Montag, 22. Juni 2026

InterviewAusbau auf Augenhöhe

[25.10.2022] Beim Glasfaserausbau sollten Kommunen langfristig denken, plädiert Manfred Maschek, Geschäftsführer von BBV Deutschland. Wichtig sei, einen Anbieter zu finden, der sich nicht nur die Rosinen herauspickt, sondern als Partner auf Augenhöhe agiert.
Manfred Maschek

Manfred Maschek, Geschäftsführer von BBV Deutschland

(Bildquelle: BBV Deutschland)

Herr Maschek, beim Glasfaserausbau werden bundesweit der oft schleppende Ausbau und Schäden kritisiert. Wie sehen Sie das Thema?

Jeder, der schon einmal gebaut hat, weiß, dass es dabei Herausforderungen geben kann. Ich vergleiche den flächendeckenden Breitbandausbau in einer Kommune gerne mit einer Operation am offenen Herzen. BBV Deutschland baut jede Straße aus und errichtet für alle eine völlig neue und komplett von uns bezahlte In­frastruktur. Ein Grund für den scheinbar schleppenden Ausbau sind der Umfang und die Dauer der Genehmigungsverfahren. Allein im Neckar-Odenwald-Kreis bauen wir über 40.000 Strecken. Wobei mit einer Strecke durchaus zehn oder mehr Genehmigungsbehörden befasst sein können. Das meiste davon findet dann noch analog statt, da wir die dringend benötigten Autobahnen für die Digitalisierung ja gerade erst bauen. Oft stimmen Dokumentationen über die verlegte Infrastruktur nicht oder es gibt aus unterschiedlichen Gründen an der ein oder anderen Stelle tatsächlich Probleme mit einem unserer Tiefbauer.

Wie gehen Sie diese Herausforderungen an?

Vieles lässt sich durch enge Abstimmungen mit den Kommunen und deren Bauamt, etwa durch wöchentliche Jours fixes, gemeinsam meistern. Ebenso wichtig ist die stetige Information der Bevölkerung über den Ausbau vor Ort. Angesichts von über 80 Kommunen, in denen wir ausbauen oder noch ausbauen wollen, optimieren wir die Kommunikationskanäle und investieren in Fachpersonal. Und entsprechen die beauftragten Tiefbaufirmen nicht unseren Ansprüchen hinsichtlich Qualität und Leistung, tauschen wir diese aus.

Welche Besonderheiten zeichnen das Unternehmen BBV darüber hinaus aus?

Wir sind sehr erfahren und entwickeln uns durch Partnerschaften auf Augenhöhe mit den Kommunen fortdauernd weiter. Wenn wir neu in einen Landkreis, in eine Stadt oder Gemeinde kommen, sind wir mit unseren toni Glasfaserprodukten am Anfang oft wie ein Alien, den man von allen Seiten neugierig und zugleich offen beäugt. Dann schaffen wir im nächsten Schritt durch Angebote und Leistungen Vertrauen. Wichtig ist die Botschaft, dass wir gekommen sind, um zu bleiben. Wir handeln als lokaler Partner, stellen Mitarbeitende aus der Region und arbeiten mit den Vereinen, Stadtwerken und der Wohnungswirtschaft eng zusammen. Hinzu kommt unser soziales Engagement. Erst kürzlich haben wir im Rahmen eines Nachhaltigkeitswettbewerbs überschreitend in sechs Landkreisen 35.000 Euro an 20 Vereine und Schulen vergeben.

„Förderung ist immer dort sinnvoll, wo der Markt versagt. Aber auch nur dort.“
Was raten Sie Kommunen, die das Thema Breitbandausbau angehen wollen?

Denkt langfristig. Ein zentrales Thema ist Nachverdichtung. Manche Netzbetreiber suchen sich Rosinen und Filetstücke für den Ausbau heraus und bauen manchmal sogar nur eine Straßenseite. Der Rest bleibt liegen. Und ob das ausbauende Unternehmen später noch einmal den weiteren Ausbau vornimmt, ist fraglich. Das ist nicht im Interesse einer Kommune. Die Alternative ist ein sanfter, zukunftsorientierter Ausbau, der langfristig niemanden im Stich lässt. Wir bauen flächendeckend und jede Straße so aus, dass wir später bei einer Nachvermarktung Haushalte ohne hohen Aufwand anschließen können. So müssen Bürgersteige oder Straßen bis auf minimale Ausnahmen nicht noch einmal geöffnet werden.

Viele Kommunen leiten derzeit Markt­erkundungsverfahren ein und möchten sich Fördergelder für den Ausbau sichern. Befürchten Sie einen Förder-Tsunami?

Förderung ist immer dort sinnvoll, wo der Markt versagt. Aber auch nur dort. Die Kommunen und ausbauwilligen privatwirtschaftlichen Netzbetreiber benötigen eine eng abgestimmte Verzahnung und einen geförderten Ausbau mit Augenmaß. Wenn es ab 2023 der beihilferechtliche Rahmen zulässt, ohne Aufgreifschwelle auch solche Haushalte zu fördern, die bereits mit 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) versorgt sind, befürchte ich in der Tat eine Riesenwelle an Markterkundungs- und Förderverfahren.

Hemmt dies den Ausbau?

Ja. Die Verfahren dauern Jahre, belasten die Haushalte der Kommunen und Fördergelder sorgen für zusätzliche Nachfrage nach ohnehin knappen Tiefbaukapazitäten und Ressourcen. Keiner weiß zudem, wie groß der Kuchen eigentlich ist, der verteilt wird. Und wenn dann vielleicht in einigen Jahren tatsächlich Geld kommt, droht geförderter Überbau von Glasfaserinfrastrukturen, die zwischenzeitlich bereits von privaten Investoren gebaut wurden. Wenn wir eine Kommune oder Region in Angriff nehmen, haben wir dort immer unsere Vermarktungsziele erreicht und bauen flächendeckend aus. Daher plädieren wir für eine enge Abstimmung und Konzentration der Mittel und Ressourcen auf das wirklich Benötigte.

Interview: Thomas Fuchs, Geschäftsführer fuchs media consult, Gummersbach


Stichwörter: Breitband,


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Breitband
eine Reihe von Personen vor dem Gothaer Rathaus

Gotha: Pilot für schnelleren Glasfaserausbau

[12.06.2026] In einem gemeinsamen Pilotprojekt setzen die Stadt Gotha und die Telekom auf weniger Bürokratie und mehr Zusammenarbeit beim Glasfaserausbau. Dafür hat die Stadt eigens ein Projektbüro eingerichtet, das Genehmigungen bündelt und den Ausbau koordiniert. 
 mehr...

Telekom: Erweiterung des Glasfaserangebots durch Kooperation

[01.06.2026] Die Telekom öffnet ihre Glasfaserangebote für die Netze von e.discom und WEMACOM in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Rund 220.000 Haushalte sollen dadurch mehr Anbieterauswahl erhalten, während die Branche die Kooperation als Signal gegen kostspieligen Doppelausbau wertet. mehr...

Vier Männer auf einem Steg, im Hintergrund Wasserfläche und frisch renovierte bzw. neu gebaute mehrgeschossige Häuser.

Münster: Digitaler Begegnungsort am Hafen

[29.05.2026] Der Stadthafen am Dortmund-Ems-Kanal in Münster wandelt sich vom gewerblich genutzten Gebiet hin zu einem Ausgeh- und Dienstleistungsviertel. Das dortige kostenfreie WLAN steht nun ab sofort in weiteren Bereichen zur Verfügung. mehr...

Netzverteiler in Außengehäuse
bericht

Glasfaserausbau: Regional erfolgreich

[27.05.2026] Die Glasfaseranbieter lünecom und sewikom versorgen im Norden Deutschlands insbesondere ländliche Regionen mit schnellem Internet. Dabei sind die Präsenz vor Ort, lokales Know-how sowie die Kommunikation mit den Kommunen erfolgsentscheidend. mehr...

Stadtansicht von Berlin mit magentafarbenen Lichtelementen

Berlin: Eine Million Glasfaseranschlüsse

[21.05.2026] Beim Gigabitausbau in Berlin hat die Deutsche Telekom vorzeitig einen wichtigen Meilenstein erreicht: Eine Million Haushalte kann jetzt Glasfaser bis ins Haus oder die Wohnung erhalten. mehr...

Klausurhof Kloster Ilsenburg mit Schafen

Ilsenburg: Land fördert freies WLAN

[19.05.2026] Im Kloster Ilsenburg können Besucher künftig zuverlässig auf multimediale Angebote zugreifen. Mit Förderung des Landes Sachsen-Anhalt wurde ein öffentliches WLAN installiert. 
 mehr...

Verschiedene Personen mit Schaufel bei symbolischem Spatenstich

Lichtenau: Baustart für Giganetz

[15.05.2026] Über ein stabiles Internet mit Gigabit-Geschwindigkeit können sich in Zukunft Bürger und Unternehmen in Lichtenau freuen. Die Gemeinde ist die erste, die vom geförderten Glasfaserausbau im Landkreis Mittelsachsen profitiert. 
 mehr...

bericht

ANGA COM: Lösungen finden

[13.05.2026] Auf der ANGA COM, Europas führender Kongressmesse für Breitband, Medien und Konnektivität, treffen sich auch in diesem Jahr in Köln Netzbetreiber, Ausrüster und Inhalteanbieter zu allen Fragen der Breitband- und Mediendistribution. mehr...

Osnabrück: Noch mehr OSNA Hot Spots

[08.05.2026] Die Stadt Osnabrück weitet ihr WLAN-Angebot aus und stellt 25 weitere OSNA Hot Spots zur Verfügung. mehr...

Bagger verlegt Glasfaser, sewikom versorgt den ländlichen Raum mit Glasfaser

sewikom: Glasfaser für Digitale Dörfer

[15.04.2026] Was im Dorf digital läuft, braucht Glasfaser. Der Anbieter sewikom hat fast 40 Prozent der geförderten Digitalen Dörfer in Nordrhein-Westfalen an sein Netz angeschlossen. mehr...

Eine größere Personengruppe steht in einem Raum für ein Foto versammelt und halten in den Händen Förderurkunden für den Breitbandausbau in Baden-Württemberg.

Baden-Württemberg: 231 Millionen Euro für Breitbandausbau

[22.01.2026] Baden-Württemberg unterstützt mit insgesamt über 231 Millionen Euro weitere 29 Projekte des kommunalen Breitbandausbaus. Mit den Ende des vergangenen Jahres zugestellten Förderbescheiden konnten die landesseitig für das Haushaltsjahr 2025 zur Verfügung gestellten Mittel vollständig gebunden werden. mehr...

Eine Frau steht zwischen zwei Männern und hält die Förderurkunde für den Landkreis Gießen in den Händen.

Kreis Gießen: Breitbandausbau auf der Zielgeraden

[21.01.2026] Dank der Gigabitförderung 2.0 des Bundes kann der Landkreis Gießen die finale Phase des Breitbandausbaus einleiten. Die Förderung soll Lücken des eigenwirtschaftlichen Glasfasernetzausbaus durch Telekommunikationsunternehmen schließen. Dadurch könnten im Kreis Gießen in den kommenden Jahren 8.200 Anschlüsse hergestellt werden. mehr...

Glasfaserkabel schauen aus der Erde

Saarland: Breitband-Portal in jeder zweiten Kommune

[14.01.2026] Das Saarland war eines der ersten Bundesländer, die das Breitband-Portal eingeführt hatten. Damit soll die Bearbeitung von Anträgen zur Leitungsverlegung erheblich vereinfacht und beschleunigt werden. Kommunen, die das Portal einführen wollen, erhalten Unterstützung vom Land. mehr...

ANGA COM: Erweitertes Programm

[08.12.2025] Die Messe ANGA COM kündigt für 2026 ein erweitertes Programm mit neuen Formaten und prominenter politischer Beteiligung an. Bundesminister Karsten Wildberger hält die Eröffnungskeynote und nimmt am traditionellen Gigabitgipfel teil. mehr...

Blick auf den CampingPark in Kalletal von oben, die Anlage ist direkt am Wasser.

Kalletal: Campen mit fünf Gbit/s

[21.11.2025] Mit glasfaserschnellem Internet hat das Unternehmen sewikom den Campingpark in Kalletal ausgestattet. Die bereits bestehenden 2.000 Mbit/s wurden auf 5.000 Mbit/s erhöht. Zudem können nun mehr als 2.000 Kalletaler Haushalte ebenfalls mit Glasfaser versorgt werden. mehr...