die während der Coronapandemie zunächst als Testumgebung eingeführt worden war. Inzwischen ist darüber ein umfangreiches Angebot von mehr als 70 verschiedenen Kursen verfügbar. mehr...

Auf einem Tisch liegen ein Smartphone und ein papierbasierter Antrag zwischen einem Laptop und anderen Utensilien auf einem Tisch.

Lauf a.d. Pegnitz: Reisekosten werden digital abgerechnet

[26.02.2026] In Lauf a.d. Pegnitz werden Reisekosten von der Antragstellung über die Genehmigung bis hin zur Abrechnung komplett digital abgewickelt. Möglich macht das eine Software der Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung in Bayern (AKDB). mehr...

Eine Person tippt auf einer Computertastatur, über der Symbole für Dokumente und digitale Ordner schweben.

Moormerland: Digitale Personalakte

[17.02.2026] Mit der digitalen Personalakte in P&I LOGA arbeitet die Gemeinde Moormerland seit fast zwei Jahren und zieht eine positive Zwischenbilanz. mehr...

Abstrakt dargestelltes leuchtendes Personalnetzwerk, im Hintergrund scrollt eine Person auf einem Tablet.

Komm.ONE: Neuen eXtra-Standard eingeführt

[12.01.2026] Mit Februar wird Version 1.5 des Kommunikationsstandards eXTra in der Software SAP HCM zur Pflicht. In einem Pilotprojekt hat IT-Dienstleister Komm.ONE als erstes kommunales Dienstleistungsunternehmen den Standard bundesweit bei seinen Kunden eingeführt.  mehr...

Porträtaufnahme eines jungen bärtigen Mannes mit VR-Brille vor blau-weißem Hintergrund

Bayern: Verwaltungstraining mit VR und KI

[29.10.2025] Das Bayerische Digitalministerium fördert die Entwicklung und den Betrieb einer digitalen Lernumgebung für Verwaltungsbeschäftigte. Praxisnahes Wissen wird auf innovative Weise vermittelt. Damit soll insbesondere die Zukunftsfähigkeit von Städten, Gemeinden und Landkreisen gestärkt werden. mehr...

Ein Mann tippt mit dem Finger auf ein Personensymbol, das mit zahlreichen anderen Personensymbolen vernetzt ist.
bericht

Personalwesen: Lücken schließen

[29.09.2025] SAP stellt im Personalwesen auf eine cloudbasierte Software um. Allerdings fehlen dieser noch bestimmte Funktionen, weshalb sie von den Kommunen nicht flächendeckend eingesetzt werden kann. Als Übergangslösung bieten sich hybride Systeme an. mehr...

Vektorgrafik symbolisch Zeiterfassungssystem

München: Abschluss von neoHR

[04.08.2025] Nach fünf Jahren schließt die Stadt München ihr umfassendes Modernisierungsprogramm neoHR Ende dieses Jahres planmäßig ab. Die erzielten Ergebnisse sollen zur langfristigen Digitalisierung des Personalmanagements beitragen. 
 mehr...

Mitglieder des alten und neuen Vorstand des KommunalCampus

KommunalCampus/EGovC: Kräfte gebündelt für digitale Weiterbildung

[18.07.2025] Die Weiterbildungsplattform KommunalCampus und das Unternehmen EGovC haben eine strategische Partnerschaft geschlossen. Kommunen sollen so künftig noch besser dabei unterstützt werden, ihre Mitarbeitenden fit für den digitalen Wandel zu machen. mehr...

Das Kasaia-Logo zeigt eine stilisiert dargestellte Eule, die ein Buch mit Paragrafsymbol festhält.

Picture / Wolters Kluwer: KI erleichtert Stellenbewertung

[14.07.2025] Picture und Wolters Kluwer wollen mit generativer Künstlicher Intelligenz (KI) die Stellenbewertung im öffentlichen Dienst erleichtern. Die im gemeinsamen Rechtsinformationen-Modul eingesetzte KI-Komponente analysiert tausende Urteile, fasst sie zusammen und bereitet sie für die Bewertungspraxis auf. mehr...