Dienstag, 8. September 2026

FriedhofswesenGebührend kalkulieren

[29.10.2015] Friedhofsgebühren berechnet der Kirchenkreis Hamburg-Ost mit der webbasierten Software MyObolus. Im Interview erklärt der Friedhofsbeauftragte Dirk Abts, welche Vorstellungen der Kirchenkreis bei der Auswahl der Lösung hatte und ob sie sich erfüllt haben.
Dirk Abts ist Friedhofsbeauftragter des Kirchenkreises Hamburg-Ost.

Dirk Abts ist Friedhofsbeauftragter des Kirchenkreises Hamburg-Ost.

(Bildquelle: Privat)

Herr Abts, der Kirchenkreis Hamburg-Ost berechnet Friedhofsgebühren heute webbasiert. Wie wurden in den Gemeinden früher die Gebühren für Friedhöfe kalkuliert?

Gebührenkalkulation war praktisch Handarbeit. Die Gemeinden haben ihre Grunddaten meist aus einem Friedhofsverwaltungsprogramm manuell in eine Excel-Tabelle überführt und anschließend die Ergebnisse in ihre Gebührensatzung einfließen lassen. Dabei konnte es zu Fehleingaben kommen oder die Berechnungstabellen haben unbeabsichtigte Fehlkalkulationen aufgewiesen.

Was war für die Gemeinden dabei besonders herausfordernd?

Da die Kalkulation meistens nur alle drei Jahre vorgenommen wurde, mussten sich viele Sachbearbeiter immer wieder neu in den komplizierten Vorgang der Gebührenkalkulation einarbeiten. Auch wenn eine Tabellenkalkulation die Berechnung einfacher macht, blieb die Unsicherheit, ob die verwendeten Formeln richtig angewendet oder seit dem letzten Gebrauch nicht unbeabsichtigt verändert wurden.

Warum haben Sie sich dazu entschlossen, nach einer Software-Lösung zu suchen?

Im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft der Kirchenkreisbeauftragten für das Friedhofswesen haben wir uns in Form einer Arbeitsgruppe Gedanken dazu gemacht, wie wir die Arbeit an den Gebührenkalkulationen vereinfachen und besser technisch unterstützen könnten. Dabei war uns wichtig, eine Lösung zu finden, die für alle beteiligten Kirchenkreise und Gemeinden praktikabel und rechtssicher ist. Es sollte eine gewisse Einheitlichkeit der Kalkulation erreicht werden, sodass bei der Anfertigung und anschließenden Prüfung vergleichbare Rahmenbedingungen entstehen.

„Uns war wichtig, eine Lösung zu finden, die für alle beteiligten Kirchenkreise und Gemeinden praktikabel und rechtssicher ist.“

Was waren Ihre Kriterien bei der Auswahl?

Wir haben zusammen mit der Landeskirche unsere Anforderungen in einem Lastenheft dezidiert formuliert. Die gesuchte Software sollte vor allem anwenderfreundlich sein und den Benutzer Schritt für Schritt durch den komplizierten Kalkulationsvorgang leiten. Des Weiteren wollten wir ein zertifiziertes Produkt, um eine möglichst hohe Rechtssicherheit gewährleisten zu können. Wichtig war auch, dass uns nach dem Erwerb ein Support zur Verfügung stand, der nicht nur bei Fragen der Programmbedienung Auskunft geben konnte, sondern auch den fachlichen Hintergrund bot.

Warum haben Sie sich schließlich für MyObolus entschieden?

Die Software MyObolus von KIGST und org-team Lagemann konnte sehr viele der genannten Anforderungen erfüllen. Ein für uns sehr wichtiger Aspekt war auch, dass die Unternehmen sich dazu bereit erklärt hatten, unsere Anpassungswünsche in das Standardprodukt einzubauen.

Wie lief die Einführung der Lösung in der Folge ab?

Nach der Auswahlentscheidung im Juli 2014 haben KIGST und org-team Lagemann mit der Entwicklung unserer Anpassungswünsche begonnen und fristgerecht, ab dem 1. September desselben Jahres, myObolus als Web-Anwendung, gehostet bei KIGST, zur Verfügung gestellt. Die Schulungen wurden anschließend durch org-team Lagemann bei uns im Kirchenkreis Hamburg-Ost durchgeführt. Das Projekt und die Einführung sind zeit- und fristgerecht abgelaufen. Viele Gemeinden, die von unserer Kirchenkreisverwaltung betreut werden, haben das Angebot wahrgenommen, auf myObolus für die Gebührenkalkulation umzustellen. Die Lizenzierung der Software können wir dank eines Rahmenvertrages und überschaubarer finanzieller Konditionen leicht abwickeln.

Haben sich Ihre Vorstellungen im Bezug auf die Software erfüllt?

Wir haben festgestellt, dass myObolus in der täglichen Arbeit eine echte Erleichterung ist. Auch sind jetzt weniger versierte Mitarbeiter in der Lage, Gebührenkalkulationen vorzunehmen. Für den Fall, dass es einmal hakt, stehen einem über die Hotline von org-team Lagemann die Mitarbeiter kompetent zur Seite. Für die nächste Version von myObolus wäre es hilfreich, weitere Assistenzfunktionen, zum Beispiel für die Kalkulation von Gemeinschaftsgrabstätten zur Verfügung zu stellen.

Was sind die nächsten Schritte nach der Einführung?

Bis Jahresende erwarten wir noch fünf Friedhofsträger, die in dem Produkt geschult werden und im Anschluss ihre ersten Kalkulationen mit myObolus durchführen können.

Interview: Anne Coronel-Lange




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Fachverfahren
Junge Frau im Auto sitzend präsentiert ihre Führerscheinkarte

Kreis Calw: Führerscheinwesen neu aufgestellt

[08.09.2026] Der Landkreis Calw hat sein Führerscheinwesen mithilfe des kommunalen IT-Dienstleisters Komm.ONE auf ein neues Fachverfahren umgestellt. Die Einführung von KM-Fahrerlaubnis ist ein wichtiger Schritt zur Digitalisierung der Verwaltungsdienstleistungen im Bereich Verkehrswesen. mehr...

Ein Geschäftsmann in Startposition vor einer Startlinie

Gewerbewesen: Praxisbewährte Lösungen statt Schlagworte

[08.09.2026] Die Modernisierung und Vereinfachung von Gründungsverfahren ist aktuell ein großes Thema und wird im Rahmen des Bundesprojekts „Schneller Gründen“ derzeit in neun Pilotkommunen erprobt. Dabei sind die Voraussetzungen zur schnellen Unternehmensgründung längst vorhanden und die digitalen Prozesse werden bereits intensiv genutzt. Darauf weist jetzt das Unternehmen EDV Ermtraud hin. mehr...

Kreis Dachau: Bilanz nach Systemwechsel

[07.09.2026] Seit Anfang 2025 arbeitet das Sozialamt des Landkreises Dachau mit dem Fachverfahren LÄMMkom LISSA. Nach mehr als einem Jahr im Echtbetrieb zieht der Landkreis Bilanz und berichtet von Verbesserungen bei Struktur, Auszahlungen und Auswertungen. mehr...

Junge Grundschüler mit Lehrer bei Schreibübungen

Nolis: Ganztagsbetreuung digital organisieren

[02.09.2026] Neben dem Ausbau der Betreuungsangebote für Grundschulkinder rückt auch deren Organisation zunehmend in den Fokus. Eine Lösung für die digitale Anmeldung und Platzvergabe bietet das Unternehmen Nolis mit seiner Software NOLIS | Schulkind, die jetzt bei den ersten Kommunen im Einsatz ist. mehr...

Close-up auf papierbasiertes Formular zur Gewerbeanmeldung

Mannheim: Gewerbemeldungen ohne Medienbruch

[01.09.2026] Mannheim bietet Gewerbean-, -ab- und -ummeldungen ab sofort vollständig online an. Die Anträge fließen ohne Medienbruch in das Fachverfahren der Gewerbebehörde und sollen dadurch schneller bearbeitet werden. mehr...

bericht

Vogelsbergkreis: Erfolgsfaktor Teamarbeit

[28.08.2026] Die Finanzsoftware des Vogelsbergkreises war fast drei Jahrzehnte lang im Einsatz. Nun wurde auf ein modernes Verfahren umgestellt. Trotz der Komplexität verlief die Einführung ohne ungeplante Ausfälle des Produktivsystems. mehr...

Zwei Männer stehen vor einem Gebäude und blicken in die Kamera

Benediktbeuern: Einwohnermeldewesen migriert ins Rechenzentrum

[25.08.2026] Die Verwaltungsgemeinschaft Benediktbeuern lässt ihre Einwohnermeldesoftware OK.EWO seit Ende August 2025 im AKDB-Rechenzentrum betreiben. Das entlastet den EDV-Verantwortlichen vor Ort: Die Verantwortung für Datenbank, Updates und Wartung liegt jetzt bei der AKDB. mehr...

Luftaufnahme von Konstanz
bericht

Konstanz: Kleine Lücken schließen

[17.08.2026] Die baden-württembergische Stadt Konstanz entwickelt digitale Anwendungen seit einigen Jahren selbst und setzt dabei auf Low Code. Der Schulterschluss mit anderen Kommunen ist der entscheidende Hebel. mehr...

Hände auf Laptop, darüber einmontiert Icons für Puzzleteile, Zahnrad, Schraubenschlüssel, Dokument
bericht

Low Code: Schlanker und smarter

[14.08.2026] Mit der Low-Code-Plattform OutSystems kann Digitalisierung schneller, wirtschaftlicher und nachhaltiger umgesetzt werden. Diese Vorteile zeigen sich im Praxiseinsatz in zahlreichen Kommunen. mehr...

Spielzeugauto und deutscher Führerschein auf deutscher Flagge

AKDB/Telecomputer: Verkehrs-IT hoch fünf

[12.08.2026] Das auf KfZ-Lösungen spezialisierte Unternehmen Telecomputer nimmt ekom21 und Komm.ONE als Gesellschafter auf und übernimmt zudem die Verkehrswesen-Bereiche von KDO und regio iT. Damit sollen die Fachverfahren und Online-Dienste der fünf beteiligten IT-Dienstleister für Kfz-Zulassung und Fahrerlaubnis gebündelt werden. mehr...

Mehrere Personen als und jung auf Matratzen in einer Flücjhtlingsunterkunft

Wiesbaden: Sozialdezernat digitalisiert mit Augenmaß

[11.08.2026] Bundesweite Entwicklungen wie die Sozialstaatsreform, die Sozialplattform oder die Deutschland-App schaffen neue Rahmenbedingungen für digitale Verwaltungsprozesse im Sozialbereich. Wie eine praxisnahe Entwicklung digitaler Services gelingt, zeigt das Sozialdezernat der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden. mehr...

Spielzeugauto und deutscher Führerschein auf deutscher Flagge

Wiesbaden: Test von KI-Assistenz für digitalen Führerscheinantrag

[11.08.2026] Wiesbaden testet eine KI-Assistenz für den digitalen Führerscheinantrag. Bürgerinnen und Bürger können die Anwendung im Zukunftswerk erproben und dabei zeigen, wo sie den Antragsprozess bereits erleichtert und wo noch nachgebessert werden muss. mehr...

Essen: Einführung von Wero

[11.08.2026] Die Stadt Essen bietet Wero als weitere Bezahlmöglichkeit für digitale Verwaltungsleistungen an. Die europäische Lösung ergänzt unter anderem PayPal und Kreditkarte und soll Online-Zahlungen direkt vom Bankkonto erleichtern. mehr...

Minden: Online-Dienst zur An- und Abmeldung von Hunden eingeführt

[11.08.2026] Minden bündelt die digitale An- und Abmeldung von Hunden in einem Online-Dienst. Ein selbst entwickelter Workflow verteilt die Angaben innerhalb der Verwaltung und soll die Bearbeitung beschleunigen. mehr...

Advertorial: Wie Verwaltungen mit KI schneller zu besseren Abläufen kommen

[05.08.2026] Künstliche Intelligenz kann dabei helfen, Prozesse in Verwaltungen zu verbessern. Sie erstellt zum Beispiel Prozessmodelle und zeigt auf, wie Abläufe optimiert werden können. Ein Beispiel ist die PICTURE-Prozessplattform. Sie demonstriert, wie KI in der Praxis funktioniert und welche Grenzen es gibt. mehr...