Mittwoch, 17. Juni 2026

Schul-ITFlickenteppich aufdröseln

[08.12.2017] Als Schlüssel für die Digitalisierung der Bildung hat die Firma Univention das Konzept eines offenen ID-Vermittlungsdienstes entwickelt. Die Bereitstellung und Nutzung digitaler Dienste würde damit wesentlich vereinfacht, der digitale Wildwuchs eingedämmt.
Bildungsangebote ohne und mit zentralem ID-Management.

Bildungsangebote ohne und mit zentralem ID-Management.

(Bildquelle: Univention)

Die Politik will die Digitalisierung in Deutschland umfassend unterstützen – auch in der Bildung. Davon zeugen verschiedene Beschlüsse und Ankündigungen, insbesondere die Ende 2016 verabschiedete Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ der Kultusministerkonferenz (KMK), die Bereitschaft zur finanziellen Unterstützung der Digitalisierung der Schulen durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie zuletzt die Bekräftigung des DigitalPakt Schule durch die KMK. Der Deutsche Städtetag fordert zudem einen „Masterplan zum Ausbau der Digitalen Bildung“, um einheitliche Rahmenbedingungen für das Lehren und Lernen mit digitalen Medien zu schaffen. Die Bereitstellung finanzieller Mittel alleine ist aber nicht ausreichend. Die Beteiligten – Bund, Länder, Kommunen, Schulträger und Anbieter – müssen gemeinsam eine offene und dennoch stringente Strategie zur Digitalen Bildung entwickeln. 
Für die effiziente Digitalisierung des Bildungswesens werden verschiedenste Dienste und Inhalte benötigt – angefangen von Cloud-Speichern über E-Mail- und Kommunikationslösungen oder Mediendatenbanken bis hin zu digitalen Lernplattformen. Diese Dienste haben eine Gemeinsamkeit: Alle Anwender müssen sich für den Zugriff persönlich authentifizieren. Dazu benötigen sie Stand heute mehrere Benutzerkonten. Um die Digitalisierung der Bildung erfolgreich zu gestalten, ist es deshalb grundlegend, dass Schüler und Lehrer nur ein Benutzerkonto besitzen, mit dem sie sich an allen verfügbaren Diensten authentifizieren können.

ID-Vermittlungsdienst statt bundesweiter Datenbanken

In Deutschland ist diese Voraussetzung bislang nicht gegeben. Das Unternehmen Univention schlägt deshalb den Aufbau eines ID-Vermittlungsdienstes vor, der die Bereitstellung und Nutzung digitaler Dienste erleichtert, Schulen und Schulträger entlastet sowie eine effiziente Digitalisierung der Bildung möglich macht. Außerdem wird dadurch der Wettbewerb zwischen den Anbietern gefördert und junge, kleine und innovative Unternehmen erhalten Zugang zum bundesweiten Bildungsmarkt.
Auf den Ebenen Schule, Schulträger und Bundesland werden viele unterschiedliche IT-Systeme verwendet. Die Akteure konnten sich bisher nicht auf eine einheitliche Lösung verständigen, mit der Bildungseinrichtungen Inhalte und Dienste in vorhandene oder zu schaffende Schul-IT integrieren können. Daher fehlen entsprechende Lösungen, was oft zur Verwendung kostenloser Internet-Angebote, wie zum Beispiel Dropbox und WhatsApp führt. Diese genügen aber nicht den deutschen und europäischen Anforderungen an den Datenschutz. So entsteht ein in der Fachwelt als Schatten-IT bezeichneter Wildwuchs und digitaler Flickenteppich.
Um dieses Problem zu lösen, wird vielfach die Einrichtung zentraler, deutschlandweiter Schüler- und Lehrerdatenbanken gefordert. Diese Idee ist jedoch datenschutzrechtlich problematisch und entspricht nicht der föderalen Struktur des Bildungswesens in Deutschland. Außerdem zeigt die Erfahrung, dass zentralistische Ansätze Agilität und Innovationsgeschwindigkeit enorm verringern. Für eine zeitgemäße digitale Bildung sind jedoch Schnelligkeit und Flexibilität unverzichtbar.

Authentifizierung als Basis

Die zu schaffende Lösung für ein föderiertes ID-Management sollte daher nur geringen Administrationsaufwand verursachen und die einheitliche Integration von Diensten und Angeboten in die verschiedenen, zum Teil sehr gut etablierten Schul-IT-Systeme ermöglichen. Die Basis für die Nutzung unterschiedlicher Inhalte ist immer die Authentifizierung der Benutzer – also Lehrer und Schüler – mit ihrer persönlichen ID-Kennung. Die Authentifizierung dieser Identität ist eine quasihoheitliche Aufgabe, die nicht Unternehmen überlassen werden darf, sondern von Schulen, Schulträgern oder Ländern übernommen werden muss. Diese sollten daher weiterhin für die Verwaltung der digitalen Identitäten zuständig sein.
Ein zentraler ID-Vermittlungsdienst wird eine Reihe technischer Herausforderungen lösen. Um vorhandene Schnittstellen einzelner Dienste und Bildungsangebote nutzen zu können, muss er auf einem existierenden und erprobten Internet-Sicherheitsstandard beruhen – beispielsweise der Security Assertion Markup Language (SAML), die diese Kriterien erfüllt und in der Industrie bereits erfolgreich eingesetzt wird. So ließen sich externe Angebote mit der Benutzerverwaltung von Behörden und Unternehmen in einem föderierten Gesamtsystem integrieren.
Auf das Schulsystem übertragen, können Dienste allen Nutzern zur Verfügung gestellt werden, während die Verwaltung der Identitäten sowie die Authentifizierung von Lehrern und Schülern in der Hand der zuständigen Institutionen verbleiben und weiterhin über deren Identitätsmanagement organisiert werden. Der Vermittlungsdienst hat dabei nur die Aufgabe, Dienste- und Inhalte-Anbieter an die richtige Institution weiterzuleiten, er speichert selbst aber keine Daten über Lehrer und Schüler und führt auch keine Authentifizierungen durch. Dieser Ansatz würde den Wettbewerb zwischen den Anbietern fördern und gleichzeitig die digitale Souveränität im Bildungsbereich stärken, denn Schulbehörden könnten frei aus einem größeren Angebot wählen. Wird der ID-Vermittlungsdienst mit Open Source Software realisiert, ließen sich seine Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit unabhängig überprüfen.

Konzept innerhalb von zwei Jahren umsetzbar

Für die Umsetzung eines solchen ID-Vermittlungsdienstes schlägt Univention folgende nächste Schritte vor: Zunächst sollte eine Arbeitsgruppe gegründet werden, in der die Länder und Betreiber schulischer IT-Infrastruktur gemeinsam mit Anbietern von Inhalten und Diensten eine Empfehlung zu Aufgaben und Zuständigkeitstrennung entwickeln und Rahmenbedingungen für eine benutzerfreundliche, datenschutzkonforme und wettbewerbsfreundliche Infrastruktur festlegen. Parallel dazu sollte eine unabhängige Expertengruppe die existierenden technischen Standards und Lösungen evaluieren, die Definition standardisierter Schnittstellen vorantreiben und einen Proof of Concept erstellen. In einem nächsten Schritt wären dann ein Vermittlungsdienst sowie Servicekataloge mit den teilnehmenden Diensten, Inhalten und den Betreibern schulischer IT-Infrastruktur einzurichten. Für diesen Vermittlungsdienst müssen abschließend ein oder mehrere Betreiber gefunden werden, die staatlich, öffentlich-rechtlich oder privatrechtlich organisiert sein können.
Das Konzept könnte innerhalb der nächsten zwei Jahre mit Finanzmitteln des DigitalPakt Schule bundesweit umgesetzt werden – zumal die Idee in Gesprächen mit verschiedenen Schulträgern und Anbietern auf großes Interesse und viel Zustimmung gestoßen ist. Nun gilt es, diesen Prozess mit allen relevanten Stakeholdern voranzutreiben.
An der Mitarbeit, weiteren Informationen und Gesprächen zum offenen ID-Vermittlungsdienst Interessierte können sich per E-Mail an Univention wenden.

Peter Ganten ist Geschäftsführer der Univention GmbH.




Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Schul-IT
Blick über die Schulter eines jungen, konzentriert erscheinenden Schülers, der auf seinem Tisch ein Tablet und einige Schulutensilien hat.

Hessen: Software hilft beim Mathe lernen

[12.06.2026] Hessen führt an seinen Schulen schrittweise ein intelligentes Online-Lernsystem für den Mathematikunterricht ein. Die Plattform soll Aufgaben passend zum Lernstand anbieten, direkte Rückmeldungen geben und Lehrkräfte bei Unterrichtsvorbereitung und Förderung entlasten. mehr...

vier-personen-sitzen und stehen an einem Tisch_Würzburg_schul-it

Würzburg: Schul-IT ertüchtigt

[09.06.2026] Von Strom über Glasfaser bis hin zu Endgeräten und Softwarepool: Die Stadt Würzburg hat in den vergangenen sechs Jahren knapp 24 Millionen in die schulische digitale Infrastruktur investiert. mehr...

bericht

Worms: 27 Schulen, eine Plattform

[03.06.2026] Mit einer zentral verwalteten Netzwerkplattform hat die Stadt Worms die Grundlage für digitalen Unterricht an 27 Schulen geschaffen – unabhängig von Schulform, Gebäudealter oder individuellen Voraussetzungen. Gemeinsam mit ihren Partnern konnte die Kommune eine leistungsfähige und datenschutzkonforme Infrastruktur aufbauen. mehr...

eine Gruppe von Personen steht vor einem Gebäude

Schleswig-Holstein: Alle Schulen am Netz

[02.06.2026] Erfolgreicher Abschluss des Projekts „Schulen ans Netz“: Als erstes Flächenland in der Bundesrepublik hat Schleswig-Holstein alle seine öffentlichen Schulen an das Glasfasernetz angebunden. mehr...

Chatbots kommen vermehrt im öffentlichen Sektor zum Einsatz.

Berlin: AIS.chat unterstützt beim Lernen

[26.05.2026] In Berlins öffentlichen Schulen kann jetzt mit dem Chatbot AIS.chat gearbeitet werden. Die datenschutzkonforme KI-Lösung unterstützt Lehrer bei der Unterrichtsvorbereitung und soll Schülern neue Zugänge zu Unterrichtsthemen eröffnen. mehr...

Bitkom: Schulen erhalten Smart-School-Siegel

[24.04.2026] Bundesbildungsministerin Karin Prien hat in Berlin Schulen für herausragende digitale Bildungskonzepte ausgezeichnet. Der Wettbewerb des Branchenverbands Bitkom zeigt, wie sich digitale Innovationen im Unterricht erfolgreich umsetzen lassen und künftig stärker verbreitet werden sollen. mehr...

Composite: Hand greift nach einem Cloud-Icon, blauer Hintergrund
bericht

Hannover: Lizenzpanne mit Microsoft 365

[23.04.2026] Alle 100 städtischen Schulen in Hannover haben die Cloud-Lösung Microsoft 365 aktiv eingesetzt – allerdings, ohne die passende Lizenz zu besitzen, welche die Nutzung im Schulkontext absichert. Die Stadt verhängte vorerst einen Nutzungsstopp und will prüfen, wie es zu der fehlerhaften Einschätzung kam. mehr...

Kind vor Tablet_ telli in Bremen
bericht

Bremen: Pionier für telli

[21.04.2026] Bremen hat als erstes Bundesland mit telli eine landesweite KI-Plattform für Schulen eingeführt. Finanziert über Mittel des DigitalPakts Schule steht die Plattform den Schulen der Freien Hansestadt kostenfrei zur Verfügung. mehr...

Schulranzen mit daran angelehntem Tablet, im Hintergrund eine grübe Kreidetafel.

Niedersachsen: Webshop für Schul-Hardware

[16.04.2026] Niedersachsen hat einen Webshop für die Bestellung digitaler Endgeräte an Schulen freigeschaltet. Das Land stellt dafür bis 2031 rund 800 Millionen Euro bereit. Ab dem Schuljahr 2026/2027 sollen zunächst siebte Klassen und Lehrkräfte ausgestattet werden. mehr...

Klassenzimmer-Kulisse: Eine Frau mit langen Locken (Maria Borelli) beugt sich über den Schultisch von zwei Grundschülern, die vor einem Laptop sitzen.

Berlin: Schnelles Internet für alle Schulen

[13.04.2026] In Berlin verfügen alle öffentlichen Schulen nun über schnelles Internet. Möglich wurde das durch ein vom ITDZ koordiniertes landesweites Programm. Mit einer Reform des Schulgesetzes sichert der Senat die weitere digitale Schulentwicklung rechtlich stärker ab. mehr...

auf einem stilisierten Laptop stehen Schultische und -bänke
bericht

Digitale Bildung: Zehn Jahre Smart Schools

[09.04.2026] Seit zehn Jahren würdigt der Smart-School-Wettbewerb Schulen, die digitale Bildung, Infrastruktur und Lehrkräftefortbildung zusammenbringen. Rahmenbedingungen und Schwerpunktthemen sind im Wandel – doch die Digitalisierung im Bildungsbereich geht weiter. mehr...

Pressekonferenz in einer Schule zur Einführung von telli in Thüringen

Thüringen: KI verstehen mit telli

[09.04.2026] Der KI-Chatbot telli steht ab sofort allen Schulen in Thüringen zur Nutzung zur Verfügung. Der Freistaat profitiert dabei von den Erfahrungen anderer Bundesländer und setzt zugleich eigene Schwerpunkte bei der pädagogischen Begleitung. mehr...

Das Lern-Management-System itslearning soll bald für alle baden-württembergischen Schulen verfügbar sein.

Kommunale Spitzenverbände: Digitalpakt 2.0 mit verschobenem Start?

[01.04.2026] Die kommunalen Spitzenverbände kritisieren geplante Änderungen zum Digitalpakt 2.0: Der für 2025 vereinbarte Starttermin soll um ein Jahr verschoben werden. Viele Kommunen haben mit Blick auf die Vereinbarung schon 2025 teure digitale Ausstattung beschafft – und könnten dann ohne Finanzierung dastehen. mehr...

Collage eines jungen Schülers in Schwarz-Weiß, der einen Rucksack und eine Lupe hält, vor einem Notebook-Bildschirm, isoliert auf farbigem Hintergrund.
bericht

Digitales Lernen: Eintauchen in den Lernstoff

[31.03.2026] Der Digitalpakt 2.0 fördert unter anderem die Einführung KI-gestützter, adaptiver Lernsysteme und die Entwicklung digitaler Unterrichtskonzepte. Damit eröffnet sich eine Chance für Schulen, immersive Lernräume einzurichten – ein Konzept, mit dem andere Länder bereits gute Erfahrungen gemacht haben. mehr...

Mehrere Personen stehen vor einem digitalen Monitor versammelt, auf dem der Aachener Konzept-O-Mat präsentiert wird.

Aachen: Automat für Medienkonzepte

[27.03.2026] Die StädteRegion Aachen bietet ihren Schulen ein Online-Tool an, mit dem sie ihre Medienkonzepte schneller und gezielter überarbeiten können. Der sogenannte Konzept-O-Mat erfasst den Ist-Zustand der Schule, zeigt Lücken im jeweiligen Konzept auf und gibt Verbesserungshinweise. mehr...