Mittwoch, 24. Juni 2026

InterviewStrategie zur Digitalisierung

[21.04.2015] Der IT-Einzug prägt alle Bereiche – auch öffentliche Verwaltungen. Wie weit der digitale Wandel in den Kommunen vorangeschritten ist, erklärt Jörg Huesmann, neuer Geschäftsführer der Optimal Systems Vertriebsgesellschaft mbH Hannover.
Jörg Huesmann ist Geschäftsführer der Optimal Systems Vertriebsgesellschaft mbH Hannover.

Jörg Huesmann ist Geschäftsführer der Optimal Systems Vertriebsgesellschaft mbH Hannover.

(Bildquelle: Optimal Systems)

Herr Huesmann, wie weit sind die Behörden bei der Digitalisierung ihrer Verwaltungsdienstleistungen?

Öffentliche Verwaltungen sind offener für Innovationen als viele vermuten. Es mangelt nicht an interessanten Ansätzen. In Bonn wurde beispielsweise die Diskussion zum Haushalt 2015 über das Internet geführt; die Bürger konnten sich einbringen und Vorschläge kommentieren. Und die Stadt Braunschweig bietet im Internet Informationen über die Grundwasserverunreinigung im Stadtgebiet an. Ämter und Behörden haben in den vergangenen Jahren ihr Internet-Angebot ausgebaut. Die Bereitstellung von Informationen ist aber nicht alles. Es sind weitere Maßnahmen gefragt, denn Bürger und Unternehmen erwarten heute eine nutzerfreundliche und sichere elektronische Abwicklung von Behördengängen. 83 Prozent der Unternehmen nutzen hierzulande E-Government-Angebote. Damit liegt Deutschland trotz vieler guter Beispiele im EU-Vergleich noch deutlich hinten. Die Stadt Erlangen etwa forcierte bereits 2009 die Verwaltungsmodernisierung mit der Einführung unserer Software in den Fachbereichen Archiv, Umwelt und Organisation, durch die Umsetzung eines Einheitlichen Ansprechpartners sowie mit der Teilnahme am De-Mail-Behördenpilotprojekt.

Verfolgen Ämter und Behörden jeweils eine bestimmte Strategie, um ihre E-Government-Vorhaben umzusetzen?

Die Verwaltung ist selbst daran interessiert, effizienter und transparenter zu arbeiten und einen barrierefreien Zugang zu ermöglichen. Wie weit eine Behörde ist, hängt oft davon ab, ob sie eine E-Government-Strategie konzipieren konnte. Die Digitale Agenda, das neue Programm „Digitale Verwaltung 2020“ der Bundesregierung, das E-Government-Gesetz sowie die De-Mail-Einführung rücken das Thema in den Vordergrund und treiben den Digitalisierungsprozess voran.

Wo liegen die Hindernisse bei der Umsetzung?

Die Umsetzung von E-Government-Vorhaben ist oft sehr aufwendig und personalintensiv. Neue Infrastrukturen müssen geschaffen und Prozesse optimiert werden. Meistens sind organisatorische und personelle Anpassungen erforderlich. Am erfolgreichsten sind deshalb Kommunen, die eine Stabsstelle oder einen E-Government-Beauftragten etablieren konnten. Wenn dann auch die finanziellen Mittel zur Verfügung stehen, werden Kommunen ihre Ziele bezüglich E-Government sicher erreichen.

„Ohne digitale Akten und Prozesse ist kein E-Government möglich.“
Wie kann das Unternehmen Optimal Systems diesen Wandel unterstützen?

Der Datenaustausch zwischen Behörden, Unternehmen und Bürgern ist noch ausbaufähig. Die Digitalisierung vieler Verwaltungsabläufe steht bei vielen Ämtern noch aus. Häufig erleben wir folgendes Szenario: Ein Online-Formular wird heruntergeladen und am Computer ausgefüllt. Dann wird es ausgedruckt, in einen Umschlag gesteckt und per Post verschickt. Im Amt wird der Umschlag geöffnet, das Dokument eingescannt und zentral gespeichert. Im schlimmsten Fall werden die Daten auch noch manuell übertragen und das Dokument irgendwo abgeheftet. Diese Papierflut bringt einen enormen Bearbeitungsaufwand mit sich: Sie bindet Platz, Zeit und Ressourcen – und verhindert so, dass medienbruchfreie Angebote erstellt werden. Ohne digitale Akten und Prozesse ist kein E-Government möglich. Hier kommt Optimal Systems mit seiner breiten Produktpalette für die öffentliche Verwaltung ins Spiel. Mit unserer Software bieten wir viel mehr als ein Dokumenten-Management-System (DMS), um eine einheitliche Informationsmanagement-Plattform für alle Verwaltungsprozesse – von der einzelnen Fachabteilung bis zur kommunalen Gesamtlösung – zu ermöglichen.

Welche Verwaltungsprozesse können am einfachsten digital abgebildet werden?

An möglichen Nutzungsszenarien mangelt es nicht. Reisepass, Bauantrag, An- oder Abmeldung beim Umzug oder die Anmeldung von Fahrzeugen sind Prozesse, die sich relativ einfach mit vielen Vorteilen für Bürger und Verwaltung digitalisieren lassen. Die Stadt Erlangen ermöglicht darüber hinaus ihren Bibliotheksnutzern im Gesamtbestand zu recherchieren, Medien vorzumerken, Gebühren und Leihfristen zu überblicken und die Ausleihe online zu verlängern.

Ist mobiles Arbeiten und die mobile Verfügbarkeit von Informationen auch ein Thema in der Verwaltung?

Mobilität ist ein großes Thema. Einerseits entwickeln viele Kommunen eigene Apps, um Bürgern den Zugang zu Informationen zu ermöglichen. Andererseits sind Apps wichtige Werkzeuge für die Mitarbeiter der Verwaltung und der Eigenbetriebe. So nutzt beispielsweise die Stadt Wetzlar unsere mobilen Lösungen im Ordnungsbereich. Bei den Eigenbetrieben der Stadt Witten wird die elektronische Hausanschlussakte auf Basis unserer ECM-Software ebenfalls mobil verwendet.

Welcher Ihrer Kunden ist sehr weit mit der Digitalisierung seiner Dienstleistungen und Prozesse?

Die Stadt Witten verfolgt seit dem Jahr 2006 eine konsequente Strategie, um Papierberge abzubauen und um Prozesse zu digitalisieren und zu beschleunigen. Ein wesentliches Anliegen war, eine Informationsmanagement-Plattform einzuführen, die verwaltungsweit eingesetzt werden kann. Das sollte verhindern, dass jeder Bereich eine eigene Insellösung einsetzt. Damit wurde in Witten aus meiner Sicht der Grundstein für den digitalen Wandel gelegt. Witten hat mit unserer Software enaio eine Basisinfrastruktur aufgebaut, welche die Stadt in die Lage versetzt, den aktuellen Herausforderungen gerecht zu werden. Das ist aber nur eines von vielen Beispielen.

Interview: Verena Barth




Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Panorama
Drei weibliche Hände recken ein Mikrofon und verschiedene Print-Zeitungen hoch; gelber Hintergrund

NEGZ: Woher nehmen Fachleute ihr Digitalwissen?

[18.06.2026] Mit dem Thema Verwaltungsdigitalisierung befasst sich inzwischen eine ganze Reihe von Print- und Online-Publikationen sowie Podcasts. Das NEGZ will nun wissen, welche Medien von Fachleuten gelesen oder gehört werden. Die Umfrage ist in unter fünf Minuten zu schaffen. mehr...

Mülltonne mit einem aufgeklebten Strichcode-Etikett

Mannheim: Identsystem zur Müllentsorgung

[09.06.2026] Bei den Mannheimer Abfallentsorgern trifft analog auf digital: In einigen Stadtteilen wurden die Abfalltonnen mit Klebeetiketten und die Müllfahrzeuge mit Scannern ausgestattet. So ist eine leerungsbezogene, effiziente Abrechnung möglich. mehr...

Logo des Ko-Pionier-Preises, im Hintergrund violett eingefärbt menschliche Figuren und eine Baumkrone

Ko-Pionier-Preis 2026: Nachnutzen statt neu erfinden

[01.06.2026] Nicht nur Neuentwicklungen bringen die digitale Verwaltungstransformation voran, sondern auch die intelligente Nachnutzung bestehender Lösungen. Der Ko-Pionier-Preis zeichnet solche Vorhaben aus. Einreichungen sind noch bis zum 15. Juli 2026 möglich. mehr...

Reetdachhaus auf Sylt

Bundesnetzagentur: Daten zu Kurzzeitvermietungen

[28.05.2026] Die Bundesnetzagentur fungiert ab sofort als digitale Datendrehscheibe für Kurzzeitvermietungen. Länder und Kommunen können darüber künftig verlässliche Daten zu Buchungen auf Plattformen wie Airbnb oder Booking.com erhalten und diese etwa nutzen, um Tourismusströme zu steuern. mehr...

Team aus vier Personen sitzt an einem Tisch und tauischt sich aus.

Picture: Prozessmanagement-Ausbildung für alle

[12.05.2026] Der Softwarehersteller Picture öffnet sein Ausbildungsprogramm im Prozessmanagement für alle Verwaltungsebenen. Der zweite Durchgang startet im Oktober 2026. Die Teilnehmenden sollen in neun Monaten lernen, Verwaltungsprozesse zu erfassen, zu analysieren und zu verbessern. mehr...

Bayerische Fahne vor blauem Himmel

Bayern: So bewerten Bürger ihre Verwaltung

[16.04.2026] Eine repräsentative Studie der Bayerischen Verwaltungsschule offenbart Chancen und Herausforderungen für Verwaltungen im Freistaat. Demnach bewerten die Bürgerinnen und Bürger digitale Verwaltungsangebote zwar grundsätzlich positiv, wünschen sich aber unter anderem, dass Kommunen transparenter mit ihnen kommunizieren. mehr...

Ein Mädchen in einer braunen Jacke sitzt auf einer Bank und schaut oder liest etwas auf einem Smartphone.

Hessen: Innovative Lösungen für krisenfeste Strukturen

[16.04.2026] In Darmstadt zeigt das LOEWE-Zentrum emergenCITY, wie Forschung zu digitaler Resilienz in Städten schneller in die Praxis gelangt. Entwickelt werden Lösungen, die digitale Systeme auch in Krisensituationen funktionsfähig halten und die Notfallkommunikation sichern. mehr...

Plakat zum zweiten Osnabrücker GovTech Hackathon

Osnabrück: Zweiter GovTech Hackathon am Start

[07.04.2026] 
Im Rahmen eines zweiten GovTech Hackathons sucht die Stadt Osnabrück wieder digitale Innovationen für die öffentliche Verwaltung. mehr...

Eine junge Frau macht per Smartphone ein Foto vom Potsdamer Rathaus.
bericht

Serie Digitalstädte: Stadt mit Gründergeist

[23.03.2026] Am Anfang war Nixdorf. Heute ist die Stadt Paderborn ein Hotspot der ostwestfälischen IT-Wirtschaft mit starkem Mittelstand, ausgezeichneter Universität und ambitionierter Verwaltung. Ein Besuch. mehr...

Ein Mann und eine Frau recken ihre Handys der Kamera entgegen.

Erfurt: Hilfe per Knopfdruck

[17.03.2026] Für viele Menschen gehören Stadtfeste und Märkte zum urbanen Lebensgefühl. Um diese sicherer zu machen, hat die Stadt Erfurt nun mit dem Anbieter der Sicherheits-App SafeNow einen Rahmenvertrag unterzeichnet. mehr...

Dreieckiges Baustellenschild mit schaufelndem Männchen aus der Untersicht aufgenommen.

Nordrhein-Westfalen: Kommunen melden ihre Baustellen digital

[13.03.2026] Werden Baustellen an der öffentlichen Infrastruktur überregional erfasst, können Terminkollisionen und Potenziale zur Bündelung leichter erkannt werden. In Nordrhein-Westfalen sollen Kommunen nun gesetzlich zur Meldung in einem zentralen digitalen Portal verpflichtet werden. mehr...

Transparente, kubische Trophäen stehen aufgereiht auf einem grauen Podest.

OSBA: Innovative Open-Source-Lösungen gesucht

[06.03.2026] Zum zweiten Mal findet der bundesweite Wettbewerb für erfolgreiche Open-Source-Lösungen aus der öffentlichen Verwaltung statt. Behörden und öffentliche Stellen aller föderalen Ebenen können sich bis Ende Juni bewerben, die Preisverleihung erfolgt im Rahmen der Smart Country Convention. mehr...

Bremen: Verwaltung punktet mit Online-Services.

Bremen: Schub für die Verwaltungsdigitalisierung

[03.03.2026] Performa Nord, ein Verwaltungsdienstleister der Freien Hansestadt Bremen, erhält aus dem Investitionssofortprogramm des Landes rund vier Millionen Euro. 2026 und 2027 sollen Terminmanagement, Heil- und Dienstunfallfürsorge sowie die IT-Ausstattung der Einrichtung digitalisiert und modernisiert werden. mehr...

Holzklötze mit Icons: Buch, Hirn, Schachfigur

Praxisleitfaden: Wissen bewahren und nutzen

[19.02.2026] Speziell an die Führungsebene in der öffentlichen Verwaltung richtet sich eine Orientierungshilfe der Innovationsstiftung Bayerische Kommune. Der Leitfaden liefert praxisnahe Impulse, wie erfolgreiches Wissensmanagement in kleinen Schritten aufgebaut werden kann. mehr...

Rotweißer Leuchtturm hinter Sünden auf der Insel Amrum

Föhr-Amrum: Digitale Lösungen für die Zukunft der Inseln

[18.02.2026] Im Rahmen der Föhr-Amrumer Zukunftsimpulse hat das Amt Föhr-Amrum den Island Future Award initiiert. Ausgezeichnet werden Projekte, die Inseln und Küstenregionen durch praxistaugliche Digitalisierung konkret stärken. mehr...