Serie DigitalstädteKI wird uns weiterhelfen

Karola Voß ist seit dem Jahr 2015 Bürgermeisterin der Stadt Ahaus und sieht bei der Digitalisierung noch Luft nach oben.
(Bildquelle: Stadt Ahaus)
Frau Bürgermeisterin Voß, sind die Ahauser besonders digitalaffin?
Vielleicht nicht von Geburt an, aber weil hier Digitalisierung schon so lange stattfindet und immer wieder neue Dinge ausprobiert werden, haben die meisten Menschen wirklich gute digitale Kenntnisse und nutzen entsprechende Angebote auch von der Verwaltung. Der Begriff Digitalstadt hatte sich bereits vor dem Award „Digitale Orte 2024“ etabliert. Inzwischen ist das ein Standortfaktor. Wir merken etwa bei der Fachkräftesuche, dass Digitalisierung für viele junge Menschen positiv besetzt ist und sie sich dann gerne bei uns bewerben. Ein Softwareunternehmen wie Tobit vor Ort zu haben, das sich im Bereich Smart City vielfältig engagiert, ist natürlich ein Glücksfall. Besonders in der Coronazeit haben wir gemerkt: Wenn Software leicht und intuitiv handhabbar ist, wird sie auch akzeptiert.
Wie gut steht Ahaus bei der Verwaltungsdigitalisierung da?
Wir sind im Vergleich zu anderen Kommunen sicher vorne mit dabei. Aber es ist immer Luft nach oben, es geht noch viel mehr. Wir haben uns vorgenommen, bis 2035 komplett digital zu sein, sodass die Menschen im Rathaus wirklich alle Angelegenheiten rund um die Uhr online regeln könnten. Die Möglichkeit, zu uns ins Rathaus zu kommen, soll dennoch insbesondere für Beratung und Unterstützung bestehen bleiben. Schon vor über 16 Jahren haben wir die E-Akte und ein Dokumentenmanagementsystem eingeführt. Mittlerweile können alle Mitarbeitenden mit PC-Arbeitsplatz darauf zugreifen. Auch bei den Fallakten sind die größten Bestände bereits digitalisiert.
Wie sieht es beim Onlinezugangsgesetz aus?
Aktuell haben wir etwa zwei Drittel der OZG-Leistungen auf kommunaler Ebene umgesetzt, 49 OZG-Dienste befinden sich noch in der Umsetzung. Wir greifen gerne auf EfA-Angebote zurück, entscheiden aber im Einzelfall, welche wir integrieren wollen. Beispielsweise haben wir bisher auf die digitale Beantragung von Asylleistungen verzichtet – das gäbe es als EfA-Dienst. Weil aber Asylsuchende, die zu uns kommen, zunächst persönlich im Rathaus vorsprechen, können sie dort den Antrag direkt stellen.
„Wenn Software leicht handhabbar ist, wird sie auch akzeptiert.“
Was fehlt Ihnen bei der Digitalisierung?
Ein großes Thema ist für mich Künstliche Intelligenz. Das könnte uns in der Verwaltung wesentlich weiterhelfen, gerade im Bereich Wissensmanagement. Wenn eine KI gesetzliche Hintergründe und Abläufe sowie Auskünfte sowohl für den internen Gebrauch als auch für Bürgerinnen und Bürger bereitstellt und beantwortet, würde das viele Ressourcen schonen. Hier wollen wir in den kommenden Jahren weiterkommen und Chatbots sowie KI-Agenten einsetzen.
Gibt es weitere Ideen?
Manchmal wünsche ich mir, parallel eine zweite Stadtverwaltung mit den neuesten technischen Möglichkeiten aufbauen zu können. Dazu würden ein einheitliches System mit einer Plattform sowie KI-Anwendungen gehören. Wir leiden darunter, mit ganz unterschiedlichen Softwareprodukten umgehen zu müssen, die nicht aufeinander abgestimmt sind und die sich teils nicht verbinden lassen. So können etwa bei einer Adressänderung verschiedene Fachbereiche betroffen sein – derzeit müssen sie einzeln informiert werden. Die Daten werden nicht an einer zentralen Stelle digital vorgehalten, sind nicht direkt für alle Systeme greifbar und müssen mehrfach gepflegt werden. Wir geben erhebliche Beträge für Digitalisierung, Onlineprodukte und IT aus. Wenn man die Beträge bündeln und für mehr Einheitlichkeit verwenden könnte, wäre vieles einfacher und günstiger.
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