FehmarnKurtaxe online zahlen

Fehmarn: Digitale Kurabgabe nützt Gästen, Vermietern und Verwaltung.
(Bildquelle: pixabay)
Zwei Euro zahlen Besucher der Sonneninsel Fehmarn pro Tag, wenn sie sich dort aufhalten oder übernachten. Was auf den ersten Blick als kleiner Betrag für die Verwaltung erscheint, kumulierte sich im Jahr 2020 bei etwa 100.000 Gästen pro Monat auf rund vier Millionen Euro – die bis vor Kurzem noch ausschließlich bar bezahlt wurden. „Einige Campingplätze haben uns zur Abrechnung Kartons mit 30.000 Euro in Zwei-Euro-Münzen auf den Tresen der Tourismusinformation gestellt“, erinnert sich Volker Aermes, stellvertretender Tourismusdirektor der Insel Fehmarn und zuständig für den Ausbau der Infrastruktur und die Verwaltung der Finanzen. Hinzu kamen die entsprechenden Belege aus Papier, die von den Mitarbeitenden der Tourismusinformation überprüft werden mussten. Ein enormer Verwaltungsaufwand für die Ostsee-Kommune, die laut Volker Aermes wie so viele andere auch vom Personalmangel im öffentlichen Dienst betroffen ist.
Um diesen Herausforderungen entgegenzutreten, hat die Insel Fehmarn ihre Kurabgabe nun digitalisiert. In Zusammenarbeit mit dem schleswig-holsteinischen Start-up WELCMpass sowie dem genossenschaftlichen Zahlungsexperten VR Payment ist eine digitale Bezahllösung entstanden, die Aermes als Win-win-win-Situation bezeichnet, von der sowohl die Gäste als auch die Vermieterinnen und Vermieter und die kommunale Verwaltung profitieren.
Hyperlink statt komplizierter Abrechnungen
Der Wunsch nach einer digitalen Kurabgabe sei in den vergangenen Jahren immer wieder und vor allem seitens der Inhaber von Ferienwohnungen, Herbergen, Hotels und Campingplätzen an die Verwaltung herangetragen worden, berichtet Volker Aermes. Denn sie sind verpflichtet, die Beträge bei ihren Gästen zu erheben und an die Kommune weiterzugeben. Ein Prozess, der den Vermietern selbst keinerlei Erträge bringt: „Besonders für diejenigen, die auf dem Festland leben, ist die Abrechnung der Kurabgabe ein unverhältnismäßig großer Aufwand.“ Mit der digitalen Kurabgabe sind sie nun weitgehend von der ungeliebten Mittlerrolle befreit. Stattdessen stellt die Kommune ihnen auf Wunsch einen Hyperlink aus, den sie ihren Gästen per E-Mail zusenden können – beispielsweise im Zuge der Buchungsbestätigung. Über diesen Link gelangen die Gäste entweder über die zuvor installierte App WELCMpass oder über den Internetbrowser auf das vorausgefüllte Bezahlformular. Alternativ oder zusätzlich zu diesem Link können Vermieter auch für jede Unterkunft einen QR-Code von der Kommune anfordern, den der Gast dann nur noch mit seinem Smartphone einscannen muss. Das rein digitale Bezahlen ist papierlos, standortungebunden und in wenigen Sekunden erledigt.
„Technisch funktioniert die Bezahlung per App wie in einem regulären Onlineshop“, erklärt Claus-Dieter Pohl, Senior Bankenbetreuer von VR Payment und verantwortlich für die Zahlungsintegration. „Kunden sind es von dort gewohnt, mit ihrer bevorzugten Methode zahlen zu können. Das erwarten sie auch bei allen anderen digitalen Bezahlungen.“ Aus diesem Grund akzeptiert die Insel Fehmarn neben verschiedenen Kreditkarten auch die Bezahlung per paydirekt, Lastschrift und anderen Verfahren. Der Betrag wird direkt dem Konto des Tourismus-Service Fehmarn gutgeschrieben. Der Vorteil für Vermieter: Sie müssen nichts mehr abrechnen und ihnen entstehen auch keine Kosten, wenn ihre Gäste die App nutzen.Auch für die Gäste selbst ist die App, die für die Betriebssysteme Android und iOS verfügbar ist, kostenlos. Der Download und die in der App enthaltene digitale Kurkarte, die Ostsee-Card, lohnen sich über den bequemen Bezahlvorgang hinaus: Online sehen die Besitzer der Ostsee-Card, wofür sie ihre Kurabgabe eigentlich zahlen und welche besonderen Leistungen sie dafür erhalten. „Außerdem besteht die Möglichkeit, Besucherinnen und Besuchern auf diese Weise Coupons oder Angebote für Freizeiteinrichtungen und Gastronomiebetriebe zukommen zu lassen“, sagt Claus-Dieter Pohl. Durch solche Anreize will die Insel Fehmarn auch die Kurabgabeehrlichkeit und -akzeptanz der Gäste steigern.
Bereits während der Pilotierungsphase großer Zuspruch
Bisher scheint es ganz so, als würde diese Strategie aufgehen: „Die digitale Kurabgabe stieß schon während der Pilotierungsphase im vergangenen Sommer auf großen Zuspruch“, sagt Volker Aermes. Nach dem erfolgreichen Start auf Fehmarn bieten nun auch andere Kommunen und Verwaltungen die digitale Kurabgabe an, etwa Mönchgut auf Rügen sowie Dahme in Schleswig-Holstein. Auch hier bringt die Digitalisierung allen Parteien Vorteile: Nutzt ein Gast die Standorterkennung in der App, stellt diese mittels Geofencing-Technologie fest, wenn er eine andere Kommune betritt, in der seine bereits erworbene Ostsee-Card ebenfalls gültig ist. In diesem Fall kann ihm die App direkt anzeigen, welche Vorteile und Leistungen er als registrierter Kurgast an diesem Standort genießt. „Ziel ist immer, so viele Leistungen wie möglich an einem digitalen Ort zu bündeln“, sagt Claus-Dieter Pohl über die Digitalisierungsstrategien seiner Kunden. Mit der Insel Fehmarn hatte VR Payment zuvor bereits die Digitalisierung des Hafens umgesetzt: Wer in den Yachthafen der Ostseeinsel einfährt, kann schon von unterwegs aus einen Liegeplatz buchen und bezahlen und findet diesen bei Ankunft dann frei vor. Auch weitere Freizeitprodukte und Dienstleistungen wie Parkplätze oder Souvenirs könnten laut Pohl perspektivisch an einem digitalen Verkaufspunkt gebündelt werden.
https://www.vr-payment.de
https://www.fehmarn.de
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe Dezember 2021 von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
ITEBO / KDO: VOIS|FSW für gemeinsamen Kunden
[03.08.2026] Den Mehrwert einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit konnten die IT-Dienstleister ITEBO und KDO jetzt erfolgreich unter Beweis stellen. Sie haben in einem gemeinsamen Projekt bei der Fahrerlaubnisbehörde eines Kunden die Software VOIS|FSW eingeführt. mehr...
Umweltverwaltung: Strukturierte Prozesse
[27.07.2026] Mit ProUMWELT stellt das Unternehmen Prosoz eine Fachanwendung vor, die kommunale Umweltbehörden bei der Digitalisierung ihrer Verwaltungsprozesse unterstützt. mehr...
Braunschweig: Digital zum Bewohnerparkausweis
[22.07.2026] Die Stadt Braunschweig erweitert ihr Angebot an digitalen Dienstleistungen um den Bewohnerparkausweis. Dieser wird künftig nur noch in digitaler Form ausgegeben. mehr...
Bremen: Bauantrag wird digital
[13.07.2026] Seit Anfang Juli können in Bremen Bauvorlagen lediglich online eingereicht werden. Die bisherige Wahlmöglichkeit zwischen elektronischer und Papierform entfällt. Analog eingereichte Anträge werden künftig zurückgeschickt. mehr...
Niedersachsen: Bauleitplanung landesweit digital
[09.07.2026] Niedersachsen hat für seine Kommunen flächendeckend das digitale Verfahren DiPlanCockpit PRO für die Bauleitplanung eingeführt. Das neue Online-System soll Planungsverfahren schneller und einfacher machen. mehr...
Meldewesen: Fit für die digitale Welt
[02.07.2026] Die zunehmende Bedeutung digitaler Identitäten für verwaltungsinterne Vorgänge ist nur eine der Herausforderungen, auf die das Meldewesen Antworten finden muss. Auch den Themen Sicherheit und Resilienz gilt es, künftig verstärkt Aufmerksamkeit zu widmen. mehr...
Magdeburg: Standesamt digitalisiert Terminvergabe
[01.07.2026] Künftige Brautpaare können ihren Wunschtermin zur Eheschließung jetzt online beim Standesamt der Stadt Magdeburg reservieren. Die neuen digitalen Trau- und Terminkalender können zudem für weitere Anliegen genutzt werden. mehr...
Mainz: Kita-App für alle
[01.07.2026] In Mainz wird die Care Kita-App in allen städtischen Kindertagesstätten ausgerollt. Bis zum Start des neuen Kita-Jahres 2026/2027 werden alle städtischen Kitas an die Anwendung angebunden. mehr...
Unternehmensgründung: Loslegen statt Formulare ausfüllen
[08.06.2026] Aachen und Düsseldorf testen ab Juli den digitalen Kombiantrag im Bund-Länder-Projekt Schneller Gründen. Er soll Gewerbeanmeldung und steuerliche Erfassung verbinden, doppelte Dateneingaben vermeiden und Bearbeitungszeiten verkürzen. mehr...
Personalabrechnung: Belastbare Strukturen
[29.05.2026] Steigende Komplexität und Fachkräftemangel setzen die Personalabrechnung in der öffentlichen Verwaltung zunehmend unter Druck. Die Auslagerung wird daher zu einem strategischen Instrument, um Risiken zu reduzieren und weiterhin handlungsfähig zu bleiben. mehr...
Fulda: Pilotstandort für schnelleres Gründen
[28.05.2026] Fulda übernimmt eine Vorreiterrolle bei der Modernisierung von Gründungsverfahren. Als eine von neun Pilotkommunen wurde die Stadt mit ihrer Nachbargemeinde Petersberg vom Bund für das Projekt „Schneller Gründen“ ausgewählt. mehr...
Kreis Oldenburg: SAP zentralisiert Abfallwirtschaft
[08.05.2026] Pünktlich zum Jahresbeginn hat der Kreis Oldenburg gemeinsam mit dem IT-Dienstleister KDO ein technisches Großprojekt auf Basis seines bestehenden SAP-Systems erfolgreich zum Abschluss gebracht: Die Zentralisierung der Abfallwirtschaft. mehr...
Essen: Hundesteuermarke auf dem Smartphone
[06.05.2026] Wer einen Hund hält, muss diesen anmelden und erhält dafür eine Hundesteuermarke. Für die rund 30.000 Hunde in Essen steht diese seit Beginn dieses Jahres nicht mehr als Metallmarke, sondern in digitaler Form zur Verfügung. mehr...
Winterdienst: Digital auf den nächsten Schnee vorbereiten
[05.05.2026] Bei frühsommerlichen Temperaturen bereiten sich viele Kommunen bereits auf den nächsten Winterdienst vor. Angesichts zunehmend dynamischer Wetterlagen und hoher Anforderungen an Reaktionsgeschwindigkeit und Koordination gewinnen digitale Lösungen zur Alarmierung und Einsatzsteuerung an Bedeutung. mehr...
Kita-Lösungen: Ganztagsbetreuung verwalten
[29.04.2026] Mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ab dem kommenden Schuljahr stehen Kommunen vor der Aufgabe, mehr Angebote zu schaffen und deren Vergabe effizient zu organisieren. Digitale Lösungen können helfen, Nachfrage und Kapazitäten besser zu steuern. mehr...




















