Montag, 29. Juni 2026

WadgassenVon Smarties und Smartgassen


[10.08.2022] Die saarländische Wohngemeinde Wadgassen möchte sich als Zukunftsgemeinde Smartgassen neu definieren. Dazu gehören für Bürgermeister Sebastian Greiber nicht nur bürgerfreundliche digitale Behördengänge, sondern auch agile und moderne Verwaltungsstrukturen.
Wohngemeinde Wadgassen möchte sich als Zukunftsgemeinde „Smartgassen“ neu definieren.

Wohngemeinde Wadgassen möchte sich als Zukunftsgemeinde „Smartgassen“ neu definieren.

(Bildquelle: Kernplan GmbH)

Mit ihren knapp 18.000 Einwohnern liegt die saarländische Gemeinde Wadgassen an der Saarschiene in unmittelbarer Nähe zu Saarbrücken und Saarlouis. Als typische Wohngemeinde kämpft sie seit Jahren gegen die Folgen des demografischen Wandels und die Verdichtung der städtischen Ballungsgebiete. Bürgermeister Sebastian Greiber möchte nun die Chancen der Digitalisierung nutzen und eine sich abzeichnende gesellschaftliche Trendwende forcieren, um Wadgassen insbesondere für junge Familien attraktiver zu machen. Aus der reinen Wohngemeinde soll eine digitale und smarte Zukunftsgemeinde werden.

Vom Nachteil zur Zukunftschance


Während der Corona-Pandemie hat sich die Welt in atemberaubendem Tempo verändert. Aus der schleichenden ist eine Turbo-Digitalisierung geworden. „Es ist kaum vorstellbar, der Virus hätte vor fünf bis sechs Jahren zugeschlagen, denn damals gab es in unserer Gemeinde nicht einmal flächendeckendes DSL“, berichtet Wadgassens Bürgermeister Sebastian Greiber. „Die Grundvoraussetzungen für eine digitale Gesellschaft wurden also gerade noch rechtzeitig aufgebaut.“
Die Corona-Pandemie fungiert für die Digitalisierung wie ein Brandbeschleuniger. Was vor einigen Jahren für Wadgassen noch ein großer Standortnachteil war, entwickelt sich nun zu einer großen Zukunftschance. Denn die geänderte Lebens- und Arbeitsrealität führt allmählich zu einer spürbaren Trendwende: Junge Familien ziehen von der Stadt wieder aufs Land. War Wadgassen bisher eine klassische Wohngemeinde, kann sich ihre Rolle nun ändern; denn die Arbeitsplätze können dank Digitalisierung und einem zunehmend mobilen Arbeiten wieder zum ländlichen Raum kommen. „Das ist eine historische Chance für uns“, freut sich Greiber. „Wir wollen die digitale Transformation sowie die geänderte Lebens- und Arbeitsrealität – vor allem für junge Familien – als Chance nutzen und die Zukunftsgemeinde Smartgassen entwickeln.“

Konzept des Co-Living-Spaces

Dazu hat die Gemeinde bereits umfassende Konzepte und Ideen ausgearbeitet. Ein wichtiger Aspekt soll die Vereinbarkeit von Familie und Beruf werden. Aus diesem Grund wurde eine Vision entwickelt, die relativ einfach erklärt ist: Die gemeindlichen Bildungsstandorte aus Kitas und Schulen sollen zu so genannten Co-Living-Spaces entwickelt werden, indem moderne Büroinfrastrukturen – Co-Working-Spaces – in unmittelbarer Nähe dazu angeboten werden. Dadurch können Eltern und Kinder gemeinsam „zur Arbeit“ fahren – und während die Kinder in der Kita oder in der Schule sind, können die Eltern nebenan im Co-Working-Space für ihre unterschiedlichen Arbeitgeber arbeiten. Das Mittagessen kann die Familie gemeinsam in der Mensa vor Ort einnehmen. Städtische Bürokomplexe werden somit seltener in Anspruch genommen und der Arbeitsort entkoppelt sich vom Arbeitsplatz. Ländliche Regionen werden dadurch wieder attraktiver – und die Gemeinde Wadgassen möchte genau dies nutzen.

So einfach wie shoppen bei Amazon


Entscheidend für die Gemeinde Wadgassen ist auch der Prozess hin zu einer smarten Verwaltung. „Smart“ bezieht sich in diesem Fall zum einen auf bürgerfreundliche, meist digitale Behördengänge, zum anderen aber auf agile und moderne Verwaltungsstrukturen. „Wir wollen, dass Behördengänge so einfach werden wie das Shoppen bei Amazon“, erklärt Bürgermeister Greiber. „Dazu brauchen wir smarte Arbeitsbedingungen, um für unsere Bürgerinnen und Bürger unkomplizierte Dienstleistungen anzubieten.“
Mit der Schaffung und Besetzung einer Vollzeitstelle Digitalisierung in der Wadgassener Verwaltung ist hierzu bereits der erste Schritt erfolgt. Die flächendeckende Einführung der Plattform Microsoft Teams und den damit verknüpften Microsoft Office Apps sowie entsprechende Schulungen der Mitarbeitenden wurden ebenso angegangen wie die Schaffung mobiler Arbeitsstrukturen durch Laptops, Mobile Devices, eine virtuelle Telefonanlage, Webcams und Headsets am Arbeitsplatz.
Doch Digitalisierung bedeutet nicht nur, alte Strukturen auf eine Online-Plattform zu übertragen. Es geht dabei auch um einen ganzheitlichen Veränderungsprozess, der das bisherige Arbeiten in der Verwaltung umkrempelt und ein transparenteres, ämterübergreifendes Miteinander fördert. Dafür wurden in der Gemeindeverwaltung Wadgassen sämtliche Prozesse auf den Kopf gestellt und hinterfragt.

Interne Veränderungsprozesse gestartet


Unter der Überschrift „Smartgassen“ treibt Sebastian Greiber als Verwaltungschef deswegen auch einen großen internen Veränderungsprozess an. Im Vordergrund steht dabei die zukunftsorientierte Ausrichtung der Verwaltung. Das beinhaltet die Vereinfachung von Prozessen, Kompetenzaufbau der Mitarbeitenden und Führungskräfte sowie das Etablieren einer agilen Führungskultur. Dazu gehören aber auch strukturelle Anpassungen wie die ämterübergreifende, transparente, effiziente und zeitnahe Zusammenarbeit oder eine zentrale und allzeit erreichbare Akten- und Datenablage.
 Seit 2022 gibt es im Rathaus erste Co-Working-Räume. Die Beschäftigten arbeiten vermehrt mobil, und können sich so Büroflächen teilen. „In Zukunft ist es vorstellbar, dass insgesamt weniger Büroplätze vor Ort zur Verfügung stehen müssen und damit effektiver genutzt werden”, prognostiziert Greiber.


Drei Instanzen zuständig

Der Veränderungsprozess wird im Wesentlichen durch drei Instanzen bearbeitet: Zunächst gibt es ein Projekt-Team aus internen und externen Mitarbeitenden, welches Projekte im Bereich Digitalisierung, Kommunikation oder New Work im engen Austausch mit dem Bürgermeister koordiniert, konzeptioniert und begleitet und als Motor des Prozesses dient.
Daneben gibt es ein ämterübergreifendes Projekt-Team, die so genannten Smarties. Jedes Amt stellt hierfür mindestens einen Mitarbeitenden ab. In wöchentlichen Treffen tauschen sich die Smarties als Botschafter und Sprachrohr der Ämter untereinander aus, bearbeiten Themen und werden in Digitalisierungsfragen geschult. Die Smarties geben ihre Erfahrungen und das neue Wissen dann an ihr jeweiliges Amt weiter und sorgen dafür, dass der Prozess im Inneren der Verwaltung ankommt und dort umgesetzt wird.
Dritter Projekttreiber ist der Lenkungskreis. Er besteht aus den Führungskräften der Gemeinde sowie einer Vertretung des Personalrats und gibt die große Linie vor. Hier werden also Schwerpunkte gesetzt, Reihenfolgen festgelegt, Entscheidungen getroffen, Probleme und Lösungen diskutiert und der Veränderungsprozess gelenkt.

Neue Führungsleitbilder etablieren

Wichtiger Schritt des Veränderungsprozesses ist die Erarbeitung eines gemeinsamen Unternehmens- und Führungsleitbilds. Dazu werden regelmäßig mit allen Ämtern eigene Leitbild-Workshops durchgeführt, bei denen alle Beschäftigten die Chance haben, sich einzubringen. Bei den Workshops geht es um die Stärken und Schwächen des eigenen Teams, eine kritische Auseinandersetzung mit den internen Arbeitsprozessen sowie den externen Bürgerkontakten. Die Ergebnisse werden optisch aufbereitet und dienen den Ämtern fortan als Stütze bei der täglichen Arbeit. Darüber hinaus werden sie herangezogen, um den Fortschritt des Prozesses zu überprüfen.
Zur Entwicklung eines Führungsleitbilds wurden alle Führungskräfte der Gemeinde für zwei Tage zu einem Führungskräfte-Workshop in ein Tagungshotel eingeladen. „Eine agile Führungskultur liegt mir sehr am Herzen“, bekräftigt Sebastian Greiber. „Mein Ziel ist, dass wir die neuen Unternehmens- und Führungsleitbilder bei all meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern so fundamental etablieren, dass sie aus dem Verwaltungsarbeiten nicht mehr zu revidieren sind.“

Langfristig denken

Ob der Veränderungsprozess jemals abgeschlossen sein wird, ist fraglich; denn ohne Veränderungswillen gäbe es Stillstand. „Wir begreifen den Veränderungsprozess als beständigen Wegbegleiter“, erklärt Sebastian Greiber. „Deswegen versuchen wir alle Maßnahmen und Projekte langfristig und nachhaltig anzugehen.“
Große Städte wie Berlin, Hamburg oder München haben längst kein Patent mehr auf das Thema Digitalisierung und den Begriff Smart City. Ländliche Kommunen wie Wadgassen können ihre Chance als Smart Country oder Smart Region nutzen; denn Zukunft ist Veränderung – und die Gemeinde Wadgassen hat Lust auf Zukunft.

Axel Weber ist zuständig für die Pressearbeit der Gemeinde Wadgassen.


Stichwörter: Smart City, Wadgassen


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