Digitale BarrierefreiheitKI-Avatare sprechen Gebärdensprache

KI-Avatar: Fotorealismus wird bewusst vermieden, um das sogenannte Uncanny Valley zu umgehen.
(Bildquelle: alangu GmbH)
Für viele Gehörlose stellt Schriftsprache eine Hürde dar, weil sie über das Hören erlernt wird. Gebärdensprache dagegen ist visuell, arbeitet mit anderen grammatikalischen Strukturen und konzentriert sich auf das Wesentliche. Deshalb ist es entscheidend, digitale Informationen auch in Gebärdensprache bereitzustellen. Alexander Stricker, Geschäftsführer der Firma alangu, kam zu dieser Erkenntis bereits im Jahr 2003 nach einer Begegnung mit einem gehörlosen Mann, der den Wunsch nach einem Gebärdensprach-Avatar für Chatbots äußerte. Stricker sagt: „Schriftsprache ist für Gehörlose eine Art Fremdsprache. Diese Erkenntnis hat mich nicht mehr losgelassen.“
Im Jahr 2018 nahm er die Idee im Rahmen eines Forschungsprojekts wieder auf, diesmal mit moderner KI-Technologie. Partner waren das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), die Universität Augsburg, die Technische Hochschule Köln sowie die Unternehmen yomma und Ergosign. Gefördert wurde das Projekt vom Bundesforschungsministerium. Die positive Resonanz aus Kommunen und Industrie führte schließlich zur Gründung der Firma alangu.
Technik mit KI und Motion Capture
alangu nutzt moderne Kamera- und Motion-Capture-Technologien, um Bewegungsdaten zu erfassen und KI-Modelle zu trainieren, berichtet Stricker. So entstehen realistische 3D-Avatare, die Texte in Gebärdensprache übersetzen. Ein Baukastensystem erlaubt es Kommunen und Unternehmen, eigene Inhalte zu erstellen und automatisch Gebärdensprachvideos für Webseiten zu generieren. Darüber hinaus arbeitet alangu an Echtzeitübersetzungen. In Forschungsprojekten – etwa für Notruf-Leitstellen – wird getestet, wie bidirektionale Kommunikation funktionieren kann: Gehörlose sollen über ihr Handy Gebärden senden und gleichzeitig Übersetzungen über den Avatar empfangen können.
Die gehörlose Community fordert höchste Genauigkeit, da schon kleine Abweichungen in der Mimik oder Bewegung die Verständlichkeit beeinflussen. Deshalb optimiert alangu kontinuierlich das Mundbild und die Synchronisierung der Avatare. „Wir vermeiden Fotorealismus ganz bewusst, um das sogenannte Uncanny Valley zu umgehen – also den Punkt, an dem zu echt wirkende, aber nicht perfekte Figuren als unheimlich empfunden werden“, erklärt Stricker.
Barrierefreiheit als Innovationstreiber
Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz hat das Thema digitale Inklusion stärker ins Bewusstsein gerückt. Zwar spürt alangu noch keine deutlichen Umsatzsteigerungen durch die Industrie, doch Stricker sieht das Thema als gesellschaftliche Verantwortung und Innovationstreiber. Für dieses Engagement wurde das Unternehmen mit dem Corporate Digital Responsibility Award ausgezeichnet. Die Zusammenarbeit mit gehörlosen Fachkräften ist dabei ein zentraler Erfolgsfaktor. Sie erkennen visuelle Details, die Hörenden oft entgehen, und tragen wesentlich zur Weiterentwicklung der Avatare bei.
Positive Resonanz aus Kommunen
Mehr als 175 Kunden, darunter viele Kommunen, Jobcenter und Krankenkassen, nutzen laut Stricker bereits die alangu-Lösungen. Das Feedback sei positiv: Die automatisierten Gebärdensprachvideos machen digitale Services zugänglich und skalierbar. Während Verbände häufig menschliche Dolmetscher bevorzugen, schätzt die Basis der gehörlosen Community die neuen Möglichkeiten. Die Verständlichkeit der Avatare liegt bei rund 95 Prozent. alangu ersetzt keine Dolmetscher, sondern ergänzt sie – und schafft zugleich neue Berufsbilder für Gehörlose.
Zukunftsvision Gebärdensprach-Übersetzer
Langfristig will alangu einen Gebärdensprach-Übersetzer entwickeln, der so selbstverständlich funktioniert wie DeepL oder Google Translate. Dafür werden große Mengen spezialisierter Daten und neue KI-Modelle benötigt. Generative KI allein reicht laut Stricker nicht aus, da präzise Handstellungen, Mimik und Bewegungsdynamik ein spezielles Wissen erfordern. Das Unternehmen arbeitet deshalb an eigenen Transformer-Architekturen und Large Language Models. Diese könnten künftig auch in anderen Bereichen Anwendung finden – etwa in der Film- oder Spieleindustrie.
Hamburg: KI leitet E-Mails weiter
[17.09.2026] Hamburg setzt Künstliche Intelligenz ein, um eingehende E-Mails automatisch den zuständigen Stellen zuzuordnen. Die Lösung MailFWD ist bereits in sechs Fachbereichen im Einsatz und soll bis Ende 2026 mindestens 18 zentrale Postfächer unterstützen. mehr...
Axians Infoma: Online-Test zu KI-Reifegrad
[16.09.2026] Wo steht die eigene Verwaltung beim Einsatz Künstlicher Intelligenz? Ein neuer Online-Test von Axians Infoma soll Kommunen und Behörden eine erste Standortbestimmung ermöglichen und Ansatzpunkte für weitere Schritte aufzeigen. mehr...
Akademie der Deutschen Medien: Online-Konferenz zu KI in der Verwaltung
[16.09.2026] Wie lässt sich Künstliche Intelligenz sinnvoll und rechtssicher in der Behördenkommunikation einsetzen? Mit dieser Frage beschäftigt sich im November eine kostenfreie Online-Konferenz der Akademie der Deutschen Medien. Auch die Stadt München berichtet aus der Praxis. mehr...
Märkischer Kreis: KI-Assistentin geht ans Telefon
[15.09.2026] Der Märkische Kreis erweitert sein digitales Serviceangebot. Außerhalb der regulären Dienstzeiten beantwortet jetzt die KI-Telefonassistentin Emka Fragen von Bürgerinnen und Bürgern. Sie ist rund um die Uhr erreichbar und beherrscht mehr als 30 Sprachen. mehr...
Künstliche Intelligenz: Die Grenzen der Assistenzen
[14.09.2026] In der Debatte über KI in der Verwaltung steht meist die Frage im Mittelpunkt, was Maschinen können. Die aus rechtsstaatlicher Sicht viel wichtigere Frage lautet jedoch, was sie nicht dürfen. Diese Frage hat das Verwaltungsverfahrensgesetz längst beantwortet. mehr...
NEGZ-Herbsttagung: Impulse für die Verwaltungsdigitalisierung
[10.09.2026] Bei der Herbsttagung des NEGZ haben Fachleute aus Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft aktuelle Fragen der Verwaltungsdigitalisierung diskutiert. Im Mittelpunkt standen unter anderem EUDI-Wallet, Open Source, Künstliche Intelligenz und digitale Souveränität. mehr...
Advertorial: In 48 Stunden gestartet. In einem Quartal flächendeckend im Einsatz
[07.09.2026] Wie die Gemeinde Herzebrock-Clarholz ihre gesamte Verwaltung mit Ayunis Core KI-fit gemacht hat – und was andere Kommunen daraus lernen können. mehr...
Studie: Wie hoch ist der digitale Stress?
[03.09.2026] Eine bundesweite Studie zur digitalen Transformation in kommunalen Verwaltungen, welche die Stadt Osnabrück und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) durchführen, nimmt insbesondere die Perspektive der Beschäftigten in den Blick und untersucht den Status quo des digitalen Stresses. Für die anonyme Onlinebefragung werden noch Teilnehmer gesucht. mehr...
Hamm: Tom Hamme hilft weiter
[03.09.2026] Er ist rund um die Uhr erreichbar und spricht mehr als 100 Sprachen: Der KI-gestützte Chatbot Tom Hamme hilft ab sofort schnell und einfach mit Infos zu Leistungen und Angeboten der Stadt Hamm weiter. mehr...
Genesys: Neues Fördermitglied bei GovTech Deutschland
[01.09.2026] Das KI-Unternehmen Genesys ist dem Bündnis GovTech Deutschland beigetreten, das Verwaltungen auf allen Ebenen mit innovativen Technologieunternehmen und Forschungseinrichtungen vernetzt. Genesys will dazu beitragen, mit KI-gestützter Kommunikation und durchgängigen Service-Customer-Journeys öffentliche Institutionen zukunftsfähig zu machen. mehr...
Bayern: Hochwasserschutz mit KI
[27.08.2026] Bayern fördert den Ausbau eines KI-gestützten Frühwarnsystems von 28 Kommunen mit weiteren knapp 1,6 Millionen Euro. Mehr als 150 Messstationen und ein Digitaler Zwilling sollen Risiken durch Hochwasser, Starkregen und Trockenheit frühzeitig erkennen helfen. mehr...
Nordrhein-Westfalen: Test des KI-Assistenten NRW.Genius
[26.08.2026] Drei Pilotkommunen in Nordrhein-Westfalen erproben die KI-Verwaltungsassistenz NRW.Genius. Die Anwendung soll Beschäftigte beispielsweise der Stadt Essen unter anderem beim Auswerten, Durchsuchen und Erstellen von Texten unterstützen. mehr...
Interview: Mit Agenten Zeit sparen
[24.08.2026] lector.ai bietet eine Plattform zur automatisierten Verarbeitung von Behördenpost. Über das Pilotprojekt im Neckar-Odenwald-Kreis und die Teilnahme am Agentic AI Hub des Bundesdigitalministeriums sprach Kommune21 mit Unternehmensgründer Benjamin von Ardenne. mehr...
Dinslaken: Digitales Serviceangebot erweitert
[21.08.2026] Die Stadt Dinslaken erweitert ihr digitales Serviceangebot um neue Online-Dienste im Bürgerbüro und in der Ausländerbehörde. Erstmals prüft dabei auch eine KI hochgeladene Unterlagen, während eine Dokumentenbox die Abholung von Aufenthaltstiteln vereinfacht. mehr...
TSA Public Service/brainocons: Verwaltungswissen für KI-Assistenten
[20.08.2026] Statt Informationen in mehreren Systemen zu suchen, sollen Verwaltungsmitarbeitende sie künftig direkt über KI-Assistenten abrufen können. TSA Public Service und brainocons wollen dafür interne Wissensquellen mit laufend aktualisierten Verwaltungsinformationen verbinden. mehr...



















