NiedersachsenWie können Kommunen digitaler werden?

Dr. Alexander Georgiadis, CIO Niedersachsen und Silke Tessmann-Storch, Vorständin Dataport bei der Vorstellung des Abschlussberichts.
(Bildquelle: Dataport)
Ein paar Klicks auf der Bildschirmoberfläche, und der Antrag ist abgesendet: Für viele Bürgerinnen und Bürger fühlt sich die Verwaltung in den niedersächsischen Kommunen bereits modern an. Doch hinter den Kulissen zeigt sich nicht selten ein Bruch: Während die digitale Fassade steht, laufen die dahinterliegenden Verwaltungsprozesse oft noch analog.
Nun berichtet Dataport über das Projekt „Digitale Kommune Niedersachsen“. In dessen Rahmen wurde untersucht, wie Kommunen ihre Verwaltung trotz wachsender Aufgaben, demografischem Wandel und knapper Ressourcen zukunftsfähig aufstellen können. Dazu wurden von September 2023 bis Juli 2026 rund 250 Städte und Gemeinden strategisch bei der Transformation begleitet. Dabei sollten konkrete, umsetzbare Handlungsempfehlungen für Land und Kommunen erarbeitet werden. Als zentraler Digitalisierungspartner begleitete Dataport diesen Prozess gemeinsam mit dem Land Niedersachsen. Jetzt wurde der Abschlussbericht bei einer Digitalkonferenz mit Vertreterinnen und Vertretern aus rund 300 Kommunen vorgestellt.
Es gibt strukturellen Handlungsbedarf
Eine Reifegradanalyse mit rund 1.000 Befragten aus 209 Kommunen verdeutlicht die unterschiedlichen Entwicklungsstände. Während die technische Ausstattung solide bewertet wird – Hardware erreicht durchschnittlich 2,90 von 4 Punkten, Software 2,75 Punkte –, fallen die Werte in den organisatorischen Kernbereichen deutlich ab: Das Prozessmanagement liegt bei 1,14 von 4 Punkten, die Digitalstrategie bei 1,70 Punkten und die organisatorische Struktur bei 1,78 Punkten. Auch bei den Ressourcen verschieben sich die Prioritäten. Nur 3,45 Prozent der Kommunen sehen die technische Ausstattung als primären Engpass. Stattdessen nennen 56,9 Prozent den Bedarf an personellen Ressourcen und 50 Prozent den Mangel an finanziellen Mitteln als größte Hürden.
Zusammenarbeit sichert Handlungsfähigkeit
Der Abschlussbericht benennt vier zentrale Handlungsfelder, um den digitalen Wandel effizient zu gestalten. Er empfiehlt Land und Kommunen, verbindliche Architektur- und Standardisierungsvorgaben einzuführen, die interkommunale Zusammenarbeit zu vertiefen und zentrale Serviceangebote auszubauen. Außerdem sollen Online-Dienste durchgängig an die Fachverfahren angebunden werden. Ergänzend rät der Bericht zu einer landesweiten Qualifizierungsoffensive für Prozess- und Projektmanagement sowie zum Aufbau von KI-Kompetenz. Durch die Ende-zu-Ende-Digitalisierung sollen zudem Online-Anträge ohne Medienbruch in den Verwaltungen bearbeitet werden können.
„Erfolgreiche Digitalisierung entsteht im Schulterschluss von Land und Kommunen. Nur durch eine engere, verbindlichere Zusammenarbeit, klare Architekturvorgaben und den Aufbau zentraler Shared Services können wir trotz personeller und finanzieller Engpässe die Handlungsfähigkeit unserer Behörden sichern“, betont der CIO des Landes Niedersachsen, Alexander Georgiadis.
Erste Erfolge in der Digitalisierung
Erste Strukturen für die gemeinsame Umsetzung hat Niedersachsen bereits geschaffen. Seit September 2025 bündelt das Land seine Digitalisierungszuständigkeiten im Innenministerium. Dort arbeitet auch die Taskforce Digitalisierung, an der das Ministerium, IT.Niedersachsen, GovConnect und weitere Partner beteiligt sind. Ihr „Maschinenraum“ unterstützt die Kommunen beim Roll-out von Online-Diensten und bei der Anbindung an die jeweiligen Fachverfahren.
Nach Angaben von Dataport waren im August 2026 für 1.564 Verwaltungsleistungen landesweit Online-Dienste verfügbar, für weitere 861 zumindest in einzelnen Kommunen. Im Bitkom-Länderindex 2026 verbesserte sich Niedersachsen im Bereich Governance und Verwaltung gegenüber 2024 von Rang zwölf auf Rang vier.
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