Montag, 1. Juni 2026

Komm.ONESchulterschluss der IT-Dienstleister

[01.12.2025] Der baden-württembergische IT-Dienstleister Komm.ONE setzt strategisch auf Vernetzung und Kooperation. Ob im Bereich Verkehrswesen, bei der Registermodernisierung oder bei den Ausländerbehörden – die großen Digitalisierungsvorhaben der kommenden Jahre sollen länderübergreifend und mit gebündelter Expertise umgesetzt werden.
Zwei Vertreter von Komm.ONE sitzen nebeneinander bei einer Pressekonferenz. Links spricht Jörg Eberle lächelnd ins Mikrofon, rechts hört Bernd Krakau aufmerksam zu. Beide tragen dunkle Anzüge und sitzen vor einer Komm.ONE-Hinterwand.

Komm.ONE-Vorstand Jörg Eberle und Bernd Krakau, Mitglied der Geschäftsleitung: Alleingänge kommunaler IT-Dienstleister sind nicht mehr sinnvoll.

(Bildquelle: Komm.ONE)

Die zunehmende Komplexität der Digitalisierung, der Fachkräftemangel sowie die Notwendigkeit, Kosten zu teilen und Skaleneffekte zu erzielen, zwingen kommunale IT-Dienstleister in Deutschland zu neuen Formen der Zusammenarbeit. Darauf machte der baden-württembergische IT-Dienstleister Komm.ONE bei einer Pressekonferenz im Rahmen der Verbandsversammlung des Trägervereins 4IT in Böblingen aufmerksam (wir berichteten). Der kürzlich ernannte Komm.ONE-Vorstand Jörg Eberle (wir berichteten) und Bernd Krakau, Mitglied der Geschäftsleitung, betonten, dass zentrale Digitalisierungsvorhaben nur im Schulterschluss mit anderen öffentlichen IT-Dienstleistern gelingen können – insbesondere in komplexen Bereichen wie dem Kfz-Wesen, der Registermodernisierung oder den Ausländer- und Einbürgerungsverfahren.

Kooperationen sind unverzichtbar

Zunächst skizzierte Eberle den allgemeinen Kurs: Komm.ONE wolle sich als zentraler Servicebroker für die Kommunen positionieren, könne aber nicht alle Lösungen selbst entwickeln. Kooperationen mit privatwirtschaftlichen Anbietern ebenso wie mit öffentlichen Rechenzentren seien deshalb unverzichtbar. Ein besonders weitreichendes Beispiel ist das Kfz-Wesen: Hier will Komm.ONE gemeinsam mit mehreren großen IT-Dienstleistern – darunter die Anstalt für kommunale Datenverarbeitung in Bayern (AKDB), ekom21, KDO, regio iT und Telecomputer – eine neue Verkehrsgesellschaft aufbauen (wir berichteten). Diese soll spätestens Anfang 2027 eine gemeinsame fachliche und technische Grundlage schaffen, anstatt wie bisher parallele Portale und Fachverfahren zu betreiben.

Einheitliches Kfz-Fachverfahren für Deutschland

Eberle begründete den Schritt damit, dass angesichts steigender Sicherheits- und Rechtsanforderungen ein Alleingang nicht mehr sinnvoll sei. Mehrere kommunale IT-Dienstleister hätten sich bereits dem Marktführer Telecomputer angeschlossen. Daher wolle man nun die Kräfte bündeln und gegenüber dem Bund mit einem gemeinsamen Fachverfahren sowie einem zentralen Portal auftreten. Auch aus bundespolitischer Sicht sei dies sinnvoll, wie Bernd Krakau ergänzte. Es brauche perspektivisch ein einheitliches Kfz-Fachverfahren, anstatt dass jedes Land eigene Strukturen pflege.

Ein weiteres zentrales Projekt ist die Registermodernisierung. In diesem Zusammenhang trat Komm.ONE gemeinsam mit der AKDB in einem Wettbewerb des Bundes an. Eberle betonte, dass eine alleinige Teilnahme aufgrund der Anforderungen nicht realistisch gewesen wäre. Die Kooperation habe sich als „echter Prototyp“ erwiesen, der zeige, wie Zusammenarbeit zwischen großen Rechenzentren in der Praxis funktioniere. Beide Seiten hätten ihre spezifischen Stärken eingebracht und seien nun auf der Zielgeraden. Die Ergebnisse sollen demnächst in Berlin präsentiert werden.

Komm.ONE-Fachverfahren für Bayern

Auch im Bereich des Ausländer- und Einbürgerungswesens setzt Komm.ONE auf Zusammenarbeit. Wie Krakau erläuterte, ist Komm.ONE in Baden-Württemberg und Hessen bereits fest etabliert. Seit Herbst verfolgt das Unternehmen eine Kooperation mit der AKDB, um die Lösungen KM-Ausländer und KM-Einbürgerung auch nach Bayern zu bringen und gemeinsam weiterzuentwickeln (wir berichteten). 

Dies sei notwendig, da die Weiterentwicklung – insbesondere der geplante Einsatz Künstlicher Intelligenz – bedeutende Ressourcen erfordert. KI-Module sollen künftig für eine spürbare Entlastung in den Ämtern sorgen, indem sie Verfahrenswege verkürzen und Personalengpässe ausgleichen. In Bayern sollen zudem bestehende Altsysteme zügig abgelöst werden, sodass eine schnelle Weiterentwicklung der gemeinsamen Fachverfahren erwartet wird.

Verantwortung nicht föderal zersplittern

Mit Blick auf Sicherheit und Betrieb betonten beide Sprecher, dass Komm.ONE seine umfassende Expertise in die Zusammenarbeit einbringen werde. Angesichts der großen Sicherheitsanforderungen – mit Verweis auf jüngste Ausfälle in anderen Regionen – sei es entscheidend, die Verantwortung nicht föderal zu zersplittern, sondern ganzheitlich über die Bereiche Entwicklung, Betrieb, Support und IT-Security hinweg zu denken. Darüber hinaus wies Eberle auf die Aktivitäten der Genossenschaft GovDigital hin, in der öffentliche IT-Dienstleister Produkte und Services gegenseitig bereitstellen können. Diese Plattform ermögliche nicht nur den fachlichen Austausch, sondern erleichtere auch die vergaberechtskonforme Beschaffung fertiger Lösungen.

Alexander Schaeff




Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Unternehmen
AKDB_Hauptverwaltung

IT-Dienstleister: AKDB wird 55

[13.05.2026] Seit mehr als einem halben Jahrhundert ist die Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung in Bayern im Dienst der Kommunen. Die AKDB hat sich in dieser Zeit von einem regionalen Anbieter für elektronische Datenverarbeitung zu einer bundesweit agierenden Unternehmensgruppe mit zahlreichen Tochtergesellschaften und Beteiligungen entwickelt. mehr...

Handschüttel-Foto

MACH/Stiewi: Reisekosten-Spezialist übernommen

[05.05.2026] Den Travel-Management-Anbieter SMS System-Management Stiewi hat das Unternehmen MACH übernommen. Damit erweitert das Unternehmen sein Portfolio für die öffentliche Verwaltung. Die operativen Geschäftsaktivitäten werden durch die bisherige Leitung fortgeführt. mehr...

PricewaterhouseCoopers (PwC) gibt Tipps zur Cyber-Sicherheit in Ämtern und Behörden.

IT-Sicherheit: audius startet Quick Check

[30.04.2026] Sein Angebot für den Public Sector hat das Unternehmen audius um den Security Quick Check ergänzt. Dieser analysiert IT-Strukturen in Kommunen, identifiziert Schwachstellen und liefert konkrete Maßnahmen. mehr...

Axians Infoma: Neukunden und cloudbasierte Lösungen

[30.04.2026] 2025 sind diverse Kommunen aus verschiedenen Bundesländern mit Infoma-Lösungen in den Produktivbetrieb gestartet. Auch 2026 treibt Axians Infoma die Digitalisierung kommunaler Verwaltungen weiter voran, unter anderem mit cloudbasierten Lösungen und KI. mehr...

Frau am Schreibtisch mit Overlay aus Ordnericons und Dokumentenicons

NeueDigital Solutions/brainocons: Eine Plattform für viele Verfahren

[22.04.2026] Die Start-ups NeueDigital Solutions und brainocons verknüpfen eine Antragsplattform mit KI-gestütztem Wissensmanagement. Ziel ist die durchgängige Abbildung verschiedenster Verwaltungsprozesse – die auch über Abteilungsgrenzen hinweg Komplexität deutlich reduzieren kann. mehr...

Handschüttel-Foto

netgo: Neuer Technologiepartner für Dataport

[21.04.2026] Die netgo group hat eine europaweite Ausschreibung gewonnen und wird Technologiepartner von Dataport. Ab Juli 2026 soll das Unternehmen die Rolle des bisherigen Servicepartners übernehmen und unter anderem Leistungen rund um die Rechenzentrumsinfrastruktur erbringen. mehr...

William-Schmitt_KOMM.One
interview

Interview: Kooperation statt Konkurrenz

[13.04.2026] Im Kommune21-Interview spricht Komm.ONE-Vorstandsvorsitzender William Schmitt darüber, wie sich der kommunale IT-Dienstleister aus Baden-Württemberg neu positioniert – als Rechenzentrumsbetreiber, Plattformanbieter oder strategischer Impulsgeber? mehr...

Geburtstag 20

Databund: 20. Geburtstag gefeiert

[07.04.2026] Vor 20 Jahren wurde der Databund als Verband für die mittelständische IT-Wirtschaft im öffentlichen Sektor gegründet. Die Geburtstagsparty wurde für Rückblick und Ausblick genutzt. mehr...

Rahmenvereinbarung Prosoz ekom21 - zwei Männer, die sich die Hand schütteln

Prosoz/ekom21: Gemeinsam für Sozial- und Jugendwesen

[12.03.2026] Eine sechsjährige Rahmenvereinbarung mit dem IT-Dienstleister ekom21 hat jetzt das Unternehmen Prosoz unterzeichnet. Kommunen in Hessen können künftig Prosoz-Lösungen ohne eigene Ausschreibung einführen. mehr...

Fünf männliche Personen stehen in einem Besprechungsraum nebeneinander zum Foto versammelt.

OWL-IT: Verbandsspitze wiedergewählt

[04.03.2026] In ihrer konstituierenden Sitzung nach der Kommunalwahl 2025 hat die Verbandsversammlung des Zweckverbands Ostwestfalen-Lippe-IT (OWL-IT) ihre bisherige Verbandsspitze erneut gewählt. mehr...

Vektorgrafik: Fünf Personen halten je ein Puzzleteil

Niedersachsen: IT-Dienstleister bündeln Kräfte

[26.02.2026] Niedersachsens kommunale IT-Dienstleister bündeln ihre Kräfte ab sofort unter dem Dach von Komm2IT. Das Programm mit dem Ziel eines gesellschaftsrechtlichen Zusammenschlusses bis Anfang 2027 soll die Digitalisierung der Verwaltung in dem Bundesland spürbar voranbringen. 
 mehr...

Die Geschäftsführung der Little Bird Group steht zum Foto versammelt.

Little Bird Group: Vier Lösungsanbieter bündeln Kräfte

[16.02.2026] Als Little Bird Group treten künftig die Softwareunternehmen Little Bird, InstiKom, Stay Informed und Kita-Planer KP auf. Unter der neuen Dachmarke wollen sie ihre digitalen Lösungen für die Bildung und Betreuung von Kindern gemeinsam weiterentwickeln. mehr...

Vier Personen stehen nebeneinander an einem Tisch versammelt, zwei von ihnen unterzeichnen den Vertrag zwischen OWL-IT und regio iT.

OWL-IT / regio iT: Kooperation wird vertieft

[03.02.2026] Mit einem neuen Vertrag bündeln die beiden kommunalen IT-Dienstleister OWL-IT und regio iT ihre Zusammenarbeit in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Low Code und Automatisierung. Dadurch vertiefen sie ihre bereits bestehende Zusammenarbeit beim Personal- und Sitzungsmanagement. mehr...

Maren Warnecke zeigt Mira Jago etwas auf dem Bildschirm eines Laptops.
bericht

Cuckoo Coding / NOLIS: Echtes Win-win

[02.02.2026] Das Start-up Cuckoo Coding und der E-Government-Spezialist NOLIS haben eine App für Kommunen entwickelt. Die Geschäftsführerinnen Mira Jago, Cuckoo Coding, und Maren Warnecke, NOLIS, schildern ihre Erfahrungen und ziehen ein erstes Fazit. mehr...

Umfirmierung: Aus Lorenz Orga-Systeme wird sovero

[27.01.2026] Unter neuem Namen firmiert jetzt die Lorenz Orga-Systeme GmbH. Als sovero GmbH will sich das Unternehmen für Software, Beratung und Aktendigitalisierung ganzheitlich auf künftige Marktentwicklungen einstellen. Im Fokus steht weiterhin die öffentliche Verwaltung. mehr...