Dienstag, 27. Januar 2026

SchwabmünchenBäume per Chip verwalten

[30.04.2019] Kommunen sind verpflichtet, verkehrssicherungsrelevante Objekte in regelmäßigen Abständen zu kontrollieren. Mit der Lösung EineStadt beschleunigt die Stadt Schwabmünchen den Dokumentationsprozess und gewinnt Zeit für die eigentliche Inspektion.
Der Kontrolleur liest mit seinem Tablet einen NFC-Chip aus.

Der Kontrolleur liest mit seinem Tablet einen NFC-Chip aus.

(Bildquelle: EineStadt GbR)

Wie viele Kommunen steht die Stadt Schwabmünchen im Kreis Augsburg vor der Herausforderung, eine große Anzahl an Bäumen, die der Verkehrssicherungspflicht unterliegen, mit einer dünnen Personaldecke effizient und ordnungsgemäß zu kontrollieren. Oftmals wird die Dokumentation der Kontrolle noch mit Laufzetteln durchgeführt, was einen immensen Papier-, Schreib- und Archivierungsaufwand bedeutet. Ein weiteres Problem dieser analogen Arbeitsweise ist laut Thomas Bernert, Baumkontrolleur der Stadt Schwabmünchen, das Auffinden des richtigen Objekts im Außenbereich. Aktuell ist das in vielen Kommunen nur per Ortskenntnis, in vereinzelten Fällen bereits über eine digitale Karte möglich. Besonders oft werden Objekte, die in Gruppen oder Reihen stehen, miteinander verwechselt. Die Folge: mühseliges Rückfragen, Zeitverlust und manchmal sogar die Fällung des falschen Baums.
In Schwabmünchen wurde das analoge System den aktuellen EU-Vorgaben, welche nicht nur häufigere, sondern auch umfangreichere Kontrollen erfordern, nicht mehr gerecht. „Ein Baum muss heutzutage so sicher sein wie eine Brücke“, sagt Roland Schiller, Leiter des Grünamts der Stadt Schwabmünchen. Hinzu komme die steigende Klagefreudigkeit der Bürger. So hat man sich in Schwabmünchen auch mit Blick in die Zukunft gefragt, wie nachgewiesen werden kann, ob der Kontrolleur tatsächlich am Objekt war.

Software entlastet Kommunen und Kontrolleure

Die Stadt trat daher mit einem jungen Software-Unternehmen in Kontakt, mit dem Ziel, alle Probleme rund um die Baumkontrolle mit einer einzigen Anwendung zu lösen. Ergebnis ist das EineStadt-System, das folgendermaßen funktioniert: Jedes kontrollrelevante Objekt wird mit einem kleinen Chip (ohne Batterie) ausgestattet. Berührt der Kontrolleur oder Gutachter den Chip mit Tablet oder Smartphone, werden sofort übersichtlich die Sachdaten des betreffenden Objekts angezeigt und es können neue Eigenschaften und Befunde eingetragen werden. Der bisherige Laufzettel aus Papier wird als digitales Formular direkt auf dem Tablet ausgefüllt. Das ist auch per Spracheingabe möglich. Auf einer Übersichtskarte kann sich der Kontrolleur anzeigen lassen, welche Bäume er schon kontrolliert hat (grün) und welche noch kon­trolliert werden müssen (rot). Nach einem gewissen Intervall färben sich die Bäume wieder um.
Die Anwendungen „Baum“ und „Spielplatz“ von EineStadt stehen aktuell bei vielen Kommunen ganz oben auf der Beschaffungsliste – häufig aus versicherungsrelevanten Gründen. Denn es ist für Kommunalverwaltungen essenziell, sich selbst und ihre Mitarbeiter umfassend abzusichern. Das geht mit EineStadt ohne großen administrativen Aufwand und ohne IT-Kenntnisse. Denn das System erstellt jedes Mal, wenn der Kontrolleur einen Chip berührt, im Hintergrund automatisch einen fälschungssicheren Nachweis. Damit lässt sich auf die Sekunde genau nachvollziehen, wann der Mitarbeiter am Objekt war. Im Schadensfall lassen sich am PC detaillierte Inspektionsprotokolle aller bisherigen Kontrollen ausgeben. Dadurch wird das Einhalten des vorgeschriebenen Kontrollintervalls nachweisbar gemacht und die Kommune inklusive Kontrolleur entlastet.

Auch für Kontrolle anderer Objekte nutzbar

Kommunen setzen neben der Baum- und Spielplatzkontrolle auch bei der Wartung von Straßenlaternen, der Säuberung von Straßen-Senkkästen (Gullys) und der Spülung von Hydranten verstärkt auf Dienstleister. Der Koordinationsaufwand steigt jedoch signifikant, wenn diese ortsfremd sind oder jährlich wechseln. Mit EineStadt kann jedes Objekt eindeutig durch seinen NFC-Chip identifiziert werden; städtische Mitarbeiter und externe Dienstleister können sich also sicher sein, dass sie den richtigen Baum pflegen. Gleichzeitig wird viel Zeit beim Auffinden der Objekte gespart, da über das System und eine digitale Karte eine direkte Navigation möglich ist. Ist es wieder Zeit für die fällige Routinekontrolle, kann am PC ein Auftrag für Kollegen oder externe Dienstleister angelegt werden. Diese sehen beim nächsten Log-in ins System direkt die für sie hinterlegte Aufgabe mit allen notwendigen Informationen samt Standort des Objekts in einer Übersichtskarte.
Der Chip kann auch von externen Dienstleistern und Bürgern genutzt werden, diese erhalten aber nur eine eingeschränkte Sicht auf die Daten. So kann der Dienstleister zum Beispiel einen neuen Befund eintragen, den Hersteller des Objekts aber nicht ändern. Der Bürger wiederum sieht nur die Baumart und kann Probleme wie einen morschen Baum oder ein defektes Spielgerät melden. Das Ganze funktioniert ohne Download einer App.

Einsatz in Schwabmünchen stetig erweitert

Im Frühjahr 2016 ging die Anwendung „Bäume“ des EineStadt-Systems in Schwabmünchen in den Produktivbetrieb. Bis dato wurden mehr als 3.000 Objekte mit einem Chip ausgestattet und in das System aufgenommen. Das Prinzip von EineStadt eignet sich für alle kontrollrelevanten Objekte. Daher wurde EineStadt in Schwabmünchen über die vergangenen Jahre auf folgende Objektklassen erweitert: Spielgeräte, Straßenlaternen, Hundetoiletten, Mülleimer und Brücken. Zusätzlich wurden zusammen mit dem Wasserwerk Schwabmünchen spezielle Anwendungen für die Kontrolle von Ober- und Unterflurhydranten sowie von Schiebern entwickelt. Seit Kurzem werden auch für das Klärwerk Anwendungen und spezielle NFC-Chips für die Kontrolle von Schächten und Gullys getestet. Aktuell wird zudem das Thema Gebäudeverwaltung im Hochbau in Angriff genommen. Hier werden Heizungen, Klimaanlagen, Lüftungen, Brandschutztüren, Feuermelder, Feuerlöscher und viele weitere Objekte in öffentlichen Gebäuden wie Rathäusern oder Veranstaltungshallen mit NFC-Chips ausgestattet.

Sebastian Seitz ist bei der EineStadt GbR verantwortlich für Organisation und Vertrieb.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Fachverfahren
Ein kleiner Junge hält ein Smartphone in der Hand, sein Gesicht ist bedeckt mit biometrischen Linien.

VG Polling: Biometric Go ergänzt PointID

[26.01.2026] In Polling können biometrische Passbilder direkt auf dem Amt erstellt werden. Die Verwaltungsgemeinschaft bietet dafür die PointID-Geräte der Bundesdruckerei an. Um Babys und Kleinkinder ablichten zu können, greift sie auf die mobile Fotolösung Biometric Go zurück. Beide Aufnahmegeräte überstellen die Bilder direkt ins Fachverfahren des Einwohnermeldeamts. mehr...

Kleinkinder spielen mit Bauklötzen.

AKDB: adebisKITA als Cloud-Version

[26.01.2026] Als Cloud-Version soll die Software adebisKITA noch besser bei der Verwaltung von Kindertagesstätten unterstützen. Eine intuitive Bedienbarkeit und zeitgemäße Visualisierung sollen dazu ebenso beitragen wie die grundlegend neu gedachten Prozesse in der webbasierten Version. mehr...

Eine Frau sitzt in einem Großraumbüro und arbeitet an einem Computer.
bericht

Düsseldorf: Terminagent erfüllt Wünsche

[23.01.2026] In Düsseldorf stand das Amt für Einwohnerwesen lange vor der Herausforderung, den Bürgerservice effizient und gleichzeitig bürgerfreundlich zu gestalten. Gelungen ist das der Stadt mithilfe eines Terminagenten. mehr...

Mehrere Personen stehen nebeneinander, zwei von ihnen bedienen einen Buzzer.

Kreis Steinfurt: Bauantrag ohne Papier

[14.01.2026] Das Bauportal Nordrhein-Westfalen ist um eine Kommunikationsplattform ergänzt worden, sodass auch der Austausch rund um einen Bauantrag digital abgewickelt werden kann. Als erster Landkreis startet Steinfurt mit dem voll digitalisierten Verfahren. mehr...

Tisch mit Konstruktionszeichnung, Tablet und gelbem Bauhelm, im Hintergrund ist eine Baustelle zu sehen.

Hamm: Schub für digitale Genehmigungen

[12.01.2026] Die Stadt Hamm bearbeitet Bau- und Immissionsschutzanträge künftig Ende-zu-Ende digital. Digitale Einreichungen werden vollständig elektronisch geprüft und beschieden. Mit gezielten Anreizen und Informationsangeboten will die Stadt den Wechsel von Papier- zu Digitalanträgen beschleunigen. mehr...

Eine Person mit Bauhelm hält ein Smartphone in der Hand auf dem die 3D_Darstellung eines Innenraums zu sehen ist.
bericht

Bremerhaven: Schulgebäude smart gebaut

[16.12.2025] Die Stadt Bremerhaven setzt beim Hochbauprojekt „Allianz 3 Schulen“ auf smarte Methoden wie Building Information Modeling, um Prozesse effizienter und präziser zu gestalten. Zudem kommt das innovative Verfahren der integrierten Projektallianz (IPA) zum Einsatz. mehr...

Karussell bei Nacht

Lösungen: Medienbruchfreie Marktorganisation

[16.12.2025] Die Anbieter cit, S-Public Services und LTE Consulting bündeln ihre Kompetenzen, um Kommunen eine vollständig digitale Lösung für die Organisation und Verwaltung von Märkten bereitzustellen. mehr...

Drei nebeneinander stehende Bilder zeigen einen Handwerker, der an ein Betriebsfahrzeug gelehnt steht, eine Landkarte, auf der die Gültigkeitsbereiche des HWPA zu sehen sind und ein Musterbeispiel der ausgedruckten Ausnahmegenehmigung.

Metropolregion Rhein-Neckar (MRN): Online zum Handwerkerparkausweis

[16.12.2025] In der Metropolregion Rhein-Neckar (MRN) können Handwerkerparkausweise nun medienbruchfrei über eine zentrale Onlineplattform beantragt werden. Ist der Ausweis genehmigt, können die Betriebe ihn selbst ausdrucken. mehr...

Eine Pflegekraft hält ein Tablettenblister für eine ältere Dame, die neben ihr sitzt, in den Händen.
bericht

Sozialwesen: Automatisierung entlastet

[12.12.2025] In der Sozialwirtschaft können automatisierte Prozesse den Abrechnungsaufwand drastisch reduzieren. Der Kreis Darmstadt-Dieburg konnte beispielsweise eine Entlastung von mehr als 90 Prozent im Fachamt erreichen. Voraussetzung ist die zielgerichtete Digitalisierung. mehr...

Magdeburg: Bauvorbescheid digital beantragen

[05.12.2025] Anträge für Bauvorhaben können in Magdeburg jetzt vollständig digital abgewickelt werden. Der datenschutzkonforme Onlineservice steht im digitalen Rathaus der Landeshauptstadt zur Verfügung. mehr...

Eine digital dargestellte Baustelle steht auf einem Tablet, das eine Person in der Hand hält, im Hintergrund ist ein Bauhelm zu sehen.
bericht

BIM: Einführung lohnt sich

[03.12.2025] Das Arbeiten mit digitalen Bauwerksmodellen spart Zeit, Geld und Ressourcen – wenn die Einführung von Building Information Modeling (BIM) strukturiert angegangen wird. Die Initiative BIMwerker bietet Kommunen Orientierung und zeigt, wie der Einstieg gelingt.  mehr...

Eine Person sitzt an einem Desktop-Rechner und arbeitet an einem Bauplan.

Wiesbaden: Onlinebauantrag im Regelbetrieb

[28.11.2025] Ab Dezember bietet die Wiesbadener Bauaufsicht sämtliche Baugenehmigungsverfahren volldigitalisiert an. Vom Ausfüllen des Formulars über den Upload aller Unterlagen bis hin zur Kommunikation mit der Behörde wird dann alles über das Bauportal Hessen (DigiBauG) abgewickelt. Das Verfahren wird damit schneller, effizienter, einfacher und transparenter. mehr...

Jach Russel Welpe liegt auf Schreibtisch während Frau am Laptop arbeitet

Nordrhein-Westfalen: pmHundManager im Einsatz

[28.11.2025] Die Lösung pmHundManager des Anbieters GovConnect kommt jetzt auch bei den ersten Kommunen in Nordrhein-Westfalen zum Einsatz. Dazu kooperiert GovConnect mit dem Zweckverband Kommunales Rechenzentrum Niederrhein (KRZN). mehr...

Blick über eine Reihe von Gräbern mit Trauerzug.
bericht

Friedhofswesen: Unkomplizierte Umstellung

[21.11.2025] Die Umstellung auf die Software HADES‑X brachte der St. Barbara Gottesackerstiftung Linz viele Erleichterungen im Arbeitsalltag. Für Mehrwerte sorgen etwa der digitale Friedhofsplan, Online-Bürgerdienste und Grab‑Informationen via QR‑Code. mehr...

winter Schnee Laub Herbst

AIDA ORGA: Von Baumkontrolle bis Winterdienst

[20.11.2025] Ab Herbst beginnt für Bauhöfe die arbeitsintensive Zeit. Sie müssen Bäume kontrollieren, Pflegemaßnahmen planen und Straßen für den Winter vorbereiten. Mit einer Baumkontroll-App und der digitalen Winterdienstdokumentation mit integrierter Zeiterfassung unterstützt Anbieter AIDA ORGA die Kommunen bei diesen Aufgaben. mehr...