Sonntag, 1. März 2026

OldenburgBUKI verbessert Service

[06.02.2025] Die Stadt Oldenburg hat gemeinsam mit dem Informatikinstitut OFFIS erprobt, wie sich die Dokumentenausfüllung basierend auf KI bürgerfreundlicher gestalten lässt. Von den Ergebnissen können auch andere Kommunen profitieren.
Eine Personengruppe steht in einem Besprechungsraum, im Hintergrund sind unterschiedliche Präsentationsfolien und -Poster rund um das BUKI-Projekt zu sehen.

BUKI Projekt-Team mit Landes-CIO Horst Baier bei der Abschlussveranstaltung.

v.l. (hinten): Fynn Horstmannshoff, Stadt Oldenburg; Timo von Reeken, OFFIS e.V.; v.l. (vorne): Dr.-Ing. Larbi Abdenebaoui, Thi Mai Linh Nguyen, Filip Wojciak, Saja ­Aljuneidi, OFFIS e.V.; Dr. Horst Baier, CIO des Landes Niedersachsen; Dr. Julia Masurkewitz-Möller, Stadt Oldenburg

(Bildquelle: Christoph Ernst, OFFIS e.V.)

Künstliche Intelligenz beschreibt den Prozess, dass von Menschenhand erschaffene Technologie in der Lage ist, eigenständig Probleme zu lösen und zu lernen. So lassen sich künftige Herausforderungen effizienter bewältigen. Diese neuen Möglichkeiten wurden in der Stadt Oldenburg in einem ersten Projekt erprobt. Die „Bürgerfreun­dliche Dokumentenausfüllung ba­sierend auf KI“ (BUKI), gefördert durch die Civic Innovation Plattform, startete Anfang vergangenen Jahres (wir berichteten). Ziel war es, bis Ende 2024 einen Prototyp einer virtuellen Beratung zu entwickeln, welche die Menschen in Oldenburg beim Ausfüllen von Antragsformularen unterstützt.  Als erstes Anwendungsbeispiel dient die Beantragung eines Wohnberechtigungsscheins. Für die Wahl dieses Antrags spielte eine Rolle, dass er in größerer Anzahl gestellt wird und weder zu einfach noch sehr komplex ist. Die Ergebnisse des Projekts lassen sich jedoch auch auf andere Anträge anwenden.

Von den im Projekt gesammelten Erfahrungen sollen sowohl die Antragstellenden als auch die Verwaltung profitieren. Eine auf KI basierende, intuitive Dialogführung leitet die Nutzenden sicher durch den gesamten Antragsprozess. Die KI kann dabei in verschiedenen Sprachen helfen, Textfelder erläutern, häufige Fragen beantworten und Angaben auf Vollständigkeit und Plausibilität prüfen, bevor ein Antrag eingereicht wird. Als Ergebnis erhält der Nutzende einen vollständig ausgefüllten Antrag. Für die Beschäftigten in der Verwaltung entsteht so weniger Arbeitsaufwand, da fehler- oder lückenhaft ausgefüllte Anträge und dadurch notwendig werdende Rückfragen entfallen.

Menschenzentriertes Design

In dem Projekt haben das Informatikinstitut OFFIS und die Stadt Oldenburg zusammengearbeitet. Die Wohnungsgesellschaft GSG Oldenburg beteiligte sich als assoziierte Partnerin. Die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Wissenschaft für KI-Innovationen im Sozialen hat sich dabei als bereichernd für beide Seiten herausgestellt.

Den Kern der Entwicklung bildete das menschenzentrierte Design. Um das Prinzip zu verwirklichen, wurde eine Umfrage durchgeführt, welche die Herausforderungen im Umgang mit dem Antrag zu ermitteln und das Interesse an einem KI-basierten Antragsassistenten zu erfassen suchte. Dabei zeigte sich, dass das Interesse an einer solchen Lösung groß ist. Zusätzlich wurden verschiedene Workshops mit Bürgerinnen und Bürgern sowie Verwaltungsbeschäftigten durchgeführt. Im ersten Workshop wurden so genannte Personas entwickelt – beispielhafte Profile möglicher Nutzerinnen und Nutzer des Systems. Diese dienten dazu, das System im weiteren Verlauf des Projekts an die unterschiedlichen Bedürfnisse der Nutzenden anzupassen. Um die Schwierigkeiten und Herausforderungen mit dem aktuellen Antragsprozess noch besser zu verstehen, wurden die im direkten Bürgerkontakt stehenden Sachbearbeitenden der Stadt Oldenburg eng einbezogen.

Nach der Ermittlung der Anforderungen stand die technische Entwicklung des Prototyps im Vordergrund. Dazu wurde ein Chatbot entwickelt, der moderne KI-Techniken wie große Sprachmodelle und Retrieval-Augmented-Generation (RAG), eine Technologie zum Verarbeiten von Dokumenten durch Sprachmodelle, einsetzt. Mit dieser Technik kann der KI-Assistent häufige Fragen zum Antragsprozess, aber auch Verständnisfragen zu einzelnen Begriffen beantworten oder für die Bearbeitung des Antrags nötige Angaben liefern. Die neue Technik funktioniert bedeutend besser als einfache Chatbots, die bis vor Kurzem eingesetzt wurden und auf vorprogrammierten Antworten basierten.

Intuitiv und rechtskonform

Ein anderer wichtiger Aspekt des Projekts war es, die Unterstützung möglichst intuitiv zu entwickeln. In einem zweiten Schritt wurde daher der Chatbot verbessert, sodass dieser nun intelligent jeweils die nächste Angabe erfragt und Angaben aus dem Dialog direkt erfasst. Damit mögliche Fehler auch korrigiert werden können, haben die Nutzerinnen und Nutzer jederzeit die Möglichkeit, die Angaben zu überprüfen. Als dritte Komponente wurde eine aktuelle Bilderkennungssoftware integriert, die Text aus Dokumenten, beispielsweise einem Lohnbescheid, erkennen und automatisch eintragen kann. Damit entfällt für die Nutzerinnen und Nutzer das mühsame Suchen nach den richtigen Informationen. Die neuen Funktionen wurden im Laufe des Projekts immer wieder mit Nutzenden getestet.

Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts war die Untersuchung von ethischen Anforderungen, damit entsprechende Standards und die Rechtskonformität bei der möglichen künftigen Nutzung von KI im öffentlichen Sektor stets oberste Priorität haben. Dazu wurden Bürgerinnen und Bürger wie auch Verwaltungsbeschäftigte eingebunden, um die möglichen Verbesserungen und Bedenken hinsichtlich des Einsatzes eines Systems wie BUKI zu erkunden. Dabei wurden wichtige Erkenntnisse festgehalten: Die Beteiligten betonten die Notwendigkeit von Gleichberechtigung und Fairness beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz wie auch die Chancen bei der Verbesserung der Effizienz in der Verwaltung. Zudem war es den Beteiligten wichtig, die Eigenständigkeit von Menschen durch KI zu verbessern, indem ein leichterer Zugang zu Leistungen ermöglicht wird. Risiken, wie zum Beispiel einer hohen Abhängigkeit von Technik, den Themen Sicherheit und Datenschutz oder negativen Einflüssen auf Nachhaltigkeitsziele durch den Energieverbrauch von KI-Anwendungen, wurde ebenfalls Beachtung geschenkt. Die Ergebnisse aus den Workshops flossen in die weitere Entwicklung des Prototyps ein und stehen auch durch Publikationen von OFFIS bald anderen Kommunen und Interessierten zur Verfügung.

Relevante Erfahrungen gesammelt

Die Projektergebnisse wurden am 10. Dezember 2024 in Oldenburg einem Publikum aus Bürgerinnen und Bürgern, Vertreterinnen und Vertretern der Verwaltung sowie des Landes Niedersachsen präsentiert. Bevor die Anwendung in den realen Betrieb übergehen kann, stehen noch zwei zentrale Fragen im Fokus: Zum einen die rechtlichen Aspekte der KI-generierten Auskünfte und zum anderen, ob und wie KI-basierte Assistenten künftig in die allgemeinen Bestrebungen der Verwaltungsdigitalisierung von Bund und Ländern im Rahmen des Onlinezugangsgesetzes (OZG) integriert werden können. Die Projektbeteiligten sind sich einig: In Oldenburg konnten durch BUKI wertvolle Erfahrungen über mögliche Einsatzbereiche von KI gesammelt werden, die auch für andere Kommunen relevant sind.

Fynn Horstmannshoff ist wissenschaftlicher Projektmitarbeiter BUKI in der Stabsstelle Digitalisierung und Nachhaltigkeit der Stadt Oldenburg.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Künstliche Intelligenz
Mehrere Personen stehen nebeneinander, im Hintergrund sind Aussteller des eGo-Saar und von Gerda BürKI zu sehen.
bericht

Gersheim: Mehr Service mit Gerda

[27.02.2026] Die Gemeinde Gersheim hat gemeinsam mit dem Zweckverband eGo-Saar einen KI-Chatbot pilotiert, der die Verwaltung entlastet und den Bürgerservice verbessert. Der Prototyp kann künftig in allen saarländischen Kommunen eingesetzt werden. mehr...

Eine Person tippt auf einer Computertastatur.

Hagenow: KI für Kommunikation und Wachstum

[27.02.2026] Ein KI-gestütztes Redaktionssystem und ein Business-Chatbot unterstützen ab sofort die externe Kommunikation der Stadt Hagenow. Mit dem Redaktionssystem können verschiedene Online-Inhalte schneller erstellt werden, während der Chatbot im Bereich der Wirtschaftsförderung zum Einsatz kommt. Entstanden sind beide Projekte in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Go Reply und der Google Cloud. mehr...

Frau in einem hellen Büro starrt mit genervtem Gesichtsausdruck auf einen Computerbildschirm

Bremen: KI-Assistenz für Behördendienste

[25.02.2026] Der Bremer Senat stellt 500.000 Euro für einen KI-Assistenten im Serviceportal bereit. Die Anwendung soll Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen künftig verlässlich durch Verwaltungsleistungen führen und den Zugang zu digitalen Angeboten gezielt erleichtern. mehr...

KI_Werkstatt_LL_Bildschirm und Tastatur auf Tisch

IT-Verbund Landsberg: KI-Werkstatt eröffnet

[25.02.2026] Um konkrete Anwendungsbeispiele für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Verwaltung zu entwickeln, hat der IT-Verbund Landsberg eine KI-Werkstatt ins Leben gerufen. mehr...

Screenshot von Chatbot Lio, der als Löwe dargestellt wird.

Braunschweig: Chatbot Lio unterstützt Besucher

[23.02.2026] Mit Chatbot Lio will die Stadtverwaltung Braunschweig den Zugang zu ihren Dienstleistungen erleichtern. Der digitale Assistent steht rund um die Uhr auf der kommunalen Website zur Verfügung und kann ohne Registrierung genutzt werden. Der persönliche Kontakt bleibt dennoch ein zentraler Bestandteil des städtischen Serviceangebots. mehr...

Mehrere Personen stehen nebeneinander und präsentieren den Förderbescheid für den Heidekreis.

Heidekreis: Niedersachsen fördert KI-Strategie

[18.02.2026] Der Heidekreis will eine Strategie für den verantwortungsvollen Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Verwaltung entwickeln und diese später mit anderen Kommunen teilen. Er lässt sich dabei vom Kompetenzaufbau bis hin zur Umsetzung wissenschaftlich begleiten und erhält dafür eine Förderung von rund 40.500 Euro aus dem Programm Zukunftsregionen in Niedersachsen. mehr...

Screenshot der Hanauer Startseite mit zentral platziertem Suchfeld des Chatbots HUgo.

Hanau: HUgo weiß die Antwort

[18.02.2026] Mit Chatbot HUgo ergänzt die Stadt Hanau ihr Informationsangebot auf der kommunalen Website. Der digitale Assistent kennt sich mit Behördenöffnungszeiten, Zuständigkeiten und Servicethemen aus. Für die Antworten fasst er Inhalte des Stadtportals zusammen. mehr...

Der Chatbot der Hansestadt Stade hat das Aussehen eines Kapitäns.

Stade: Käpt’n Knut soll noch besser werden

[13.02.2026] Seit Januar unterstützt Chatbot Käpt’n Knut in der Hansestadt Stade den Kundenservice seitens der Verwaltung. Im ersten Monat haben knapp 900 Personen den Chatbot genutzt und fast 2.000 Nachrichten ausgetauscht. Erste Tests zur Entgegennahme von Anrufen durch Käpt’n Knut laufen bereits. mehr...

Kommunale Services mit KI-Komponenten verbessern.

ÖFIT: Nachnutzung generativer KI-Systeme

[13.02.2026] Eine ÖFIT-Untersuchung zeigt: Die Nachnutzung bestehender generativer KI-Systeme in Bund, Ländern und Kommunen ist möglich, die Schaffung einer Plattform für alle Akteure aber schwierig. Stattdessen empfiehlt die Studie eine gemeinsame Referenzarchitektur, basierend auf den Nutzerbedarfen. mehr...

Roboterhand tippt auf einem Computerkeyboard

Dataport/IBM: KI-gestützter Transkriptionsservice

[12.02.2026] Ob in der Justiz, im Amt oder im Bildungsbereich: In der öffentlichen Verwaltung wird viel besprochen, manuell transkribiert und dokumentiert. Das bindet Ressourcen. Dataport stellt eine KI-Lösung vor, die diese Arbeit erleichtert – und die speziell für den öffentlichen Sektor ausgelegt ist. mehr...

Eine Frau sitzt mit Headset über einer PC-Tastatur, im Vordergrund sind die Umrisse eines die künstliche Intelligenz symbolisierenden Gehirns zu sehen.

Kreis Viersen: Sprach-KI nimmt Anrufe entgegen

[09.02.2026] Eine digitale Sprachassistentin beantwortet jetzt beim Abfallbetrieb des Kreises Viersen (ABV) die Anrufe der Bürgerinnen und Bürger. Die Künstliche Intelligenz greift dazu auf einen endlichen Wissensspeicher zurück und lernt ständig dazu. mehr...

Montage: Schreibtisch, Laptops, Hände von Jacketttragenden Männern, Überlagerung mit diversen IT-Icons

Künstliche Intelligenz: KI-Marktplatz MaKI startet

[04.02.2026] Mit dem bundesweiten KI-Marktplatz MaKI startet eine zentrale Plattform für den Austausch von KI-Anwendungen in der Verwaltung. Der MaKI schafft erstmals einen ebenenübergreifenden Überblick über KI-Anwendungen in Bund, Ländern und Kommunen und erleichtert deren gemeinsame Nutzung. mehr...

Porträtaufnahme von Alexander Stricker.

Künstliche Intelligenz: Avatare für Barrierefreiheit

[03.02.2026] Das Unternehmen alangu hat sich auf die Entwicklung von KI-gestützten 3D-Gebärdensprach-Avataren spezialisiert. Wie diese gehörlosen Menschen den Zugang zur digitalen Welt erleichtern, erläutert Geschäftsführer Alexander Stricker im Kommune21-Interview. mehr...

Mehrere Personen stehen zum Gruppenfoto versammelt auf einer Treppe, halten den Fördermittelbescheid und ein Banner mit der Aufschrift Echtzeit-Frühwarnsystem in den Händen.

Interkommunaler Hochwasserschutz: KI-gestütztes Frühwarnsystem

[30.01.2026] Die Arbeitsgemeinschaft Solidarischer Hochwasserschutz will entlang des Flusses Paar ein Echtzeit-Frühwarnsystem aufbauen, das auf Sensortechnik, Satellitendaten und Künstlicher Intelligenz basiert. Ziel ist eine frühzeitige Warnung der Bürger und Einsatzkräfte über mehrere Plattformen. mehr...

Eine Roboterhand bedient ein Touchdisplay.

KI: In risikoarmer Umgebung testen

[30.01.2026] Kommunen können geplante KI-Anwendungen nun vorab in einer geschützten Umgebung testen. Die von Ewerk Consulting bereitgestellte Infrastruktur basiert auf in Deutschland betriebenen Servern sowie Open-Source-Komponenten. mehr...