TroisdorfMission: Menschlich smart

Fabian Wagner
(Bildquelle: Stadt Troisdorf)
Herr Wagner, Troisdorf im Rhein-Sieg-Kreis hat sich unter dem Motto „Menschlich, lebenswert und smart verbunden“ auf den Weg zur Smart City begeben. Warum ist diese Strategie für Troisdorf so wichtig?
Der digitale Wandel ist allgegenwärtig – sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld: In nahezu allen Bereichen gibt es quasi täglich neue digitale Entwicklungen. Um einen klaren Kurs und gesamtstädtisch eine gemeinsame Vorstellung davon zu haben, wie wir diesen Wandel gestalten, brauchen wir eine Strategie. Diese liegt nun vor. Mit moderner Technologie und bewusst ausgewählten Projekten möchten wir das Leben, Wohnen und Arbeiten in der Smart City Troisdorf noch attraktiver gestalten.
Welche Rahmenbedingungen waren für die Strategieentwicklung maßgeblich?
Verwaltung und Politik haben 2021 den gemeinsamen Entschluss gefasst, eine ganzheitliche Smart-City-Strategie zu entwickeln, die Stabsstelle Digitalisierung einzurichten und entsprechende Haushaltsmittel bereitzustellen. Im November 2021 bin ich dann aus der Troisdorfer Wirtschaftsförderung gewechselt, habe die Leitung der Stabsstelle übernommen und konnte mein vierköpfiges Stabsstellen-Team aufbauen. Als Digitalisierungsbeauftragter bin ich direkt dem Bürgermeister unterstellt. Das sorgt für kurze Entscheidungswege und ein entsprechend hohes Tempo. Mit der Unity AG haben wir dann ein sehr kompetentes Beratungsunternehmen für die fachliche Begleitung des Strategieprozesses gewinnen können.
Welche Aspekte waren Ihnen im Strategieprozess besonders wichtig?
Im Fokus steht bei uns der Mensch mit seinen Wünschen, Ideen und Verhaltensweisen. Die Technologie ist kein Selbstzweck, sondern ermöglicht vielmehr, diese Wünsche zu realisieren. Uns war es wichtig, in allen Bereichen unserer Stadt smart zu werden. Zudem sollte die Strategie ein Gemeinschaftswerk aller relevanter Akteurinnen und Akteure der Stadtgesellschaft sein und sich in konkreten Projekten niederschlagen.
Was beinhaltet die Smart-City-Strategie?
Die Strategie beleuchtet, welche Ziele in den Handlungsfeldern Verwaltung, Mobilität, Leben & Wohnen, Schutz des Klimas, Wirtschaft & Tourismus, Soziales, Gesundheit & Pflege sowie Bildung & Lernen auf dem Weg zur Smart City verfolgt werden. Diese so genannten Missionen wurden in innovativen Workshop-Formaten erarbeitet und schlagen sich in ausformulierten Projektsteckbriefen nieder, die aufzeigen, welche konkreten Maßnahmen umgesetzt werden und welche Technologien dabei zum Einsatz kommen.
„Die Strategie basiert zu großen Teilen auf den Bedürfnissen und Wünschen unserer Bürgerinnen und Bürger.“
Können Sie Beispiele nennen?
Insgesamt sind 28 verschiedene Projekte skizziert – jeweils vier pro Handlungsfeld. Diese reichen von digitalen Verwaltungsdienstleistungen (Antragstellung, Beratungsangebote, Dokumenten-Abholautomat) über eine Plattform zur Stärkung des ehrenamtlichen Engagements, smartes Parken, ressourcenschonende Quartiere und Digitalisierung in Schulen bis hin zu mehr Sharing-Angeboten und einer Troisdorf-App als digitalem Alltagsbegleiter. Jeweils zwei Projekte pro Handlungsfeld sind so genannte Fokusprojekte. Diese waren den Bürgerinnen und Bürgern Troisdorfs besonders wichtig und werden daher mit einer hohen Priorität angegangen.
Haben Sie sich diese Projekte mit Ihrem Team selbst überlegt?
Nein, die Strategie basiert zu großen Teilen auf den Bedürfnissen und Wünschen unserer Bürgerinnen und Bürger. Im Rahmen von interaktiven Beteiligungsformaten wie zum Beispiel „Ein Tag als Bürgermeister“ oder der „Bürger*innen Journey“ haben wir insgesamt 1.400 individuelle Rückmeldungen erhalten, darunter auch zahlreiche Projektideen. Natürlich haben wir als Stabsstelle parallel auch eigene Ideen eingebracht. Gemeinsam mit mehr als 40 Expertinnen und Experten aus unserer Verwaltung, der Stadtgesellschaft, regionalen Institutionen und ansässigen Unternehmen haben wir diese in verschiedenen Workshop-Formaten ausgearbeitet und der Öffentlichkeit zur Priorisierung gestellt.
Wie haben Sie es geschafft, eine so hohe Beteiligung zu erreichen?
Ich bin davon überzeugt, dass die Zukunft unserer Stadt den allermeisten Bürgerinnen und Bürgern ein wichtiges Anliegen ist. Wir haben zudem sehr viel Wert auf eine intensive Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit gelegt. Auch eine zielgruppenspezifische Ansprache war uns wichtig. Bei der Bürgerbefragung im Sommer 2022 haben wir beispielsweise individuelle Fragebögen für Schüler als auch Senioren entwickelt. Beide Formate fanden sowohl online als auch offline statt – mitten in unserer Fußgängerzone.
Wie geht es nun mit der Smart City Troisdorf weiter?
Dem Bürgermeister und der Verwaltungsspitze liegt sehr daran, die Projekte der Verwaltungsmodernisierung zügig voranzutreiben. Viele der Projektideen betreffen Dienstleistungsangebote der Verwaltung und können daher vom Bürgermeister eingeführt werden, andere sind hingegen noch politisch zu #bild2 diskutieren. Einige Maßnahmen und Projekte sind bereits angelaufen, so beispielsweise ein smarter Park-and-Ride-Parkplatz an einem hoch frequentierten Pendlerbahnhof in Troisdorf-Spich, die Einführung des Serviceportals, über das Anträge digital eingereicht werden können, oder die Einrichtung von drei virtuellen Beratungsbüros auf unserer Website. Ein wichtiger Meilenstein wird zudem der Launch einer Troisdorf-App als digitaler Alltagsbegleiter mit angeschlossener urbaner Datenplattform sowie der Content-Ausspielung auf interaktiven Infostelen im Stadtbild sein. Die erste Infostele mit touristischem Content steht bereits. Andere Projekte befinden sich in der Konzeptionsphase. Zum Beispiel gibt es fachamtsübergreifende Projektgruppen, die sich mit einem digitalen Neubürger-Begrüßungspaket oder einem Klima- und Verkehrsdashboard auseinandersetzen. Einige Projekte können aber auch erst in den kommenden Jahren angegangen werden. Mit der Bereitstellung entsprechender Mittel bestimmt ja letztlich vor allem die Politik, mit welcher Geschwindigkeit wir zur Smart City werden.
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe August 2023 von Kommune21 im Schwerpunkt Smart City erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
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