Digitale TelefonassistenzMehr KI, weniger Wartezeit

Voicebots arbeiten rund um die Uhr und können mehrere Sprachen sprechen und verstehen.
(Bildquelle: sdecoret/123rf.com)
Wenn Anruferinnen und Anrufer in der Warteschleife eines Bürgertelefons hängen, liegt das selten am mangelnden Willen der Verwaltung. Viel häufiger fehlen dieser schlichtweg die nötigen Kapazitäten, um unmittelbar reagieren zu können. Dazu trägt nicht nur der Fachkräftemangel bei. Auch knappe finanzielle Mittel und immer neue gesetzliche Aufgaben belasten die Kommunen dauerhaft. Erleichterung versprechen so genannte Voicebots. In den Callcentern großer Unternehmen gehören die automatisierten Telefonassistenten bereits zum Alltag. Daran nehmen sich immer mehr Kommunen ein Beispiel und greifen ebenfalls auf diese Art der Unterstützung zurück.
Voicebots übernehmen Aufgaben, deren Inhalte klar strukturiert sind. Dazu zählen Auskünfte zu Öffnungszeiten ebenso wie Informationen zu Gebühren oder der Bearbeitungsstand von Anliegen. Die Bots beantworten solche Fragen der Anrufer rund um die Uhr direkt und in natürlicher Sprache. Wenn der Bot auf die entsprechenden IT-Systeme zugreifen kann, kann er auf Wunsch des Anrufers sogar einen Termin für den Gang zum Amt buchen – fehlerfrei und ohne menschliches Zutun. Darüber hinaus können Voicebots verschiedene Sprachen sprechen und verstehen. Dadurch sorgen sie für eine Flexibilität und Kundennähe, wie sie herkömmliche Hotlines kaum bieten können.
Sprache verstehen und verarbeiten
Um gesprochene Sprache zu analysieren, nutzen Voicebots unterschiedliche KI-Methoden, darunter die Intent-Erkennung und Large Language Models. Dabei erkennen sie Muster, beispielsweise beim Satzbau, der Intonation oder dem Kontext. Das versetzt die Bots in die Lage, einfache Anliegen automatisiert bearbeiten zu können. Sie können außerdem auf verschiedene Formulierungen, Dialekte oder Sprechweisen reagieren.
Die KI-Modelle werden mit umfangreichen Sprachdaten trainiert und durch maschinelles Lernen (ML) kontinuierlich verbessert. In vielen Branchen helfen zusätzliche Trainings, etwa durch domänenspezifische Feinabstimmung oder synthetische Daten via Data Augmentation, ein Verfahren, das aus begrenzten Beispielen zusätzliche Trainingsdaten generiert. Denn jeder Anwendungsfall stellt eigene Anforderungen an den Telefonassistenten. Wird ein Anrufer nicht richtig verstanden, ist ein KI-Bot schnell eher hinderlich als hilfreich.
Nicht alle Voicebots basieren ausschließlich auf Künstlicher Intelligenz. Es gibt auch hybride Systeme, welche die KI mit regelbasierten Dialogstrukturen kombinieren. Eine solche Lösung ermöglicht einerseits die effiziente Reaktion auf vorhersehbare Abläufe. Andererseits kann flexibel mit Abweichungen umgegangen werden. Das ist beispielsweise bei komplexen Verwaltungsprozessen ein Vorteil.
Die passenden Rahmenbedingungen
Damit ein Voicebot tatsächlich nützlich ist, müssen neben einer guten Sprachtechnologie weitere Voraussetzungen erfüllt sein. Dazu zählen klare Zuständigkeiten in der jeweiligen Verwaltung. Wenn eine Kommune ein neues Voicebot-System einführen möchte, braucht es eine verantwortliche Person oder ein Team, die das Projekt koordinieren, die Pflege der Inhalte sicherstellen und als Ansprechpartner für alle dienen. Ohne diese zentrale Anlaufstelle droht das System zu scheitern. Zudem muss die Lösung an bestehende Systeme angebunden werden. Denn ohne den Zugriff auf Daten zum Beispiel aus dem Content-Management-System (CMS) kann ein Voicebot nur wenig ausrichten. Je stärker er in die Systemlandschaft integriert ist, desto besser kann er helfen.
Zu bedenken ist des Weiteren der Datenschutz. Sobald Künstliche Intelligenz und sensible Daten im Spiel sind, müssen Kommunen besondere Vorsicht walten lassen. Gleich zu Beginn gilt es zu klären, wo die Daten liegen, wer die Daten verarbeitet und welches KI-Modell auf die Daten zugreifen kann. Besonders gefragt sind Lösungen, bei denen Kommunen die volle Hoheit über ihre Sprach- und Textdaten behalten. Mehrere Anbieter setzen hier auf eine verschlüsselte Verarbeitung in europäischen Cloudumgebungen, um die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) zu erfüllen.
Realistische Erwartungen, konkreter Nutzen
Einige Kommunen setzen bereits seit Längerem Voicebots ein. Während der Corona-Pandemie beantworteten die digitalen Assistenten beispielsweise telefonische Anfragen zu Verordnungen, Impfungen oder Teststellen. Karlsruhe konnte so zeitweise über zwei Drittel der Anrufe automatisiert bearbeiten. Nach der Pandemie wurde die Lösung auf andere Bereiche wie das Einwohnermeldewesen ausgeweitet – mit positiven Rückmeldungen aus Bevölkerung und Verwaltung.
Heidelberg hat ebenfalls Erfahrungen mit dieser modernen Kommunikationsart gesammelt. Der Bot war dort an die bestehende Infrastruktur angebunden und wurde gezielt auf häufige Anfragen trainiert. Der Schlüssel zum Erfolg waren realistische Erwartungen, ein klarer Projektfokus und eine technische Lösung, bei der klar definiert war, wo welche Daten sicher gespeichert werden.
Voicebots oder KI-Agenten sind kein Ersatz für eine persönliche Beratung. Das sollen sie auch nicht sein. Vielmehr sind sie ein Werkzeug, mit dem wiederkehrende Aufgaben effizienter erledigt werden können, wodurch mehr Spielraum für komplexere Anliegen entsteht. Entscheidend ist, dass die Bots nicht als Hype-Technologie, sondern als Teil einer strategischen Digitalisierungsplanung verstanden werden. Wer Prozesse, Inhalte und die Datenbasis im Griff hat, kann mit KI im Allgemeinen und einem Voicebot im Besonderen viel erreichen – und damit auch ein Stück Bürgernähe zurückgewinnen.
Prosoz: Workshop zum Projekt SMARD-Gov
[24.04.2026] Einen Online-Workshop zum datenschutzkonformen Einsatz von KI in der öffentlichen Verwaltung veranstaltet das Unternehmen Prosoz. Hintergrund ist das Forschungsprojekt SMARD-Gov. mehr...
Tübingen: KI für Wohngeld im Test
[23.04.2026] In Tübingen können sich Studierende beim Ausfüllen des Wohngeldantrags jetzt KI-Unterstützung holen. Die Testphase läuft noch bis 1. Mai. Denkbar sind perspektivisch eine Übertragung auf weitere Anträge für soziale Leistungen sowie eine Nachnutzung durch andere Kommunen. mehr...
Prosoz / Intric: KI für sensible Bürgerdaten
[23.04.2026] Prosoz und Intric pilotieren gemeinsam eine souveräne KI-Infrastruktur in deutschen Kommunalverwaltungen. Der Pilot umfasst die KI-gestützte Transkription und Dokumentation in Fachbereichen mit sensiblen Bürgerdaten in mehreren deutschen Städten. mehr...
Prozessautomatisierung: 17 Kommunen pilotieren KI
[22.04.2026] Mit dem Agentic AI Hub etabliert das BMDS eine Schnittstelle zwischen öffentlicher Verwaltung und jungen KI-Firmen. Im Rahmen des bundesweiten Pilotprojekts sollen administrative Routinen in technische Prototypen übersetzt und von KI-Systemen abgearbeitet werden - in ganz unterschiedlichen Bereichen. mehr...
Kreis Roth: Start für die Digitale Bürgerwabe
[22.04.2026] Künstliche Intelligenz unterstützt Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Roth künftig bei Behördengängen. Die Digitale Bürgerwabe verbindet elektronische Verwaltung und Vor-Ort-Service und hilft etwa beim Ausfüllen von Formularen. Eingesetzt wird der Prototyp zunächst für den Antrag auf Wohngeld. mehr...
Smart CJM: Intelligente Terminbuchung
[22.04.2026] Ein KI-gestütztes Customer-Journey-Management für die öffentliche Verwaltung hat jetzt das Unternehmen Smart CJM mit seiner neuen Plattform Smart NexCX im Angebot. Im Zusammenspiel mit der Komponente Smart Connect AI soll sie Kommunen unter anderem eine effiziente Terminplanung ermöglichen. mehr...
Oberhausen: Innovative Zusammenarbeit für KI
[20.04.2026] Die Stadt Oberhausen hat gemeinsam mit anderen Kommunen und IT-Dienstleistern eine Kooperationsgemeinschaft für KI-Lösungen aufgebaut. Für das Projekt KommI wurde die Stadt jetzt vom Land Nordrhein-Westfalen mit dem Preis für innovative interkommunale Zusammenarbeit gewürdigt. mehr...
Schwentinental: Planungs-KI von Dataport
[20.04.2026] Der IT-Dienstleister Dataport hat eine Planungs-KI für die Stadt Schwentinental entwickelt. Finanzielle Unterstützung kam vom Land Schleswig-Holstein im Rahmen des Programms Offene Innovation. mehr...
Nürnberg: Ruft! Uns! An!
[17.04.2026] Die Stadt Nürnberg ist gerade damit befasst, einen KI-gestützten Voicebot einzuführen, der rund um die Uhr Auskünfte zu Verwaltungsleistungen erteilen soll. Bürgerinnen und Bürger wirkten mit: In einer Probephase wurden Rückmeldungen gesammelt und umgesetzt und der Bot weiter trainiert. mehr...
SYNQONY: Voicebot für die Abfallwirtschaft
[13.04.2026] Einen KI-Voicebot für die kommunale Abfallwirtschaft hat das Unternehmen SYNQONY entwickelt. Derzeit wird der digitale Abfallberater Qonny in einem Pilotprojekt mit dem Kreis Leer getestet. mehr...
Niederrhein: Interkommunal zu KI
[09.04.2026] Fünf Niederrhein-Kommunen haben gemeinsam einen datenschutzkonformen KI-Assistenten zur internen Nutzung beschafft. Die Nachnutzung durch weitere Kommunen ist möglich. mehr...
Kreis Dithmarschen: Pionier für LLMoin
[09.04.2026] Den von Hamburg und Dataport entwickelten KI-Textassistenten LLMoin nutzt nun auch der Kreis Dithmarschen - und ist damit ein Pionier in Schleswig-Holstein. mehr...
Voiceagent: Lotse durch den Prozessdschungel
[30.03.2026] Das Unternehmen Onlim hat einen dialogfähigen Voiceagent entwickelt. Im Interview erklärt Marc Isop, Chief Revenue Officer bei Onlim, welche Vorteile die Lösung kommunalen Servicecentern bringt und für welche Anwendungsfälle sie besonders geeignet ist. mehr...
Stade: 24/7 auch telefonisch
[27.03.2026] Die Stader Stadtverwaltung ist jetzt 24 Stunden täglich telefonisch erreichbar. Möglich macht das ein Voicebot, eine Weiterentwicklung des Chatbots Käpt’n Knut. mehr...
Gersthofen: Gersti und CAIA helfen
[26.03.2026] Die Stadt Gersthofen nutzt KI unter anderem für Gersti, einen 24/7-Assistenten für Bürgerservice und Verwaltungsanliegen, und für CAIA, einen lebensgroßen Avatar im Hallenbad. Diese beiden Werkzeuge ebnen den Weg für weitere KI‑unterstützte Prozesse. mehr...






















