Freitag, 9. Januar 2026

Kreis Darmstadt-DieburgKI gestaltet Videos

[20.08.2025] Der Kreis Darmstadt-Dieburg kann Newsletterinhalte in Videosendungen umwandeln. Ein eigens entwickeltes GPT-Skript kürzt die Texte dafür auf eine sendefertige Länge von rund 100 Sekunden. Als Nachrichtensprecher dient ein digitaler Avatar.
Der Nachrichtensprecher von LaDaDi KOMPAKT sieht verblüffend echt aus, ist aber ein Avatar.

Der virtuelle Nachrichtensprecher sieht verblüffend echt aus.

(Bildquelle: Landkreis Darmstadt-Dieburg)

Ein ungewöhnliches Nachrichtenformat sorgt im Kreis Darmstadt-Dieburg für Aufmerksamkeit: KI-gestützte Videosendungen, welche die hessische Kommune unter dem Titel LaDaDi KOMPAKT veröffentlicht. Dabei handelt es sich sozusagen um die visuelle Aufbereitung der Newsletter des Landkreises. Mithilfe von KI werden deren Inhalte innerhalb von knapp 30 Minuten in Videos umgewandelt. Das für den Deutschen Preis für Online-Kommunikation (DPOK) nominierte Projekt bespielt nicht nur Instagram und YouTube, sondern auch die Debattenräume der digitalen Verwaltung.

„Viele Menschen nutzen KI lediglich als bessere Suchmaschine“, sagt Stefan Weber von der Stabsstelle Presse, Kommunikation und Strategie. „Wir wollten zeigen, dass deutlich mehr möglich ist.“ Mit diesem Ziel verbanden er und Kollegin Lisa Lange das Potenzial automatisierter GPT-Skripte mit einer Avatar-Software. Heraus kam ein gänzlich neues Element im Kommunikationsmix der Kreisverwaltung. „Informationen werden besonders gut durch Begeisterung transportiert“, erklärt Lisa Lange. „Ein virtueller Sprecher, der in astreinem Arabisch kommuniziert oder dir in 90 Sekunden deinen Landkreis erklärt, weckt Aufmerksamkeit.“ Die Idee: Über diesen Überraschungseffekt hinaus ein nachhaltiges Format schaffen, das sich kompakt, kostengünstig und visuell attraktiv fest in der Behördenkommunikation verankern lässt.

Effizient und dennoch authentisch

Hinter LaDaDi KOMPAKT steht ein engagiertes Kommunikationsteam. Einige schreiben die Pressemeldungen, andere gestalten da­raus den Newsletter. Die Inhalte fließen dann in ein eigens entwickeltes GPT-Skript, das die Nachrichten auf eine sendefertige Textlänge von rund 100 Sekunden bringt. Lisa Lange übernimmt anschließend Schnitt, Untertitelung und technische Umsetzung einschließlich der Arbeit mit der Avatar-Software Heygen. Der visuelle Hintergrund der Nachrichtensendungen stammt vom Zeichenbrett einer weiteren Kollegin. „Jede Folge ist Teamarbeit. Das macht das Format glaubwürdig und stabil“, berichtet Lange. Um eine möglichst breite Akzeptanz zu erreichen, wurde für das erste Avatar-Modell bewusst eine politisch neutrale Person mit hausinternem Bekanntheitsgrad gewählt: Kreisarchivar Jan Prößdorf. Seine Stimme und Erscheinung wurden mit seinem Einverständnis geklont, der digitale Avatar dient nun als Nachrichtensprecher.

Insgesamt verlangt das Thema Mut und Fingerspitzengefühl. Denn ein digitaler Avatar bewegt sich stets auf dem schmalen Grat zwischen Effizienz und Authentizität. Es geht nicht allein um technologische Machbarkeit, sondern um Vertrauen. Menschen erwarten echte Ansprechpartner. Umso mehr gilt das in Krisen oder politischen Zusammenhängen. Ein geklonter Landrat würde schnell als unnahbar oder gar unehrlich wahrgenommen werden. LaDaDi KOMPAKT setzt daher deutliche Leitplanken: KI ist Unterstützung, kein Ersatz. Klare Kennzeichnung, transparente Prozesse und ein internes KI-Manifest sichern das Projekt ethisch ab. Die Technologie darf niemals den Eindruck erwecken, Menschen würden durch Maschinen ersetzt. Im Gegenteil: Durch Effizienzgewinne wird das Zeitfenster für echte Gespräche mit echten Menschen größer.

Nähe zur Region stärken

LaDaDi KOMPAKT ist mehr als ein Videoformat. Es ist ein strategisches Werkzeug zur Sensibilisierung. Das parallel veröffentlichte Making-of-Video erklärt Technik, rechtliche Rahmenbedingungen wie die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) oder den EU AI Act und mögliche gesellschaftliche Risiken wie Deepfakes oder Desinformation. „Der Geist ist aus der Flasche“, merkt Weber an. „Wir müssen ihn nicht bannen, sondern erziehen.“ Der Ansatz: Erst wenn Menschen selbst erleben, wie glaubhaft ein Fake aussehen kann, beginnen sie, kritisch mit digitalen Inhalten umzugehen.

Die Resonanz ist durchweg positiv. Bürgerinnen und Bürger reagieren interessiert bis verblüfft, Rückfragen zur Technik häufen sich. Auch intern zeigt das Projekt Wirkung. Die Idee, die Avatar-Gestalt regelmäßig zu wechseln, fördert Identifikation und Beteiligung. Regionale Prominente wurden bereits angesprochen – eine Chance, Reichweite und Nähe zur Region zu stärken. Kollegen aus anderen Bereichen bewerben sich für den digitalen Klon oder ziehen die Technologie für Tutorials, Onboarding, Gebärdendolmetschen oder Übersetzungen in Betracht. Das Team hat mittlerweile sogar eine punktgenaue Steuerung für Tonlage, Gestik und Sprache etabliert. Die technischen Möglichkeiten wachsen stetig.

Außer der Innovationsfreude treibt auch struktureller Druck das Projekt an. Die öffentliche Hand steht vor Personallücken, einem Wissensabfluss und knappen Kassen. „KI ist für uns nicht nur ein digitales Spielzeug. Sie kann auch Teil einer Rettungsstrategie sein“, sagt Weber. Gleichzeitig verpflichtet der EU AI Act zu Schulungsmaßnahmen mit Mehrwert für Mitarbeitende und Öffentlichkeit. LaDaDi KOMPAKT liefert dafür ein konkretes Beispiel aus der Praxis. „Wir wollten ein Format schaffen, das Lust auf Digitalisierung macht und Raum für Diskussion bietet“, fasst Lisa Lange zusammen. Mit bislang sieben veröffentlichten Folgen, medialer Aufmerksamkeit und wachsendem Interesse aus anderen Verwaltungen scheint das gelungen.

Kerstin Theiß ist Social Media Managerin und stellvertretende Pressesprecherin beim Kreis Darmstadt-Dieburg.




Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Künstliche Intelligenz
käpt`n knut logo hansestadt stade

Stade: Käpt’n Knut nimmt den Dienst auf

[08.01.2026] In der Hansestadt Stade ist jetzt der KI-Chatbot Käpt’n Knut an Bord. Die Verwaltung freut sich über Feedback zu dem Angebot, das perspektivisch auch telefonisch genutzt werden kann. mehr...

Screenshot der Webseite von Hagen in der französischen Version

Hagen: Städtische Internetseite wird polyglott

[07.01.2026] Die Stadt Hagen stellt große Teile ihrer Webseite jetzt auch in fremdsprachiger Version zur Verfügung. Eine komplexe mehrsprachige Seitenstruktur im Back End und aufwendiges Aktualisieren sind dazu nicht notwendig: Zum Einsatz kommt die leicht integrierbare Lösung Conword. mehr...

Zwei Personen halten ein Tablet in der Hand, auf dessen Bildschirm Chatbot BOR.KI zu sehen ist.

Kreis Borken: Chatbot BOR.KI ist im Dienst

[05.01.2026] Auf der Website des Kreises Borken beantwortet jetzt Chatbot BOR.KI die Anfragen der Bürgerinnen und Bürger. Die Künstliche Intelligenz (KI) greift dafür auf die Inhalte der Internetseite zurück und beantwortet Fragen nur zu jenen Dienstleistungen, für die die Kreisverwaltung tatsächlich zuständig ist. mehr...

Ein Schlüsselbund mit einem Anhänger in Paragrafenform liegt auf dem Grundriss eines Gebäudes.
bericht

Rechtsinformationen: Die Informationsflut bändigen

[18.12.2025] Die öffentliche Verwaltung steht vor immer komplexeren Rechtsanforderungen bei gleichzeitig schrumpfenden Personalressourcen. KI-gestützte Lösungen können helfen, Rechtsinformationen automatisch aufzubereiten und in der Fallbearbeitung bereitzustellen. mehr...

Mehrere Personen stehen zum Gruppenfoto neben einem Gebäude versammelt.

SMARD-GOV: Datenschutzkonforme LLMs für Behörden

[18.12.2025] Im Forschungsprojekt SMARD-GOV werden datenschutzkonforme Large Language Models (LLMs) für den Einsatz in Behörden untersucht. Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, die Universität Münster (UM) sowie das Software- und Beratungsunternehmen Prosoz nehmen dafür sowohl technische als auch rechtliche Aspekte in den Blick. Im Fokus stehen Anwendungen bei Bauanträgen. mehr...

Die Teilnehmer des Unterschleißheimer Hackathons stehen zum Gruppenfoto versammelt in einem Raum.

Unterschleißheim: Chatbot statt Formularwüste

[18.12.2025] Die Stadt Unterschleißheim bietet den Bürgerinnen und Bürgern mit Civic Forma jetzt den Prototyp einer KI-gestützten Lösung an, die sie Schritt für Schritt durch amtliche Formulare führt. Der KI-Assistent kann Rückfragen beantworten und mehrere Sprachen übersetzen. Die Übersetzungen werden dann ins Deutsche übertragen und in das Formular übernommen. mehr...

Mann am Schreibtisch mit Laptop, hantiert mit Papieren.

S-Public Services: KI als Lotse im Formular-Dschungel

[17.12.2025] KI unterstützt schon heute die Arbeit mit Online-Anträgen in der kommunalen Verwaltung und erleichtert und beschleunigt das Ausfüllen. Zugleich eröffnet KI-gestützte Antragserfassung ein großes Potenzial für Automatisierung. mehr...

Auf Landesebene kristallisieren sich drei Wege zur Unterstützung der Kommunen heraus.

Vitako/KGSt: KI-Strategie für Kommunen

[11.12.2025] Vitako und KGSt haben gemeinsam eine praxisbezogene Arbeitshilfe veröffentlicht, die Kommunen dabei unterstützt, den hochdynamischen Wandel durch generative Künstliche Intelligenz aktiv und verantwortungsvoll zu gestalten. mehr...

I-Avatar der Stadt Esslingen am Neckar, der Gebärdensprache nutzt, vor der städtischen Website.
bericht

Digitale Barrierefreiheit: KI-Avatare sprechen Gebärdensprache

[10.12.2025] Das Unternehmen alangu hat sich auf die Entwicklung von KI-gestützten 3D-Gebärdensprach-Avataren spezialisiert, um gehörlosen Menschen den Zugang zur digitalen Welt zu erleichtern. Geschäftsführer Alexander Stricker erklärt im Gespräch mit Kommune21, wie aus einer Forschungsinitiative ein innovatives Produkt entstanden ist, das Kommunen und Organisationen bei der inklusiven Digitalisierung unterstützt. mehr...

Screenshot der Kreis-Viersener Website.

Kreis Viersen: KI übersetzt in Leichte Sprache

[10.12.2025] Einen Live-Übersetzer in Leichte Sprache hat der Kreis Viersen für seine Internetseite freigeschaltet. Der Service basiert auf Künstlicher Intelligenz (KI) und soll die Webinhalte für alle besser zugänglich machen. mehr...

Blick über die Rückn und Schultern des Publikums auf eine Konferenzbühne.

URBAN.KI: Rückblick auf die Jahrestagung 2025

[09.12.2025] Die URBAN.KI-Jahrestagung 2025 gab Einblicke in den kommunalen KI-Einsatz und zeigte, wie Künstliche Intelligenz Kommunen zukunftsfähig machen kann. Verschiedene konkrete Anwendungen wurden vorgestellt und es wurde gezeigt, welche Schritte notwendig sind, um KI von der Forschung in die Praxis zu überführen. mehr...

Mann und Frau vor einem Bauzaun halten ein Schild mit QR-Code hoch.

Velen: Von der Baustelle in den Chat

[08.12.2025] In Velen wird auch die Bürgerkommunikation smart. Um ein umfangreiches innerstädtisches Umbauvorhaben zu begleiten, nutzt die Stadt einen KI-Chatbot, der Bürgerinnen und Bürgern alle Fragen unmittelbar beantwortet – ohne Anruf bei der städtischen Servicehotline, ohne Wartezeit. mehr...

zwei Männer vor aufgeklapptem Laptop_Avatar_märkischer_Kreis

Märkischer Kreis: Website mit Avatar

[04.12.2025] Bürgerinnen und Bürger im Märkischen Kreis steht jetzt ein Avatar auf der Website zur Verfügung. Er ist für Erstanfragen, die Orientierung und schnelle Informationssuche geeignet. Umgesetzt wurde er mit SIT und Humanizing Technologies. mehr...

Screenshot von Wiesbaden.de mit dem Dialogfeld von Chatbot Lilli.

Wiesbaden: Chatbot Lilli geht ans Werk

[03.12.2025] Wiesbaden bietet den Bürgerinnen und Bürgern jetzt den Chatbot Lilli auf der städtischen Website an. Die digitale Assistentin beantwortet Fragen zu kommunalen Dienstleistungen, erklärt Abläufe und erleichtert den Zugang zu Informationen. Entstanden ist sie im Rahmen eines Nachwuchskräfteprojekts. mehr...

Frau am Schreibtisch mit Overlay aus Ordnericons und Dokumentenicons

d.velop/Otera: KI-gestützte Prozessautomatisierung

[02.12.2025] Der Dokumentenmanagement-Spezialist d.velop erweitert das Leistungsspektrum seiner Plattform um die Lösung Agentic IDP des Herstellers Otera. Dies ermöglicht eine KI-basierte, automatisierte Dokumentenverarbeitung – die ganz ohne Trainingsphase sofort einsatzbereit ist. mehr...