Digitales FundbüroReform ist dringend angezeigt
Geschätzt 100 Millionen Gegenstände gehen in Deutschland jährlich verloren. Jeder kennt den Begriff Fundbüro. Ein überzeugendes digitales Äquivalent dazu gibt es bis heute nicht. Denn obwohl die digitale Anzeige eines Fundes ein trivialer Prozess ist, werden Finder und Finderinnen mit der ganzen Wucht des digitalen Föderalismus bestraft. Das geht bei der Zuständigkeit los. Ist es die Gemeinde, Stadt oder doch der Landkreis, wo der Gegenstand gefunden wurde? Oder die Bahn oder die Polizei? Zu welcher Gemeinde gehört der Fundort überhaupt? Und gibt es dort ein Fundsachenportal? Warum muss ich trotzdem persönlich aufs Amt, warum mit Ausweis? Nicht besser ergeht es Menschen, die etwas verloren haben. Die Suchmasken der diversen Fundsachenportale – wenn vorhanden – variieren von Augenpulver bis unbedienbar. Weil die Finder viel Enthusiasmus und Geduld brauchen, kann sich die Abgabe eines Fundes hinziehen.
Abhilfe würde eine Lösung aus der Perspektive des Public Service Design schaffen, die sich an der Frage orientiert, was Finder und Suchende brauchen. Sie brauchen ein einfaches deutschlandweites Portal, das im zweiten Schritt sagt, wo ich meinen Fund abgeben oder abholen kann und über das alle Fundsachen von der jeweils zuständigen Institution verwaltet werden. Mit zentralesfundbuero wurde ein solches Portal bereits von einem Start-up entwickelt. Die Plattform kennt keine Zuständigkeitsgrenzen, die Nutzererwartungen hinsichtlich der Bedienung wurden erfüllt. Leider waren keine Behörden angeschlossen und die Plattform damit zum Scheitern verurteilt.
Mit Blick auf das Onlinezugangsgesetz (OZG) sollte das digitale Fundbüro jetzt von der Spielwiese einzelner IT-Dienstleister und Behörden genommen und eine bundesweit hilfreiche Lösung entwickelt werden. Entsprechend sollten die OZG-Verantwortlichen des Bundes und der Kommunen die Reform der Digitalisierung dieses Services auf ihre Agenda setzen.
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