Dienstag, 8. September 2026

WienPlaudern mit dem Bot

[20.08.2018] Wenn morgen nur noch Sprachassistenten genutzt werden – sind Sie darauf vorbereitet? Die Antwort der Stadt Wien: ein Chatbot mit Sprachfunktion, der auf die Fragen der Bürger konkrete Antworten gibt. Der Beginn eines radikalen, inhaltlichen Wandels.
WienBot-App: Sprachfunktion nutzen statt tippen.

WienBot-App: Sprachfunktion nutzen statt tippen.

(Bildquelle: Martin Votava)

Wer in der Stadt unterwegs ist oder regelmäßig mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt, wird mit großer Wahrscheinlichkeit bereits Zeuge eines Phänomens geworden sein: Junge Menschen, die ihr Smartphone waagrecht vor den Mund halten und plaudern. Oder solche, die mit Kopfhörern in den Ohren und Mikrofon an den Lippen zu telefonieren scheinen, wobei das Gespräch ohne Punkt und Komma jedoch mehr einem Monolog gleicht. Und dann gibt es noch diejenigen, die in der U-Bahn sitzen und sich genau diese Monologe mit dem Smartphone direkt am Ohr anhören. Das Phänomen, von dem hier die Rede ist, nennt sich Sprachnachricht. Sich einfach selbst aufzunehmen, statt zeitfressende Telefonate zu führen oder aufwendige Textnachrichten zu verfassen, wird auch in unseren Breiten immer beliebter. So kann man die Erlebnisse eines ganzen Tages loswerden, ohne sich die Finger wund zu tippen oder viel Zeit für verschiedenste Gesprächspartner einplanen zu müssen – inklusive persönlicher Note, exklusive missverständlicher Emojis.
Dieses Phänomen zeigt: Digitale Assistenten spielen in unserer täglichen Kommunikation eine immer größere Rolle. Das lässt sich auch im Bereich Smart Home erkennen. In immer mehr Haushalte im deutschsprachigen Raum ziehen Sprachassistenten wie Siri (Apple), Alexa (Amazon) oder Google Assistant ein. Sie sind praktische Begleiter im Alltag, wissen, welche Termine wir haben, was auf unserer Einkaufsliste steht, wie das Wetter morgen wird und spielen unsere Lieblingssongs.

Userzentriert auf allen Kanälen

Aber längst experimentieren nicht mehr nur die internationalen Branchengrößen mit intelligenten Sprachassistenten: Mitte Dezember 2017 hat die Stadt Wien eine eigene Chatbot-App auf den Markt gebracht mit integrierter Sprachein- und -ausgabefunktion. Den WienBot, so heißt der Chatbot der österreichischen Bundeshauptstadt, kann man nach Parkgebühren und Eintrittspreisen, Öffnungszeiten und Veranstaltungen fragen. Man kann sich von ihm den nächsten Trinkbrunnen oder Müllsammelstellen in der Nähe im Stadtplan anzeigen lassen. Ebenso wann die nächste U-Bahn fährt und wie man am schnellsten zum Prater kommt. Das und noch viel mehr beantwortet der Chatbot kurz und prägnant direkt in der App.
Dass der WienBot heute relevante Informationen gut aufbereitet präsentiert, ist Ergebnis eines langen Prozesses und erfordert andauernde Weiterentwicklung. Den Ausgangspunkt bildet die Idee der stadteigenen Content-Strategie: Die Bürger sollen relevante Informationen übersichtlich dargestellt und in einfacher Sprache erhalten. Diesen Leitsatz kanalunabhängig umzusetzen, ist Aufgabe der Experten der Stadt Wien. Durch die laufende Rückmeldung engagierter Bürger ist es für die Verwaltung einfacher geworden, auf allen Kanälen userzentriert zu handeln.

Städtische Inhalte optimiert

Zwar kann die Stadt Wien heute positiv auf die bereits erzielten Ergebnisse blicken, lange Zeit jedoch konnten die Inhalte nicht die Erwartungshaltung aktiver und moderner Bürger erfüllen. Durch die Entwicklung des WienBots setzt sich die Stadt kritisch mit den eigenen Inhalten auseinander und optimiert diese für unterschiedliche Kanäle wie Smartphones und Tablets oder neue technologische Entwicklungen wie Chatbots und digitale Assistenten. Auch wenn es sich hierbei um einen laufenden Prozess handelt, ist es der Stadt wichtig, dass Nutzer unabhängig vom Kanal Antworten auf ihre Fragen bekommen. Ganz egal, ob die Bürger ihre Informationen via Website, Google-Suche, Facebook oder Voice-Assistants beziehen. Die Aufgabe der Verwaltung liegt darin, die Informationen entsprechend optimiert bereitzustellen. Und zwar dort, wo sie nachgefragt werden. Nur durch diesen intensiven Prozess der Adaption lässt sich die Servicequalität der eigenen Inhalte langfristig verbessern. Zugleich werden die Mitarbeiter im Bürgerservice von wiederkehrenden Anfragen teilweise entlastet.

Mut zur Vereinfachung

Die Orientierung an den Bedürfnissen der Nutzer lohnt sich für die Stadt Wien, denn der Chatbot wird von der Bevölkerung sehr gut angenommen. Einfach verständliche Sprache, eine übersichtliche Informationsaufbereitung und die Reduktion von Details sorgen für eine hohe Erfolgsquote bei der Beantwortung von Fragen. Dafür war es enorm wichtig, den Mut aufzubringen, Inhalte radikal zu vereinfachen und dadurch mehr Nähe zur Wiener Bevölkerung herzustellen.
Im Rahmen der WienBot-Entwicklung wurden die Anforderungen an den Content nochmals komplett neu gedacht. Oberste Prämisse: Die Fragen der Bürger direkt zu beantworten. Dass immer häufiger mit dem Bot gesprochen statt getippt wird, zeigt, dass die Stadt Wien mit der Integration der Sprachein- und -ausgabe in der App bereits einen großen Schritt in die richtige Richtung getan hat. Für die Zukunft bedeutet das, dass das Thema Voice bei der Überarbeitung und Neuaufbereitung von Inhalten noch stärker in den Fokus rücken muss.

Carmen Fritz ist als Content-Strategin bei der Stadt Wien unter anderem für die Entwicklung und Vermarktung von digitalen Produkten wie dem WienBot verantwortlich.

Der WienBot in Kürze, • Im Herbst 2016 startete die Stadt Wien die Testphase des Chatbots via Facebook Messenger.
• Seit Dezember 2017 gibt es eine eigene WienBot-App.
• Wer lieber plaudert, kann mit dem Bot via Sprachfunktion chatten.
• Wiener Charme inklusive: Spricht man mit dem WienBot, antwortet er auf Wienerisch.
• Der WienBot gibt Antworten zu mehr als 350 Themen der Stadt.
• Häufig gefragt: Parken, Events, Wetter, Essen und Fundservice.



Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Social Media
Screenshot der Social Wall

Arnsberg: Soziale Medien ohne Hürden

[04.09.2026] Die Stadt Arnsberg macht städtische Informationen aus Social Media einfacher erreichbar – auf einer sogenannten Social Wall, die auf der Stadtwebseite eingebettet ist. Damit werden doppelt Hürden abgebaut: Das Angebot ist barrierefrei und funktioniert ohne Nutzeraccount. mehr...

Hand über einer gelb-grauen Tischoberfläche, dazu kleine Holzquader mit aufgedruckten menschlichen Silhouetten, die „Personal“ versinnbildlichen sollen

Dortmund: Recruiting per Instagram

[20.08.2026] Die Stadt Dortmund hat auf Instagram einen Karriere-Account gestartet. Er informiert über Ausbildung, duales Studium und Karrierewege im öffentlichen Dienst und gibt Einblicke in verschiedene Berufsfelder. So will die Stadt junge Menschen frühzeitig bei der Berufsorientierung erreichen und die berufliche Vielfalt der Stadtverwaltung zeigen. mehr...

Drei Menschen stehen nebeneinander in einem Raum mit dunkler Holzvertäfelung.


Baden-Baden: Lebensgefühl der Stadt im Podcast

[10.08.2026] Am Anfang war es nur eine Idee: Was wäre, wenn man Baden-Baden hörbar macht? Nach sieben Folgen hat sich der Podcast zu einer kleinen Erfolgsgeschichte entwickelt. In der jüngsten Folge meldet sich Oberbürgermeister Thomas Jung zu Wort. mehr...

Screenshot von www.trier.de/social-media

Trier: Website bündelt Social-Media-Beiträge

[24.07.2026] Ihre Social-Media-Beiträge stellt die Stadt Trier jetzt allen Interessierten gebündelt auf ihrer Website zur Verfügung. mehr...

Hände einer Person mit Smartphone, darüber schweben Social-Media-Icons und Emojis
bericht

Social Media: Persönlichkeit wagen

[14.07.2026] Kommunale Kommunikation braucht Social Media. Accounts, hinter denen echte Amtsträger stehen, erreichen mit Authentizität neue Zielgruppen, sie informieren und klären auf. Eine Bürgermeisterin und ein Landrat berichten über die Arbeit als Content Creator. mehr...

Mikrofone auf einem Schreibtisch im Vordergrund das Logo des Magdeburger Verwaltungspodcast Vordergrund

Magdeburg: Stadtverwaltung startet Podcast

[09.07.2026] In ihrem neuen Podcast „Mit Brief und Siegel“ gibt Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt Magdeburg ab sofort immer montags Einblicke in die Arbeit der Stadtverwaltung. mehr...

Benedikt Döllmann_Tübingen
interview

Social Media: Kommunalpolitik gut erzählt

[16.06.2026] Ein junger Tübinger Kommunalpolitiker erreicht via Instagram mit Videos über Gemeinderat, Klimaschutz und Lokalpolitik ein großes Publikum. Im Interview spricht Benedikt Döllmann über Authentizität und darüber, warum Social Media wichtig ist. mehr...

Social Media: Leitplanken für Behörden-Accounts

[08.06.2026] Der rheinland-pfälzische Datenschutzbeauftragte hat einen neuen Handlungsrahmen für die Social Media-Nutzung öffentlicher Stellen vorgelegt. Soziale Medien sind für die Behördenkommunikation wichtig – es braucht aber klare Nutzungskonzepte und auch alternative Informationswege. mehr...

Screenshot des Krefelder Kanals auf Mastodon.

Krefeld: Mastodon stärkt digitale Souveränität

[03.03.2026] Mit ihrem neuen Social-Media-Kanal bei Mastodon will die Stadt Krefeld ihre Kommunikation unabhängiger von großen, werbefinanzierten Social-Media-Plattformen aus den USA gestalten und alternative digitale Infrastrukturen stärken. Die etablierten Social-Media-Kanäle bei Facebook, Instagram, YouTube, LinkedIn und Bluesky bleiben bestehen. mehr...

Aachen: Jetzt auch auf WhatsApp

[20.02.2026] 
Wer sich über Neues aus der Verwaltung der Stadt Aachen auf dem Laufen halten will, kann dazu jetzt den neuen WhatsApp-Kanal der Kommune nutzen. mehr...

Einige abgestellte Polizei-PKWs

Polizeipräsidium Reutlingen: Informieren über WhatsApp

[13.02.2026] Immer mehr öffentliche Stellen nutzen die Kanalfunktion von WhatsApp, um Bürgerinnen und Bürger über ihre Arbeit, aber auch über aktuelle Lagen zu informieren. Ab sofort ist auch das Reutlinger Polizeipräsidium darunter, das gleich vier Landkreise abdeckt. mehr...

Kassel_start_Amtfluencer auf LinkedIn

Kassel: Amtfluencer auf LinkedIn

[01.12.2025] Das Pilotprojekt Amtfluencer hat die Stadt Kassel auf LinkedIn gestartet: 13 Beschäftigte aus allen Teilen der Verwaltung geben persönliche Einblicke in ihren Berufsalltag und zeigen, wie vielfältig die städtischen Aufgaben sind. mehr...

Instagram-Kanal der Stadt Oldenburg auf Handy in der Hand angezeigt

Oldenburg: Feedback zu Instagram

[19.09.2025] Die Stadt Oldenburg fragt ihre Nutzer nach Feedback zum städtischen Instagram-Auftritt. Die Teilnahme an der Online-Umfrage ist bis Ende September möglich. mehr...

Eine Hand hält ein Smartphone, auf dessen Bildschirm der neue WhatsApp-Kanal der Wissenschaftsstadt Darmstadt mit Informationen zu Veranstaltungen, Freizeitangeboten und Verkehrshinweisen angezeigt wird.

Darmstadt: Erfolgreiche Kommunikationsstrategie

[15.09.2025] 
Sozialen Medien kommt im Kommunikationsmix der Stadt Darmstadt eine wichtige Rolle zu. Um die Social-Media-Präsenz auszubauen, ist zum Beispiel die Einführung weiterer Kanäle wie LinkedIn oder TikTok geplant. Zudem will die Stadt einen Newsroom etablieren. mehr...

Mannheim: Feuerwehr startet auf Social Media

[12.09.2025] Auf Instagram und Facebook ist jetzt die Feuerwehr Mannheim vertreten. Darüber werden Sofortmeldungen bei Gefahrensituationen sowie Einsatzberichte und Einblicke in den Alltag der Feuerwehr geteilt. Informationen zu Einstellungsverfahren und Ausbildungsmöglichkeiten runden das Angebot ab. mehr...