Kommunal-SoftwareDen Markt nicht aushebeln

Stephan Hauber, Vorstandsvorsitzender des Databund und HSH-Geschäftsführer
(Bildquelle: HSH Soft- und Hardware Vertriebs GmbH)
Herr Hauber, Mitte März 2018 hat der Databund eine Neustrukturierung des Verbands beschlossen. Was gab dazu den Anstoß?
Hierfür gab es mehrere Gründe: Die Anzahl der Mitglieder ist gewachsen und damit auch die Erwartungshaltung an den Databund. Die Digitalisierung und ihre neuen Komponenten stellen eine Herausforderung für die Mitgliedsunternehmen dar. Viele Schritte sind einfacher und effizienter, wenn man sie gemeinsam und abgestimmt geht – das will gut organisiert sein. Das Thema fairer Wettbewerb stand von Beginn an auf unserer Agenda, mit der Entdeckung der Digitalisierung durch die Politik ist aber eine völlig neue Situation entstanden. IT-Lösungen werden in Gesetzen festgeschrieben, es entstehen unzählige neue Einrichtungen, die teils widersprüchliche Vorgaben proklamieren. Ein Wettbewerb um die besten Lösungen ist in diesem Umfeld überhaupt nicht möglich und vorgesehen.
Wie hat sich der Databund nun positioniert?
Wir haben unsere Strukturen an die neuen Erfordernisse angepasst. So gibt es erstmalig einen hauptamtlichen Geschäftsführer, Detlef Sander, Geschäftsführer der net-Com AG. Außerdem wurde der Vorstand verkleinert, um schnelle Entscheidungen zu ermöglichen. Gleichzeitig wurde ein erweiterter Vorstand etabliert, der ein Mehr an speziellem fachlichem Know-how in der Vorstandsarbeit garantiert.
Seit Mitte März vergangenen Jahres sind Sie neuer Vorsitzender des Databund. Was haben Sie sich für Ihre Amtszeit vorgenommen?
Der Databund soll deutlich sichtbarer werden, um nicht zuletzt die Interessen der Mitgliedsunternehmen vertreten und gegenüber Dritten artikulieren zu können. Natürlich wollen wir uns als Verband auch in den gesamten Digitalisierungsprozess einbringen. In vielerlei Hinsicht sind wir mit den angestoßenen Prozessen nicht zufrieden. So fehlt zum Beispiel eine Analyse der bereits praxisrelevanten Lösungen. Hinzu kommt das Wettbewerbsthema, welches um ein Vielfaches komplexer geworden ist. Das Ausschreibungsrecht ist völlig aus den Fugen, das Mehrwertsteuerproblem nicht geklärt, große öffentliche IT-Dienstleister subventionieren quer, die Politik schließt durch Vorgaben den Wettbewerb aus. Ich befürchte, dass wir mittelfristig vor einem Qualitätsproblem stehen, weil Innovation und Effizienz so auf der Strecke bleiben.
Im kommunalen Software-Markt sind schon länger Konsolidierungen zu beobachten. Wie wird sich die Branche aus Ihrer Sicht entwickeln?
Die Konsolidierung wird sich fortsetzen. Durch Standardisierung, rechtliche Vorgaben und Online-Erfordernisse werden die Anforderungen der Kunden immer komplexer. Bei einem so begrenzten Markt können kleinere Unternehmen allein nicht im notwendigen Umfang bestehen und wachsen. Es wird daher zu weiteren Zusammenschlüssen, Kooperationen und der Ausprägung des Plattformgedankens kommen. Dessen ungeachtet bleibt zu hoffen, dass es in den verschiedenen Bereichen mehrere Anbieter gibt, die sich fair um die beste Lösung streiten.
Für den kommunalen IT-Markt fordern Sie seit Langem einen fairen Wettbewerb. Was bemängeln Sie vor allem?
Vieles ist schon gesagt, aber lassen Sie mich zwei Punkte nochmals hervorheben: die Quersubventionierung und die Vergabe per Gesetz. Bei der Quersubventionierung haben wir das Problem, dass in geschlossenen politischen Märkten, etwa eines Bundeslands, die Kosten pro Leistung die Summe x betragen. Ein und derselbe Anbieter offeriert die gleiche Leistung außerhalb des Bundeslands – also dort, wo noch Wettbewerb möglich ist – zu einem Bruchteil von x. Das führt zu Problemen, weil weder x noch der Bruchteil von x marktkonform sind. Auch Vergaben per Gesetz sind aus unserer Sicht nicht hinnehmbar. So wurde etwa die Erstellung eines zentralen Bewacherregisters ohne jedwede Erörterung an eine Bundeseinrichtung und ohne jeglichen fachlichen Bezug vergeben.
„Die Innovationszyklen in der IT sind nicht über Fünfjahrespläne abzubilden.“
Wie könnte eine Lösung aussehen? Immerhin arbeiten viele Databund-Mitglieder sehr erfolgreich mit öffentlich-rechtlichen Rechenzentren, IT-Dienstleistern und Zweckverbänden zusammen.
Ja, Sie haben Recht. Viele unserer Mitglieder pflegen gute Geschäftsbeziehungen zu zahlreichen öffentlich-rechtlichen Dienstleistern. Da sehen wir auch nicht das Problem, denn diese Dienstleister lassen Wettbewerb zu. Sie bekennen sich zum Markt, zahlen Mehrwertsteuer und entscheiden nach Qualitätskriterien. Kritisch wird es, wenn politische Einflussmöglichkeiten genutzt werden, um den Markt auszuhebeln. Sie können mir glauben, dass das regelmäßig passiert und die Methoden vielfältig und nicht immer offensichtlich sind. Jüngst hat etwa ein Mitglied mehrere Kunden in Bayern verloren, weil als Voraussetzung für den Anschluss der Verwaltung an das DOI-Netz über die Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung in Bayern (AKDB) der Kunde ausschließlich AKDB-Produkte einsetzen durfte. Wir brauchen daher ein klares Bekenntnis der Politik zur Marktwirtschaft. Im Digitalisierungsbereich der öffentlichen Verwaltung geht es im Moment in die andere Richtung. Aber Planwirtschaft war gestern.
Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung ist derzeit aktueller denn je, Stichwort Onlinezugangsgesetz (OZG). Wie wirkt sich dies auf das Geschäft Ihrer Mitgliedsunternehmen aus?
Das OZG ist ein notwendiger Anstoß und schafft die Voraussetzung zum Handeln, was unsere Mitglieder sehr freut. Es schafft Spielräume und es schafft Märkte. Schade ist jedoch, dass die Märkte durch die ins Gesetz geschriebenen Lösungen (Portalverbund, Servicekonten) schon wieder geschlossen sind. Es gibt die Befürchtung, dass die vorgeschriebene Lösung, wenn sie denn 2022 zur Verfügung steht, dann schon nicht mehr dem Zeitgeist entspricht. Die Innovationszyklen in der IT und vor allem im Online-Bereich sind nicht über Fünfjahrespläne abzubilden.
Ist der Zeitplan des OZG für die kommunale Ebene überhaupt zu halten?
Der Umsetzungsstand im Jahr 2022 wird nur sehr subjektiv bewertet werden können. Es hängt von der Erwartungshaltung ab. Was nützt es uns, wenn alle 575 Prozesse abgebildet sind, die Nutzung aber nur bei zehn Prozent liegt? Generell glaube ich, dass es den Kommunen mit der derzeitigen Ausstattung an Mitteln nicht möglich ist, alle Vorgänge anzubieten und – was noch viel wichtiger ist – in ihre internen Prozesse einzubinden. Die Umsetzung des Once-Only-Prinzips halte ich bis 2022 für ausgeschlossen.
Was schlagen Sie also vor?
Die Bundesrepublik muss in Infrastrukturen und Innovationen investieren und den Kommunen die rechtlichen Freiräume geben, sich für verschiedene Wege und Umsetzungen entscheiden zu können. Vielleicht ist weniger manchmal auch mehr – warum soll eine Kommune alle Leistungen anbieten? Die 50 wichtigsten kommunalen Leistungen werden circa 95 Prozent des Bedarfs abdecken. Daneben sehe ich noch die interkommunale Zusammenarbeit zwischen Kommunen, die gleiche Voraussetzungen und Strukturen haben. Aber alle in einen Topf zu werfen – das wird nicht funktionieren.
http://www.hsh-berlin.com
Dieses Interview ist in der Ausgabe Februar 2019 von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
IT-Dienstleister: AKDB wird 55
[13.05.2026] Seit mehr als einem halben Jahrhundert ist die Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung in Bayern im Dienst der Kommunen. Die AKDB hat sich in dieser Zeit von einem regionalen Anbieter für elektronische Datenverarbeitung zu einer bundesweit agierenden Unternehmensgruppe mit zahlreichen Tochtergesellschaften und Beteiligungen entwickelt. mehr...
MACH/Stiewi: Reisekosten-Spezialist übernommen
[05.05.2026] Den Travel-Management-Anbieter SMS System-Management Stiewi hat das Unternehmen MACH übernommen. Damit erweitert das Unternehmen sein Portfolio für die öffentliche Verwaltung. Die operativen Geschäftsaktivitäten werden durch die bisherige Leitung fortgeführt. mehr...
IT-Sicherheit: audius startet Quick Check
[30.04.2026] Sein Angebot für den Public Sector hat das Unternehmen audius um den Security Quick Check ergänzt. Dieser analysiert IT-Strukturen in Kommunen, identifiziert Schwachstellen und liefert konkrete Maßnahmen. mehr...
Axians Infoma: Neukunden und cloudbasierte Lösungen
[30.04.2026] 2025 sind diverse Kommunen aus verschiedenen Bundesländern mit Infoma-Lösungen in den Produktivbetrieb gestartet. Auch 2026 treibt Axians Infoma die Digitalisierung kommunaler Verwaltungen weiter voran, unter anderem mit cloudbasierten Lösungen und KI. mehr...
NeueDigital Solutions/brainocons: Eine Plattform für viele Verfahren
[22.04.2026] Die Start-ups NeueDigital Solutions und brainocons verknüpfen eine Antragsplattform mit KI-gestütztem Wissensmanagement. Ziel ist die durchgängige Abbildung verschiedenster Verwaltungsprozesse – die auch über Abteilungsgrenzen hinweg Komplexität deutlich reduzieren kann. mehr...
netgo: Neuer Technologiepartner für Dataport
[21.04.2026] Die netgo group hat eine europaweite Ausschreibung gewonnen und wird Technologiepartner von Dataport. Ab Juli 2026 soll das Unternehmen die Rolle des bisherigen Servicepartners übernehmen und unter anderem Leistungen rund um die Rechenzentrumsinfrastruktur erbringen. mehr...
Interview: Kooperation statt Konkurrenz
[13.04.2026] Im Kommune21-Interview spricht Komm.ONE-Vorstandsvorsitzender William Schmitt darüber, wie sich der kommunale IT-Dienstleister aus Baden-Württemberg neu positioniert – als Rechenzentrumsbetreiber, Plattformanbieter oder strategischer Impulsgeber? mehr...
Databund: 20. Geburtstag gefeiert
[07.04.2026] Vor 20 Jahren wurde der Databund als Verband für die mittelständische IT-Wirtschaft im öffentlichen Sektor gegründet. Die Geburtstagsparty wurde für Rückblick und Ausblick genutzt. mehr...
Prosoz/ekom21: Gemeinsam für Sozial- und Jugendwesen
[12.03.2026] Eine sechsjährige Rahmenvereinbarung mit dem IT-Dienstleister ekom21 hat jetzt das Unternehmen Prosoz unterzeichnet. Kommunen in Hessen können künftig Prosoz-Lösungen ohne eigene Ausschreibung einführen. mehr...
OWL-IT: Verbandsspitze wiedergewählt
[04.03.2026] In ihrer konstituierenden Sitzung nach der Kommunalwahl 2025 hat die Verbandsversammlung des Zweckverbands Ostwestfalen-Lippe-IT (OWL-IT) ihre bisherige Verbandsspitze erneut gewählt. mehr...
Niedersachsen: IT-Dienstleister bündeln Kräfte
[26.02.2026] Niedersachsens kommunale IT-Dienstleister bündeln ihre Kräfte ab sofort unter dem Dach von Komm2IT. Das Programm mit dem Ziel eines gesellschaftsrechtlichen Zusammenschlusses bis Anfang 2027 soll die Digitalisierung der Verwaltung in dem Bundesland spürbar voranbringen. mehr...
Little Bird Group: Vier Lösungsanbieter bündeln Kräfte
[16.02.2026] Als Little Bird Group treten künftig die Softwareunternehmen Little Bird, InstiKom, Stay Informed und Kita-Planer KP auf. Unter der neuen Dachmarke wollen sie ihre digitalen Lösungen für die Bildung und Betreuung von Kindern gemeinsam weiterentwickeln. mehr...
OWL-IT / regio iT: Kooperation wird vertieft
[03.02.2026] Mit einem neuen Vertrag bündeln die beiden kommunalen IT-Dienstleister OWL-IT und regio iT ihre Zusammenarbeit in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Low Code und Automatisierung. Dadurch vertiefen sie ihre bereits bestehende Zusammenarbeit beim Personal- und Sitzungsmanagement. mehr...
Cuckoo Coding / NOLIS: Echtes Win-win
[02.02.2026] Das Start-up Cuckoo Coding und der E-Government-Spezialist NOLIS haben eine App für Kommunen entwickelt. Die Geschäftsführerinnen Mira Jago, Cuckoo Coding, und Maren Warnecke, NOLIS, schildern ihre Erfahrungen und ziehen ein erstes Fazit. mehr...
Umfirmierung: Aus Lorenz Orga-Systeme wird sovero
[27.01.2026] Unter neuem Namen firmiert jetzt die Lorenz Orga-Systeme GmbH. Als sovero GmbH will sich das Unternehmen für Software, Beratung und Aktendigitalisierung ganzheitlich auf künftige Marktentwicklungen einstellen. Im Fokus steht weiterhin die öffentliche Verwaltung. mehr...

















