Montag, 28. September 2026

Spiegelau-FrauenauDigitales Dorf

[19.02.2019] Mit einem ganzheitlichen Ansatz begegnet das „Digitale Dorf Spiegelau-Frauenau“ den Herausforderungen der Digitalisierung. Und ist dabei so erfolgreich, dass das von der Baye­rischen Staatsregierung geförderte Projekt um zwei Jahre verlängert werden soll.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier informiert sich über digitale Pioniere.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier informiert sich über digitale Pioniere.

(Bildquelle: Technologiecampus Grafenau/Barbara Kohl/Theresa Kappl)

In dem Projekt „Digitales Dorf Spiegelau-Frauenau“ wird aktuell erprobt, wie Digitalisierung gerade in den ländlichen Räumen Bayerns helfen kann, die täglichen Herausforderungen besser zu bewältigen. Dabei steht der Mensch im Zentrum. Mithilfe von digitalen Instrumenten soll es gelingen, einen Mehrwert zu generieren, der unmittelbar an den jeweiligen Lebenssituationen der Menschen ansetzt und den Bürgern in Spiegelau und Frauenau direkt zugutekommt.
Digitale Instrumente an sich sind nichts Neues. Im Projekt wird deshalb ein vernetzter Ansatz verfolgt, der zahlreiche Lebensbereiche erfasst und verbindet. Das „Digitale Dorf“ bildet das gemeinsame Dach für vielfältige Teilprojekte, die jeweils gemeinsam mit dem Technologiecampus der Hochschule Deggendorf in Grafenau entwickelt werden und hier nur exemplarisch vorgestellt werden können.

Medizinische Versorgung

In dem vom Bayerischen Gesundheitsministerium geförderten Projekt „MeDiLand – Medizin Digital zur Verbesserung der Versorgung auf dem Land“ soll dem Haus- und Fachärztemangel in den ländlichen Räumen entgegengewirkt werden. Auf Basis des VERAH-Konzepts, welches ursprünglich von Ärzten erbrachte Leistungen an medizinisch qualifiziertes Fachpersonal delegiert, wird es künftig mithilfe von digitaler Ausstattung möglich sein, Vitaldaten an die Hausarztpraxis zu übertragen, ohne dass der Hausarzt vor Ort sein muss. Durch eine gleichzeitige Vernetzung mit den Kliniken der ersten und zweiten Stufe sowie dem Universitätsklinikum Regensburg werden zudem medizinische Leistungen mit hohem Qualitätsstandard auch in den digitalen Modelldörfern lokal verfügbar gemacht.

Digitale Klassenzimmer

Im Teilbereich Schule sollen schrittweise digitale Klassenzimmer in den Grundschulen der beiden Modelldörfer etabliert werden. Hierzu wurden im ersten Schritt sämtliche Klassenzimmer und Unterrichtsräume mit modernen Glasfaserleitungen verkabelt. In einem zweiten Schritt erfolgte die Ausstattung der Klassenzimmer mit zeitgemäßer IT und WLAN-Hotspots. Darüber hinaus befindet sich derzeit eine Schulplattform im Aufbau, die neben dem Dokumentenaustausch auch eine direkte Kommunikation zwischen Eltern und Lehrkräften ermöglicht. Die neue digitale Ausstattung geht mit dem an die neuen Angebote angepassten digitalen Medienkonzept der beiden Grundschulen einher. Hier wird ein Schwerpunkt auf das Thema Medienkompetenz gelegt.

Elektronische Bürgerservices

In den beiden Modelldörfern befinden sich bereits seit Längerem Bürgerserviceportale im Einsatz, die zahlreiche Behördengänge obsolet machen. So lassen sich beispielsweise Meldebescheinigungen, Wahlunterlagen oder verschiedene Urkunden online von zu Hause aus anfordern. Auch die Wasserzählerstände können der Kommune über das Portal mitgeteilt werden. Mithilfe des sicheren Dialogs können die Bürger in der Gemeinde Spiegelau künftig auch weitere Unterlagen und Anträge online einreichen. Die bestehenden Services sollen in einem zweiten Schritt um die Angebote der Landratsämter erweitert werden. Bei der Gemeinde Frauenau befindet sich darüber hinaus eine Bauhof-Applikation in der Erprobung. Mithilfe dieser App können Bürger Schadenssituationen, die sie in der Gemeinde beobachten, via Smartphone melden. Auch für den Bereich der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung werden aktuell digitale Lösungen entwickelt. So wird neben der flächendeckenden Erstellung digitaler Leitungskatas­ter eine Möglichkeit für Bürger geschaffen, mittels eines zeitlich befristeten Zugangs direkt auf die sie betreffenden Ausschnitte der jeweiligen Kataster zuzugreifen. Notwendige Spartenauskünfte werden so deutlich beschleunigt und vereinfacht.

Rufbus für mehr Mobilität

Die besondere Struktur von Spiegelau mit insgesamt 33 Gemeindeteilen erfordert auch neue Formen der Mobilität, um dauerhaft allen Generationen Zugang zu Nah- und medizinischer Versorgung zu ermöglichen. Im September 2018 wurde vor diesem Hintergrund ein neues Rufbussystem etabliert, welches sämtliche Gemeindeteile mit dem Hauptort und der dortigen Infrastruktur verbindet. In den kommenden Monaten wird eine App programmiert, die neben der Online-Buchbarkeit auch die Routenführung des neuen Rufbusses angepasst an die jeweilige Buchungssituation optimieren soll.

Dahoam 4.0

Die Teilprojekte im „Digitalen Dorf Spiegelau-Frauenau“ werden auf der gemeinsamen Plattform Dahoam 4.0 zusammengefasst. Die Bürger der beiden Modelldörfer sollen alle verfügbaren digitalen Angebote auf einer zentralen Plattform abrufen können.
Um einen möglichst niedrigschwelligen Zugang zum Thema Digitalisierung für alle Generationen zu schaffen, werden im Rahmen des Teilprojekts BLADL (Besser leben im Alter durch digitale Lösungen) praxisnahe Schulungen im Bereich Medienkompetenz angeboten. Senio­ren können so mehr Sicherheit im Umgang mit digitalen Angeboten entwickeln.

Passgenaue Angebote

Die wichtigste Basis für den großen Erfolg des Projekts bildet eine intensive und ergebnisoffene Bürgerbeteiligung. Ziel ist es dabei nicht, eine 100-Prozent-Digitalisierung um jeden Preis durchzusetzen und den Bürgern schmackhaft zu machen. Vielmehr können diese im Rahmen des Beteiligungsprozesses das Tempo der Digitalisierung mitbestimmen und die jeweiligen neuen Angebote entsprechend ihrer Bedürfnisse frei gestalten und entwickeln. Mit dieser Methodik ist es den Modellkommunen in den vergangenen beiden Jahren wiederholt gelungen, passgenaue und zielgruppenorientierte Angebote zu schaffen, die bei den Bürgern auf hohe Akzeptanz stoßen.
Dank des vernetzten Ansatzes erhält das „Digitale Dorf Spiegelau-Frauenau“ Bekanntheit weit über die Gemeinde- und Landkreisgrenzen hinaus. Aufgrund des großen Erfolgs ist vorgesehen, das Projekt um weitere zwei Jahre zu verlängern.

Karlheinz Roth ist Erster Bürgermeister der Gemeinde Spiegelau.




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