Mittwoch, 25. Februar 2026

ReportAPIs treiben digitalen Umbau voran

[05.07.2022] Sopra Steria und PUBLIC haben einen umfassenden Report zu Interoperabilität und APIs publiziert. Demnach tragen geeignete Programmierschnittstellen dazu bei, die Innovationskraft junger Govtech-Unternehmen beim digitalen Umbau der öffentlichen Verwaltung besser einzubinden.

Sopra Steria und das Govtech-Unternehmen PUBLIC haben einen Report erstellt, der sich mit der Interoperabilität von IT-Lösungen und den dafür nötigen Programmierschnittstellen (APIs) im Public Sector befasst. Demnach könnten digitale Innovationen in der öffentlichen Verwaltung beschleunigt werden, sobald mehr Interoperabilität durch API-Schnittstellen geschaffen wird. APIs ermöglichen den automatischen Austausch von Daten über System- und Organisationsgrenzen hinweg. Im E-Commerce ist deren Einsatz laut Sopra Steria gang und gäbe und auch im Bankensektor seien APIs seit der Umsetzung der EU-Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 auf dem Vormarsch. In der öffentlichen Verwaltung hingegen würden sie bislang nur sporadisch genutzt, kaum systematisch nachgehalten und nur selten für externe Unternehmen geöffnet. Das habe zur Folge, dass Unternehmen und Behörden viele ihrer neu entwickelten Lösungen oder Tools nicht deutschlandweit ausrollen können.

Innovationskraft von Start-ups besser nutzen

Damit Dienste, die etwa in Hamburg entwickelt wurden, in Bayern nachgenutzt werden können, müssen die Systeme dieser Länder miteinander kommunizieren. Durch eine Öffnung der Systeme könnten außerdem GovTech-Start-ups dem digitalen Umbau in der Verwaltung mehr Schwung geben. Die öffentliche Verwaltung würde dann noch stärker vom kreativen Denken und Schaffen externer und interner Akteure profitieren, sagt Andreas Simon, Client Unit Partner im Geschäftsbereich Public Sector bei Sopra Steria. Laut Report bewertet allerdings mehr als die Hälfte der 24 befragten GovTech-Unternehmen den Stand der Interoperabilität zwischen öffentlichem Sektor und Start-ups als „eher negativ“ oder sogar „sehr negativ“. Teilweise müssten Fachverfahren und technische Schnittstellen in jedem Bundesland oder jeder Kommune neu implementiert werden. Das mache die Entwicklung für viele Unternehmen unwirtschaftlich.

Hoffnungsträger API-First

Die Start-ups hoffen auf die stringentere Umsetzung des so genannten API-First-Ansatzes. Jedes vierte für den Report befragte GovTech-Unternehmen sieht hierin den Schlüssel, um die Zusammenarbeit mit Bund, Ländern und Kommunen und damit ihr Geschäft auszubauen. Das Bundesinnenministerium (BMI) und der IT-Planungsrat haben in ihren 2017 und Ende 2021 beschlossenen IT-Architekturrichtlinien die Förderung und Nutzung öffentlicher APIs und des API-First-Ansatzes auf den Weg gebracht (wir berichteten). Die Klärung der konkreten Ausgestaltung steht allerdings noch aus, erläutert Sopra Steria.
Bei starte die öffentliche Verwaltung ihren Weg in das API-Zeitalter nicht, erklärt wiederum Ronald de Jonge, Operating Officer Public Sector bei Sopra Steria. Denn Schnittstellen kommen bereits in der internen und externen Zusammenarbeit zum Einsatz. Sie basieren allerdings intern und extern auf verschiedenen Standards, entsprechen oft nicht den Richtlinien des BMI und IT-Planungsrats und seien für Externe nicht zugänglich. Beim Übergang ins API-Zeitalter könnten die GovTech-Start-ups unterstützen: Über zwei Drittel der befragten Unternehmen würden gerne in die API-Umsetzung und das Definieren von Standards eingebunden werden. So ließen sich die Anforderungen der öffentlichen Verwaltung und der Start-ups besser aufeinander abstimmen.

Von Anderen lernen

Mit Standards und einer zentralen Koordinierungsstelle für öffentliche APIs kann die öffentliche Verwaltung stärker von verwaltungsinternen und externen Innovationen profitieren. Das bekräftigt auch der Blick ins Ausland: Sopra Steria und PUBLIC haben für den Report Fallstudien in Frankreich, Großbritannien, Italien und Singapur analysiert, wo die API-Förderung bereits gestartet ist. Ein breites Bewusstsein in sämtlichen Verwaltungsteilen über die Wichtigkeit der Interoperabilität sei dort für den Transformationsfortschritt von großem Vorteil.
Der Report empfiehlt deshalb, in Deutschland API-Guides zu schaffen. So könnten Verwaltungsangestellte besser über API-Konzepte, -Mehrwerte und -Praktiken informiert werden, erklärt Moritz Kleinaltenkamp, Lead für Intelligence & Insights bei PUBLIC. In Großbritannien gäbe es beispielsweise eine große öffentliche Datenbank solcher API-Guides.
Fehlende Governance könne wiederum leicht in einem API-Wildwuchs enden, der die Zusammenarbeit der GovTech-Start-ups mit der Verwaltung erschwere. Das zeige das Beispiel Singapur, wo die Verantwortlichen den Schritt der Standardisierung inzwischen nachholen. Sopra Steria empfiehlt für Deutschland ein zentrales Team mit innerbehördlichem Auftrag, das bestehende APIs identifiziert, katalogisiert und die Entwicklung von Standards vorantreibt.



Stichwörter: Panorama, PUBLIC, Studie


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