Dienstag, 12. Mai 2026

SAPDen Erfindergeist wecken

[02.03.2020] Die Industrie ist bei der Automatisierung weit fortgeschritten, auch die Vorteile von Cloud-Services werden geschätzt. Was kann die öffentliche Hand davon lernen? Kommune21 sprach darüber mit Nikolaus Hagl, Leiter des Geschäftsbereichs Public Sector bei SAP.
Nikolaus Hagl

Nikolaus Hagl, Leiter des Geschäftsbereichs Public Sector bei SAP

(Bildquelle: K21 media AG)

Herr Hagl, vor fast einem Jahr haben Sie die Leitung des Geschäftsbereichs Pub­lic Services & Healthcare bei SAP übernommen (wir berichteten). Wie lautet Ihre erste Bilanz?

Ich muss sagen, dass sich die Erwartungen übererfüllt haben. Ich war sofort begeistert, als ich gefragt wurde, ob ich den Job machen will. Nun kann ich sagen, es hat mich persönlich weitergebracht und mir gezeigt, dass die Entscheidung richtig war. Wir haben sehr viele inte­ressante Projekte gestartet oder sind gerade dabei. Wie wir beispielsweise in der Stadt München mit der Digitalisierung vorankommen, macht richtig Mut. Von daher ist es rundum eine sehr positive Bilanz.

Sie kommen aus dem SAP-Bereich Industrie und haben sich zuletzt um das Thema Fertigung gekümmert. Wie haben Sie den Wechsel erlebt?

Natürlich musste ich mich erst auf die neue Zielgruppe einstellen. Aber ich hatte Unterstützung von allen Seiten, so ist mir der Umstieg leicht gefallen. Da wir die Anforderungen und Bedürfnisse unserer Kunden in den Mittelpunkt stellen, müssen wir sie natürlich genau kennen. Mir war es deshalb wichtig, die Denkweise der Verantwortlichen in Ämtern und Behörden zu verstehen. Mittlerweile sind wir da sehr gut aufgestellt. Mein Team und ich verstehen nun sehr gut, was die öffentliche Hand braucht und können dadurch innovative Lösungskonzepte entwickeln.

Wo liegen Unterschiede zwischen Industrie und öffentlicher Hand?

Bei der Digitalisierung ist die Industrie einen Schritt weiter. Wir übertragen jetzt die Erfahrungen aus diesem Geschäftsbereich auf den Public Sector. Die Industrie hat auch erkannt, welche Vorteile Cloud-Services bringen. Für uns heißt es nun, die Rahmenbedingun­gen zu schaffen, damit diese Dienste auch für die öffentliche Hand nutzbar sind.

Was kann die öffentliche Verwaltung von der Automatisierung von Unternehmensprozessen lernen?

Die Industrie hat vorgemacht, dass Automatisierung funktioniert. Es gilt nun herauszufinden, wie Behörden ihre Prozesse am besten automatisieren können. Der Handlungsdruck ist da: durch den demografischen Wandel entsteht ein gewisser Automatisierungszwang. Sonst wird es nicht mehr möglich sein, die Dienstleistungen der öffentlichen Hand weiter in der gewohnten Qualität zu erbringen. Aber nicht der Zwang sollte die Motivation sein, sondern die Erkenntnis, dass durch automatisierte Services auch Mehrwerte für alle Seiten entstehen.

Welche Vorteile bringt die neue Plattform S/4HANA?

Man kann mit der Technologie beispielsweise die Finanzprozesse standardisieren und dann flexibel auch andere Prozesse anpassen. So können einfache Übergänge geschaffen werden. Die Mitarbeiter können ebenfalls viel schneller mit dem System umgehen, das war früher zugegebenermaßen nicht unsere Stärke. Bei S/4 sind die Oberflächen sozusagen Facebook-tauglich.

Welche Trends bei der Digitalisierung werden den Public Sector im neuen Jahrzehnt besonders beschäftigen?

Digitale Souveränität ist derzeit ein wichtiges Thema. Es geht auch für uns darum, wie wir der öffentlichen Hand sichere Services aus der Cloud anbieten können. Mit der Initiative Gaia-X können in Europa sichere Datennetze geschaffen werden.

Ist es tatsächlich ein gangbarer Weg, staatliche Cloud-Strukturen zu schaffen?

Wir sind einer der Partner bei Gaia-X, insofern glauben wir schon, dass es machbar ist. Wir sehen uns als deutsches Unternehmen in der Pflicht, bei diesen Themen mitzuarbeiten und zur Wahrung der digitalen Souveränität beizutragen. Wir wollen die Rahmenbedingungen schaffen, um die Datensicherheit zu garantieren. Hier stehen wir auch im Dialog mit den kommunalen Rechenzentren, um diese Anforderungen auf regionaler Ebene umzusetzen.

„Wir müssen wieder lernen, etwas auszuprobieren – auch mit dem Risiko zu scheitern.“
Welche Rolle spielen Analytics, künstliche Intelligenz und vernetzte Infrastrukturen in der öffentlichen Verwaltung?

Mit Datenanalysen kann man sehr schnell Mehrwerte schaffen. Das ist auch kein neues Thema, aber mit den neuen Technologien haben wir viel mehr Möglichkeiten bei der Datenauswertung. Wir bieten heute Lösungen an, die Unternehmen oder auch Behörden eine komplette Rundumsicht ermöglichen. Zudem kann die Entscheidungsfindung verbessert werden, es kann simuliert werden, wie sich bestimmte Maßnahmen auswirken. Künstliche Intelligenz muss meines Erachtens entmystifiziert werden. Es geht darum, KI-Technologien sinnvoll zu nutzen und Schritt für Schritt die Vorteile auszuloten. Mithilfe von Chatbots beispielsweise können Bürger durch einen Vorgang geleitet werden. Voraussetzung ist, dass der Prozess standardisiert ist, dann können relativ schnell Mehrwerte durch künstliche Intelligenz entstehen.

Auf kommunaler Ebene kann viel für den Klimaschutz getan werden. Welche Rolle spielen dabei moderne Technologien?

SAP arbeitet intern an einem Projekt namens Climate 21. Es geht darum, ein Konzept zu entwickeln, das es Unternehmen und Organisationen ermöglicht, mit unseren Lösungen ihren CO2-Ausstoß transparent zu machen und zu reduzieren. Auf kommunaler Ebene sehe ich Möglichkeiten durch Sensorik. Die Stadt Heidelberg beispielsweise überwacht Abfall-Container mit Sensoren und kann so die Routen von Müllfahrzeugen sinnvoller und damit klimafreundlicher gestalten.

Mitte März findet die SAP NOW in Berlin statt. Was sind die Kernthemen der Veranstaltung?

Wir wollen auf der SAP NOW praktische Anwendungsfälle von Partnern und Kunden zeigen. Für meinen Geschäftsbereich gilt, dass wir gewissermaßen eine Reise durch das Portfolio für den gesamten Public Sector bis hin zum Gesundheitswesen anbieten. So wollen wir eine Plattform schaffen, um zu zeigen, welche Lösungen umgesetzt werden können. Der Besuch lohnt sich definitiv, weil es eine Gesamt-SAP-Veranstaltung ist. Es zeigt sich, dass in der IT-Industrie Welten zusammenwachsen. Den Kunden bringt das einen Mehrwert, weil sie sehen, welche Technologien wir für alle Sektoren liefern können.

Wie übertragbar sind die Anwendungsfälle auf andere Kommmunen?

Natürlich sind die Voraussetzungen in jeder Kommune unterschiedlich, aber grundsätzlich können die Lösungen auch von anderen genutzt werden. Es kommt immer darauf an, wie die technologische Basis aussieht. Aber ein großer Vorteil ist, dass SAP heute offener ist als noch vor 20 Jahren.

Wie offen sind Kommunen für neue Technologien und neues Denken?

Egal in welchem Bereich, es gibt immer Menschen, die offen sind für neue Ideen. Das ist in der Industrie so und auch im öffentlichen Sektor. Wir müssen wieder lernen, etwas auszuprobieren – auch mit dem Risiko zu scheitern. Der Erfindergeist sollte wieder sprühen, das hat Deutschland groß gemacht. Diesen Spirit brauchen wir für die Zukunft.

Interview: Alexander Schaeff




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