HeilbronnVision für 2030

Heilbronn: Vernissage Digital zeigt Ergebnisse des Strategieprozesses.
(Bildquelle: Stadt Heilbronn)
Nach 18 Monaten Bearbeitungszeit beschließt die Stadt Heilbronn voraussichtlich Ende März 2019 die Strategie „Digitale Stadt Heilbronn 2030“. Sie will damit die Anforderungen und Chancen digitaler Nutzungen für die Stadtentwicklung ausloten, die Digitalisierung in konkreten Projekten vor Ort erlebbar machen und den Mehrwert für Bürger, Unternehmen und die Verwaltung demonstrieren.
Technische Lösungen dürfen kein Selbstzweck sein. Vielmehr müssen sie dafür eingesetzt werden, Probleme zu lösen, die Lebensqualität der Bürger zu verbessern und die aktive Teilnahme am städtischen Leben und seiner Gestaltung zu fördern. Diese Prämisse ist für die Stadt Heilbronn handlungsleitend. Im Juli 2017 wurde die Stabsstelle Stadtentwicklung und Zukunftsfragen mit der Erarbeitung einer dezernatsübergreifenden Strategie „Digitale Stadt Heilbronn“ beauftragt. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hat die Stadt Heilbronn dabei methodisch und fachlich unterstützt. Die Strategie „Digitale Stadt Heilbronn 2030“ bildet die Klammer für die vielfältigen digitalen Maßnahmen, die bereits umgesetzt, angelaufen oder in Planung sind.
Stadtkonzeption weitergeführt
Ausgangspunkt der Strategieerstellung war der Beschluss der „Stadtkonzeption Heilbronn 2030“ im Juli 2017. Sie ist das langfristige und flexible Planungsinstrument, mit dem die Stadt strategische und operative Aufgaben koordiniert und die komplexen Aufgaben der Stadtentwicklung und des Stadtmarketings steuert. Die vier Strategiefelder der Stadtkonzeption – Bildungs- und Wissensstadt, Teilhabe an der Stadtgesellschaft, Zukunftsfähige Mobilität sowie Digitale Stadt – wurden auch der Strategie „Digitale Stadt Heilbronn 2030“ zugrundegelegt. Die Digitalisierungsstrategie schließt daher inhaltlich konsistent an die Stadtkonzeption an.
Bei der Entwicklung der Digitalisierungsstrategie standen folgende Aspekte im Vordergrund:
• Partizipativ: (Externe) Experten und Fachämter wurden konsequent über den gesamten Entwicklungsprozess hinweg einbezogen.
• Umfassend: Alle Strategiefelder wurden auf ihr digitales Potenzial geprüft, bevor im Anschluss konkrete Maßnahmen entwickelt wurden.
• Realistisch: Im Rahmen einer Machbarkeitsprüfung wurden die Projekte auf ihre Umsetzbarkeit und ihren Mehrwert untersucht und entsprechend angepasst.
• Pragmatisch: Die detaillierten Projektbeschreibungen beinhalten klare Anleitungen für die Umsetzung der Digitalmaßnahmen inklusive Zeit und Aufwandsschätzungen.
Machbarkeitsprüfung bestimmt erste Projekte
Den Kern der Heilbronner Digitalstrategie bilden 15 Projekte, die sich im Rahmen der Machbarkeitsprüfung, bei der unter anderem die technische, finanzielle und operative Realisierbarkeit betrachtet wurde, als umsetzbar erwiesen haben und die nun bis zum Jahr 2030 umgesetzt werden sollen. Entwickelt wurde die Machbarkeitsprüfung im Rahmen mehrerer Workshops mit Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Bürgerschaft.
In enger Abstimmung mit den zuständigen Fachämtern und externen Experten arbeitete KPMG hierfür Projektsteckbriefe und detaillierte Projektbeschreibungen aus. Sie informieren über die Legitimation eines Projekts (Projektbegründung) sowie relevante Rahmenbedingungen, etwa in Form rechtlicher Vorgaben oder Richtlinien. Zusätzlich werden Abhängigkeiten zwischen den Zielen benannt, die angestrebte Wirkung der Maßnahmen definiert und bestehende Ratsbeschlüsse aufgelistet, welche in Zusammenhang mit dem Ziel stehen. Darüber hinaus werden die beteiligten Akteure benannt und eine Einschätzung zum Umsetzungsstand und -zeitraum sowie den Aufwänden abgegeben. Abschließend wird eine Priorisierung vorgenommen.
Video und Vernissage Digital
Die Digitalstrategie der Stadt Heilbronn benennt außerdem wesentliche Erfolgsfaktoren und gibt Empfehlungen für die Umsetzung. Obwohl die Digitalisierung bereits großflächig Einzug in den Alltag der Bürger und der Wirtschaft gehalten hat, stellt sie den öffentlichen Sektor bislang oft noch vor Herausforderungen. Schwierigkeiten bereitet dabei weniger die Umsetzung technischer Neuerungen, als vielmehr, bei den Betroffenen die notwendige Veränderungsbereitschaft herzustellen. Vor diesem Hintergrund zählt der kulturelle Wandel innerhalb der Verwaltung zu einem wesentlichen Erfolgsfaktor für die Umsetzung der Digitalen Strategie der Stadt Heilbronn.
Damit die Digitalisierungsstrategie größtmöglichen Nutzen entfaltet, muss sie sich zudem am Bürger orientieren. Wie sich das Leben der Bürgerschaft, der Unternehmen und der Stadtverwaltung Heilbronns durch die Umsetzung der geplanten Maßnahmen verändern wird, beschreibt die Vision 2030, zu der die Stadt Heilbronn auch ein Video erstellt hat.
Im Rahmen einer zweitägigen Vernissage Digital, einem Digitalisierungsevent mit Erlebniswert, hat die Stadt Heilbronn im Juli 2018 die Bürgerschaft, den Gemeinderat und die Beschäftigten der Verwaltung über die Zwischenergebnisse im Strategieentwicklungsprozess, die dabei erarbeiteten Ziele und Projekte sowie die Vision einer digitalen Stadt Heilbronn im Jahr 2030 informiert. Über 450 Besucher konnten interaktive Anwendungen und Exponate aus den Bereichen autonomes Fahren, 3D-Druck, Augmented Reality sowie Klimaschutz und Digitalisierung erleben.
Reallabore geplant
Im Rahmen des Strategieprozesses „Digitale Stadt Heilbronn“ ist auch die zeitlich befristete Erprobung verschiedener Reallabore vorgesehen. Auf diese Weise können neuartige Entwicklungen – zum Beispiel innovative Geschäftsmodelle – vor ihrer flächendeckenden Einführung auf ihre Anwendbarkeit, ihren Mehrwert und ihre Akzeptanz aus Nutzersicht geprüft werden. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse geben Aufschluss über erforderliche Verbesserungsbedarfe. In den kommenden Monaten ist in Heilbronn beispielsweise die Durchführung von Reallaboren in diesen Bereichen geplant:
• Anliegen-Management: Beschwerden und Anregungen melden via App.
• Smart Parking: Mittels Sensoren in ausgewählten Stadtgebieten können Parkdaten erhoben und ausgewertet werden. Damit soll der Parksuchverkehr wirksam vermindert werden.
• Indoor-Navigation: Digitale Technologien zur Positionsbestimmung und Navigation erleichtern das Auffinden von Räumen in öffentlichen Gebäuden. Derartige Systeme können etwa vor Gefahrenstellen warnen und barrierefreie Wege anzeigen.
• Open Data: Die öffentliche Bereitstellung von Verwaltungsdaten bietet die Grundlage für die Entwicklung neuer Ideen, Produkte, Geschäftsmodelle und Services. Auf Hackathons und Makeathons erfinden Entwickler und Kreative auf Basis der bereitgestellten Daten Lösungen für Probleme.
Die Aufzählung ist nicht abschließend und stellt nur eine kleine Auswahl der anstehenden Aktivitäten in Heilbronn dar.
Das Video zur Vision 2030 kann hier abgerufen werden
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe April 2019 von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
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