Donnerstag, 9. April 2026

E-PartizipationMitmachstadt für morgen

[18.03.2016] In einem Forschungsprojekt werden neuartige und zukunftsweisende Verfahren für eine frühzeitige, gestaltende Bürgerbeteiligung entwickelt. Unter anderem in der Mitmachstadt Herrenberg sollen sie dann mit den Bürgern erprobt werden.
Augmented Reality hilft

Augmented Reality hilft, städtebauliche Modelle besser zu verstehen.

(Bildquelle: Privat)

Damit Stadtentwicklungsprojekte und konkrete Gebietsentwicklungen erfolgreich verlaufen, wird eine transparente und frühzeitige Beteiligung aller relevanten Akteure immer entscheidender. Die drei Hauptakteure Bürgerschaft, Gemeinderat und Stadtverwaltung müssen in den Prozessen möglichst gut vernetzt und informiert miteinander und untereinander agieren können. Durch die passende Beteiligungsmethode sowie den richtigen Einsatzzeitpunkt können Vorhaben konfliktärmer, oftmals schneller und vor allem in höherer Qualität umgesetzt werden. Diese Erkenntnis aus der Praxis kommunaler Projekt- und Stadtentwicklung war ausschlaggebend dafür, dass sich Herrenberg am interdisziplinären Projektantrag „Reallabor Stadt:quartiere 4.0 – Frühzeitige gestaltende Bürgerbeteiligung für eine nachhaltige Entwicklung Baden-Württembergs“ beteiligt hat. Mit im Boot waren die Universität Stuttgart, das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO sowie die Städte Stuttgart und Meßstetten. Im Oktober 2015 wurde der Antrag mit sechs anderen Projekten aus insgesamt 27 Anträgen ausgewählt und erfolgreich in die Förderkulisse des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst aufgenommen. Damit stehen in den kommenden drei Jahren Projektmittel des Landes in Höhe von knapp 1,2 Millionen Euro für die Projektpartner zur Entwicklung interaktiver und gestaltender Bürgerbeteiligung zur Verfügung. Bei einem Besuch im Höchstleistungsrechenzentrum der Universität Stuttgart übergab Forschungsministerin Theresia Bauer im Dezember 2015 den Projektpartnern der Institute und Vertretern der Städte Stuttgart und Herrenberg den Förderbescheid. Die Projektbeteiligten der beiden Institute und Städte nutzten die Gelegenheit zu einem ersten vorbereitenden Arbeitstreffen, um in die Planung der nächsten Schritte einzusteigen. Im Forschungsprojekt sollen neuartige und zukunftsweisende Verfahren für eine frühzeitige gestaltende Bürgerbeteiligung entwickelt und gemeinsam mit den Städten Stuttgart und Herrenberg an ausgewählten Referenzquartieren zusammen mit der Bevölkerung erprobt werden. Stadtverwaltung und Gemeinderat erhoffen sich, dass damit die Mitmachstadt Herrenberg nochmals einen Schritt nach vorne machen kann. Insbesondere die Übertragbarkeit vom technisch Möglichen auf die kommunale Planungsrealität kleinerer Städte wird einen spannenden Teilaspekt darstellen.

Virtual Reality für mehr Durchblick

Weder Forschung noch Stadtplanung wird heutzutage nur in den Räumen der Universitäten oder Rathäuser betrieben. Die Verantwortlichen in Herrenberg sind sich daher sicher, dass insbesondere die Qualität der Stadtentwicklung von der frühzeitigen Einbindung aller relevanten Akteure – allen voran der Bürgerschaft – deutlich profitieren wird. Durch den richtigen Einsatz moderner Virtual-Reality-Techniken können die immer komplexer werdenden Planungsvorhaben in den Städten und Gemeinden von Bürgern leichter verstanden werden. Die Qualität der Beteiligung aller Akteure kann verbessert werden, weil sich inhomogene Kenntnisstände und Verständnisebenen ein Stück weit ausgleichen lassen. Ebenso können Planungsvarianten schnell miteinander und sogar in ihren Auswirkungen verglichen werden, beispielsweise mit Blick auf Luftströme, Lärm oder Verschattung. Durch den Einsatz der Virtual Reality können sich Bürger aus ihrer realen (Fußgänger-)Perspektive über Planungen informieren – und zwar unabhängig davon, ob sie die abstrakten Darstellungen eines Modells oder zweidimensionalen Plans verstehen. Das Forschungsvorhaben passt deshalb wie der berühmte Deckel auf den Topf zur Mitmachstadt Herrenberg und den Projekten aus dem Stadtentwicklungskonzept Herrenberg 2020. Das Know-how und die technischen Möglichkeiten der Forschungsinstitute einerseits und die praktischen Erfahrungen der Städte andererseits sollen dabei zusammenwirken. Stadtentwicklungsprojekte aus Herrenberg 2020 – zum Beispiel das Gelände des ehemaligen Freibads oder das BayWa-Areal – profitieren. Im Reallabor Stadtquartiere 4.0 werden solche Vorhaben durch optimale Beteiligungs- und Planungsprozesse auf eine breite Basis gestellt und viele Ideen aus Bürgerschaft, Gemeinderat und Verwaltung besser eingebracht. Bürger sollen nicht nur frühzeitig in die Stadtentwicklung einbezogen werden, sondern sich mithilfe digitaler Verfahren und Simulationen ein Bild von den Zukunftsplanungen machen können. Zusätzlich wird das Zusammenspiel von Wissenschaft, Kommunen, Bürgern und Wirtschaft bei der Gestaltung lebenswerter Städte für die Zukunft gestärkt. Insofern ist dieses Forschungsprojekt eine echte Chance für die nachhaltige und qualitätvolle Entwicklung unserer Städte und Gemeinden.

Tobias Meigel ist Erster Bürgermeister der Stadt Herrenberg und Leiter des Baudezernats der Stadt.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: E-Partizipation
Screenshot der Radspur-App im App-Store.

Kirchenlamitz: Radspur-App liefert Daten aus der Praxis

[20.03.2026] Mit welcher Frequenz Radwege genutzt werden und ob es auf den Strecken Verbesserungsbedarfe gibt, will die Stadt Kirchenlamitz mithilfe einer App herausfinden. Ist die Anwendung auf dem Smartphone installiert und aktiviert, kann sie anonymisiert GPS- und Erschütterungsdaten erfassen. Auch können die Nutzerinnen und Nutzer über die App auf Gefahrenstellen oder Hindernisse hinweisen. mehr...

Die drei Stadtoberhäupter stehen zum Foto versammelt, OB Hetjes hält einen Laptop in den Händen auf dessen Bildschirm das Beteiligungsportal Seid Dabei eingeblendet ist.

Bad Homburg v. d. Höhe / Friedrichsdorf / Wehrheim: Gemeinsame Beteiligungsplattform

[19.03.2026] Mit Seid Dabei haben Bad Homburg v. d. Höhe, Friedrichsdorf und Wehrheim eine gemeinsame Beteiligungsplattform gestartet, auf der jede Kommune zwar einen eigenen Bereich verwaltet, die technische Infrastruktur aber mit den anderen teilt. mehr...

Mehrere Personen stehen nebeneinander, im Hintergrund sind Aussteller des eGo-Saar und von Gerda BürKI zu sehen.
bericht

Gersheim: Mehr Service mit Gerda

[27.02.2026] Die Gemeinde Gersheim hat gemeinsam mit dem Zweckverband eGo-Saar einen KI-Chatbot pilotiert, der die Verwaltung entlastet und den Bürgerservice verbessert. Der Prototyp kann künftig in allen saarländischen Kommunen eingesetzt werden. mehr...

Mehrere Personen stehen um einen Maptable versammelt und bearbeiten eine Stadtkarte.
bericht

E-Partizipation: Möglichkeiten und Grenzen

[26.02.2026] Analoge Beteiligungsformate sprechen nur eine begrenzte Anzahl von Bürgerinnen und Bürgern an. Fügen Kommunen digitale Partizipationsangebote planvoll hinzu, erreichen sie mehr Zielgruppen. Wichtig ist die intelligente Kombination der beiden Ansätze. mehr...

ein Laptop auf dessen Display die Website zur Beteiligungsplattform der Stadt Darmstadt aufgerufen ist

Darmstadt: Digitalstrategie mitgestalten

[25.02.2026] Mit einer neuen Digitalstrategie will die Stadt Darmstadt wichtige Weichen für die Zukunft ihrer digitalen Verwaltung und Services stellen. In die finale Fassung sollen auch Anregungen aus der Bürgerschaft einfließen. mehr...

Blau-Grün-Weißes Logo von Beteiligung NRW mit verschiedenen farbigen Quadraten und kommunikationsbezogenen Icons (Stift, Monitor, Sprechblase usw.)

Nordrhein-Westfalen: Viel Zuspruch für Beteiligung NRW

[24.02.2026] Vier Jahre nach dem Start hat sich die digitale Plattform Beteiligung NRW etabliert: Mehr als 264 Kommunen und Behörden nutzen das vom Land finanzierte Portal, über das bislang rund 23.000 Verfahren abgewickelt und etwa 26 Millionen Seitenaufrufe verzeichnet wurden. mehr...

Screenshot des Dashboards zur lokalen E-Partizipation mit eingeblendeter Werkzeugleiste.

Studie: Erfolgsfaktoren lokaler E-Partizipation

[23.02.2026] Eine Studie gibt erstmals einen Überblick darüber, welche digitalen Beteiligungsformate Kommunen nutzen, welche Ziele sie damit verfolgen und wie erfolgreich diese Maßnahmen sind. Es zeigen sich unter anderem strukturelle Unterschiede zwischen Großstädten, kleineren Städten sowie Gemeinden in Ost- und Westdeutschland. Fast alle Kommunen wollen mit der E-Partizipation politische Entscheidungsprozesse transparenter gestalten. mehr...

Vektorgrafik, die eine Person zeigt, die am Desktop-Rechner eine Umfrage zu Spielplätzen beantwortet.
bericht

E-Partizipation: Leichter Einstieg

[20.02.2026] Das MeldooPLUS-Modul Bürgerbeteiligung bietet einen niedrigschwelligen Einstieg in die digitale Partizipation. Vor allem kleineren Kommunen erlaubt es das Modul, erste Online-Umfragen umzusetzen und zu verstetigen. mehr...

Screenshot von Klimaanpassung Haarburg

Hamburg: Bürgerbeteiligung mit offener Lizenz

[19.02.2026] Hamburg startet als erste Stadt die standardisierte Veröffentlichung von Bürgerbeiträgen unter einer Open-Data-Lizenz. Die neue Funktion kommt erstmals beim Beteiligungsverfahren „Klimaanpassung Harburg“ zum Einsatz. mehr...

Mehrere Personen stehen um einen Datentisch versammelt, auf dem ein Stadtplan zu sehen ist.

Halle (Saale): Kartenbasierte Bürgerbeteiligung

[12.02.2026] Die Stadt Halle (Saale) führt nun die erste interaktive, digitale Bürgerbeteiligung über die 3D-Software HAL-Plan durch. Bis zum 13. März stehen hier interaktive Themenkarten zum geplanten neuen Flächennutzungsplan der Kommune zur Verfügung. Dank eines sogenannten Storymoduls können die Rückmeldungen dazu direkt in die Karten eingetragen werden. mehr...

Mehrere Personen sitzen im Rahmen einer Veranstaltung zusammen und stimmen per Handzeichen über etwas ab.

Offenbach: Neue Informations- und Beteiligungsmöglichkeiten

[04.02.2026] Die Offenbacher Mitreden-Plattform wartet mit neuen Informations- und Beteiligungsmöglichkeiten auf. Eine Vorhabenliste zeigt nun aktuelle städtische Projekte und gegebenenfalls die Beteiligungsmöglichkeiten an. Auch können die Bürgerinnen und Bürger eigene Ideen zur Verbesserung der Lebensqualität in der Stadt einreichen. mehr...

Ein durchsichtiges Sparschwein steht auf zahlreichen 50-Euro-Scheinen.

MACH: Digital unterstützter Bürgerhaushalt

[15.01.2026] Mit einer Plattform unterstützt das Unternehmen MACH Kommunen bei der Durchführung von Bürgerhaushalten. Die Plattform ist eng mit der MACH Finanzsoftware verzahnt. Der Bürgerhaushalt wird somit nicht als isoliertes Beteiligungsprojekt umgesetzt, sondern direkt in die bestehende Haushalts- und Finanzplanung integriert. mehr...

Screenshot der Startseite von themen.buergerinnenkonzil.de.

Konstanz: Themen für Bürgerrat vorschlagen

[06.01.2026] Über eine Onlineplattform können die Konstanzerinnen und Konstanzer jetzt solche Themen vorschlagen, die ihrer Meinung nach ein Bürgerrat aufgreifen sollte. Spruchreif wird ein Vorschlag dann, wenn für ihn 800 Unterschriften außerhalb der Plattform gesammelt werden können. mehr...

Die Pforzheimer Innenstadt. Im Vordergrund hebt eine Hand ein Handy, im Hintergrund ist eine Informationsstele zu sehen

Pforzheim: App-Gestaltung mit Bürgern

[17.12.2025] In die Entwicklung von Stadt-App und Informationsstelen bezieht die Stadt Pforzheim die Bevölkerung ein. Die Online-Beteiligung läuft noch bis 31. Januar. mehr...

Screenshot der Startseite von Talbeteiligung.de.
bericht

Wuppertal: Offen und lernbereit

[15.12.2025] Die Stadt Wuppertal geht neue Wege in der E-Partizipation mit dem Ziel, eine lernende Verwaltung zu schaffen, die mit jedem Beteiligungsprozess besser wird. Im Zentrum der Wuppertaler Beteiligungslandschaft steht die Plattform talbeteiligung.de. mehr...